In der Lüneburger Heide lebt und arbeitet der 19-jährige Schäfer Jannes Kohlmeyer mit seinen Ängsten um die Demenz seines Vaters, um eventuelle Wolfsrisse. In seiner wortkargen Einsamkeit wird er außerdem ...
In der Lüneburger Heide lebt und arbeitet der 19-jährige Schäfer Jannes Kohlmeyer mit seinen Ängsten um die Demenz seines Vaters, um eventuelle Wolfsrisse. In seiner wortkargen Einsamkeit wird er außerdem bedrängt durch die geisterhafte Frauenfigur Rose. Neben Informationen zum heutigen Schäferberuf und über die besonderen landschaftlichen Eigenheiten bleiben einige Themenbereiche nur angerissen. Die Bedrohung durch einen Wolf wird zum angedeuteten Politikum mit „Abschussfreunden“ wie Jannes Opa, die ideologisch den Wolf nicht in die deutsche Kulturlandschaft gehörend sehen. Antisemitisches drückt sich mit dem Heimatdichter Hermann Löns, dem Judasfeuer von Karl Röder und dem Brief von Edith Balas aus dem KZ-Außenlager Tannenberg in diese scheinbare Naturidylle, die auch vom Öko-Tourismus lebt.
Die Dialoge sind insgesamt wenig kreativ, betonen die dörfliche Tristesse versenkt im jugendlichen Alkoholismus. Die sinnvolle generationsübergreifende Hofübernahme wird schwer belastet durch Demenz und Finanzen. Inwieweit Traditionen und Heimatgefühle in diesem Berufsbereich überleben werden, bleibt offen, eine gewisse Ohnmacht und kreisendes Schweigen andeutend.
Ein Buch zum Nachdenken!
In drei Teilen geht es um die todbringende Diagnose des Arztes von Martin Brehm, 76, emeritierter Professor der Geschichte des Rechts und der Geschichte allgemein: Bauchspeicheldrüsenkrebs. In den ihm ...
In drei Teilen geht es um die todbringende Diagnose des Arztes von Martin Brehm, 76, emeritierter Professor der Geschichte des Rechts und der Geschichte allgemein: Bauchspeicheldrüsenkrebs. In den ihm verbleibenden Wochen geht es weniger um ihn als Patienten, um den Verlauf dieser Krankheit, sondern eindeutig um Sorgen um die 43-jährige Ehefrau Ulla, Malerin, und um seinen stillen, schüchternen 6-jährigen Sohn David.
Im 1. Teil schreibt Martin 7 Briefe für ihn mit ihm wichtigen Gedankengängen in Selbstreflexion zu Liebe, Glaube, Gott, Gerechtigkeit, Lüge und Wahrheit. Hinterlassen möchte er ihm schöne Erinnerungen z. B. an eine Tageswanderung oder über das gemeinsame Anlegen eines Komposthaufens, für ihn selbst gekoppelt an liebevolle Kindheitserinnerungen an seine eigenen Großeltern. Sein Umgang mit David ist stets liebevoll, großzügig und einfühlsam.
Im 2. Teil stehen seine Frau Ulla und ihr Doppelleben im Mittelpunkt sowie Informationen über ihren vermissten Vater. Auffällig ist hier die gefühlskalte, distanzierte Figurenzeichnung der involvierten Frauen. Auch die praktische Ulla zeigt relativ wenige Emotionen gegenüber ihrem unheilbar kranken Mann, der besorgt ist wegen der Zunahme von Schmerzen und Müdigkeit.
Im 3. Teil hegt Martin die Vorstellung von Gundolt, dem Liebhaber seiner Frau, als sinnvoller Ersatzvater für David. Sein Wunsch, Frau und Sohn versorgt zu sehen, scheitert im klärenden Gespräch mit ihm, wirkt extrem übergriffig und unrealistisch. Der Krebs im Endstadium mit ruhigen Wochen an der Ostsee und im Hospiz beendet in rationalem, nüchternem, eher emotionslosem Schreibstil den Roman. Verankert ist er thematisch im Bildungsbürgertum mit Museums-, Galerie- oder Büchereibesuchen, ziemlich entfernt von der heutigen Lebenswirklichkeit. Auch die liebevolle Vater-Sohn-Beziehung ist aufgrund des Altersunterschieds nicht alltäglich, eher unrealistisch.
Eine stille, rationale, nüchterne Beschreibung von humanem Abschied und Überlegungen zu bedeutungsvollen Hinterlassenschaften über den Tod hinaus.
Im Zentrum der Handlung steht das fiktive Dorf Vallorgàna, hoch oben in fiktiven Bergen Italiens und die alte Villa, der Adelssitz der Familie Cimamonte, der jahrhundertelang das Dorf und alles darum herum ...
Im Zentrum der Handlung steht das fiktive Dorf Vallorgàna, hoch oben in fiktiven Bergen Italiens und die alte Villa, der Adelssitz der Familie Cimamonte, der jahrhundertelang das Dorf und alles darum herum gehörte, Wiesen, Wälder und Berge. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Vallorgàna ist ein sterbender Ort mit aufgegebenen Wiesen und darauf wachsendem Wald, näherkommenden Wölfen und Krähen , die wie Unglücksvögel über dem Ort kreisen.
Seit zehn Jahren lebt im Dorf der Großeltern in deren Villa die Hauptfigur, ein junger, orientierungsloser Mann, 25, der letzte Nachkomme der Dynastie der Cimamontes seit dem 15. Jahrhundert und der Ich-Erzähler der Geschichte. Er hat das große Anwesen unten in der Stadt verkauft, lebt vom jahrhundertealten Vermögen der Familie und möchte nichts weiter als seine Ruhe haben vor der Stadt, vor der Welt, vor dem Leben. Die Tage sind ausgefüllt damit, die Villa und die ihm noch gehörenden Ländereien in Schuss zu halten, als Zaungast am Dorfleben teilzuhaben und sich abendelang mit alten Dokumenten und der Familienchronik zu beschäftigen. Der »Duca« merkt zu seinem eigenen Erstaunen, wie sich all das Wissen über seine Familie, das er sich in den letzten Jahren angelesen hat, Bahn bricht. Wie er – ohne es zu wollen – die gesellschaftlichen Strukturen der Feudalzeit verinnerlicht hat. Wie dieses Bewusstsein, auch wenn es längst nichts mehr mit der heutigen Realität zu tun hat, von Generation zu Generation vererbt wurde, bis hin zu ihm. Sein Niedergang als Adeliger ohne Bedienstete und Pächter ist unübersehbar. In seiner Gegenwart im Roman scheint es noch keine PCs und Mobiltelefone zu geben.
Nelso Tabióna, ein Alteingesessener und einer der erfahrensten Waldarbeiter des Dorfes, teilt ihm mit, dass auf dem Grund der Cimamontes – weit oben in den Bergen – ein großes Stück seines Waldes abgeholzt wurde. Hinter dieser massiven Grenzverletzung steckt Mario Fastréda, der unangefochten in Vallorgàna den Ton angibt. Es ist eine unerhörte Provokation, und das Dorf wartet stillschweigend ab, wie der »Duca« auf diesen Übergriff, auf diesen Diebstahl reagieren wird.
Diese uralten Strukturen scheinen auch heute noch unter der Oberfläche des Dorfes zu schlummern, nur kaschiert von einer dünnen Schicht der Moderne. Daher erscheint das Abholzen des Waldes nicht nur als dreister Diebstahl, sondern damit stellt Mario Fastréda die gesamte Persönlichkeit des »Duca« in Frage. Es ist ein Frontalangriff auf jahrhundertealte Traditionen, die es eigentlich gar nicht mehr gibt, die aber im Stillen trotzdem das Miteinander der Menschen in Vallorgàna prägen. Eine Respektlosigkeit, ein Fehdehandschuh. Der Ich-Erzähler nimmt diesen Fehdehandschuh auf – und damit geraten Dinge ins Rollen, die irgendwann nicht mehr zu stoppen sind. Aus Sticheleien werden Racheakte, im Dorf bilden sich Parteien und was als Ränkespiel beginnt, endet als Drama. Der »Duca« als Adeliger wägt wohl überlegt ab, wie er mit der Provokation eines Bauern umgehen soll. Wie hätte wohl jener oder dieser seiner Vorfahren in solch einem Fall gehandelt – zu Zeiten, als Streitigkeiten wie diese mit dem blanken Schwert ausgetragen wurden? Je länger weitere Gerüchte und Anschuldigungen dauern, desto mehr empfindet er die Blutlinie der Cimamontes und das Familienerbe wie ein Gefängnis und eine Bürde der Geschichte, wie eine schwere Kette, die ihn hinab in die Vergangenheit zieht.
Für einige überraschende Wendungen sorgt Maria, einer jungen, arbeitslosen Frau, Restauratorin, die aus der Stadt in das Dorf kommt und beim Ich-Erzähler nicht nur für emotionale Abwechslung sorgt. Mit ihr stehen sich auch aristokratische Werte der Moderne gegenüber. Die Schatten der Jahrhunderte mit ihren längst überwunden geglaubten Gesellschaftsstrukturen sickern zumindest in diesem Bergdorf bis in die Gegenwart ein. Was für die Ewigkeit zu gelten schien, mag vielleicht mit Maria und dem letzten, jungen »Duca« ein Ende finden.
Die Landschaftsbeschreibungen mit undurchdringlichen Wäldern, schroffen Felsformationen, Höhlen und Szenen in vollkommener nächtlicher Dunkelheit und bei extremem Sturm gefallen.
Der Schreibstil in komplexen Satzstrukturen bedient sich zuweilen auch einer antiquierten Wortwahl. Philosophische und politische Gedankengänge wirken langatmig. Insgesamt ein Roman zum Nachdenken!
Das Cover mit Orangen als Umrandung und einer jungen Frau mit Koffer, in angeglichener Farbgebung, zentriert platziert, passt bildlich sehr gut zum Inhalt der Geschichte. Als historischer Roman behandelt ...
Das Cover mit Orangen als Umrandung und einer jungen Frau mit Koffer, in angeglichener Farbgebung, zentriert platziert, passt bildlich sehr gut zum Inhalt der Geschichte. Als historischer Roman behandelt er die fiktive Geschichte der blonden Verena, kurz Reni, die als Caritaskind, unterernährt, im Wachstum gestört, im Winter 1953 von Wien zusammen mit 120 Kindern in Lissabon liebevolle Aufnahme findet. Thematisiert werden zunächst die gastfreundliche portugiesische Lebensart, ihre verschieden tiefe Freundschaft zu Familienmitgliedern ihrer Gastfamilie und der spätere politische Umbruch zur heutigen Demokratie. Mit Renis Leben als Sechzehnjährige zurück in Wien werden Themen wie familiäre Pflicht und Verantwortung in kinderloser Ehe angesprochen, kulminierend in ihrem erfolgreichen Weg zu selbstbestimmtem Leben. Alle Figuren und das landestypische Ambiente sind authentisch, realistisch und spannend in Szene gesetzt.
Ein historisch interessanter Roman in der Reihe Portugiesische Schicksalsjahre.
Aus der Perspektive der verlassenen, 47-jährigen Helene, erfolgreich als Krimiautorin, wird ihr gegenwärtiges und vergangenes Leben durchleuchtet, ob richtige oder falsche Entscheidungen auf dem eigenen ...
Aus der Perspektive der verlassenen, 47-jährigen Helene, erfolgreich als Krimiautorin, wird ihr gegenwärtiges und vergangenes Leben durchleuchtet, ob richtige oder falsche Entscheidungen auf dem eigenen Weg zur Selbstverwirklichung getroffen wurden. Neben ihrem verblassten langjährigen Eheleben mit Georg reflektiert sie in unruhigen Zeitsprüngen über ihr Verhältnis zu Alex, einem erfolgreichen britischen Autor. Den Erwartungen ihrer Mutter kann sie ihr Leben lang nicht genügen. Gefangen scheint sie zu sein in der Diskrepanz von Ängsten, Selbstzweifeln und dem äußeren, trügerischen, blendenden Erscheinungsbild von ihr. Thematisiert werden ihr Kinderwunsch, Fehlgeburten, Karriere, Liebe, Mutter sein. Der Rolle ihrer Teenager-Kinder wird verschieden großer Raum eingeräumt, für die Tochter Anne sogar eine separate Erzählebene, was irritierend, sogar überflüssig wirkt. In zahlreichen detailliert beschriebenen Alltagsszenen geht es um die stellenweise langatmige Entfremdung in ihrer Ehe, um das Gefühl emotionaler Leere, was der Schreibstil treffend und ehrlich erfasst. Unglaubwürdig lesen sich dagegen die Passagen rund um die Hausrenovierung und um die erneute Annäherung von Georg in der zweiten Buchhälfte. Unterhaltsam!