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Veröffentlicht am 08.05.2026

Eine Frau behauptet sich in der männerdomininierten Literaturwelt

Es könnte so einfach sein
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September 2005, ein Monat vor der Wahl der ersten deutschen Bundeskanzlerin. Die Bestseller-Autorin Vera Albach möchte unbedingt fristgerecht ihren Roman noch vor ihrem 65. Geburtstag beenden. Es soll ...

September 2005, ein Monat vor der Wahl der ersten deutschen Bundeskanzlerin. Die Bestseller-Autorin Vera Albach möchte unbedingt fristgerecht ihren Roman noch vor ihrem 65. Geburtstag beenden. Es soll ihr letzter Roman sein, das hat sie ihrem Mann Leo versprochen. Ihre Karriere begann die ehemalige Verlagssekretärin eher zufällig, indem sie Heftromane für einen bekannten Autor schrieb. Auch ihre ersten eigenen Bücher wurden unter einem männlichen Pseudonym veröffentlicht, gegen ihren Willen, denn: „Der Leser da draußen verlangt nicht nach Büchern von Frauen. Ende der Diskussion.“
Vera Albach schreibt unter dem Pseudonym einen Bestseller nach dem anderen, ermöglicht ihrem beruflich weniger erfolfgreichen Mann und sich somit ein sorgenfreies Leben und kann sogar ihren Geschwistern und Nichten noch unter die Arme greifen. Nur der Ausstieg als Schriftstellerin, das Loslassen fällt ihr unerwartet schwer. Dabei könnte es doch so einfach sein ...

„Liebe. Beim Lesen geht es um die Liebe zu dem Menschen, neben dem man aufwachen möchte. Beim Schreiben geht es darum, auch mal was anderes als ‚Liebe‘ zu schreiben. Zahnpasta. Oder Bettdeckenzipfel. Oder Urvertrauen. Man darf es sich nicht zu leicht machen. Die Figuren sollten zwischendurch mal vom Rand der Seite ihrer Autorin zurufen: ‚Hallooo! Das echte Leben! Es ist kompliziert!‘ Aber man sollte es auch nicht zu kompliziert machen.“

Ich fand die Grundidee, den Weg einer Frau in den 60er bis 2000er Jahren im männerdominierten Literaturbetrieb als Roman zu verarbeiten, wirklich spannend. Den Anfang fand ich auch sehr stark; die Abschnitte aus den früheren Jahren ließen mich oft kopfschüttelnd zurück – man mag heute kaum fassen, wie das Leben für Frauen damals war: kein eigenes Bankkonto, Arbeit nur mit Zustimmung des Ehemannes, und so weiter.
Die Protagonistin ist da eine erfrischend mutige, resolute Frau, die trotz aller Hindernisse zielstrebig ihren Weg geht und sich nicht von ihrem Traum abbringen lässt.

Ein paar kleine Kritikpunkte habe ich: Die Kapitel beginnen in der Vergangenheit, gehen dann relativ nahtlos (nur mit einem kleinen Absatz dazwischen) in die Gegenwart über; das fand ich gewöhnungbedürftig. Und gegen Ende schwächelte die Geschichte ein bisschen und verlor etwas an Tiefe. Die Abschnitte über Veras Roman hätte ich nicht benötigt; viel lieber hätte ich mehr über Vera selbst erfahren oder noch mehr über den Literaturbetrieb.

Dennoch ist „Es könnte so einfach sein“ ein historisch interessanter Roman mit authentischen Einblicken in den männerdominierten Literaturbetrieb und den Kampf um Sichtbarkeit bzw. Anerkennung als Frau in der Buchbranche.

Geschrieben wurde der Roman unter dem Pseudonym Anne Handorf gemeinsam von Carla Grosch und Volker Jarck. Beide sind selbst in der Buchbranche tätig.

Vielen Dank an den C.Bertelsmann Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Destruktive Dreiecksbeziehung: 3,5⭐️

Sommer der schlafenden Hunde
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Lena und Trice sind seit der Schulzeit beste Freundinnen, Geliebte, Feindinnen.
„Hassliebe, hat Trice mal gesagt. Ich hassliebe dich mehr als mein Leben.“
Damals zu ihrer Schulzeit in einer tristen deutschen ...

Lena und Trice sind seit der Schulzeit beste Freundinnen, Geliebte, Feindinnen.
„Hassliebe, hat Trice mal gesagt. Ich hassliebe dich mehr als mein Leben.“
Damals zu ihrer Schulzeit in einer tristen deutschen Vorstadt gab es noch eine dritte Freundin, Sascha. Sie war der Mittelpunkt dieser toxischen Dreiecksbeziehung. Sie verbrachten ihre Freizeit bei Kellerpartys oder in einer Gartenlaube, wo sie sich gegen die Langeweile prügelten, bis Blut floss.
Am Ender der Schulzeit kommt Sascha ums Leben. Ihr Tod zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch. In zwei Zeitebenen fügt sich nach und nach alles zusammen.

„Wir haben so ziemlich alles versucht. Man kann sagen: Jede von uns hat schon jede Rolle für die andere gespielt. Irgendwie ist es ja dann doch niemandes Schuld, dass nichts davon je wirklich funktioniert hat, und irgendwie ist es vielleicht auch gut, weil ich mir keine Welt vorstellen kann, in der Trice und ich nicht genau das sind, was wir gerade sind. Etwas, für das es keinen Namen gibt, aus einem sehr guten Grund, nämlich: Dass man wirklich bescheuert sein muss, um so sein zu wollen. Niemand will so sein, darum hat es auch keinen Namen, darum benennt man so etwas nicht. Weil es so eine Art von Beziehung nämlich gar nicht geben sollte.“

Die Stimmung ist durchweg bedrückend, deprimierend; Gewalt und „kaputte Seelen“ überall.

„Es gibt Menschen, vor denen muss man irgendwann flüchten, weißt du. Ich glaube, Trice und du, ihr seid solche Menschen füreinander. Ich denke das schon sehr lange. Ich hab das schon damals gedacht. Und jetzt denke ich es wieder. Vielleicht solltet ihr aufhören, euch zu sehen. Vielleicht seid ihr einfach nicht gut füreinander.“

Laura Dürrschmidts Schreibstil passt zur Story, ist sehr direkt und heftig.
Die Geschichte ist intensiv, aber die Figuren blieben mir leider zu distanziert, ich konnte keine Verbindung zu ihnen aufbauen.

„Sommer der schlafenden Hunde“ ist ein fordernder, düsterer Roman über eine toxische Freundschaft, Liebe, Abhängigkeit, Gewalt - und den Mut, Grenzen zu setzen und neu zu beginnen.
Ich vergebe daher final 3,5 von 5 Sternen.

Vielen Dank an den Aufbau Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Was hätte sein können ...

Fast ein Leben
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In ihrem neuen Roman "Fast ein Leben" verwebt Kiran Millwood Hargrave zwei Frauenleben zu einer Geschichte über verpasste Gelegenheiten und die Sehnsucht nach dem 'fast gelebten' Leben.

Sommer 1978 in ...

In ihrem neuen Roman "Fast ein Leben" verwebt Kiran Millwood Hargrave zwei Frauenleben zu einer Geschichte über verpasste Gelegenheiten und die Sehnsucht nach dem 'fast gelebten' Leben.

Sommer 1978 in Paris. Die junge Erica lernt bei einem Auslandsaufenthalt die rebellische, selbstbewusste Studentin Laure kennen. Zwischen den beiden Frauen funkt es für beide unerwartet sofort. Sie beginnen eine Affäre, die zwischen Leidenschaft und Eifersucht schwankt. Als Erica nach dem Ende des Sommers nach England zurückkehrt, leiden beide unter der Trennung. Doch ihre Liebe scheint den räumlichen Abstand nicht überwinden zu können. Erica beginnt wie geplant ihr Studium, sie möchte Schriftstellerin werden. Stattdessen heiratet sie und wird Mutter.
Laure fiel nach der Trennung in ein tiefes Loch, nur ihre Freunde können sie auffangen.

Die Geschichte der beiden Frauen erstreckt sie über vier Jahrzente, immer wieder kreuzen sich die Wege von Laure und Erica, immer wieder flammt die Leidenschaft auf, doch beide sind gefangen in ihren Leben. Dennoch denken beide immer wieder darüber nach, ob es nicht noch ein gemeinsames Glück für sie geben könnte.

„Was sie von Erica wollte, könnte sie nie haben. Dieser Weg war ihr verschlossen. Sie hatten ihre Chance verpasst, ihre Chancen. Selbst wenn Laure ihr sagte, was sie für sie empfand, und Erica dasselbe empfinden würde, wäre dennoch nicht klar, was daraus folgen sollte. Sollte Erica hier leben? Die Mädchen mitnehmen? Das würden die Gerichte niemals gestatten. Und Erica würde sich nicht für sie entscheiden, so wenig wie das letzte Mal oder das Mal davor. Sie hatte sich für ihre Ehe entschieden, die Kinder. Und Laure konnte ihr weder das eine noch das andere geben.“

Der Schreibstil von Kiran Millwood Hargrave hat mir gut gefallen; die Charaktere waren vielschichtig und authentisch.
Neben der Beziehungsgeschichte zwischen Laure und Erica bindet die Autorin auch zeitgeschichtliche Ereignisse, politische Umbrüche und die Geschichte der queeren Community von den 70ern bis in die 2010er Jahre ein.
Ein paar Längen gab es zwischendurch im mittleren Teil, ansonsten hat mir diese berührende Geschichte über Entscheidungen und „Was wäre wenn“-Momente sehr gut gefallen.

Vielen Dank an den Kein & Aber Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 06.05.2026

Nur findet ihren Weg: Sehr wertvoller Jugendroman!

Nurs Geheimnisse
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Nur findet ihren Weg: Sehr wertvoller Jugendroman!

„Nurs Geheimnisse“ von Najat El Hachmi hat mich von Anfang an begeistert mit einer sehr sympathischen und klugen Protagonistin. Die 12jährige Nur, Tochter ...

Nur findet ihren Weg: Sehr wertvoller Jugendroman!

„Nurs Geheimnisse“ von Najat El Hachmi hat mich von Anfang an begeistert mit einer sehr sympathischen und klugen Protagonistin. Die 12jährige Nur, Tochter von Eltern mit Migrationsgeschichte, ist eine gute Schülerin. Ihr Traum ist es, eines Tages Schriftstellerin werden. Bisher teilt sie ihre Gedanken und Geheimnisse nur ihrem Tagebuch mit. Als sie dank ihrer Lehrerin ein Stipendium an einer der besten Gymnasien der Stadt erhält, ist das eine große Chance für sie. Doch Nur muss auch ihr behütetes Umfeld, ihr buntes Stadtviertel und ihre beste Freundin und Cousine Aisha verlassen. An der neuen Schule lernt Nur eine ganz andere Welt kennen. Neben guter Bildung wird sie dort leider auch mit Vorurteilen, Rassismus und vielen (finanziellen) Ungleichheiten konfrontiert. Nur muss ihren Platz finden, zwischen zwei Kulturen und den unterschiedlichen Milieus.

„Wie auch immer, alles scheint sich plötzlich nur noch um das eine zu drehen: wie du aussiehst, ob du viel oder wenig Po hast, ob deine Brüste groß oder klein sind. Ich wünschte mir, all das würde verschwinden, damit ich so sein kann, wie ich bin, ohne drüber nachzudenken, ob dies oder das bei mir okay ist. Ich gebe zu, auch ich schaue mich im Spiegel an, und obwohl ich es ablehne, dass wir uns in Objekte verwandeln, habe auch ich angefangen, mich selbst zu beurteilen. Mein Gesicht kommt mir komisch vor, meine Haut so dunkel, so anders. Und meine Nase, lang und spitz, so gar nicht wie die süßen Stupsnäschen der Popus. Die Lippen voll, aber nicht mit Photoshop aufgeblasen, sondern so, dass sie geradezu schreien: ‚Meine Eltern sind in einem anderen Land geboren!‘ Und das sollte kein Problem sein, ich weiß ja, dass es kein Problem ist, aber in letzter Zeit hängt an manchen Tagen eine dicke Wolke über mir, und ich sehe alles schwarz. Dicke Lippen + dunkle Haut + überall nur Einsen = Nur, du bist genial, du kriegst alles hin, du kannst erreichen, was immer du dir vornimmt, und wirst eine berühmte Schriftstellerin. Aber dicke Lippen + dunkle Haut + eine Drei = Nur, die Versagerin, geh zurück dahin, wo du herkommst, hier nimmst du jemandem den Platz weg, der ihm zusteht.“

Najat El Hachmis Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. In ihre Protagonistin konnte ich mich dank der Tagebuchform sehr gut hineinversetzen. Ich konnte angesichts der vielen Ungerechtigkeiten, die sie als muslimisches Mädchen und durch die patriarchalen Strukturen und festgefahrenen Rollenbilder erleben musste, gut einfühlen. Ihre Entwicklung im Laufe des Buches fand ich sehr berührend und authentisch.

„Ich habe dir aber noch was Wichtigeres mitzuteilen […]: Zum ersten Mal habe ich eine Geschichte ganz fertig geschrieben. Das ist meine Art, mich wieder zu Hause zu fühlen inmitten all der Verwirrungen. Wenn ich schreibe, vergesse ich alles um mich herum. Ich bin dann ich selbst, obwohl ich gleichzeitig jemand anders bin. Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll – es ist, als hätte ich eine Stimme in mir, die nur beim Schreiben rauskommt.“

„Nurs Geheimnisse“ ist ein wirklich wertvoller, kluger und feinfühliger Jugendroman, der wichtige Themen wie Klassismus und Rassismus, Herkunft und Identität, Chancengleichheit und das Recht auf gute Bildung vereint.

Ich kann dieses großartige Buch Kindern/Jugendlichen ab 11 Jahren, aber auch Erwachsenen auf jeden Fall empfehlen.

Vielen Dank an den Orlanda Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 04.05.2026

Mutige Frauen im Mississippi der 30er Jahre

Der Club der Unbeugsamen
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„Gute Geister“ von Kathryn Stockett hatte mir damals sehr gut gefallen, daher war ich echt happy, dass es endlich ein neues Buch von ihr gibt!

Ihr neuer Roman „Der Club der Unbeugsamen“ spielt 1933 in ...

„Gute Geister“ von Kathryn Stockett hatte mir damals sehr gut gefallen, daher war ich echt happy, dass es endlich ein neues Buch von ihr gibt!

Ihr neuer Roman „Der Club der Unbeugsamen“ spielt 1933 in Mississippi, inmitten der Weltwirtschaftskrise. Besonders das Leben der Frauen ist damals stark geprägt von sozialen Zwängen, Unfreiheiten und Geldsorgen. Im Zentrum der Geschichte stehen die freimütige, unverheiratetet Birdie, ihre Schwester Frances und deren Schwiegermutter Mrs. Tartt sowie Charlie und das Waisenmädchen Meg. Die Wege dieser unterschiedlichen Frauen werden durch das Schicksal verbunden. Während Frances feststellen muss, dass ihr High-Society-Leben und ihre Ehe nur aus Lügen besteht, setzt Birdie sich für die kleine Meg ein – dabei sollte sie doch eigentlich ihre Schwester um Geld bitten, um ihrer Familie finanziell unter die Arme zu greifen.
Charlie hat Schlimmes hinter sich; sie würde alles tun, um ihre Tochter wieder aus dem Waisenhaus zu holen. Mrs. Tartt steht unerwartet mittellos da. Alle Frauen brauchen dringend Geld, um sich aus ihren schwierigen Situationen zu befreien. Sie haben eine Idee, doch die ist nicht nur únkonventionell, sondern auch gefährlich ...

Die Geschichte dieser Frauen fügt sich erst nach und nach zusammen. Trotz der Länge liest sich das Buch leicht und unterhaltsam, Kathryn Stocketts Schreibstil ist gewohnt gut. Ihre Charaktere sind allesamt authentisch dargestellt; besonders Birdie und Meg sind mir beim Lesen immer mehr ans Herz gewachsen.
Das Ende fand ich sehr gelungen: Die mutigen, starken Frauen kämpfen dafür, glücklich zu werden und zu bekommen, was ihnen zusteht.

Vielen Dank an den btb Verlag & an Vorablesen.de für das Rezensionsexemplar! 📚💚

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