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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.10.2025

Hundert Seiten mehr hätten dem Buch gut getan ...

Irgendwann werden wir uns alles erzählen
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Mit ihrem Erstlingswerk „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ schickt mich die Autorin Daniela Krien in die DDR im Jahr 1990. Noch hat sich trotz des Mauerfalls nicht viel geändert, von einem gemeinsamen ...

Mit ihrem Erstlingswerk „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ schickt mich die Autorin Daniela Krien in die DDR im Jahr 1990. Noch hat sich trotz des Mauerfalls nicht viel geändert, von einem gemeinsamen Deutschland scheint noch weit und breit keine Spur. Die junge Protagonistin Maria wohnt gemeinsam mit ihrem Freund Johannes auf dem „Brendel-Hof“, den seine Eltern betreiben. Die 18-Jährige ist verträumt und liest viel lieber zu Hause Bücher, anstatt zur Schule zu gehen. Gleich nebenan steht der Henner-Hof, dessen Besitzer Henner dort allein lebt und rundherum als eigenbrötlerisch gilt. Seine harsche Art sorgt für Argwohn unter den Dorfbewohnern, man meidet ihn, wo man nur kann. Als jedoch Maria dem Bauern Henner eines Tages zufällig begegnet, ist sie sofort fasziniert und lässt sich mit ihm auf eine tragische Liebesbeziehung ein …

Puh, das ist kein leichter Tobak, was uns die Autorin hier präsentiert. Es werden solch ernste Themen wie Gewalt in einer Beziehung und sexuelle Abhängigkeit behandelt, die durch die großartige Sprecherin Anna Thalbach auf wunderbare Weise in Szene gesetzt werden. Leider werden viele wichtige Zusammenhänge nur sehr an der Oberfläche angesprochen, womit ich sagen möchte, dass ich der Geschichte alles in allem viel mehr Raum gewünscht hätte. Ich vergebe diesmal deshalb mit drei von fünf Sternen leider nur eine Note im mittleren Segment verbunden mit einer bedingten Leseempfehlung. Weitere Werke Daniela Kriens werde ich aber im Auge behalten und gebe diesen gerne eine Chance.

Veröffentlicht am 29.10.2025

Hier hätte man mehr draus machen können ...

Munk
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Jan Weiler … ich kenne ihn und seinen skurrilen Sinn für Humor aus seiner Reihe rund um Kühn – habe ich in Hörbuchform geliebt – und aus dem Markisenmann, der für mich leider schon ein wenig schwächer ...

Jan Weiler … ich kenne ihn und seinen skurrilen Sinn für Humor aus seiner Reihe rund um Kühn – habe ich in Hörbuchform geliebt – und aus dem Markisenmann, der für mich leider schon ein wenig schwächer war. Umso mehr freute ich mich nun als mir „Munk“ in die Hände fiel, ein Buch, das allein schon durch sein ungewöhnliches Cover auf sich aufmerksam machte.

Im Mittelpunkt des Romans steht Herr Peter Munk, der mit nur 51 Jahren einen Herzinfarkt erleidet, dem Tod nochmal von der Schippe springt und nun während einer Rehabilitation nochmals alle Menschen in sein Gedächtnis rufen soll, die ihn während eines großen Teils seines Lebens geformt haben. Was liegt da näher als vergangene Liebschaften auszugraben und nochmal zu hinterfragen, welchen Unterschied diese weiblichen Wesen in seinem Leben gemacht haben. Gesagt, getan lässt Munk also in jedem Kapitel eine der dreizehn Frau wieder an die Oberfläche tauchen …

Mhhhh … schon während ich nun diese Rezension schreibe, finde ich, dass sich das nur mäßig spannend anhört und tatsächlich stellte sich „Munk“ auch als ein unaufgeregtes Buch heraus, dessen Inhalt mir wohl nicht lange im Gedächtnis bleiben wird. Ein witziger Ansatz reicht irgendwie nicht. Mir fehlte diesmal der schräge Schreibstil, über den ich bei Kühn so lachen konnte. Vielleicht wäre das ein wenig überspannte Thema in einem Hörbuch besser rübergekommen? Leider komme ich bei der Buchform nicht über drei gut gemeinte Sterne hinaus. Das können Sie besser, lieber Herr Weiler!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
Veröffentlicht am 29.10.2025

Sigmund Freud wäre stolz gewesen ...

Die Psychoanalytikerin
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Das neueste Buch der Spiegel Bestseller Autorin Melanie Metzenthin ist – wie sollte es anders sein – mal wieder ein voller Erfolg. So ganz nebenbei erwähnt schreibt Melanie aber nicht nur Bücher, sondern ...

Das neueste Buch der Spiegel Bestseller Autorin Melanie Metzenthin ist – wie sollte es anders sein – mal wieder ein voller Erfolg. So ganz nebenbei erwähnt schreibt Melanie aber nicht nur Bücher, sondern ist zudem Fachärztin für Psychiatrie und praktiziert in ihrem Beruf in ihrer Heimatstadt Hamburg, was ihr einen riesigen Vorteil verschafft … sie weiß, wovon sie spricht, wenn es um Psychoanalyse geht.

Doch zunächst zum Inhalt ihres Romans „Die Psychoanalytikerin“, der in Hamburg vor guten hundert Jahren spielt. Die Protagonistin Vera Albers verliert ihren geliebten Mann an den „Großen Krieg“ und bleibt als trauernde Witwe mit seiner Arztpraxis zurück, in der sie schon zu seinen Lebzeiten mitgearbeitet hat. Doch sie mag die Hände nach seinem Tod nicht in den Schoß legen und beschließt die Praxis als Psychoanalytikerin weiterzuführen. Die unterschiedlichsten Menschen auf der Suche nach Hilfe finden den Weg zu ihr, so unter anderem der Kriegsveteran Herrmann Braun und Johanna Schuster, die mit einem Kriegsversehrten verheiratet ist. Als Herr Braun wenig später tot aufgefunden wird und dem Seinen kurz darauf weitere Todesfälle folgen, wird die Polizei auf Vera Albers aufmerksam. Wie sich herausstellt, haben alle Toten in irgendeiner Form mit ihrer Praxis zu tun. Eine zunächst zaghafte, dann immer engere Zusammenarbeit zwischen Vera und Kommissar Bender beginnt sich zu formen und als Leser wird man unwillkürlich in die Geschichte hineinkatapultiert und folgt den Beiden auf immer verworrener werdenden Pfaden ...

Eigentlich hatte ich einen „normalen Roman“ erwartet als ich „Die Psychoanalytikerin“ aufschlug und war umso positiver überrascht, als sich die Geschichte mehr und mehr zu einem spannenden Kriminalfall entwickelte, bei dem es Spaß machte, mitzuraten. Gegen Ende war mir dann klar, wie alles zusammenhing, aber dennoch bin ich immer wieder beeindruckt davon, was für Ideen in Melanies Kopf rumwuseln, aus denen sie dann fesselnde Geschichten strickt. Für „Die Psychoanalytikerin“ bekommt sie deshalb von mir mit fünf Sternen die volle Punktzahl. Hier hat einfach alles gepasst! Lieben Dank für viele wunderbare Lesestunden.

Veröffentlicht am 27.10.2025

Zu wahr um erfunden zu sein?

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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Das neue Buch der charmanten österreichischen Autorin Vea Kaiser beruht – man glaubt es kaum – auf wahren Tatsachen! Eine Buchhalterin im renommierten Hotel Sacher im Herzen Wiens betrog ebendieses gute ...

Das neue Buch der charmanten österreichischen Autorin Vea Kaiser beruht – man glaubt es kaum – auf wahren Tatsachen! Eine Buchhalterin im renommierten Hotel Sacher im Herzen Wiens betrog ebendieses gute dreißig Jahre lang um insgesamt über vier Millionen Euro. Vea Kaiser nutzt diese spektakuläre Betrugsgeschichte als Aufhänger für ihren eigenen neuen Roman „Fabula Rasa“, der inzwischen die Bestsellerlisten stürmt.

Mit Angelika Moser kreiert die Autorin eine Protagonistin, die nicht das Glück hatte, mit einem silbernen Löffel im Mund geboren worden zu sein, die aber sehr klug und fleißig ist und durch ihre eher unauffällige Erscheinung einfach vertrauenswürdig wirkt. Nachdem sie die Party feiernde Nachtszene ausgiebigst ausgelebt hat, schafft sie es, in einem Grand Hotel in Wien eine Anstellung als Buchhalterin zu ergattern. Nach einiger Zeit fällt ihre Beflissenheit Hoteldirektor und -besitzer Frohner auf, der sie gerne für seine eigenen Zwecke gewinnen will. Widerstrebend lässt sie sich darauf ein, nicht aber ohne schließlich auch aus der Not heraus zu ihrem eigenen Vorteil zu wirtschaften. Was im Kleinen beginnt, nimmt schließlich eine Dynamik an, derer es schwer ist, sich zu entziehen. Kann Angelika dieses Doppelleben aufrechterhalten und dennoch morgens in den Spiegel schauen?

Mit „Fabula Rasa“ entführt mich Vea Kaiser ins Wien der 80er Jahre und danach, lässt mich teilhaben an der wilden Partyszene aber auch am berühmten Opernball, bei dem wohl so manches junge Mädchen gerne als Debütantin dabei gewesen wäre. Sie schafft es geschickt, mir die Protagonistin so sympathisch zu machen, dass ich dieser ihre Gesetzesübertretungen oft verzeihe, ja sogar Verständnis für sie entwickle. Mein geliebtes Wien wird vor meinen Augen lebendig und weckt in mir Sehnsüchte nach einer baldigen Reise in die österreichische Hauptstadt. Trotz dieser vielen positiven Punkte empfand ich die Geschichte an manchen Stellen aber ein wenig langatmig, ja fast unspektakulär, so dass ich ein kleines Sternchen abziehen muss. Dennoch möchte ich den Roman mit vier schillernden Sternen anpreisen und wünsche der Autorin eine große und begeisterte Leserschaft. Vea Kaiser ist ein Name, den man sich merken sollte!

Veröffentlicht am 25.10.2025

Ein barbarischer Krieg gegen Mensch und Umwelt

Die Frauen jenseits des Flusses
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Da ich selbst zwar nur am Rande mit dem Vietnam Krieg in Verbindung gekommen bin, aber dafür hautnah durch Mann und Söhne den Balkan Krieg sowie die schrecklichen Konflikte im Iraq und Afghanistan miterleben ...

Da ich selbst zwar nur am Rande mit dem Vietnam Krieg in Verbindung gekommen bin, aber dafür hautnah durch Mann und Söhne den Balkan Krieg sowie die schrecklichen Konflikte im Iraq und Afghanistan miterleben musste, war dieses Buch für mich schon fast Pflichtlektüre, ein Begriff, der aber in keinster Weise negativ behaftet ist!

Mich hat „Die Frauen jenseits des Flusses“ der von mir sehr geliebten Autorin Kristin Hannah von der ersten Seite an fasziniert. Ich lerne die junge Frances kennen, die recht glücklich und behütet aber doch auch sehr in ihrer ihr zugedachten Rolle erzogen wird. Die Familie ist wohlhabend, materiell mangelt es der jungen Frau an nichts, und doch fühlt sie sich gegenüber ihren Eltern im Vergleich zu ihrem Bruder Finley, mit dem sie eine enge Beziehung verbindet, oft zurückgesetzt. Aber Finley, den der Vater vergöttert und ihm einen prominenten Platz an seiner „Heldenwand“ gibt, verliert sein Leben in Vietnam. Die ganze Familie versinkt in tiefer Trauer, doch Frankie möchte das „warum“ verstehen und meldet sich heimlich als Krankenschwester bei der US-Army. Aber schon bei ihrer Ankunft am Kriegsschauplatz Vietnam verschlägt es ihr den Atem. Ohne Schonfrist wird sie ins kalte Wasser geworfen und wird Zeugin von durch sinnlose Kämpfe verursachtem Leid, Brutalität und Tod. Doch sie kämpft – mit sich selbst, gegen Ungerechtigkeiten und gegen die allgemein verbreitete Meinung zu Hause, dass Frauen in Vietnam nichts verloren haben – denn auch Frauen können Helden sein!

Immer wieder musste ich beim Lesen eine Pause einlegen, denn das Buch nahm mich gefühlsmäßig unheimlich mit. Wie blind und fast grausam war damals die amerikanische Bevölkerung gegenüber den Heimkehrern. Hier hatte keiner je von Trauma-Verarbeitung gehört, ganz im Gegenteil! Die armen Einsatzkräfte wurden allein und schutzlos zurück in ihre Heimat geschickt, wo sie angefeindet und verachtet wurden. Auch Frankie braucht lange, um das Erlebte zu verarbeiten und ich fragte mich beim Lesen oft, ob sie es je wieder ins normale Leben schaffen würde, und ich fragte mich auch, was für sie das normale Leben eigentlich bedeutete.

Kristin Hannah überzeugt in diesem Roman mit einer Bild- und Wortgewalt, die ihres Gleichen sucht. Oft meinte ich den Lärm der Rotoren und die explodierenden Bomben in Vietnam zu hören aber auch Teil der unheimlichen Stille zu sein, die Frankie bei der Rückkehr in ihre Familie erwartete. Ich vergebe, nachdem ich das Gelesene ein wenig habe sacken lassen, hier mit fünf Sternen die absolute Bestnote. Während Kriege nach wie vor grausam und in meinen Augen absolut unnötig und verachtenswert sind, bin ich doch froh, dass man wenigstens aus den Fehlern ein wenig gelernt hat und den heimkehrenden Soldaten heutzutage ein offenes Ohr schenkt. Dennoch wird traurigerweise immer wieder deutlich, dass ein Krieg niemals die Antwort oder eine Problemlösung sein kann!!