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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.03.2021

Langatmig, konstruiert, vorhersehbar

Touch of Ink, Band 1: Die Sage der Wandler
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Auf Touch of Ink war ich sehr neugierig, die Geschichte hat viel Spannung und unvorhergesehene Wendungen versprochen. Die Grundidee zur Geschichte mit den Tribes und den Wandlern fand ich sehr interessant, ...

Auf Touch of Ink war ich sehr neugierig, die Geschichte hat viel Spannung und unvorhergesehene Wendungen versprochen. Die Grundidee zur Geschichte mit den Tribes und den Wandlern fand ich sehr interessant, auch der Schauplatz auf Vancouver Island war ungewöhnlichnund spannend. Nach Ende der Lektüre bin ich leider sehr ernüchtert und echt enttäuscht von dem Buch. Ich habe das Gefühl, dass das Potenzial der Geschichte einfach nicht ausgeschöpft wurde. Ich will mal versuchen zu erklären, woran das lag.

Ich fange mal bei Quinn an, der weiblichen Protagonistin. Ich habe es während des gesamten Buches eigentlich nicht geschafft, eine Verbindung zu ihr aufzubauen oder gar Sympathie zu entwickeln. Sie blieb mir fremd und ich glaube das lag vor allem daran, dass iht Verhalten manchmal so merkwürdig war und für mich einfach nicht zu einer 18-jährigen gepasst hat. Denn zum einen hatte sie in mancher Hinsicht, wenn es zum Beispiel darum ging, dass jemand anders etwas getan hat, das sie eigentlich hätte verletzen oder wütend machen können, total verständnisvoll reagiert hat, nie wütend wurde, sondern immer völlig neutral versucht hat, die Situation zu erörtern und die Gründe des Handeln des anderen zu verstehen. Für mich war das alles zu glatt und völlig unrealistisch. Auf der anderen Seite war Quinn, wenn es wirklich um sie selbst und ihr Leben ging, total unempfänglich für die Sorgen und den Rat anderer, hat derart impulsiv und ohne nachzudenken gehandelt, dass ich manchmal das Gefühl hatte, sie wäre zwei verschiedene Personen. Auch wenn Nathan sie förmlich angebettelt hat, etwas nicht zu tun oder noch abzuwarten, Quinn gab sich davon völlig unbeeindruckt.

Quinn hat außerdem eine Blausehschwäche, was zu Anfang des Buches mehrfach betont wurde und für ihr Studium vielleicht ein kleines Hindernis darstellt, aber für die eigentliche Geschichte (zumindest in Band 1) völlig bedeutungslos ist. Dabei wurde immer so ihre Opferrolle betont, als hätte sie so ein unglaublich schweres Schicksal dadurch und würde sich mit dem Studium des Grafik Designs dann doch durchschlagen und plapla. Nicht falsch verstehen, ich kann mir schon vorstellen, dass so eine Sehschwäche einen belastet und ein Hindernis darstellt, aber dennoch war mir das Ganze einfach viel zu dick aufgetragen und ich finde es setzt einfach total Menschen herab, die wirklich große Probleme im Leben haben, die es ihnen erschweren, sich in die Gesellschaft einzufügen. Vielleicht sehe das aber auch nur ich so

Auch mit Nathan konnte ich nicht so viel anfangen, er bleib für mich fast noch unnahbarer als Quinn. Zu seinem Charakter kann ich auch echt nur wenige Aussagen machen. Und da überrascht es dann eigentlcih wenig, dass die Gefühle und die Beziehung zwischen den beiden nicht so zu mir vorgedrungen sind. Tohmah als weiterer wichtiger männlicher Charakter, dessen Rolle ich mal nicht weiter ausführe, hätte eigentlich Spannung in die Sache bringen können. Nur leider wurde mehrfach sehr vehement betont, dass Quinn rein freundschaftliche Gefühle für ihn hegt und auch er selbst machte keine Anstalten, so dass die anbahnende Beziehung zwischen Nathan und Quinn einfach langweilig blieb.

Das bringt mich zur Handlung im gesamten, die mich eigentlich nicht wirklich fesseln konnte und genauso langweilig war, wie die Zwischenmenschlichen Beziehungen. Alles, was den Leser überraschen hätte können, wurde vorher so offensichtlich in Hinweise verpackt und mehrfach wiederholt, dass das Buch unglaublich vorhersehbar war, sich wahnsinnig gezogen hat und mich echt irgendwann nur noch gelangweilt hat. Kurz vor Ende nimmt die Geschichte dann plötzlich wahnsinnig an Fahrt auf, da bin ich dann komplett überrumpelt gewesen und nicht mehr richtig mitgekommen.. das Buch entlässt danb mit vielen Fragen, einem fiesen Cliffhanger und wirklich schlau wurde man aus der Geschichte nicht. Und wenn ich so darüber nachdenke ist im Buch insgesamt auch nicht sehr viel passiert

Außerdem wirkte die Handlung für mich an einigen Stellen sehr konstruiert. Ich hatte das Gefühl, manche Charaktere oder Szenen. wurden nur eingebaut, weil ansonsten die Handlung nicht mehr aufgegangen wäre. Auch gegen Ende will Nathan, dass Quinn an einen Ort kommt, von dem sie sich eigentlich hätte fern halten sollen. Komisch, denn nur so war sie dann glücklicherweise zum großen Showdown anwesend..

Also man merkt leider, dass das Buch mir nicht wirklich gefallen hat. Es gab zu viele Unstimmigkeiten und war für mich einfach nicht durchdacht genug.. das Ende macht zwar neugierig auf Teil 2, dennoch werde ich mich diesem fernhalten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.02.2021

Meisterhaft erzählt!

Stay away from Gretchen
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Nie hätte ich gedacht, dass sich hinter diesem doch eher schlichten Cover eine derart fesselnde und weitgreifende Geschichte verbirgt, die mich so viel neues gelehrt hat und mir erschütternde ...

Nie hätte ich gedacht, dass sich hinter diesem doch eher schlichten Cover eine derart fesselnde und weitgreifende Geschichte verbirgt, die mich so viel neues gelehrt hat und mir erschütternde Details der deutschen Nachkriegszeit erzählt hat. Als junge Frau Anfang 20 ist der zweite Weltkrieg für mich recht weit weg und erst durch einige Bücher, die ich in der letzten Zeit gelesen habe, habe ich gemerkt, wie wenig ich über diese Zeit eigentlich weiß - über die "Standartthemen", die in der Schule gelehrt werden, hinaus. Seitdem interessiere ich mich sehr für Schicksale während und nach des zweiten Weltkrieges und war durch die Inhaltsangabe von "Stay away from Gretchen" gleich sehr interessiert. Trotzdem war ich nicht vorbereitet auf diese weitgreifende, fesselnde und erschütternde Geschichte, die so viele wichtige Themen abdeckt und dabei dennoch total unterhaltsam war. Für mich ein grandioses Buch, dass ich sicherlich weiterempfehlen werde und vielleicht auch noch einmal lese (Und das tue ich bei historischen Romanen eigentlich nie).

Der Einstieg in die Geschichte verläuft über Tom Monderath, einen bekannten Kölner Journalisten, gestresst, alleinstehend und ohne Absicht, sich jemals zu binden. Seine Mutter Greta besucht er regemäßig, doch dann passieren einige witzige Vorfälle und der Verdacht liegt nahe, dass Greta an Demenz erkrankt ist. Die Handlung wird zu Beginn abwechselnd aus Toms und Gretas Sicht erzählt und vor allem aus Toms Sichtweise ist der Schreibstil schon sehr derb und wenig ausgeschmückt. Genau das fand ich aber so toll, weil ich trotz des eher emotionslosen Schreibstils - oder gerade deswegen - sehr viel über Tom erfahren habe und überraschender Weise auch direkt Sympathien zu ihm aufbauen konnte. Allein das finde ich schon eine Meisterleistung, wo der Nachrichtensprecher, dessen Leben aus Hektik, Wutausbrüchen, übermaßigem Alkoholkonsum und Gelegenheitssex besteht und er zu Beginn charakterlich eigentlich wenig überzeugt. Und trotzdem war ich wie gebannt von der Geschichte und erstmal ziemlich überfordert, als die Handlung plötzlich wechselte und man die achtjährige Greta in Ostpreußen kennenlernte, in der Zeit kurz vor dem zweiten Weltkrieg. Nach wenigen Seiten war ich aber auch in diesem Handlungsstrang völlig gefangen, der so ganz anders erzählt war, als zuvor die Geschichte aus Toms Sichtweise und aus der Perspektive der leicht verwirrten, älteren Greta.

Die Handlung wechselt sich nun mit jeweils relativ langen Passagen aus Vergangenheit und Gegenwart ab und jedes Mal gelang mir der Wechsel in die jeweils andere Zeit mühelos, es war einfach alles total stimmig, fesselnd und toll erzählt. Während in der Gegenwart Gretas Demenz, Toms eigene psychische Probleme, die Geschichte der Familie und die Flüchtlingskrise 2015/2016 in Deutschland behandelt wurden und vor allem letzteres Thema auf grandiose Art und Weise mit der Flucht der jungen Greta und ihrer Familie aus Ostpreußen verknüpft wurden, behandelte die Geschichte der Vergangenheit so viel mehr als das Leben in Ostpreußen und die Flucht während des Krieges. Es geht um die Nachkriegszeit in der amerikanischen Besatzungszone, um Liebe, Ausgrenzung, Armut, um die sogenannten Brown Babies und die unvorstellbaren Geschichten, die mit diesen Kindern verbunden sind. Selbst den Bogen in die aktuelle Situation der USA, in der Rassismus noch immer ein wichtiges Thema ist, gelingt der Autorin mühelos.

Für mich ist das Buch ein absolutes Highlight, das so viel Wissen vermittelt, aber auch die daran geknüpften Emotionen nicht vernachlässigt. Das Buch erzählt von einem ganzen Leben und noch von viel mehr und ist für mich ein wahrer Schatz, über den ich sehr froh bin, ihn entdeckt zu haben. Der Autorin gelingt alles, was ein gutes Buch ausmachen muss. Sie baut eine Beziehung zu den Protagonisten auf, hat einen interessanten Schreibstil, der je nach Situation ganz anders sein kann, erzählt ungeschönt von den damaligen und heutigen großen gesellschaftlichen Problemen, aber auch von den Einzelschicksalen, die daran gekoppelt sind. Die Botschaft des Buches ist für mich, dass wir immer weiter unsere Vergangenheit aufarbeiten müssen, dass wir unsere Erfahrungen an nachfolgende Generationen weitergeben und dass wir auf gar keinen Fall aufhören dürfen, über diese Dinge zu reden und sie zu verarbeiten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.02.2021

Alter Mythos neu erzählt!

Meeresglühen (Romantasy-Trilogie, Bd. 1)
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Eigentlich hat ja allein schon das atemberaubende Cover von "Meeresglühen" eine 5-Sterne-Bewertung verdient. Ich muss auch zugeben, dass ich etwas Angst hatte. vom Inhalt enttäuscht zu sein, da tolles ...

Eigentlich hat ja allein schon das atemberaubende Cover von "Meeresglühen" eine 5-Sterne-Bewertung verdient. Ich muss auch zugeben, dass ich etwas Angst hatte. vom Inhalt enttäuscht zu sein, da tolles Cover ja nicht automatisch tolle Geschichte bedeuten muss. Nach dem Lesen des Buches kann ich aber jeden beruhigen, denn das Buch wird dem ersten Eindruck definitiv gerecht und braucht sich nicht hinter dem Cover zu verstecken! Ich muss sagen, dass der Erzählstil und die Handlung schon eher etwas für Jugendliche ist, aber trotzdem hat mir das Buch als Erwachsene auch sehr gut gefallen und ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Band.

Die Geschichte beginnt in Cornwall, eine stürmische Landschaft, die von Anna Fleck bildgewaltig und eindrucksvoll beschrieben wird. Wir lernen direkt Ella kennen, eine junge Abiturientin aus Berlin, die fast jeden Sommer nach England kommt, auch seit dem ihre Großmutter verstorben ist, welche dort lebte. Die Autorin fängt gekonnt die Szenerie in dem kleinen Küstendorf ein und gibt dem Leser erstmal einen netten Einstieg in die Geschichte und die Leute, bevor dann auch schnell Spannung aufgebaut wird, als Ella einen jungen Mann vor dem Ertrinken rettet, der an ein Surfbrett gefesselt war. Es folgen spannende Szenen an Land, bei denen mir besonders gut gefallen war, dass man als Leser auch nicht mehr wusste, als die Informationen, die Aris an Ella weitergegeben hat. Da diese mehr als spärlich ausfielen, blieb die Spannung groß, bis die beiden sich aufmachten, um Aris in seine Heimat zurückzubringen und Ella auf ein verborgenes Königreich stößt, das den Menschen an der "Oberfläche" schon immer verborgen war.

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, denn Ann Fleck nimmt einen als Leser von Anfang an mit auf die spannende Reise von Ella und Aris. Besonders gelungen fand ich den ironischen Humor, der sich vor allem in Ellas "innerer Stimme" manifestiert hat, die ihr immer wieder den ein oder anderen zynischen Kommentar entgegengeschleudert hat. Diese leichte Art war sehr lustig und schön zu lesen, hat einem Ella als Protagonistin noch einmal besonders nahe gebracht und lässt den Leser in den Kopf einer jungen Erwachsenen blicken. Auch die Handlung hat mir sehr gut gefallen. Zu Beginn hatte ich nicht erwartet, das der Plot sich so lange in Cornwall bewegt, aber rückblickend fand ich das Tempo der Geschichte sehr gelungen. Viel mehr will ich gar nicht sagen, um nicht zu spoilern, aber weder Spannung noch Emotionen kamen im Buch zu kurz und für mich ist die Geschichte rundum gelungen! Besonders gefallen hat mir auch das Ende des Buches, bei dem vieles geklärt wurde und der erste Band schon relativ abgeschlossen ist, aber auch genug offen bliebt, um den Leser auf Teil zwei neugierig werden zu lassen! Allzu offene Enden kann ich nämlich nicht leiden.

Ein weiterer positiver Aspekt ist für mich die Leichtigkeit, mit der die Autorin auch schwierige und aktuelle Themen in ihrem Fantasyroman untergebracht hat. Vor allem ging es darum, auf Abgrenzung und Klassenunterschiede aufmerksam zu machen, was man gut auf die aktuellen Rassismus-Konflikte übertragen kann. Die ernstzunehmende Botschaft, die so schön zwischen die Zeilen gepackt wurde, hat mir gut gefallen! Abschließend kann ich nur sagen, ich bin begeistert und will mehr davon!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.01.2021

Eine Anleitung zum Glück und zu sich selbst

Die Mitternachtsbibliothek
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„Es ist leicht, um die möglichen Lebensvarianten zu trauern, die wir nicht leben“ (Matt Haig)
Mit seinem Buch „Die Mitternachtsbibliothek“ schreibt Matt Haig eine Geschichte über Gefühle, die wohl jeder ...

„Es ist leicht, um die möglichen Lebensvarianten zu trauern, die wir nicht leben“ (Matt Haig)
Mit seinem Buch „Die Mitternachtsbibliothek“ schreibt Matt Haig eine Geschichte über Gefühle, die wohl jeder schon einmal hatte. Das Gefühl, nicht am richtigen Platz zu sein, versagt zu haben, die falschen Entscheidungen getroffen zu haben und sein Potenzial nicht ausgeschöpft zu haben. Nicht das Leben zu leben das man leben könnte. All diese Gefühle packt er in seine Protagonistin Nora Seed, die zu Anfang des Buches aus kaum etwas anderem zu bestehen scheint als Reuegefühlen und Bedauern über die Entscheidungen, die sie getroffen hat und die sie nun zu einem Leben geführt haben, das ihr unvollkommen und vergeudet erscheint. Als dann auch noch ihre Katze stirbt, läuft das Fass über und Nora beschließet, ihrem Leben ein Ende zu bereiten. Doch sie landet in einer endlosen Bibliothek, in der jedes Buch eine andere Version ihrer selbst ist. Endlose Paralleluniversen, jedes Buch ein Leben, das auf einer Entscheidung in eine andere Richtung basiert. Und Nora soll das Leben finden, in dem sie im Gegensatz zu ihrem Ursprungsleben, glücklich sein kann.
Mit wunderschönen, eingängigen und zum Nachdenken anregenden Worten erzählt Haig eine Geschichte, über eine depressive Frau, die im Laufe des Buches so vieles über sich selbst und ihr Leben lernt. Dass man nicht glücklich sein kann, wenn man nur danach strebt, den Traum anderer für einen selbst zu verfolgen. Dass, egal in welchem Leben, immer negative Gefühle bleiben und man nie ganz zufrieden ist mit dem, was man hat. Denn heute gibt es so unglaublich viele Möglichkeiten, dass man immer das Gefühl hat, etwas zu verpassen. Der Schreibstil des Buches hat mich total gefangen genommen und mich eingesaugt in diese besondere Geschichte, die so traurig und ausweglos beginnt und einen am Ende total erfüllt, hoffnungsvoll und lebensbejahend zurücklässt. Die Charakterentwicklung von Nora war total ausgefeilt und nachvollziehbar und es war so schön, ihr dabei zuzusehen, wie sie immer mehr zurück ins Leben uns zu sich selbst fand. Und erkannt hat, dass sie nicht an jedem Fehler alleine die Schuld trägt, dass nicht immer alles zu ausweglos ist, wie es scheint, sondern dass man manchen Dingen einfach noch etwas Zeit geben muss. Gepaart mit Witz, Philosophie, einer Menge Schach und einer bodenständigen physikalischen Erklärung für die Geschichte nimmt der Autor einen mit auf eine Reise, die sich nicht nur um Nora, sondern auch um einen selbst dreht. Und das Ganze verpackt in einen fesselnden, spannenden Roman, den man bereits nach den ersten Seiten nicht mehr aus der Hand legen kann. Besonders hervorzuheben sind auch die vielen Leben und Facetten, die der Autor in nur einem Buch und manchmal nur in ein paar Sätzen kreiert hat.
„Wir wissen nicht, ob irgendeine andere Version besser oder schlechter gewesen wäre. Diese Leben existieren, das ist wahr, aber wir selber existieren auch. Und darauf müssen wir und konzentrieren.“ (Matt Haig)
Dieses Buch gibt einem so vieles, vor allem das Gefühl, nicht alleine zu sein mit negativen Gedanken und Reuegefühlen. Es gibt aber auch Hoffnung, Freude und eine Anleitung zum Glück. Ich hatte das Gefühl, der Autor hat mit dem Buch auch einen Teil seiner eigenen Gefühlswelt preisgegeben und seine eigenen Erfahrungen in Worte gebracht, was das Buch wunderschön, echt und greifbar macht. Es ist nicht voller sinnloser, übertriebener „schlauer“ Sprüche, sondern hat durch weise Worte eine Saite zu mir im Klingen gebracht und ich bin sicher, dass ich noch lange über diese Geschichte nachdenken werde und die ermutigende Botschaft, die sie übermittelt. Es werden aktuelle Themen aufgegriffen, wie die sozialen Medien, die einem das Gefühl suggerieren, immer mehr haben zu können und besser sein zu können, als man gerade ist und dadurch einen unglaublichen Druck ausüben. Es geht um Depressionen, darum, dass man auch durch Ruhm nicht zwangsläufig glücklich wird, darum, zu sich selbst zurück zu finden und aus dem eigenen Leben das zu machen, was man will. Aber auch darum, nicht immer zurück zu denken und die „was wäre wenn“-Fragen endlos im Kopf zu wiederholen.
Eine erstaunliche schriftstellerische Leistung, die mich ganz besonders berührt hat und lange unvergessen bleiben wird. Ich glaube, dieses Buch kann jeden ansprechen und ihm einen neuen Blick auf sein eigenes Leben geben und ich empfehle das Buch wärmstens weiter.
„Es reicht, eine einzige Person zu sein. Es reicht, eine einzige Existenz zu leben.“ (Matt Haig)

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.01.2021

Gewollt und nicht gekonnt

The Last Goddess, Band 1: A Fate Darker Than Love
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Zum Inhalt: Blair ist eigentlich eine ganz normale junge Frau, doch ihre Mutter ist eine von 9 Valkyren aus der nordischen Mythologie mit übernatürlichen Kräften. Blairs Schwester Fenja soll diese Kräfte ...

Zum Inhalt: Blair ist eigentlich eine ganz normale junge Frau, doch ihre Mutter ist eine von 9 Valkyren aus der nordischen Mythologie mit übernatürlichen Kräften. Blairs Schwester Fenja soll diese Kräfte in Kürze übertragen bekommen, doch dann ändert sich alles, als sowohl Mutter und Schwester bei einem Autounfall ums Leben kommen. Und plötzlich steht Blair vor einer Zukunft, die sich nie für sich selbst erwartet hatte.

Die Grundidee zu Biancas Iosivonis neuem Buch "A fate darker than love" hat mir echt gut gefallen. Von der nordischen Mythologie habe ich bisher nichts gelesen und gerade in Zeiten des New-Adult-Genres, in dem gefühlt eine Geschichte der anderen gleicht, kam mir diese Idee wie eine schöne und gelungene Abwechslung vor.

Ich fange mal mit dem Positiven an: Der Schreibstil der Autorin gefällt mir echt richtig gut, man kommt gut in die Geschichte hinein, bleibt nicht an Begriffen oder Formulierungen hängen, sondern kann sich voll in die Geschichte hineinstürzen und den Film im Kopf anschalten. Das Buch liest sich total leicht und flüssig. Blair fand ich als Protagonistin sehr sympathisch und nett, wenn ich auch nicht ganz verstanden habe, weshalb sie so wenig von den Valkyren und der Mythologie wusste, wo sie doch eine von ihnen ihr ganzes Leben lang um sich hatte.

Auch die anderen Charaktere und deren Beziehungen zueinander fand ich sympathisch und gut ausgefeilt, auch wenn ich gleich dazu sagen muss, dass die anderen Valkyren mir etwas rätselhaft erschienen und ich mir sie und ihre Arten nicht ganz so gut vorstellen konnte. Sehr interessant fand ich Blairs besten Freund Ryan und die Beziehung der beiden zueinander, die sich im Laufe des Buches immer mehr zuspitzte und einen Großteil der Handlung ausmachte. Auch Zev, den Blair schnell aus Freund gewinnt, war ein interessanter Charakter, der für überraschende Wendungen sorgte und mir gut gefallen hat.

Die Handlung fand ich hingegen eher schwierig. In der ersten Hälfte des Buches geschah so wenig, ich glaube in anderen Fantasybüchern wäre genau das alles in den ersten beiden Kapiteln abgearbeitet worden, wofür hier fast das ganze Buch benötigt wurde. Aber in den letzten ca. 30 Seiten haben sich die Ereignisse dann plötzlich derart überschlagen, dass ich eigentlich gar nicht mehr mitgekommen bin und jetzt nach dem Lesen des Buches total verwirrt bin und mich frage, was das denn für eine blöde Handlungsaufteilung war. Eine Überraschung löste die nächste ab, dann zack, war das Buch fertig, und nichts von dem, was passiert war, wurde nochmal besprochen, hinterfragt oder erklärt. Was echt seltsam ist, wenn man bedenkt, dass das Buch zuvor vor allem aus endlosen Wiederholungen des bereits Gesagten bestand und aus seitenlangen gedanklichen Monologen von Blair, in denen sie sich immer wieder die selben Fragen stellt. Blair mag zwar sympathisch sein, doch sie hat einige derart unüberlegte und dumme Entscheidungen getroffen, dass ich mir manchmal in Gedanken mit der Hand an den Kopf gefasst habe. Und genau auf diesen Entscheidungen beruht ein Großteil der Handlungen des Buches, was einen fast denken lässt, dass ohne Blairs Unvernunft im ganzen Buch quasi gar nichts passiert wäre.

Die Idee mit der nordischen Mythologie, die ich eigentlich so besonders und spannend fand, wurde auch nur dürftig umgesetzt. Anfangs wurde immer wieder der Begriff "Ragnarök" eingestreut, so richtig erklärt wurde er aber nicht, Manchmal hatte ich das Gefühl, ich wäre besser mitgekommen, wenn ich vorher eine ausführliche Internetrecherche zum Thema betrieben hätte, aber eigentlich sollte mich ja das Buch selbst genügend in das Thema einführen. Jetzt habe ich mehr das Gefühl, ein Buch gelesen zu haben, das einen schwach aufgebauten Rahmen im Fantasybereich hat, in dem dann allerdings vor allem Teenie-Probleme und zwischenmenschliche Beziehungen erläutert wurden. Ich habe mich auch gefragt, wie Blairs Mutter als so wichtige Valkyre ein derart normales Leben führen konnte und Blair selbst dann überstürzt ihr Zuhause verlässt und nie mehr wieder zurück kommt. Allgemein blieben für mich mehr Fragen offen, als geklärt wurden.

Dies war mein zweites Buch von Bianca Iosivoni und nachdem ich von "Schattenblick" schon eher weniger begeistert war, dachte ich, dass dann wenigstens dieser Roman dem Hype um sie gerecht werden sollte. Nach Beenden des Buches muss ich leider sagen, dass mich eigentlich genau die selben Dinge gestört haben, wie bei Schattenblick und damit wird dies wohl mein letztes Buch der Autorin sein. Vielleicht liegt ihr einfach das Genre nicht so gut, denn ihr Schreibstil ist wirklich toll, aber eigentlich habe ich gar keine Lust mehr, das herauszufinden. Es reicht eben nicht, sich auf einer guten Idee auszurufen, diese muss auch durchdacht und ausgefeilt sein. Schade!

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