Eine Frau behauptet sich in der männerdomininierten Literaturwelt
Es könnte so einfach seinSeptember 2005, ein Monat vor der Wahl der ersten deutschen Bundeskanzlerin. Die Bestseller-Autorin Vera Albach möchte unbedingt fristgerecht ihren Roman noch vor ihrem 65. Geburtstag beenden. Es soll ...
September 2005, ein Monat vor der Wahl der ersten deutschen Bundeskanzlerin. Die Bestseller-Autorin Vera Albach möchte unbedingt fristgerecht ihren Roman noch vor ihrem 65. Geburtstag beenden. Es soll ihr letzter Roman sein, das hat sie ihrem Mann Leo versprochen. Ihre Karriere begann die ehemalige Verlagssekretärin eher zufällig, indem sie Heftromane für einen bekannten Autor schrieb. Auch ihre ersten eigenen Bücher wurden unter einem männlichen Pseudonym veröffentlicht, gegen ihren Willen, denn: „Der Leser da draußen verlangt nicht nach Büchern von Frauen. Ende der Diskussion.“
Vera Albach schreibt unter dem Pseudonym einen Bestseller nach dem anderen, ermöglicht ihrem beruflich weniger erfolfgreichen Mann und sich somit ein sorgenfreies Leben und kann sogar ihren Geschwistern und Nichten noch unter die Arme greifen. Nur der Ausstieg als Schriftstellerin, das Loslassen fällt ihr unerwartet schwer. Dabei könnte es doch so einfach sein ...
„Liebe. Beim Lesen geht es um die Liebe zu dem Menschen, neben dem man aufwachen möchte. Beim Schreiben geht es darum, auch mal was anderes als ‚Liebe‘ zu schreiben. Zahnpasta. Oder Bettdeckenzipfel. Oder Urvertrauen. Man darf es sich nicht zu leicht machen. Die Figuren sollten zwischendurch mal vom Rand der Seite ihrer Autorin zurufen: ‚Hallooo! Das echte Leben! Es ist kompliziert!‘ Aber man sollte es auch nicht zu kompliziert machen.“
Ich fand die Grundidee, den Weg einer Frau in den 60er bis 2000er Jahren im männerdominierten Literaturbetrieb als Roman zu verarbeiten, wirklich spannend. Den Anfang fand ich auch sehr stark; die Abschnitte aus den früheren Jahren ließen mich oft kopfschüttelnd zurück – man mag heute kaum fassen, wie das Leben für Frauen damals war: kein eigenes Bankkonto, Arbeit nur mit Zustimmung des Ehemannes, und so weiter.
Die Protagonistin ist da eine erfrischend mutige, resolute Frau, die trotz aller Hindernisse zielstrebig ihren Weg geht und sich nicht von ihrem Traum abbringen lässt.
Ein paar kleine Kritikpunkte habe ich: Die Kapitel beginnen in der Vergangenheit, gehen dann relativ nahtlos (nur mit einem kleinen Absatz dazwischen) in die Gegenwart über; das fand ich gewöhnungbedürftig. Und gegen Ende schwächelte die Geschichte ein bisschen und verlor etwas an Tiefe. Die Abschnitte über Veras Roman hätte ich nicht benötigt; viel lieber hätte ich mehr über Vera selbst erfahren oder noch mehr über den Literaturbetrieb.
Dennoch ist „Es könnte so einfach sein“ ein historisch interessanter Roman mit authentischen Einblicken in den männerdominierten Literaturbetrieb und den Kampf um Sichtbarkeit bzw. Anerkennung als Frau in der Buchbranche.
Geschrieben wurde der Roman unter dem Pseudonym Anne Handorf gemeinsam von Carla Grosch und Volker Jarck. Beide sind selbst in der Buchbranche tätig.
Vielen Dank an den C.Bertelsmann Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚