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Veröffentlicht am 13.04.2026

Starker Roman über Mutterschaft, Muttersprache und Herkuft

Mutters Sprache
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Wlada Kolosowa hatte mich mit ihrem einzigartigen Roman „Der Hausmann“ (unbedingt lesen!) sehr begeistert, daher habe ich mich sehr auf ihr neues Buch „Mutters Sprache“ gefreut. Allein schon das Cover ...

Wlada Kolosowa hatte mich mit ihrem einzigartigen Roman „Der Hausmann“ (unbedingt lesen!) sehr begeistert, daher habe ich mich sehr auf ihr neues Buch „Mutters Sprache“ gefreut. Allein schon das Cover ist ein Hingucker, inhaltlich darf man es mit dem „Hausmann“ allerdings nicht vergleichen.

Die Protagonistin Lisa kam vor 20 Jahren mit ihrer Mutter aus Russland nach Deutschland. Sie fühlt sich gut integriert und möchte eigentlich nichts mehr von ihrer alten Heimat wissen. Doch mit der Geburt ihres Kindes bröckelt die mühsam errichtete „deutsche Fassade“, denn dummerweise lässt sich ihre kleine Tochter nur von Schlafliedern in russischer Sprache beruhigen. Mit der Muttersprache erwachen auch verdrängte Erinnerungen an die Kindheit im hohen Norden Russlands in Lisa.

Als ihre Hebamme Aljona, die ein Geheimins hat, überstürzt nach Russland aufbricht, kommt Lisa mitsamt Baby mit ihr, um ihre alte Großmutter noch ein letztes Mal zu sehen. Dass bei der Reise hinter den Polarkreis auch ihre heimlichen Gefühle für Aljona eine Rolle spielen, ist ein anderes Thema ...
Die Handlung spielt hier im aktuellen Kontext des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. Da Direktflüge unmöglich sind, müssen Lisa und Aljona eine beschwerliche Reise mit Bus und Bahn auf sich nehmen. Dabei wird nicht nur die bedrückende politische und gesellschaftliche Stimmung im heutigen Russland spürbar, sondern auch die düstere Atmosphäre der Nachwendezeit nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion.

Dank verschiedenen Perspektiven und Rückblicken liest sich dieser Roman spannend, erfordert jedoch auch große Aufmerksamkeit. Erst nach und nach schließt sich der Kreis der Geschichten um die drei Frauen. Vereinzelt hätte eine Straffung den Lesefluss verbessert.

Wlada Kolosowa schreibt gewohnt gut; besonders bei den Passagen über die Heftigkeit der Mutterschaft trifft sie vieles ungeschönt auf den Punkt.

„Der Nutzungsberechtigte ihres Uterus ist zum Eigentümer ihres Lebens geworden. Er gab den Rhythmus ihrer Tage vor: linke Brust, rechte Brust, überschüssige Milch auskotzen lassen, wickeln. Er bestimmte, wann sie schlafen, essen, duschen konnte. Noch nie hatte sie sich so sehr einem anderen Wesen unterordnen müssen. Aljona wurde klar, dass der Schlüssel, den Verstand zu verlieren, darin lag, nicht weiter als einen Tag in die Zukunft zu denken.“

"'Nichts hält einen so lebendig, als sich nützlich zu fühlen', sagte sie. Doch nachts, wenn das Baby sie ständig aufweckte, fühlte sich Aljona nicht lebendig, sondern wie eine Untote. Wenn sie gerade eingeschlafen war und das Baby zwanzig Minuten später wieder in einem Crescendo krächzte, verstand sie, dass Mütter ihre eigenen Kinder misshandeln, sogar töten konnten. Sie verstand es wirklich.
War sie ein Monster? Oder ging es allen Müttern manchmal so, und der Unterschied zwischen Mütter-Monstern und Müttern war bloß der, dass Letztere einen Bremsmechanismus besaßen, der ihre Gedanken nicht Realität werden ließ?"

„Mutters Sprache“ ist ein berührender, starker Roman über Mutterschaft, Herkunft und Sprache, für den ich 4 Sterne vergebe und sehr hoffe, bald wieder etwas Neues von Wlada Kolosowa lesen zu dürfen!

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Tradwife auf Zeitreise: Tiefgründiger, sarkastischer Debütroman

Yesteryear
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Schon die Leseprobe zu „Yesteryear“ von Caro Claire Burke hatte mich begeistert und ich kann nur sagen: Der Roman hat meine Erwartungen mehr als erfüllt. Was für ein Buch!

Auch wenn zwischendrin Vibes ...

Schon die Leseprobe zu „Yesteryear“ von Caro Claire Burke hatte mich begeistert und ich kann nur sagen: Der Roman hat meine Erwartungen mehr als erfüllt. Was für ein Buch!

Auch wenn zwischendrin Vibes aus Elina Penner‘s „Die Unbußfertigen“ aufblitzten, schafft „Yesteryear“ es doch auf einzigartige Weise, aktuelle Trends wie Tradwife-Kultur und Influencer-Dasein mit existenziellen Fragen rund um das Leben, den Glauben und die Gesellschaft zu verweben.

Natalie Heller Mills wuchs in einer streng religiösen Umgebung auf:

„Denn das war die Welt, in die ich hineingeboren worden war: eine Welt, in der gute Christinnen nebenberuflich als Krisenmanagerinnen für ihre guten christlichen Ehemänner arbeiteten. Die Spielregeln wurden im Gottesdienst und in Bibelkurs und bei jedem Abendessen wiederholt: Eine Frau hatte drei Aufgaben. Eine gute Mutter zu sein, eine gute Ehefrau zu sein und das Haus sauber zu halten. Ach, und immer schön lächeln!“

Als erwachsene Frau hat sie scheinbar alles, wovon eine gute „Tradwife“ nur träumen kann: einen Ehemann aus reichem Elternhaus, fünf Kinder und schwanger mit dem sechsten, eine traumhafte Farm. Ihren scheinbar perfekten Alltag teilt sie mit ihren Millionen von Followern über Social Media; vom selbstgemachten Sauerteigbrot bis hin zur mühelosen Kindererziehung. Ihre heile Welt verkauft sich gut – doch ihre Fans wissen nicht, was hinter den Kulissen lost ist: das Geld wird knapp, die Farm wirft keine Erträge ab, die Erntehelfer und Nannys werden ebenso verheimlicht wie Skandale oder die Affäre ihres Ehemannes.

Doch eines Tages wacht Natalie auf und scheint direkt in der „guten alten Zeit“ gelandet zu sein. Sie kann es kaum glauben, doch um sie befindet sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf einer verfallenen Farm, ohne Strom, ohne fließendes Wasser. Ihr Ehemann ist dominanter, als sie ihn in Erinnerung hat. Und ihre älteste Tochter, die den Haushalt mit strenger Hand führt, weckt alles andere als mütterliche Gefühle in ihr.

„Mir ist klar, dass das keine angemessenen Gefühle der eigenen Tochter gegenüber sind. Aber Mutterschaft wird streng kuratiert. Will heißen: Jede Frau in meinem Leben hat mir Lügen darüber erzählt; ich musste erst selbst Mutter werden, um wirklich Bescheid zu wissen.“

Natalie hat keinen blassen Schimmer, was passiert ist – und wie sie dieser Hölle entkommen kann ...

Ich kann nicht sagen, dass Natalie eine sympathische Protagonistin ist, dennoch leidet man beim Lesen mit ihr und kann gerade in Bezug auf das Thema Mutterschaft einiges nachempfinden.
Insgesamt ist man gleichermaßen amüsiert wie fassungslos.

„Yesteryear“ ist wirklich ein Highlight von Roman, bitterböse und augenöffnend in Bezug auf Influencer:innen und Social Media, unterhaltsam - und spannend bis zum Schluss!

Vielen Dank an den Heyne Verlag und an Vorablesen.de für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Inspirierende Rezepte für Frühstück und Brunch

Easy Morning - Frühstück & Brunch
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„Easy Morning - Frühstück & Brunch“ von Christina Schierlinger-Brandmayr ist ein sehr ansprechend gestaltetes Buch in hochwertigem Hardcover-Einband, das im Löwenzahn-Verlag erschienen ist.
Die Autorin ...

„Easy Morning - Frühstück & Brunch“ von Christina Schierlinger-Brandmayr ist ein sehr ansprechend gestaltetes Buch in hochwertigem Hardcover-Einband, das im Löwenzahn-Verlag erschienen ist.
Die Autorin vereint hier 60 unterschiedlichste Rezepte für Frühstück und Brunch: vom schnellen „To Go“-Rezept über Smoothies und Müsli-Rezepte bis hin zu Broten und anderem Gebäck; dazu unterschiedliche Getränke-Rezepte.

Mir persönlich haben besonders die verschiedenen Rezepte für Brot, Bagels und anderes Gebäck gefallen; hier werde ich definitiv alle Rezepte durchtesten.

Auch das Konzept der Sharing Plates fand ich sehr interessant; das bietet sich fürs nächste größere Brunch-Treffen mit Familie oder Freunden an.

Einen Stern Abzug gibt es von mir, weil ich die Seitengestaltung und das Layout im Buch nicht gut lesbar finde: die Überschriften der Rezepte in Großbuchstaben und im Querformat am Rand sind sehr unübersichtlich; man erkennt nicht schnell auf den ersten Blick, welches Rezept man vor sich hat. Das hätte man besser gestalten können; auch die Rezeptbeschreibungen in Großbuchstaben sind vielleicht modern, aber nicht gut lesbar.

Ansonsten ist „Easy Morning - Frühstück & Brunch“ ein inspirierendes Buch, das Lust aufs Genießen und Ausprobieren neuer Rezepte macht.

Vielen Dank an den Löwenzahn Verlag und an Lovelybooks.de für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Empowernder Coming-of-age-Roman gegen Fatshaming

Ruby's Big Summer
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Eigentlich freut Ruby sich darauf, nach Ende der Prüfungen den Sommer mit ihren Freundinnen April, Jessica und Salma beim Rollschuhfahren im Park zu genießen, doch sie stößt auf ein altbekanntes Problem:

„Ich ...

Eigentlich freut Ruby sich darauf, nach Ende der Prüfungen den Sommer mit ihren Freundinnen April, Jessica und Salma beim Rollschuhfahren im Park zu genießen, doch sie stößt auf ein altbekanntes Problem:

„Ich habe noch nie verstanden, weshalb manche Menschen so dreist ihre Meinung zu meinem Körper kundtun müssen: was damit nicht stimmt, wie der Makel zu beheben wäre. Danach habe ich nie gefragt. Genau genommen wünsche ich mir nichts weiter, als arglos mein Leben leben und tun und lassen zu dürfen, was ich will - und renne stattdessen in einem fort gegen diese Flutwelle aus Bullshit an. Warum machen es die Leute es einem bloß so schwer?“

Dieses Mal ist es ihr älterer Bruder Jake, der abfällige Kommentare über Rubys Körper abgibt und außerdem ihre kleine Schwester Sasha wegen ihres Aussehens hänselt. Das ist zuviel für Ruby: Ehe sie darüber nachdenken kann, behauptet sie, den traditionellen 5-Kilometer-Lauf ihrer Schule gewinnen zu können, wie zuvor schon ihr Vater und Bruder.
Ruby möchte damit zum einen Jake beweisen, dass sie genausogut Sport treiben kann wie er oder jeder andere – und vor allem öchte sie Sasha ein Vorbild sein.

Damit steht Ruby allerdings vor einer echten Herausforderung, denn bisher war sie noch nie laufen – und ihr erster Versuch endet damit, dass sie ihrem süßen Nachbarn Ollie direkt vor die Füße kotzt. Wie peinlich – doch Ollie bietet ihr überraschenderweise an, ihr beim Training zu helfen. Mit jeder Woche wächst damit nicht nur Rubys Laufleistung, sondern auch die Anziehung zu Ollie ... Nach und nach sieht es so aus, als würde auch Ollie Gefühle für Ruby entwickeln. Wie soll sie es schaffen, in nur 6 Wochen fit für den 5-Kilometer-Lauf zu werden und mit dem Gefühlschaos klarzukommen?

Zum Glück stehen ihr ihre Freundinnen zur Seite, auch wenn sie sich nicht immer in Rubys Körper und Gefühle hineinversetzen können. Erst, als Ruby sich mit der ebenfalls dicken Liv anfreudet, ändert sich etwas.

„'Ich glaube, für mich hat sich etwas Entscheidendes verändert, als ich aufgehört habe, 'dick' als diese ... keine Ahnung, diese eine prägende Eigenschaft zu betrachten, die mich ausmacht, vor allem anderen.'
'Wie meinst du das?', frage ich. Dabei beschleicht mich die Ahnung, dass mir klar sein sollte, wovon sie spricht. Aber das ist es nicht.
'Ich habe einfach meine Perspektive verändert. Mir einfach gesagt, das Dicksein eben ... eine Spielart menschlicher Vielfalt ist. Wir sind buchstäblich alle unterschiedlich. Wir reden über das Dicksein, als wäre es das Allerschlimmste auf der Welt - etwas, da es Einfluss nimmt auf Persönlichkeit, Verhalten, was weiß ich. Aber das ist doch Quatsch. Menschen können eben einfach so aussehen. Deshalb brauchst du mit deiner Schwester auch gar nicht darüber zu reden, als wäre es etwas ganz furchtbar Beängstigendes, irgendein ... schreckliches Stigma oder so. Du kannst es ihr einfach als ganz normale individuelle Eigenheit präsentieren, sowas wie Haarfarbe oder dergleichen. Denn genau das ist es.'“

„Ruby’s big summer“ von Bethany Rutter ist ein einfühlsamer Coming-of-Age-Roman, der ein wichtiges Thema leichtgängig, aber mit Tiefgang behandelt. Ruby ist eine sympathische und starke Protagonistin. Der Schreibstil ist gut lesbar und unterhaltsam. Besonders die Botschaft, dass Sport für JEDE
N ist und nicht von Leistungsfähigkeit oder Körper abhängig sein sollte, kommt gut herüber.

Mir hat dieses empowernde Buch sehr gut gefallen und ich empfehle es für alle Leser*innen ab 12 Jahren.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Die Liebe gehört niemandem

Meine Berge bist du
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Der Roman „Meine Berge bist Du“ von Francesco Vidotto war eine kleine Überraschung für mich. Was für ein feinsinniger, kurzer Roman!

Zu Beginn sind da ein Großvater und sein Enkel, und mit diesem kurzen ...

Der Roman „Meine Berge bist Du“ von Francesco Vidotto war eine kleine Überraschung für mich. Was für ein feinsinniger, kurzer Roman!

Zu Beginn sind da ein Großvater und sein Enkel, und mit diesem kurzen Blick in die Vergangeheit taucht man in das Leben in den Dolomiten ein.
Dort lebt Guido Contin, ein alter Mann, der fast nichts besitzt - außer einer Mappe mit handgeschriebenen Briefen. Die Briefe erzählen von den Zwillingsbrüdern Onesto und Santo, die als Kinder voneinander getrennt wurden, wieder zueinander fanden und unzertrennlich wurden. Doch die Liebe zu Celeste spaltete sie, denn beide verliebten sich in das schöne Mädchen. Santo nutzt seine Chance schneller und Onesto entscheidet, seine eigenen Gefühle für Celeste zurückzustellen, um seinen Bruder nicht unglücklich zu machen.

„‘Armer Onesto, allerdings’, warf ich ein. ‘Für ihn muss es ein Schlag gewesen sein.’
[....]
‘Ich glaube nicht, dass er arm war. Im Gegenteil’, meinte er. ‘Vorher war er arm, wenn überhaupt. Er hatte nichts. Aber dann … Dann hatte er einen Bruder und eine Mutter und sogar einen Neffen, eine Schwägerin, und eine große Liebe.’
‘Aber die Liebe war nicht seine. Sie war Santos’, sagte ich.
Darauf rückte Guido Contin sich auf seinem Stuhl zurecht und sah aus dem kleinen Fenster über dem Herd.
Sein Ausdruck veränderte sich.
Er wurde ernster. Beinahe nostalgisch.
‘Die Liebe gehört niemandem, Signor Francesco. Man kann sie nicht besitzen. Man kann nur geben.’“

Die ruhig erzählte Geschichte, die vorr dem Hintergrund der Jahrhundertwende und des Zweiten Weltkrieg spielt entfaltet sich erst nach und nach, mit jedem gelesenen Brief, der ein weiteres Ereignis aus Onestos und Santos Vergangenheit erzählt, bis hin zum bewegenden Schluss.

Der Schreibstil von Francesco Vidotto ist sehr malerisch und poetisch, die Charaktere sind liebevoll gezeichnet und die Geschichte hat mich sehr berührt. Ein ruhiger Roman über Liebe, verpasste Chancen und die Berge.

„‘Alle sollten zwei Namen haben‘, sagte er. ‚So kannst du, wenn du genug von dir hast, ein anderer sein.‘“

Vielen Dank an den Kein & Aber Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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