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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.07.2025

Ohne Punkt und Komma geht es in eine surreale Welt – gewöhnungsbedürftig.

requiem
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Der Schreibstil in ungeordneter Versform ist sehr auffällig, erschwert er doch den Lesefluss ohne gliedernde Zeichensetzung. Inhaltlich befindet man sich scheinbar auf einer surrealen Traumreise mit Natur- ...

Der Schreibstil in ungeordneter Versform ist sehr auffällig, erschwert er doch den Lesefluss ohne gliedernde Zeichensetzung. Inhaltlich befindet man sich scheinbar auf einer surrealen Traumreise mit Natur- und Umweltkatastrophen, quer durch Brandenburg, Berlin, N.Y., Kanada oder in Kalifornien. Sogar die Unterwelt und das Leben nach dem Tod werden nicht ausgeblendet, gefüttert durch weltweite Katastrophenszenarien aus den Medien. Lateinische und englische Satzfetzen sind eingeflochten. Sollte hier ein Requiem, eine Totenmesse, die letzte Messe für Mensch und Natur, für Ruhe und Frieden sorgen oder eher durch den besonderen Schreibstil der grammatikalischen Veränderung aufrütteln, immer auf der Suche nach dem ewigen Licht, das allem leuchten solle in dunkler Finsternis? Teile eines Gebets in Latein wie z. B. "Libera nos, Domine", das oft in liturgischen Kontexten verwendet wird, besonders in der katholischen Kirche, ist ein Ausdruck der Bitte um Befreiung von Not, Bedrängnis oder Übel. Andersgläubige mögen wenig mit dieser Liturgie anfangen können. Was übrig bleibt von den schönen Erinnerungen an unsere intakte Umwelt, möge bald nur noch in Schutt und Asche liegen, so könnte man diesen „Appell“ interpretieren.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Eine kaum greifbare Romanfigur.

Beteigeuze
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Der Buchtitel verrät, dass diese rote Supernova im Sternbild Orion nicht nur für die Romanfigur Theresa Neges von Bedeutung ist. Schon die Araber folgten diesem hellen Stern, zur Milchstraße gehörend. ...

Der Buchtitel verrät, dass diese rote Supernova im Sternbild Orion nicht nur für die Romanfigur Theresa Neges von Bedeutung ist. Schon die Araber folgten diesem hellen Stern, zur Milchstraße gehörend. Diese Protagonistin wandert als Außenseiterin durch Wien, im Kampf mit ihrer Medikation Zyprexa und ihren Nebenwirkungen, zwischen Depressionen und Therapie. Beleuchtet wird ihre Beziehung zum Freund Josef und zur Familie ohne zusammenhängende Erzählstränge. Eigenwillig in Inhalt und Schreibstil, dazu wenig Handlung, jedoch mit kreativen Wortbildern wie z.B. „faltiges Wasser“ und "knochenklopfendes Geraschel" – so schwirrt die Sprache dahin in einem sich nicht immer leicht zu erschließenden Auf und Ab je nach Theresas Stimmungen.

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Veröffentlicht am 20.07.2025

Psychoanalyse mit besonderem Kick

Auf gefährlich sanfte Art
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Zwei Hauptfiguren, nämlich Patientin Nathalia Guitry, Fotografin, und Doktor Faber, Psychoanalytiker, Ich-Erzähler in seiner Praxis, bewältigen gemeinsam den Voyeurismus von Nathalie, der sich erst entwickelte ...

Zwei Hauptfiguren, nämlich Patientin Nathalia Guitry, Fotografin, und Doktor Faber, Psychoanalytiker, Ich-Erzähler in seiner Praxis, bewältigen gemeinsam den Voyeurismus von Nathalie, der sich erst entwickelte nach fotographischer Dokumentation eines Mordes. Nun unter Antriebsarmut bzw. Fotografie-Blockade leidend und statt über sich selbst zu reden, fabuliert sie schriftlich sehr kreativ über ihre Nachbarn, auf der gegenüber liegenden Nordseite des fünf-stöckigen Gebäudes wohnend. Entlang jedem Stockwerk als Strukturgeber in diesem Roman hangeln sich Leser wie Analytiker entlang dieser wahren oder erfundenen Einblicke in fremde, nachbarliche Leben. Auch Fabers Leben wird näher beleuchtet. Dieses fesselnde Psychospiel mit überraschender Pointe beschert auch dem Leser interessante Einblicke in Vorgehensweisen und Überlegungen eines Psychoanalytikers. Diese Patientin Nathalia fasziniert auf ihre gefährlich sanfte Art.

Sehr unterhaltend!

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Veröffentlicht am 18.07.2025

Eine ganz andere, eisige Welt am arktischen Wendekreis

Das letzte Leuchten im Winter
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Im Mittelpunkt steht die Kultur der Lappen, die mit ihren Rentier-Herden regelmäßig zweimal im Jahr nach Norden zur Küste wandern bzw. in den Süden entlang regelmäßiger Routen durch die Tundra Skandinaviens, ...

Im Mittelpunkt steht die Kultur der Lappen, die mit ihren Rentier-Herden regelmäßig zweimal im Jahr nach Norden zur Küste wandern bzw. in den Süden entlang regelmäßiger Routen durch die Tundra Skandinaviens, grenzüberschreitend durch Schweden, Norwegen, Finnland und Russland. Der evangelisch-lutherischer Pfarrer und Erweckungsprediger in Lappland Lars Levi Læstadius wirkt um 1851 in Karesuando mit seiner kinderreichen Familie, predigt zunächst gegen den Alkoholmissbrauch, der zu dieser Zeit unter der samischen Bevölkerung aufgrund der kulturellen Entwurzelung verbreitet ist. In drei Teilen geht es auch um die Verzahnung verschiedener Kulturen, repräsentiert durch die ältere, gebildete Pfarrerstochter Willa und den Sámi-Hirten Ivvár. Deren aussichtslose, zarte Liebesbeziehung zwischen Tradition und vielfacher politischer wie gesellschaftlicher Veränderung wird einfühlsam karikiert. Neben vielen interessanten Details zum Alltagsleben der Samen und Siedler, mit Schamanentum statt Christianisierung, mit dem Joiken, den Regeln, Riten und traditioneller Bekleidung wird auch deren Verbundenheit mit der Natur und ihren Irrlichtern thematisiert.

Insgesamt spannend und lehrreich.

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Veröffentlicht am 16.07.2025

Ein interessanter sizilianischer Familienroman

Wütendes Mädchen auf einer Steinbank
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Auf zwei Erzählebenen erzählt die Ich-Erzählerin mehr über das Leben der Familie Salvatore. Mehr Vergangenes über das Aufwachsen der Eltern ist eingebunden in die Gegenwart der vier Schwestern dieser hart ...

Auf zwei Erzählebenen erzählt die Ich-Erzählerin mehr über das Leben der Familie Salvatore. Mehr Vergangenes über das Aufwachsen der Eltern ist eingebunden in die Gegenwart der vier Schwestern dieser hart getroffenen Familie auf Iazza, einer Sizilien vorgelagerten Insel. Bis es zur Aufklärung des Verschwindens von Mimi, der jüngsten der vier Mädchen, kommt, erhält man Einblicke in innerfamiliäre Beziehungen, das allgemeine Leben auf dieser eher dörflichen Insel mit Karneval und anderen Traditionen. Die im Buchtitel erwähnte Wut einer Tochter, als Sündenbock traumatisiert, wird analytisch, psychologisch klar vorgestellt. Auch die Nebenfiguren wie Leonardo, Pippo, die Gandolfi oder die alte Mutter werden in ihrer Umgebung menschlich realistisch charakterisiert in angenehmem Schreibstil.
Spannende Unterhaltung!

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