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Veröffentlicht am 06.02.2026

Menschliche Abgründe spannend verpackt!

Das Signal
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Der Krimititel Das Signal spricht die kreative Verwendung von Mini-Trackern an, die im Thriller für genügend Spannung sorgen mit der Heraufbeschwörung von kreativen Geheimnissen und offensichtlichen Ungereimtheiten ...

Der Krimititel Das Signal spricht die kreative Verwendung von Mini-Trackern an, die im Thriller für genügend Spannung sorgen mit der Heraufbeschwörung von kreativen Geheimnissen und offensichtlichen Ungereimtheiten wichtiger Figuren. Das ansprechende Cover wirkt futuristisch gestaltet. Beklemmende Grundstimmung tritt besonders im abseits gelegenen Haus außerhalb Wiens mit baufälligem Weinkeller auf, verstärkt besonders durch die wortkarge, undurchsichtige Pflegerin Ottilie. Die starke Hauptfigur Viola Becker, Innenarchitektin, fühlt sich nach der Behandlung im Krankenhaus als Amputierte abgeschoben und gefangen im eigenen Haus, belogen und bedroht. Trotz der Bewegungseinschränkung durch den Verlust ihres linken Beins schafft sie es, durch geschickte Positionierung von etlichen Mini-Trackern gewissen Rätseln bei Ehemann, Freundin, Pflegerin und externem Schatten auf die Spur zu kommen. Kreative Ideen in Dialogen rund um Geheimnisse und Lügen führen auch zu gefährlichen Aktionen. Technisch relativ neue Ideen wie dieses GPS-Tracking und der Gebrauch von Bitcoins beleben die nicht alltägliche Szenerie. Während die Hauptfigur Viola als Ich-Erzählerin mit Durchhaltevermögen und cleverem, rationalem Verhalten punktet, wirkt ihr Ehemann Adam trotz anfänglicher Sorge schnell grau, schwach, durchtrieben und verlogen. Wenn auch schwer einzuschätzen, wirkt die rumänische Pflegerin und Haushälterin Ottilie in ihrem Charakter äußerst unfreundlich, kalt und schroff, sorgt so für gruselnde Spannung. Violas Freundinnen sorgen ebenfalls für negative Puzzlestücke, während der behinderte Benno in seiner Unschuld als liebenswerte, ehrliche und vertrauenswürdige Nebenfigur die bedrückende Stimmung hebt. Die Figurenzeichnung wirkt realistisch und authentisch, die Handlung ist logisch nachvollziehbar, der klare Schreibstil gefällt in seiner Wortwahl. Informativ ist auch der medizinische Behandlungsverlauf bei Amputationen mit Spiegeltherapie etc.
Ein spannender Thriller!

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Veröffentlicht am 01.02.2026

Sexueller Machtmissbrauch – ein ernstes Thema ohne genügend Tiefe

Hazel sagt Nein
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In vier Teilen geht es um die jüdische Akademikerfamilie Blum, die vom pulsierenden Brooklyn ins beschauliche Riverburg in Maine umziehen. Deren achtzehnjähriger Tochter Hazel, Hauptfigur dieses Romans, ...

In vier Teilen geht es um die jüdische Akademikerfamilie Blum, die vom pulsierenden Brooklyn ins beschauliche Riverburg in Maine umziehen. Deren achtzehnjähriger Tochter Hazel, Hauptfigur dieses Romans, passiert in der dortigen Senior-Highschool-Abschlussklasse als Neuzugang ein ernst zu nehmender sexueller Machtmissbrauch durch den Schuldirektor. Am ersten Schultag eröffnet er ihr grenzüberschreitend in seinem Büro: Jedes Jahr suche ich mir eine Schülerin aus, mit der ich Sex habe. Dieses Jahr nehme ich dich. Und Hazel sagt: NEIN.
Die Familienmitglieder werden im ersten Teil vorgestellt: Hazels Vater, Professor für Amerikanistik am College in Riverburg, dessen Stelle mit einer sehr benötigten Studienbeihilfe für Hazel verbunden ist. Ihre Mutter Claire vertieft sich vor allem in Shopping, Vintage-Bekleidung favorisierend. Hazels 11-jähriger Bruder Wolf mit ADHS-Syndrom und unterdurchschnittlicher Sozialkompetenz wird zu verzerrt und nicht altersgerecht dargestellt. Überhaupt nehmen die Nebenschauplätze wie die Cancel-Story in der Vorlesung des Vaters, das langweilige Hausfrauendasein der Mutter oder Hazels Kontakt zum Studenten Noah zu viel ablenkenden Raum ein. Im Kern geht es doch um eine junge Frau mit starkem Wunsch, erfolgreiche Schriftstellerin zu werden und dies trotz ausgrenzender, gesellschaftlicher Widrigkeiten und sogar hautnah spürbarem Rassismus aufgrund ihrer mutigen Entscheidung. Zwischen den angerissenen Themen wie Machtmissbrauch, Antisemitismus, dynamische Medienmechanismen nebst Feminismus verlieren sich die Ängste und Unsicherheiten in Hazels Leben. Ihr überlegter Weg, wieder die notwendige Kontrolle über ihr Leben zurück zu erlangen, ist kein rebellischer Umgang des Opfers mit der traumatischen Erfahrung und mag jüngeren Frauen auch vom Schreibstil her gefallen. Dass natürlich auch alle Familienmitglieder und das zerrissene Umfeld in der Kleinstadt auf die mehrfachen Äußerungen des Schuldirektors White verschieden reagieren, wird berücksichtigt. Während er, der Täter, zum großen Teil Randfigur bleibt, verläuft Hazels Umgang mit eigener innerer Zerrissenheit und Schuldzuweisung vergleichsweise zu oberflächlich, emotional schlecht greifbar.
Mehr Tiefgang beim Thema sexueller Belästigung, mehr Konzentration auf die emotionale Komponente bei der jungen Hauptfigur, mehr Gewicht auf einen sensiblen Schreibstil hätte man sich gewünscht.

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Veröffentlicht am 01.02.2026

Eine leichte Sommergeschichte!

Das letzte Kind hat Fell
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Die sommerliche Szenerie spielt größenteils in Olhao, Portugal, zwischen Strand, portugiesischem Ambiente und quirligem Familienchaos. Thematisiert werden mit der Adoption der Hündin Fellina die emotionale ...

Die sommerliche Szenerie spielt größenteils in Olhao, Portugal, zwischen Strand, portugiesischem Ambiente und quirligem Familienchaos. Thematisiert werden mit der Adoption der Hündin Fellina die emotionale Bindung und Vermenschlichung von Haustieren, aber auch der große Wunsch nach sinnvoller Lebensveränderung speziell im Rentenalter, weg vom bisherigen, allzu stark eingefahrenen Alltag. Die bunte Mischung der Familienmitglieder, mit eigenwilligen Rentnern, ihrer LKW fahrenden Tochter und deren erwachsenem schwulem Sohn, sorgt nicht nur für komische bis humorvolle Alltagsszenen, sondern auch für Peinlichkeiten rund um das Thema Homosexualität. Jede Figur hat andere Lebenserwartungen, Zweifel und Freiheitsgedanken, verbunden mit dem Wunsch nach neuen, liebevollen Akzenten. Die Offenheit für zufällige Ereignisse im Leben, die Bereitschaft für Neues und Ungeplantes werden bewusst herausgestellt. Obwohl der Umgang mit Emotionen und sexueller Orientierung etwas Tiefenwirkung zeigt, schwingt mehr Urlaubsfeeling durch gefällige Landschaftsbeschreibungen mit. Drei Generationen einer bunten Familie voller Erwartungen an einen Neuanfang – eher leichte Kost!

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Veröffentlicht am 31.01.2026

Interessante Szenarien des 30-jährigen Krieges in historischem und fiktivem Zusammenspiel interessanter Akteure

TINTE und SCHWERT, Sonderedition
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Das Cover dieses historischen Romans zeigt den Galgenbaum nach Jacques Callot (1632), bereinigt um all die bereits gehängten Marodeure und Deserteure des 30-jährigen Krieges. Rechts vom Baum würfeln sie ...

Das Cover dieses historischen Romans zeigt den Galgenbaum nach Jacques Callot (1632), bereinigt um all die bereits gehängten Marodeure und Deserteure des 30-jährigen Krieges. Rechts vom Baum würfeln sie auf der Trommel um ihr Leben vor anwesenden Geistlichen und Truppenmitgliedern. So hielt man lt. Kriegsrecht die damalige militärische Disziplin überzeugend aufrecht.
In diesem 1. Band der Trilogie geht es von Juni 1618 bis Juni 1619 um den Religionskrieg der Protestantischen Union und den kaiserlichen Katholiken mit beschriebenen Gefechten um Pilsen und Budweis. Dieser Böhmisch-pfälzische Krieg wendet sich gegen den Kaiser und die Habsburger. Neben vielen historischen Fakten, geknüpft an wichtige Kriegsakteure, entspannt sich eine fiktive Geschichte um den leibeigenen Bauernsohn Jacob Wolffen, den 17-jährigen, frommen Schwächling aus Bachthal, und um die junge Heilerin Anna Dillenberger aus Pilsen, deren Mutter als Hexe verurteilt wurde. Im Vergleich zu Anna wirkt sein warmherziger Charakter besonders in Sachen Hexerei und Gottvertrauen zu naiv. Neben Beschreibungen zu Kampftechniken und Waffengattungen, zu Lebensbedingungen für Bevölkerung und Soldaten geht es auch um dunkle Geheimnisse der jungen Leute, die auf ihrem cleveren, mutigen Rachefeldzug für lang ersehnte Gerechtigkeit sorgen. Die verschiedenen Szenerien in vielen Extremsituationen wirken authentisch. Die militärische Praxis ist für Laien schlüssig und lebendig beschrieben.

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Veröffentlicht am 30.01.2026

Ein unkonventionelles Frauenleben in besonderem Licht!

Tage des Lichts
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Das Cover, ein Gemälde in sommerlicher Farbgebung, drückt über das warme Spiel von Licht und Schatten durch ein nostalgisch angehauchtes Fenster ein angenehmes Ambiente aus. Auf Cressingdon, einem fiktiven, ...

Das Cover, ein Gemälde in sommerlicher Farbgebung, drückt über das warme Spiel von Licht und Schatten durch ein nostalgisch angehauchtes Fenster ein angenehmes Ambiente aus. Auf Cressingdon, einem fiktiven, abgeschiedenen Landsitz in üppiger landschaftlicher Idylle um 1938 mit einem Atelier für unkonventionelle Bohemians wie ihre einflussreichen, malenden Eltern, dort wächst Ivy mit ihrem geliebten Bruder Joseph auf. Als Treffpunkt für Intellektuelle und Künstler ähnlich der Bloomsbury-Gruppe wird deren Zuhause beschrieben. Mit dem Buchtitel wird auf folgende sechs entscheidende Tage im Leben der Protagonistin Ivy angespielt.
Am Ostersonntag 1938 trifft Josephs Freundin Franzes erstmalig auf seine Familie auf dem Anwesen, an diesem Tag ertrinkt er aber auch beim Schwimmen im nahen Fluss. Mit großem Einfühlungsvermögen beschreibt die Autorin neben der komplexen Intensität verstörter Gefühle der ganzen Familie besonders die Betroffenheit und drastische Leere nebst Sinnsuche in Ivys Leben mit 19 Jahren. Ihre unerfüllten Sehnsüchte werden überschattet von gesellschaftlichen Zwängen, nun auch von Schuldgefühlen.
Der zweite entscheidende Tag fällt auf den Apriltag von Josephs Beerdigung und Ivys Entschluss, an der Seite des älteren Familienfreundes Baer ihren sicheren Platz zu finden.
Sechs Jahre später zwischen Bomben, Explosionen und Feuer ist Ivys langweiliges Eheleben mit ihren 25 Jahren auch durch 2 Kinder eingeengt und auf die Gleichheit der Tage in 1944 beschränkt, bis durch Frances und ihre gemeinsamen Erinnerungen an Joseph auch eine sexuelle Intimität über drei Jahre erfolgt. Die Beschreibung ihrer leisen, heimlichen Liebesgeschichte ist glaubwürdig und berührend.
Erst im April 1956, nach weiteren 12 Jahren, trifft die mittlerweile vereinsamte Ivy, nun Witwe und ihre Mädchen im Internat, wieder auf Frances in London, romantisch gestimmt. Nie hat sie ihre tiefe Beziehung zu ihr als unangemessen erachtet. Neben den lebhaften Erinnerungen an Joseph verbindet sie beide immer noch das Mysterium, das sie gegenseitig in sich auslösen. Doch anstatt gemeinsam in die veränderte Welt nach dem 2. Weltkrieg hinaus zu gehen, bewegt sich Frances von ihr weg. Ivy findet schließlich emotional aufgelöst in einer Londoner Kirche zu Gründonnerstag das in neuer Form zurückgekehrte Licht – Frieden suchend.
So verwundert der fünfte entscheidende Tag im Leben von Ivy nicht, dass sie fast fünfzig-jährig im April 1965 als Nonne unterwegs zur sterbenden Mutter, aber auf gleichem Weg auch zu Frances ist, mittlerweile geschieden und als Journalistin arbeitend. Beider Brunnen des Verlangens war noch nicht versiegt.
Als Achtzigjährige nun blickt Ivy am Ostersonntag 1999 auf viele gemeinsame Jahre erfüllten Lebens voller Liebe mit Frances und folgt an diesem entscheidenden letzten Tag dem rätselhaften Licht wie dem vor vielen Jahrzehnten am schicksalhaften Fluss.
Themen wie die Liebe zwischen Frauen oder die Selbstfindung innerhalb einer unkonventionellen Künstlerfamilie mit inneren Unsicherheiten werden sehr einfühlsam und gedanklich detailliert dargelegt. Mit dem religiösen Einblick auf die Osterfeiertage mit Fußwaschung, Psalmen und Gebeten aus der Lutherbibel, mit authentischem Ausschnitt aus dem Klosterleben von Nonnen erhält dieser Roman noch mehr Tiefe, zeigt überzeugend den inneren Zwiespalt der Hauptfigur Ivy.

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