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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.10.2025

Zu wahr um erfunden zu sein?

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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Das neue Buch der charmanten österreichischen Autorin Vea Kaiser beruht – man glaubt es kaum – auf wahren Tatsachen! Eine Buchhalterin im renommierten Hotel Sacher im Herzen Wiens betrog ebendieses gute ...

Das neue Buch der charmanten österreichischen Autorin Vea Kaiser beruht – man glaubt es kaum – auf wahren Tatsachen! Eine Buchhalterin im renommierten Hotel Sacher im Herzen Wiens betrog ebendieses gute dreißig Jahre lang um insgesamt über vier Millionen Euro. Vea Kaiser nutzt diese spektakuläre Betrugsgeschichte als Aufhänger für ihren eigenen neuen Roman „Fabula Rasa“, der inzwischen die Bestsellerlisten stürmt.

Mit Angelika Moser kreiert die Autorin eine Protagonistin, die nicht das Glück hatte, mit einem silbernen Löffel im Mund geboren worden zu sein, die aber sehr klug und fleißig ist und durch ihre eher unauffällige Erscheinung einfach vertrauenswürdig wirkt. Nachdem sie die Party feiernde Nachtszene ausgiebigst ausgelebt hat, schafft sie es, in einem Grand Hotel in Wien eine Anstellung als Buchhalterin zu ergattern. Nach einiger Zeit fällt ihre Beflissenheit Hoteldirektor und -besitzer Frohner auf, der sie gerne für seine eigenen Zwecke gewinnen will. Widerstrebend lässt sie sich darauf ein, nicht aber ohne schließlich auch aus der Not heraus zu ihrem eigenen Vorteil zu wirtschaften. Was im Kleinen beginnt, nimmt schließlich eine Dynamik an, derer es schwer ist, sich zu entziehen. Kann Angelika dieses Doppelleben aufrechterhalten und dennoch morgens in den Spiegel schauen?

Mit „Fabula Rasa“ entführt mich Vea Kaiser ins Wien der 80er Jahre und danach, lässt mich teilhaben an der wilden Partyszene aber auch am berühmten Opernball, bei dem wohl so manches junge Mädchen gerne als Debütantin dabei gewesen wäre. Sie schafft es geschickt, mir die Protagonistin so sympathisch zu machen, dass ich dieser ihre Gesetzesübertretungen oft verzeihe, ja sogar Verständnis für sie entwickle. Mein geliebtes Wien wird vor meinen Augen lebendig und weckt in mir Sehnsüchte nach einer baldigen Reise in die österreichische Hauptstadt. Trotz dieser vielen positiven Punkte empfand ich die Geschichte an manchen Stellen aber ein wenig langatmig, ja fast unspektakulär, so dass ich ein kleines Sternchen abziehen muss. Dennoch möchte ich den Roman mit vier schillernden Sternen anpreisen und wünsche der Autorin eine große und begeisterte Leserschaft. Vea Kaiser ist ein Name, den man sich merken sollte!

Veröffentlicht am 25.10.2025

Ein barbarischer Krieg gegen Mensch und Umwelt

Die Frauen jenseits des Flusses
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Da ich selbst zwar nur am Rande mit dem Vietnam Krieg in Verbindung gekommen bin, aber dafür hautnah durch Mann und Söhne den Balkan Krieg sowie die schrecklichen Konflikte im Iraq und Afghanistan miterleben ...

Da ich selbst zwar nur am Rande mit dem Vietnam Krieg in Verbindung gekommen bin, aber dafür hautnah durch Mann und Söhne den Balkan Krieg sowie die schrecklichen Konflikte im Iraq und Afghanistan miterleben musste, war dieses Buch für mich schon fast Pflichtlektüre, ein Begriff, der aber in keinster Weise negativ behaftet ist!

Mich hat „Die Frauen jenseits des Flusses“ der von mir sehr geliebten Autorin Kristin Hannah von der ersten Seite an fasziniert. Ich lerne die junge Frances kennen, die recht glücklich und behütet aber doch auch sehr in ihrer ihr zugedachten Rolle erzogen wird. Die Familie ist wohlhabend, materiell mangelt es der jungen Frau an nichts, und doch fühlt sie sich gegenüber ihren Eltern im Vergleich zu ihrem Bruder Finley, mit dem sie eine enge Beziehung verbindet, oft zurückgesetzt. Aber Finley, den der Vater vergöttert und ihm einen prominenten Platz an seiner „Heldenwand“ gibt, verliert sein Leben in Vietnam. Die ganze Familie versinkt in tiefer Trauer, doch Frankie möchte das „warum“ verstehen und meldet sich heimlich als Krankenschwester bei der US-Army. Aber schon bei ihrer Ankunft am Kriegsschauplatz Vietnam verschlägt es ihr den Atem. Ohne Schonfrist wird sie ins kalte Wasser geworfen und wird Zeugin von durch sinnlose Kämpfe verursachtem Leid, Brutalität und Tod. Doch sie kämpft – mit sich selbst, gegen Ungerechtigkeiten und gegen die allgemein verbreitete Meinung zu Hause, dass Frauen in Vietnam nichts verloren haben – denn auch Frauen können Helden sein!

Immer wieder musste ich beim Lesen eine Pause einlegen, denn das Buch nahm mich gefühlsmäßig unheimlich mit. Wie blind und fast grausam war damals die amerikanische Bevölkerung gegenüber den Heimkehrern. Hier hatte keiner je von Trauma-Verarbeitung gehört, ganz im Gegenteil! Die armen Einsatzkräfte wurden allein und schutzlos zurück in ihre Heimat geschickt, wo sie angefeindet und verachtet wurden. Auch Frankie braucht lange, um das Erlebte zu verarbeiten und ich fragte mich beim Lesen oft, ob sie es je wieder ins normale Leben schaffen würde, und ich fragte mich auch, was für sie das normale Leben eigentlich bedeutete.

Kristin Hannah überzeugt in diesem Roman mit einer Bild- und Wortgewalt, die ihres Gleichen sucht. Oft meinte ich den Lärm der Rotoren und die explodierenden Bomben in Vietnam zu hören aber auch Teil der unheimlichen Stille zu sein, die Frankie bei der Rückkehr in ihre Familie erwartete. Ich vergebe, nachdem ich das Gelesene ein wenig habe sacken lassen, hier mit fünf Sternen die absolute Bestnote. Während Kriege nach wie vor grausam und in meinen Augen absolut unnötig und verachtenswert sind, bin ich doch froh, dass man wenigstens aus den Fehlern ein wenig gelernt hat und den heimkehrenden Soldaten heutzutage ein offenes Ohr schenkt. Dennoch wird traurigerweise immer wieder deutlich, dass ein Krieg niemals die Antwort oder eine Problemlösung sein kann!!

Veröffentlicht am 19.10.2025

Enid Blyton ... eine Getriebene ...

Enid Blyton. Geheimnis hinter grünen Hecken
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Enid Blyton … diesen Namen habe ich in meiner Kindheit stets mit spannendem Lesestoff verbunden. Besonders die Bücher rund um die Fünf Freunde, Dolly und natürlich – heißgeliebt – Hanni und Nanni habe ...

Enid Blyton … diesen Namen habe ich in meiner Kindheit stets mit spannendem Lesestoff verbunden. Besonders die Bücher rund um die Fünf Freunde, Dolly und natürlich – heißgeliebt – Hanni und Nanni habe ich in meiner Kindheit verschlungen. Beliebt waren diese Bücher auch als Geschenk bei einer Einladung zum Kindergeburtstag, und ich war immer ganz heiß darauf eines dieser oft im Schneider Buch Verlag aufgelegten Bücher in der ortsansässigen Buchhandlung erwerben zu dürfen.
Nun war ich als Erwachsene sehr neugierig darauf, wer sich hinter dieser Enid Blyton verbirgt, und nahm deshalb ganz gespannt den biografischen Roman „Enid Blyton: Geheimnis hinter grünen Hecken“ zur Hand. Präsentiert wird er mir durch die Autorin Maria Regina Kaiser, die unter anderem schon den bekannten Schriftstellerinnen Selma Lagerlöf, Astrid Lindgren und Annette von Droste-Hülshoff eine Bühne bot. Schnell tauchte ich ein in eine interessante Lebensgeschichte, die sich zwar flüssig und schlüssig lesen ließ, mich aber von der Frau als solche her absolut enttäuschte. Während man nicht umhin kommt ihren Ehrgeiz zu bewundern, macht dieser sie gleichzeitig so unsympathisch, dass ich mich manchmal fast schwertat, das Buch erneut in die Hand zu nehmen. So erfolgreich sie als Schriftstellerin war und so aufregend ich damals ihre Kinderromane fand, so sehr hat sie mich als Mensch enttäuscht. Sie hat zu Gunsten ihrer „Schreiberei“ ihre Rolle als Mutter und auch Ehefrau ganz hintenangestellt und war für ihr Umfeld sicher nicht immer leicht zu ertragen. Lediglich ihren Vater, der die Familie schließlich verließ als sie noch ein Kind war, stellt sie auf ein schier unerreichbares Podest und ist voller Bewunderung für ihn. Ich kann für dieses Buch diesmal leider nur drei von fünf Sternen vergeben mit einer doch sehr eingeschränkte Leseempfehlung. Schade.

Veröffentlicht am 17.10.2025

Und keiner wird dir glauben ...

Ohne Spur
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Nach einem Ehemartyrium will Audra Kinney einfach nur noch weg, weg von ihrem gewalttätigen Ehemann und seiner manipulativen und gefährlichen Mutter. Sie schnappt ihre Kinder und macht sich auf den Weg ...

Nach einem Ehemartyrium will Audra Kinney einfach nur noch weg, weg von ihrem gewalttätigen Ehemann und seiner manipulativen und gefährlichen Mutter. Sie schnappt ihre Kinder und macht sich auf den Weg zu einer Freundin in Kalifornien, bei der Audra und die beiden Kinder leider nie ankommen. Was ist unterwegs passiert? In einem kleinen Wüstenort in Arizona wird sie wegen eines doch recht fadenscheinigen Grunds vom Sheriff vor Ort angehalten, der ihr anordnet, ihren Kofferraum zu öffnen in dem er dann – man glaubt es kaum – tatsächlich ein Tütchen mit Drogen findet. Audra hat dieses noch nie zuvor gesehen, doch alle Unschuldsbeteuerungen werden abgewiesen, sie wird verhaftet und von ihren Kindern getrennt. Als sie schließlich ihr Recht einfordert, die Kinder sehen zu dürfen, behauptet der ortsansässige Ordnungshüter, nie irgendwelche Kinder in ihrem Auto gesehen zu haben. Schnell wird sie als Mörderin ihrer eigenen Kinder hingestellt und ihr schlimmster Albtraum beginnt Formen anzunehmen, denn niemand schenkt ihr Glauben …

Der Klappentext des Hörbuchs verspricht einen rasanten Thriller, den ich mir auf keinen Fall entgehen lassen wollte. Beim Lesen der kurzen Zusammenfassung versetzte ich mich unwillkürlich in die Lage der armen jungen Mutter Audra. Gibt es wohl ein schlimmeres Horrorszenario, als wenn einem vor den eigenen Augen die Kinder gekidnappt werden?

Sehr bewegend werden die Gedankengänge und Gefühle Audras im Buch in Szene gesetzt und auch die – man kann es nicht anders nennen – abgrundtiefe Boshaftigkeit Sheriff Whitesides, der hier, wenn nötig über Leichen gehen würde, wird eindrucksvoll dargestellt. Die Hintergründe des Verbrechens ließen mich sprachlos zurück und ich musste beim Hören oft Schlucken ob der Gnadenlosigkeit, mit der der Sheriff auf Kosten Unschuldiger seine Ziele verfolgte. Dem Autor Haylen Beck – ein Pseudonym des bekannten nordirischen Schriftstellers Stuart Neville – gelingt es zwar nicht ganz, den Spannungsbogen durch den Roman im Ganzen hochzuhalten, dennoch hielt er mich bei der Stange und ich konnte tief eintauchen in diesen ein wenig anderen Kriminalroman. Von mir gibt es dafür vier sehr verdiente Sterne verbunden mit einer absoluten Hörempfehlung.

Veröffentlicht am 16.10.2025

Zwei getrennte Schwestern ... kann das gut gehen?

Der Kaffeegarten. Die Farbe des Meeres
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Ziemlich nahtlos fügt sich dieser zweite Teil an den ersten an, so dass ich das Gefühl hatte, Sylt gar nicht verlassen zu haben. Wieder treffe ich auf die Schwestern Elin und Matei, wobei Matei sich mehr ...

Ziemlich nahtlos fügt sich dieser zweite Teil an den ersten an, so dass ich das Gefühl hatte, Sylt gar nicht verlassen zu haben. Wieder treffe ich auf die Schwestern Elin und Matei, wobei Matei sich mehr und mehr ihrer Malerei widmet und sich durch den Künstler Hannes von Bransbeck dazu verführen lässt, Sylt den Rücken zu kehren. Ganz groß raus bringen will er sie, die begabte Malerin, in Hamburg und verspricht ihr das Blaue vom Himmel. Doch wird sie glücklich werden in der Alster Metropole so fern der Heimat, ganz ohne ihre Schwester? Diese hält derweil die Stellung auf der Insel, stemmt den Kaffeegarten aber vor allem vermisst sie Matei. Werden die Beiden wieder zueinander finden?

Alles in allem habe ich mich in diesem zweiten Band wieder sehr gut aufgehoben gefühlt und er hat für ein schönes Hörerlebnis gesorgt. Die beiden jungen Frauen bleiben sympathisch, aber dennoch hat mir diesmal trotz der vielen Erlebnisse der Beiden ein wenig die Spannung gefehlt. Viele Hamburger Szenen ließen die im Titel angekündigte „Farbe des Meeres“ doch sehr in den Hintergrund treten. Ich wurde gut unterhalten, aber irgendwie ist für mich die Geschichte um Elin und Matei auserzählt, so dass ich mir Band drei nicht mehr besorgen werde. Ich vergebe für den Kaffeegarten Band zwei verdiente vier von fünf Sternen und bedanke mich ganz herzlich bei der Autorin Anke Petersen für eine ungewöhnlich Reise auf die inzwischen leider viel zu beliebte und dadurch oft überlaufene Insel Sylt. Ich durfte hier das Sylt vor hundert Jahren kennenlernen und ließ mir dort gerne den Wind um die Nase wehen!

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