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Veröffentlicht am 03.05.2026

Reise durch ein verändertes Land

Der amerikanische Albtraum
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Klaus Brinkbäumer hat lange als Korrespondent in den USA gelebt. Und er ist - das ist seinem Buch "Der amerikanische Albtraum" deutlich anzumerken - seit seinen Schüler- und Studententagen fasziniert ...

Klaus Brinkbäumer hat lange als Korrespondent in den USA gelebt. Und er ist - das ist seinem Buch "Der amerikanische Albtraum" deutlich anzumerken - seit seinen Schüler- und Studententagen fasziniert vom "Land der unbegrenzten Möglichkeiten". Liebt es vielleicht ein bißchen zu unkritisch, denn vieles, was auch früher schon schwer mit dem (Selbst-)Bild des Landes, in dem jeder es schaffen kann, zu vereinen war, wird in seiner Sammlung von Essays und Gesprächen ausgeblendet.

Brinkbäumer geht auf Reise durch die USA, um zu sehen, wie sich das Land ein Jahr seit der zweiten Trump-Präsidentschaft verändert hat. Das Buch beruht auf einer Artikelreihe für die "Zeit". Der Autor spricht mit Wissenschaflern, Journalisten, Analysten, auch mit Vertretern der MAGA-Bewegung und zeigt ein verändertes Land. "Der amerikanische Alptraum" ist nicht das erste Buch, dass den Rechtsruck, die Anti-Migrationspolitik der Trump-Administration, den Einfluss von Big Tech und Big money aufzeigen. Andere Bücher, die ich in den vergangenen Monaten zu dem Thema gelesen habe, waren da noch analytischer, noch beißender.

Brinkbäumers Buch ist immer auch ein persönliches - ein Autor, der Amerika liebt und damit hadert, was aus dem Land geworden ist, das für ihn für Freiheit und Aufbruch stand. Der direkte Vergleich, die Erinnerungen an eine bessere Vergangenheit und ein Klima, das den so gerne propagierten amerikanischen Werten widerspricht, machen den Reiz des Buches aus.

Was mich persönlich stört: Man bleibt hier gewissermaßen unter sich im Diskurs bildungsbürgerlicher Eliten. Brinkbäumer spricht mit Menschen, die er wohl zum Teil schon lange kennt aus seiner Korrespondententätigkeit. Doch selbst, wenn er mit MAGA-Leuten spricht, sind es deren bekannte Stimmen aus Podcasts und Radiosendungen, nicht mit den Menschen aus abgehängten Regionen, aus dem Mittleren Westen oder den Appalachen. Ebenso wenig kommen diejenigen zu Wort, die nun von Abschiebung bedroht sind, die den amerikanischen Alptraum ganz unmittelbar erleben. Oder LGBTQ-Menschen, deren Alltag durch Trumps "Es gibt nur zwei Geschlechter"-Haltung verändert wird. Das Buch hätte gewonnen, wenn es auch solche Perspektiven gezeigt hatte.

Veröffentlicht am 03.05.2026

Tod eines Taubenzüchters

Schräge Vögel – SOKO Zwergsäger
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Außer ihrer Liebe zu Vögeln haben der pensionierte Pathologe Harald, die alleinerziehende Mutter Sabine, Student Thilo und Altphilologin Katja nicht besonders viel gemeinsam. Ein gemeinsam gelöster Mordfall ...

Außer ihrer Liebe zu Vögeln haben der pensionierte Pathologe Harald, die alleinerziehende Mutter Sabine, Student Thilo und Altphilologin Katja nicht besonders viel gemeinsam. Ein gemeinsam gelöster Mordfall hat sie aber zu Freunden gemacht. In Anna Täubers Cozy-Krimi "Schräge Vögel - SoKo Zwergsäger" ermittelt das ungleiche Quartett ein weiteres Mal. Denn Haralds Kumpel und Schrebergartennachbar gerät unter Mordverdacht, als ein Taubenzüchter tot auf seinem Grundstück gefunden wird. Die beiden Männer hatten sich heftig gestritten. Klar, dass die übrigen Freunde Harald nicht im Stich lassen, wenn er die Unschuld seines Freundes beweisen will.

Wie schon der erste Band um die Abenteuer der Hobby-Ornithologen am Chiemsee lebt das Buch von den sehr unterschiedlichen und durchaus eigenwilligen Charakteren. Die Protagonisten haben sich zusammengerauft, zwischen dem grantelnden Harald und dem vegan lebenden und politisch stets korrekten Thilo ist eine Freundschaft entstanden, die am Anfang des ersten Bandes ausgeschlossen schien. Katja, die zwar mit lateinischen Zitaten um sich werfen kann, deren Sozialkompetenz aber noch deutlich ausbaufähig ist, macht vorsichtige Schritte auf ihre irische Kollegin zu, in die sie sich heimlich verliebt hat. Und auch für Sabine ist trotz Doppelbelastung mit pubertierendem Sohn und pflegebedürftiger Mutter ein bißchen Romantik drin.

Vor allem aber geht es natürlich um Vögel - die wildlebenden und die, die als Zuchttiere Tausende von Euros wert sein konnen. Wo es um viel Geld geht, können sich auch schon mal Abgründe auftun - Doping im Taubensport ist da nur ein Beispiel. An Verdächtigen mangelt es den Hobby-Detektiven nicht, schwieriger ist es schon die zuständigen professionellen Ermittler von ihren Überlegungen zu überzeugen. Dass Harald gerne so tut, als sei er immer noch im Dienst der Polizei, hilft da nicht wirklich.

"Soko Zwergsäger" steht dem ersten Band nicht da. Liebenswerter Cozy-Krimi, in dem nicht nur die Vögel schräg sind.

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Tödliche Beziehungskrisen

The Exes
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In Liebesdingen hatte Natalie, die Protagonistin in Leodora Darlingtons Psychothriller "The Exes" bisher wenig Glück. Alle ihre bisherigen Freunde erwiesen sich als ausgesprochen toxisch. Doch dann lernt ...

In Liebesdingen hatte Natalie, die Protagonistin in Leodora Darlingtons Psychothriller "The Exes" bisher wenig Glück. Alle ihre bisherigen Freunde erwiesen sich als ausgesprochen toxisch. Doch dann lernt sie James kennen: Freundlich, zuvorkommend, sanftmütig - ein bißchen kompliziert ist, dass er auch ihr Chef ist. Doch nach einem nicht ganz so zufälligem Treffen im Pub führt eins zum anderen und schließlich zur Hochzeit.

Wenn das schon alles wäre, wäre "The Exes" ein langweiliger Gefühlsroman. Ist er aber ganz und gar nicht, denn nach und nach entblättert Darlington Natalies Vergangenheit in Form von Briefen, die sie an ihre Ex-Freunde schrieb. Briefe, die niemanden mehr erreichen können - die drei sind nämlich allesamt tot. Eine merkwürdige, aber immerhin mögliche Häufung von Zufällen? Natalie stand zum jeweiligen Todeszeitpunkt unter Drogen- oder Alkoholeinfluss und kann sich an nichts erinnern. Aber so richtig traut sie sich selbst nicht. Kein Wunder, dass sie schon seit längerem die Hilfe einer Psychotherapeutin sucht.

Und nicht genug mit den Schatten der Vergangenheit - auch die Ehe mit James ist plötzlich nicht mehr so rosarot-traumhaft, wie es anfangs schien. Könnte mit James´älterem Bruder zusammenhängen, der nicht gerade der netteste Zeitgenosse ist und auch vor Erpressung nicht zurückschreckt.

Fast scheint klar, dass Natalie zur Rettung ihrer Ehe zu ziemlich drastischen Maßnahmen schreiten muss - doch dann ist doch wieder alles ganz anders. Natalie erkennt, dass James ebenfalls ein paar Geheimnisse hat, die ihn zu einem deutlich weniger vollkommenen Ehemann machen. Schlimmer noch, er hat selbst ein paar Leichen im Beziehungskeller. Macht das dieses Ehepaar zu Traumpartners a la Mr und Mrs Smith? Oder wird diese Ehe für einen von ihnen zur Todesfalle?

Darlington schafft es, mit immer neuen Wendungen sicher geglaubtes in Frage zu stellen und ganz neue Perspektiven einer Paardynamik aufzuwerfen, die sich in das Gegenteil des romantischen Anfangs verkehrt. Doch das ist nicht der einzige Überraschungseffekt, für die die Autorin in diesem spannenden Roman sorgt. Am Ende kommt bei einigen neuen Entwicklungen durchaus Schnappatmung auf.

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Veröffentlicht am 03.03.2026

Surferkrimi in Tropenparadies

Heaven's Gate
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Bei Asia Noir habe ich bisher immer an koreanische oder japanische Krimis gedacht. Daniel Fassbender rückt mit "Heaven´s Gate" aber auch ein tropisches Inselparadies auf den Philippinen in düstere Stimmung. ...

Bei Asia Noir habe ich bisher immer an koreanische oder japanische Krimis gedacht. Daniel Fassbender rückt mit "Heaven´s Gate" aber auch ein tropisches Inselparadies auf den Philippinen in düstere Stimmung. Sein Protagonist Caruso, ehemaliger Profisurfer und als Privatdetektiv bislang eher mit Kleinigkeiten wie gestohlenen Mopeds beschäftigt, rückt ebenfalls zunehmend in die Nähe der hard boiled Detektive der klassischen Noir-Serie, die von schönen Frauen betrogen werden und reichlich Prügel kassieren. Das vermeintliche Paradies entpuppt sich als ein Sumpf von Drogen und Korruption, dass auch noch ein Taifun aufzieht, scheint da nur konsequent.

Eine schöne, reiche Spanierin heuert Caruso an, der bisher zwischen Surfen und viel Alkohol ein recht entspanntes Leben hatte. Ihr Sohn ist verschwunden und hat sich mit seinem Plan, groß ins Drogengeschäft einzusteigen, offensichtlich übernommen. Caruso stößt bei seinen Ermittlungen nicht nur auf Gegenwind, sondern auch auf Gefahren. Mit dem Vermisstenfall ist er auf ein Hornissennest gestoßen und weiß bald nicht mehr, wem er eigentlich noch trauen kann. Unerwartete Hilfe gibt es von einem ehemaligen Hamburger Zuhälter und Ex-Drogenhändler, der eigentlich entschlossen war, nun ein halbwegs sauberes Leben zu führen, aber in dem Fall persönliche Motive hat.

Ich-Erzähler Caruso ist ähnlich lakonisch und mit einem unsentimentalem, ironischen Blick auf sich selbst und seine halb gescheiterte Existenz wie die Helden der "schwarzen Serie". Ein wenig erfährt man dazu noch über Wellen, Surferszene und den Rausch des Ozeans. Ein spannender Krimi nicht nur für Strandurlaub.

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Veröffentlicht am 22.02.2026

Aus der Parallelgesellschaft der Superreichen

Yacht oder nicht Yacht
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In seinem Buch "Yacht oder nicht Yacht" schildert Evan Osnos Alltag und Problemchen aus einer Parallelgesellschaft, zu der die Leser*innen höchstwahrscheinlich keinen Zugang haben und auch niemals haben ...

In seinem Buch "Yacht oder nicht Yacht" schildert Evan Osnos Alltag und Problemchen aus einer Parallelgesellschaft, zu der die Leser*innen höchstwahrscheinlich keinen Zugang haben und auch niemals haben werden. Das Buch ist eine Zusammenstellung von Artikeln, die der Autor in den vergangenen Jahren für den "New Yorker" geschrieben hat und handelt von der Welt der Superreichen, die nicht einfach nur Millionäre, sondern Mehrfachmilliardäre sind.

Die wachsende politische Bedeutung und Einflussmöglichkeiten der Tech-Milliardäre und Oligarchen in den USA werden hier eher gestreift, die einzelnen Kapitel ermöglichen eher den Blick in das Innenleben und die Denkweise der Menschen mit altem und neuem Geld, die immer noch nicht genug haben.

Bei den titelgebenden Yachten handelt es sich natürlich nicht um schnöde Segelboote, sondern um Super- und Megayachten. Osnos schreibt über Privatkonzerte, bei denen ein Hip Hop Star mal eben eine Gruppe 13-jähriger auf einer Bar Mitzwah bespielt, er zeigt ultrareiche Prepper und die Suche nach exklusiven Rückzugsräumen etwa auf Neuseeland, um Sicherheit vor den Folgen von Klimawandel und politischen Spannungen zu bekommen. Faszinierend auch das Kapitel über eine Selbsthilfegruppe von Wirtschaftskriminellen aus der Welt der Wall Street und der Hedgefonds, die bei Insiderhandel oder Anlagebetrug kein schlechteres Gewissen haben als Normalbürger beim Schwarzfahren oder Falschparken - nach dem Motto: Wenn es alle machen, kann es ja nicht so schlimm sein.

Dass Osnos überhaupt Zugang zu seinen Gesprächspartner erhielt, mag auch an dem richtigen Stallgeruch liegen - er wuchs in Greenwich auf, der immer wieder zitierten "Hedgefond Capital" im südlichen Connecticut und stammt mütterlicherseits aus einer WASP-Familie mit altem Geld. Das dürfte bei Interviewanfragen geholfen haben. Noch erhellender ist der Blick in die Welt der Superreichen allerdings durch die Gespräche mit den Menschen aus dem Dienstleistungssektor, der sich um sie herum gebildet hat: Immobilienmakler und Bau-Developer für die Menschen, die schon alles Haben, Musikagenten und Yacht-Personal, Menschen, die viel Geld damit verdienen, den ganz besonderen Service zu bieten, den ihr Klientel rund um die Uhr erwartet. Trotz mancher Verschwiegenheitsklausel ist das eine recht erhellende Lektüre.

Osnos schreibt unterhaltsam, ohne sich den Porträtierten anzubiedern. Er zeigt auch, wie sich der Umgang mit dem Ultrareichtum verändert hat und welche Einflussmöglichkeiten für die Superreichen bestehen, aber auch, wie die Wohlstandsschere und die Diskrepanzen im Einkommen von CEOs und Mitarbeitern immer weiter auseinanderklaffen.