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Veröffentlicht am 07.05.2025

Outlaw- und Außenseiterroman

Dein Herz, ein wildes Tier
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Sie sind Biker, Meth-Köche, Späthippies - die Bewohner eines ehemaligen Jugendcamps in Oklahoma, die sich von Geld aus dem Drogenverkauf finanzieren. Jardine Libaires Roman "Dein Herz, ein wildes Tier" ...

Sie sind Biker, Meth-Köche, Späthippies - die Bewohner eines ehemaligen Jugendcamps in Oklahoma, die sich von Geld aus dem Drogenverkauf finanzieren. Jardine Libaires Roman "Dein Herz, ein wildes Tier" beginnt mit der Beschreibung der Kommune und der Ankunft ihres jüngsten Mirtglieds, einem Großfamilienleben der anderen Art.

Doch dann geht etwas schief und vier Mitglieder der Community finden sich mit einem Haufen Geld auf der Flucht: Das Bikerpaar Ray und Staci, der labile Ernie und Coral, Neuzugang der Kommune. Die 17-jährige ist so gut wie taub und spricht nicht, was in ihr vorgeht, darüber können die anderen nur rätseln. Und dennoch fühlen sie sich für sie verantwortlich. Ex-Stripperin Staci entwickelt zum eigenen Erstaunen so etwas wie Mutterinstinkt. Ernie wiederum ist fasziniert von Coral, steigert sich in Verliebtsein hinein.

Nur Ray, eher Typ einsamer Wolf, findet, dass plötzlich zu viel Nähe entstanden ist, träumt vom Ausbrechen. Auf dem Motorrad den Highway entlangbrettern, andere Biker treffen, trinken, eine gepflegte Schlägerei. Die alte Farm in Texas, die sie günstig gemietet haben, ist für ihn plötzlich so etwas wie eine Fessel. Mit frtisch angelegtem Garten, Selbstversorgung mit eigenen Tomaten - so viel Häuslichkeit ist Ray unheimlich.

Und doch bleibt die kleine Schicksalsgemeinschaft zusammen. Ein wenig ist Libaires Roman ein Coming of Age Roman, dessen junge Heldin allerdings ihre Gedanken und Gefühle verschließt. Was in ihr vorgeht, darüber können die anderen drei nur rätseln. Oder sind sie es, die sich hier verändern, reifen, erwachsen werden und mit 40, 50 Jahren eine lange Pubertät von Sex, Drugs und Rock´n´roll langsam hinter sich lassen, jedenfalls feststellen, dass es noch anderes gibt?

Dass die Landidylle in Texas wohl nicht für immer währt, das machen schon die Schnüffeleien des Vermieter-Neffens klar, der ein bißchen sehr neugierig auf die neuen Bewohner reagiert.Die Autorin nähert sich ihren Outlaw- und Außenseiter-Protagonisten ohne Urteil, und zeigt eine rauhe Zärtlichkeit, in der zwar jederzeit Gewalt explodieren kann, aber auch Träume ihren Platz haben. Ungewöhnlich und lesenswert.

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Veröffentlicht am 07.05.2025

Ermittlungen mit dem Herzen einer Toten

Das zweite Herz
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Der amerikanische Krimi-Autor Michael Connelly ist vor allem für seine Serien über den Polizei-Detective Harry Bosch und den "Lincoln Lawyer" Mickey Haller bekannt. Zu seinen kleineren Spin-offs gehört ...

Der amerikanische Krimi-Autor Michael Connelly ist vor allem für seine Serien über den Polizei-Detective Harry Bosch und den "Lincoln Lawyer" Mickey Haller bekannt. Zu seinen kleineren Spin-offs gehört aber auch der FBI-Profiler Terry McCaleb, ein Experte für Serienmörder. In einem Fall der Bosch-Serie unterstützte er den Polizisten. "Das zweite Herz" ist dagegen ganz McCaleb gewidmet.

Der Blick in die Abgründe psychopathischer Killer hat McCaleb wohl buchstäblich das Herz gebrochen: Dank der Transplantation eines Spenderorgans überlebte er. Doch sein Gesundheitszustand zwang ihn in den Vorruhestand. Mit Mitte 40 lebt McCaleb ein Rentnerleben im Yachthafen, in dem er das alte Boot seines Vaters wieder seefähig machen will. Da sein Brustbein nach der Operation am offenen Herzen noch nicht verheilt ist, darf er noch nicht einmal Auto fahren - sollte sich im Falle eines Unfalls der Airbag öffnen, hätte das für McCaleb nicht lebensrettende, sondern tödliche Folgen.

Und doch ist es nicht nur die Langeweile über ein vielleicht zu ruhiges Leben, das den Ex-Ermittler dazu bringt, der Bitte einer Frau nachzukommen, den Mord an ihrer Schwester zu untersuchen. Denn die tote Frau war Organspenderin und hatte eine seltene Blutgruppe - wie McCaleb. Es ist ihr Herz, das McCaleb ein neues Leben ermöglicht hat.

Bei seinen Untersuchungen stößt McCaleb auf einen Mord, in dem ähnlich vorgegangen wurde. Gibt es einen Zusammenhang? Die offiziellen Ermittler sind nicht gerade begeistert, dass sich der Ex-FBI-Mann in ihre ungelösten Fälle einmischt. Doch wie perfide der Täter vorgegangen ist und dass die Opfer keineswegs zufällig gefunden wurden, erkennt McCaleb erst spät. Krimi-Routinier Connelly sorgt gerade im letzten Teil des Buches für eine überraschende Wende, die selbst McCaleb als Kenner des Bösen noch überraschen kann. Sehr konstruiert? Vielleicht. Aber das tut der Spannung keinen Abbruch.

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Veröffentlicht am 05.05.2025

Freundinnen mit Geheimnissen

Bad Tourists
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Kate, Camilla und Darcy sind Freundinnen - doch eigentlich wissen die drei Frauen nicht viel übereinander. Eine mehr als 20 Jahre zurückliegende Tragödie verbindet die drei Frauen, nun feiern sie mit einem ...

Kate, Camilla und Darcy sind Freundinnen - doch eigentlich wissen die drei Frauen nicht viel übereinander. Eine mehr als 20 Jahre zurückliegende Tragödie verbindet die drei Frauen, nun feiern sie mit einem gemeinsamen Urlaub in einem Luxusresort auf den Malediven Darcys Scheidung. Doch dann zeigt sich in Caro Carvers Urlaubsthriller "Bad Tourists", dass die Freundschaft des Trios nicht unbedingt auf Ehrlichkeit beruht und es Geheimnisse gibt, die bei Aufdeckung einen Abgrund verraten.

Die traumhafte Szenerie verbreitet Urlaubsstimmung, doch das Inselparadies hat seine dunklen Seiten. Das gilt auch für die Flitterwöchner Rob und Jade. Sehr schnell wird den drei Freundinnen klar, dass Rob seine deutlich jüngere Frau misshandelt. Doch hat er auch mit dem traumatischen Erlebnis in ihrer Vergangenheit zu tun?

Kate war als Studentin die einzige Überlebende eines Massakers an sechs Menschen in einem Guesthouse. Zu den Toten gehörten Camillas Zwillingsbruder und Darcys Freund. Die drei sehr unterschiedlichen Frauen lernten sich über eine Facebook-Gruppe für Angehörige kennen und freundeten sich an. Sie sind überzeugt: Der geständige Täter, der nur einen Monat nach seiner Verurteilung im Gefängnis starb, handelte nicht allein...

Aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, schürt "Bad Tourists" mit Andeutungen so manchen Verdacht und legt falsche Spuren. Dramatische Wendungen, große Emotionen und ein brachialer Showdown sorgen für reichlich Spannung. Flüssig und fesselnd geschrieben, läuft der Thriller auf eine große Überraschung zu, die ich nicht erwartet hätte. Das ist Strandlektüre mit Gänsehautfaktor.

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Veröffentlicht am 04.05.2025

Rentner-Detektive zwischen Hamlet und Hundemord

Crime im Heim
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Es gibt mehr Dinge im Altersheim, als auf den Tod zu warten - jedenfalls für Yogalehrerin Katja, den Impresario Friedhelm und die übrigen Mitglieder einer leicht exzentrischen Seniorengruppe, die sich ...

Es gibt mehr Dinge im Altersheim, als auf den Tod zu warten - jedenfalls für Yogalehrerin Katja, den Impresario Friedhelm und die übrigen Mitglieder einer leicht exzentrischen Seniorengruppe, die sich zusammengeschlossen hat, um "Hamlet" auf die Bühne ihres Seniorenheims zu bringen. Es ist eine recht unterschiedlich zusammengewürfelte Truppe, die in Ida Tannerts Cozy-Krimi "Crime im Heim" zusammenkommt: Die verwitwete Gräfin, die Hunde lieber mag als Menschen und nicht nur eine eindrucksvolle Waffensammlung mit ins Heim genommen hat, sondern auch weiß, wie man Schlösser knackt. Der Zahnarzt, der im Innern immer noch ein Rebell a la James Dean ist und eine Vorliebe für Heavy Metal hat. Der reimende Lehrer, der Vogelfreund mit empfindlichem Darm und Rollator, der sensible Ex-Bauer Hans, der spanische Lyrik liebt und der Anarchist, trotz Arthritis und Diabetes immer noch im Herzen Revolutionär und als Neuzugang im Heim Auslöser einiger Ereignisse, die erst im Laufe der Handlung aufgeklärt werden.

Am Anfang jedoch steht ein Mord am Mops einer Heimbewohnerin. Zwar konnte kaum jemand außer der Besitzerin das bissige kleine Vieh leiden - aber Schüsse im Park der Senioren, das geht nun wirklich nicht. Als dann auch noch eine menschliche Leiche auftaucht, fühlen sich die Senioren zwar leicht überfordert, nehmen aber die Herausforderung an, auch diesem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Gar nicht so einfach, wenn die bevormundende Heimleiterin versucht, die Aktivitäten ihrer Schützlinge zu kontrollieren.

Während die einen mit Feuereifer als Hobby-Detektive loslegen, ist nur Friedhelm verzweifelt: Wird sein Hamlet je zur Aufführung kommen? Oder lassen sich die unorthodoxen Ermittlungen gewissermaßen als method acting verwerten? Der humorvoll geschriebene Cozy erinnert ein wenig als Richard Osmans Donnerstag-Mordclub, der trotz altersbedingter Einschränkungen gar nicht daran denkt, im seniorengerechten Relaxsessel dahinzudämmern. Dass nicht alle so rüstig und aktiv sind wie die Schauspielgruppe, wird ebenfalls nicht verschwiegen. Altwerden ist kein reines Vergnügen. Dieses Buch allerdings schon.

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Veröffentlicht am 04.05.2025

Girl Power gegen toxische Männlichkeit

Riot Girl
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Als Sachbuchautorin befasst sich Susanne Kaiser mit Mysogynie, Genderstereostypen, toxischer Männlichkeit, Sexismus und Feminismus. Da ist es kaum verwunderlich, dass auch in ihrem Debütroman Gewalt gegen ...

Als Sachbuchautorin befasst sich Susanne Kaiser mit Mysogynie, Genderstereostypen, toxischer Männlichkeit, Sexismus und Feminismus. Da ist es kaum verwunderlich, dass auch in ihrem Debütroman Gewalt gegen - sehr junge - Frauen thematisiert wird. In "Riot Girl" schlagen die Mädchen, denn es geht um eine Bewegung von Teenagerinnen - zurück, organisieren sich über soziale Medien und die Vertaggung durch Influencerinnen, um flashmobs zu organisieren, die buchstäblich Wellen schlagen.

LKA-Forensikerin Obalski wird als verdeckte Ermittlerin ins Münchner Jugendamt eingeschleust, um Informationen über die Organisation der Influenzas und ihre Ziele zu ermitteln. Schon bald stellt sie fest - es scheint eine Untergruppe zu geben, die sich radikalisiert. Als nach einer konspirativen Party an der Isar eine Leiche auftaucht, stellt sich die Frage - greifen die Gruppenmitglieder auch zu Gewalt? Und was hat es mit dem runenförmigen Symbol zu tun, das bei mehreren Mädchen in den Arm geritzt wurde? Sind das Selbstverletzungen oder Spuren von systematischer Gewalt, denen sie ausgesetzt sind?

Obalski hat schon bald das Gefühl, dass ihr die Zeit davonläuft - nicht nur, weil Interna der Soko an die Medien durchgestochen werden. Es muss einen "Maulwurf" im Kreis der Ermittler geben. Kann sie ihren Kollegen trauen? Verstörende Bilder lassen zudem darauf schließen, dass es eine Gruppe mächtiger Männer gibt, die darauf abfahren, Mädchen Gewalt anzutun.

Vielleicht liegt es ja an den Fällen, mit denen sich Kaiser in ihrer nicht-literarischen Tätigkeit befasst, aber die Charaktere des Romans sind ein wenig sehr holzschnittartig geraten. Hier die Träger männlicher Privilegien, da die Machos und Aufreißer unter Obalskis Kollegen und in ihrer Stammkneipe und als einsamer Leuchtturm in der Nacht toxischer Männlichkeit eben die empathische Obalski, die nicht nur als erste den Durchblick hat, sondern auch ziemlich problemlos das Vertrauen der Mädchen gewinnt. Da sind die Rollen einfach zu klischeehaft verteilt, um echte Spannung aufkommen zu lassen und das Ergebnis erinnert ein bißchen an Agitprop-Literatur wie in den 70-er Jahren. Vielleicht hätte die Autorin ihren Leser*innen genug Intelligenz und Empathie zutrauen sollen, Schlussfolgerungen zu ziehen, ohne dass jedes Mal der Wink mit der Litfassäule kommen muss. Schade angesichts des wichtigen Themas. Der Plot ist dennoch spannend und nachdenkenswert.

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