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Veröffentlicht am 20.07.2025

Psychoanalyse mit besonderem Kick

Auf gefährlich sanfte Art
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Zwei Hauptfiguren, nämlich Patientin Nathalia Guitry, Fotografin, und Doktor Faber, Psychoanalytiker, Ich-Erzähler in seiner Praxis, bewältigen gemeinsam den Voyeurismus von Nathalie, der sich erst entwickelte ...

Zwei Hauptfiguren, nämlich Patientin Nathalia Guitry, Fotografin, und Doktor Faber, Psychoanalytiker, Ich-Erzähler in seiner Praxis, bewältigen gemeinsam den Voyeurismus von Nathalie, der sich erst entwickelte nach fotographischer Dokumentation eines Mordes. Nun unter Antriebsarmut bzw. Fotografie-Blockade leidend und statt über sich selbst zu reden, fabuliert sie schriftlich sehr kreativ über ihre Nachbarn, auf der gegenüber liegenden Nordseite des fünf-stöckigen Gebäudes wohnend. Entlang jedem Stockwerk als Strukturgeber in diesem Roman hangeln sich Leser wie Analytiker entlang dieser wahren oder erfundenen Einblicke in fremde, nachbarliche Leben. Auch Fabers Leben wird näher beleuchtet. Dieses fesselnde Psychospiel mit überraschender Pointe beschert auch dem Leser interessante Einblicke in Vorgehensweisen und Überlegungen eines Psychoanalytikers. Diese Patientin Nathalia fasziniert auf ihre gefährlich sanfte Art.

Sehr unterhaltend!

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Veröffentlicht am 18.07.2025

Eine ganz andere, eisige Welt am arktischen Wendekreis

Das letzte Leuchten im Winter
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Im Mittelpunkt steht die Kultur der Lappen, die mit ihren Rentier-Herden regelmäßig zweimal im Jahr nach Norden zur Küste wandern bzw. in den Süden entlang regelmäßiger Routen durch die Tundra Skandinaviens, ...

Im Mittelpunkt steht die Kultur der Lappen, die mit ihren Rentier-Herden regelmäßig zweimal im Jahr nach Norden zur Küste wandern bzw. in den Süden entlang regelmäßiger Routen durch die Tundra Skandinaviens, grenzüberschreitend durch Schweden, Norwegen, Finnland und Russland. Der evangelisch-lutherischer Pfarrer und Erweckungsprediger in Lappland Lars Levi Læstadius wirkt um 1851 in Karesuando mit seiner kinderreichen Familie, predigt zunächst gegen den Alkoholmissbrauch, der zu dieser Zeit unter der samischen Bevölkerung aufgrund der kulturellen Entwurzelung verbreitet ist. In drei Teilen geht es auch um die Verzahnung verschiedener Kulturen, repräsentiert durch die ältere, gebildete Pfarrerstochter Willa und den Sámi-Hirten Ivvár. Deren aussichtslose, zarte Liebesbeziehung zwischen Tradition und vielfacher politischer wie gesellschaftlicher Veränderung wird einfühlsam karikiert. Neben vielen interessanten Details zum Alltagsleben der Samen und Siedler, mit Schamanentum statt Christianisierung, mit dem Joiken, den Regeln, Riten und traditioneller Bekleidung wird auch deren Verbundenheit mit der Natur und ihren Irrlichtern thematisiert.

Insgesamt spannend und lehrreich.

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Veröffentlicht am 16.07.2025

Ein interessanter sizilianischer Familienroman

Wütendes Mädchen auf einer Steinbank
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Auf zwei Erzählebenen erzählt die Ich-Erzählerin mehr über das Leben der Familie Salvatore. Mehr Vergangenes über das Aufwachsen der Eltern ist eingebunden in die Gegenwart der vier Schwestern dieser hart ...

Auf zwei Erzählebenen erzählt die Ich-Erzählerin mehr über das Leben der Familie Salvatore. Mehr Vergangenes über das Aufwachsen der Eltern ist eingebunden in die Gegenwart der vier Schwestern dieser hart getroffenen Familie auf Iazza, einer Sizilien vorgelagerten Insel. Bis es zur Aufklärung des Verschwindens von Mimi, der jüngsten der vier Mädchen, kommt, erhält man Einblicke in innerfamiliäre Beziehungen, das allgemeine Leben auf dieser eher dörflichen Insel mit Karneval und anderen Traditionen. Die im Buchtitel erwähnte Wut einer Tochter, als Sündenbock traumatisiert, wird analytisch, psychologisch klar vorgestellt. Auch die Nebenfiguren wie Leonardo, Pippo, die Gandolfi oder die alte Mutter werden in ihrer Umgebung menschlich realistisch charakterisiert in angenehmem Schreibstil.
Spannende Unterhaltung!

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Veröffentlicht am 13.07.2025

Ein sommerlicher Road-Trip bis nach Sizilien

Tage wie Salzwasser
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Das sommerliche Cover lädt ein zu einer besonderen Reise für zwei junge, sehr gegensätzliche Frauen. Atlanta, Versicherungsmathematikerin, von Malte ungewollt schwanger, und Enzo, Betreiberin einer Fahrrad-Reparatur-Werkstatt, ...

Das sommerliche Cover lädt ein zu einer besonderen Reise für zwei junge, sehr gegensätzliche Frauen. Atlanta, Versicherungsmathematikerin, von Malte ungewollt schwanger, und Enzo, Betreiberin einer Fahrrad-Reparatur-Werkstatt, stoßen unglücklich aufeinander, jedoch treibt es beide aus unterschiedlichen Gründen nach Noto an der sizilianischen Ostküste. Entlang von vier Adressen aus Maltes Notizbuch gleitet der rote Faden mit einigen abwechslungsreichen Abenteuern über Freiburg, Marseille, Barcelona schließlich nach Noto auf Sizilien. Trauerbewältigung, Rückbesinnungen und die Festigung dieser Freundschaft beider Frauen werden einfühlsam beschrieben. Das ein oder andere Abenteuer mag vielleicht etwas überzogen bis unrealistisch erscheinen, hat aber dennoch Unterhaltungswert. Die Erzählstränge konzentrieren sich unregelmäßig abwechselnd auf jeweils eine der Hauptfiguren, jedoch der Epilog aus der Sicht des noch Ungeborenen bringt schließlich die kurzgefasste Auflösung rund um Maltes plötzlichen Tod.

Ein Sommerroman mit Dynamik und Unterhaltungswert.

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Veröffentlicht am 11.07.2025

Das harsche Leben als Fernfahrer in der weiten russischen Steppe

Die Steppe
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In diesem Teil der Trilogie über ihre Familie stehen die Erinnerungen an den vor sieben Jahren an Aids verstorbenen Vater im Mittelpunkt. Die raue Schönheit Sibiriens, den zahlreichen Flusslandschaften ...

In diesem Teil der Trilogie über ihre Familie stehen die Erinnerungen an den vor sieben Jahren an Aids verstorbenen Vater im Mittelpunkt. Die raue Schönheit Sibiriens, den zahlreichen Flusslandschaften und die Weite der Steppe bilden den Rahmen für das Porträt eines russischen Mannes, geprägt durch Armut, Alkohol, Kriminalität und Gewalt. Nicht chronologisch strukturiert tauchen auch angsterfüllte Rückbesinnungen an diesen Vater auf, der ihr fremd bleibt. Er war in der Armee, im Gefängnis und einsamer Fernfahrer ohne Heim und Familie, schätzte die Freiheit. Die Autorin sucht mit der Du-Anrede die Nähe zum Leser. Sieben politische und kulturelle Erläuterungen bringen das russische Ambiente näher. Ebenso werden die griechische Mythologie und philosophische Schriften der Frühantike aus ihrem Literaturstudium eingeflochten neben ihrer homosexuellen Neigung.

Leider führt der Schreibstil voller Reflektionen nicht zu einem überzeugenden, geordneten Ganzen.

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