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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.08.2019

Das ist also Otto.

Otto
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Otto ist pensionierter Ingenieur und Jude. Als Patriarch herrscht er regelrecht über seine Familie und tut das bis ins hohe Alter hinein, auch als er schon krank und gebrechlich ist. Er ist starrsinnig ...

Otto ist pensionierter Ingenieur und Jude. Als Patriarch herrscht er regelrecht über seine Familie und tut das bis ins hohe Alter hinein, auch als er schon krank und gebrechlich ist. Er ist starrsinnig und stur und seine Töchter Timna und Babi können es ihm eigentlich nie so richtig recht machen. Auch ihre fast täglichen Besuche sind seiner Ansicht nach nicht ausreichend, denn sie kümmern sich ja überhaupt nicht um ihn, beklagt er wehleidig.

Auf die Geschichte von „Otto“ war ich wirklich gespannt, das Cover finde ich durchaus ansprechend und interessant – in gewisser Weise einfach gehalten und doch so aussagekräftig. Unter dem Buchumschlag kommt ein dunkelbraun-güldenes, ja gar kupferfarbenes Buch zum Vorschein.

Der Schreibstil des Buches war ein bisschen gewöhnungsbedürftig, aber alles in allem gut zu lesen und zu verstehen. Schwierige Wörter, Fremdwörter oder gar Fachbegriffe kommen eigentlich nicht vor, gelegentlich mal jüdische Begriffe wie die verschiedenen Feiertage. Aber diese werden dann auch kurz erläutert. Es liest sich mit der Zeit dann recht flüssig, wenn der Vater(Siebenbürge, jüdisch) spricht, ist der Satzbau etwas anders, aber das macht ihn eben charakteristisch auch aus. Das ist für mich auch absolut in Ordnung und passt zum Buch.

Inhaltlich wusste ich ja auch nicht wirklich, was da alles genau auf mich zukommt – und so habe ich die Geschichte einfach entspannt auf mich zukommen lassen beim Lesen. Die Geschichte ist interessant, teilweise sehr komisch, manchmal ziemlich zum Wundern. Manchmal möchte man Otto echt helfen, denn er sieht vieles schon sehr eng und streng. Aber auch die Mutter lebt ihr Leben und das auf ihre so ganz eigene Art. So sind Timna und Babi manchmal gefühlt auf sich alleine gestellt und das schon recht früh, sie organisieren sich selbst so gut es eben geht. Im Buch, das aus der Sicht von Timna erzählt, erfährt man, dass sie die regelrecht Starke in der Familie ist, denn sie wurde vom Vater schon immer eher gelobt, Babi nicht wirklich. Ihr traut er auch heute noch nicht soviel zu. Doch so sehr, wie Otto einen hier empört, so hat man teilweise fast manchmal Mitleid mit ihm. Und kann sich köstlich über die kuriosen Szenen amüsieren, in denen er Dinge, die man als Tochter vielleicht nicht unbedingt wissen möchte, mit.

Für mich war das ein unterhaltsamer Roman der anderen Art. Es ist keine klassische Unterhaltungsliteratur, sondern regt durchaus auch ein wenig zum Nachdenken an. Grundsätzlich ist es wohl so, dass Juden generell andere bzw. hohe Erwartungen an die Familie haben, als wohl christliche Familien. So zumindest habe ich das inzwischen dank verschiedener Bücher bzw. auch Filme erlebt. Das ist für mich völlig in Ordnung, denn meiner Ansicht nach darf jeder seine Art und Weise haben, man sollte gegenseitig einfach Toleranz üben. „Otto“ kann ein durchaus charmanter Mann sein, der aber eben auch gelegentlich sehr skurril ist, mich oft zum Schmunzeln aber auch Kopfschütteln gebracht hat. Lediglich das Ende lässt mich etwas ratlos zurück und auch zwischendurch gab es manchmal eher langatmige Szenen. Alles in allem hat mir das Buch überraschend gut gefallen, eine Lektüre der völlig anderen Art, unterhaltsam wie humorvoll und gut geschrieben, so dass ich wirklich im Lesefluß war. Von mir gibt es hier eine Empfehlung und 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 05.08.2019

Eine spannende Kreuzfahrt mit Déjà-vus.

Wunder & so - Falls ich dich küsse
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Lou und Amy, beide 15 Jahre alt und beste Freundinnen, gehen auf eine unvergessliche Reise: Sie dürfen Lou’s Großeltern auf eine Kreuzfahrt begleiten – mit Butlern, wunderbaren Kleidern und einer Ausstattung ...

Lou und Amy, beide 15 Jahre alt und beste Freundinnen, gehen auf eine unvergessliche Reise: Sie dürfen Lou’s Großeltern auf eine Kreuzfahrt begleiten – mit Butlern, wunderbaren Kleidern und einer Ausstattung aus Samt und Seide. Doch schon bald kommt ihnen etwas komisch vor, Sam kommt Lou irgendwie seltsam vertraut vor und immer wieder wird sie von Déjà-vus heimgesucht. Als ob sie Sam schon einmal getroffen hätte. Gleichzeitig darf sie ihm aber nicht vertrauen, eine schwere Angelegenheit…

Die Geschichte des Jugendbuches klang für mich spannend und emotional zugleich, entsprechend war ich auf die weitere Umsetzung wirklich gespannt. Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Eine verständliche, klare Sprache, die aber doch sehr ausdrucksstark ist. Auch an manchen Gesprächen im Buch merkt man, dass hier wirklich Inhalt dahinter steckt. Vom Schreibstil her eine sehr angenehme Geschichte für mich, wirklich gut zu lesen. (Was man auch daran gemerkt hat, dass ich es wirklich schnell gelesen hatte.)

Die Geschichte entwickelt sich für mich in einem angenehmen Tempo. Natürlich geht mal etwas schnell, richtig rasant, aber es ist nicht so, dass alles gleich direkt klar war. Genau das hat mir an diesem Buch auch echt gut gefallen, der Schein trügt immer mal wieder. Die Charaktere haben mir gut gefallen, zeigen sie doch deutlich die aktuelle Situation auf. (Es ist eine Mode-Bloggerin mit an Bord, die sehr von sich überzeugt ist.) Diesen Ansatz fand ich interessant und auch wie diese Charaktere dargestellt werden hat mir echt zugesagt. Die Geschichte erschien mir zwar auch immer mal ein bißchen abstrus hinsichtlich der oft auftauchenden Déjà-vus, aber das hielt sich soweit doch im Rahmen. Alles in allem fand ich es schön, wie sich hier eine interessante, lustige, wirklich spannende und auch emotionale Geschichte entspinnt. Gerade die Darstellung der Liebe in diesem Buch hat mir sehr gut gefallen, aber auch hinsichtlich mancher weiterer Aussagen (über das Verstehen).

Von mir gibt es hier 5 von 5 Sternen für eine wirklich tolle Lektüre, ein super geschriebenes Jugendbuch, das man aber auch als Erwachsener natürlich lesen kann. Dafür spreche ich eine Empfehlung aus.

Veröffentlicht am 01.08.2019

Geisterjäger John Sinclair ermittelt wieder.

John Sinclair - Folge 132
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Ed Gurny ist als Buchhalter für seinen Boss Logan Costello tätig und sammelt so Gelder aus dem Menschenhandel- und Drogenmilieu ein. Doch dann steht plötzlich eines Tages Jossip Semec Gurny in seiner Tür ...

Ed Gurny ist als Buchhalter für seinen Boss Logan Costello tätig und sammelt so Gelder aus dem Menschenhandel- und Drogenmilieu ein. Doch dann steht plötzlich eines Tages Jossip Semec Gurny in seiner Tür – und alles ändert sich plötzlich…

Die Romane rund um John Sinclair gibt es ja schon sehr lange und natürlich auch entsprechende Hörspiele. Da ich bislang kein Hörspiel dieser Reihe gehört hatte, war ich gespannt wie diese Geschichten so aufgebaut bzw. umgesetzt sind.

Und da ist das hier definitiv ein Hörspiel, denn man wird dabei wirklich „bespielt“. Grandiose Filmmusik bzw. musikalische Einspieler, die die entsprechenden Szenen untermalen, Geschirrklappern, Hintergrundgeräusche – das ist wirklich spannend gemacht. Teilweise tut man sich ein wenig schwer, weil mehrere Personen gleichzeitig sprechen bzw. man eine Stimme aus dem Hintergrund noch hört. Solche Szenen sollte man dann wohl definitiv zweimal anhören, damit man auch weiß, was wie dabei zusammenhängt. Die Sprecher versteht man soweit gut, auch ihre Betonungen passen für mich gut und es wirkt nicht gespielt.

Der sprachliche Stil hat mir gut gefallen, wenngleich er schon eher „hart“ ist, brutal teilweise bzw. auch in Richtung Sex gehend. Für Kinder also definitiv nicht geeignet – wenn frühestens ab 16 Jahren oder so. (meine Einschätzung) Wenn man die entsprechenden Personen nicht kennt, ist es nicht unbedingt ein leichter Einstieg in die Geschichte. Vielmehr kennt man entsprechende frühere Ereignisse natürlich nicht, was ein bisschen hinderlich ist, anderen Lesern entsprechend sind Anspielungen bekannter und für sie dann auch besser zu verstehen.

Für mich war die Umsetzung der Geschichte, die ja nicht aus der jetzigen Zeit stammt, gelungen – man hat sie fürs Hörspiel an manchen stellen „upgedated“, das hat mir gut gefallen. Auch die Personen grundsätzlich fand ich interessant. Die Geschichte wirkte für mich dann aber auch ein bisschen unglaubwürdig wegen gewisser naiver Anwandlungen. (Möchte hier nicht näher vorgreifen.). Mit nicht einmal einer Stunde ist es ein eher kurzes Hörspiel gewesen, aber in dieser Zeit ist "genug los".

Alles in allem war es ein interessanter Ausflug in die Hörspielwelt von John Sinclair. Die musikalische Untermalung finde ich sehr gelungen, das Hörspiel war zum Teil recht gruselig, spannend und wirklich unterhaltsam. Für mich war es ein bisschen ein abruptes Ende und auch hinsichtlich der nicht vorhandenen Vorkenntnisse habe ich mir etwas schwergetan. Von mir gibt es hier 3 von 5 Sternen und eine Empfehlung für John Sinclair-Freunde.

Veröffentlicht am 30.07.2019

Manchmal muss man neue Wege gehen.

Warum ich trotzdem an Happy Ends glaube
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Seit Jahren arbeitet Emma, gerade dreißig geworden, als schlecht bezahlte Praktikantin bei einer Filmproduktionsgesellschaft. Dabei möchte sie doch eigentlich vor allem nur eines endlich: einen richtigen ...

Seit Jahren arbeitet Emma, gerade dreißig geworden, als schlecht bezahlte Praktikantin bei einer Filmproduktionsgesellschaft. Dabei möchte sie doch eigentlich vor allem nur eines endlich: einen richtigen Arbeitsvertrag bei dieser Firma. Und sie liefert dafür auch die besten Bedingungen – einen exzellenten Uni-Abschluss. Außerdem wäre da noch ihre Traumvilla mit den wunderbaren Glyzinien und der perfekte Mann… Träume, die wohl eher nicht in Erfüllung gehen, weil dann nämlich auch der Vertrag nicht verlängert wird, Emma ohne Arbeit dasteht und plötzlich in einer kleinen Boutique für Kinderkleidung landet…

Ich hatte mal wieder Lust auf ein angenehm unterhaltsames Buch, also hab ich mich für dieses Buch entschieden. Die Geschichte klang für mich lesenswert – und das war es gesamt auch definitiv.

Der Schreibstil hat mir gut gefallen, eine angenehm locker-leichte Lektüre, verständlich geschrieben und nachvollziehbar. Manchmal driftet das Buch ein bisschen ab, war für mich ein bisschen zu ausschweifend, zu in die Länge gezogen, aber inhaltlich auf alle Fälle verständlich. Fremdwörter oder Fachbegriffe kommen eigentlich nicht wirklich vor.

Was dafür immer wieder ein bisschen mit herüber-schwappt beim Lesen ist die italienische Lebensart, das hat mir unheimlich gut gefallen. In manchen Dingen für mich zwar ein bisschen unverständlich (schlecht bezahlte Praktikantin fährt Taxi – vielleicht bin ich da dann einfach anders eingestellt), aber die beschriebenen Sehnsüchte kann man durchaus gut verstehen. So fühlt man auch in gewisser Weise mit, als sie sich auf die Suche nach einer neuen Arbeitsstelle macht, auch an anderen Stellen im Buch. Für mich war es eine angenehme, spannende, emotionale und auch mal lustige, wirklich gelungene Lektüre. Ich habe es relativ schnell gelesen, was auch für das Buch spricht. Lediglich manche Szenen waren für mich ein bisschen zu aus- bzw. abschweifend erzählt, das hat mich ein bisschen gestört.

Alles in allem ein wirklich tolles Buch, eine locker-leichte Geschichte mit Tiefgang, sehr angenehm geschrieben. Von mir gibt es hier 4 von 5 Sternen und eine Empfehlung.

Veröffentlicht am 29.07.2019

Schwesterlich geteilt, brüderlich beschissen?

How To Survive mit Geschwistern
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Geschwister können vieles sein: Praktisch, weil man jemandem zum gemeinsamen Spielen, Austauschen oder auch Verbünden hat - aber eben auch mal unheimlich nervig oder gar hinterlistig. Mit diesem Buch erhält ...

Geschwister können vieles sein: Praktisch, weil man jemandem zum gemeinsamen Spielen, Austauschen oder auch Verbünden hat - aber eben auch mal unheimlich nervig oder gar hinterlistig. Mit diesem Buch erhält man die ein oder andere Strategie, damit man nicht am Verhalten der Geschwister verzweifelt und auch schöne Einblicke in amüsante Stunden in der Familie.

Mit Geschwistern aufzuwachsen kann ja durchaus schön sein - und doch gibt es sicher immer wieder Situationen, in denen man sie am liebsten auf den Mond schießen könnte. Sicher geht es Einzelkindern ähnlich - sie hätten vielleicht gerne Geschwister, genießen aber ihre „Alleinstellung“ auch mit manchen Vorzügen. Für mich war es nun spannend ein wenig darüber zu lesen, hat doch jeder so seine Sicht der Dinge darauf bzw. Seine gemachten, eigenen Erfahrungen.

Der Schreibstil des Buches hat mir ganz gut gefallen, die Art und Weise wie Katja Schwarz schreibt, ist sehr angenehm zu lesen, durchaus mit fachlichen Informationen (Quellennachweis ganz hinten im Buch zu finden) versehen, aber durch die Schilderungen auch immer wieder sehr interessant. Inhaltlich ist es gut zu verstehen, kein komplizierter Satzbau bzw. keine schwer verständlichen Wörter, Fachbegriffe etc.

Das Buch ist inhaltlich so aufgeteilt, dass man immer wieder etwas über neue Zeitabschnitte des Aufwachsens unter Geschwistern erfährt, dabei lustige Anekdoten erzählt bekommt und mögliche hilfreiche Ansatzpunkte aufgezeigt bekommt. Gespickt ist das ganze immer mal wieder mit fachlichen Aufzeichnungen, so dass man auch hier noch weiterlesen kann, wenn es einen denn so weit auch interessiert. Für mich war es amüsant zu lesen, wie hier der Umgang innerhalb der Geschwister war, welche Streiche ausgeheckt wurden, wie man sich aber auch gegenseitig angemotzt und wieder gekümmert hat. Zwischendurch gibt es auch immer mal wieder lustige und schöne Illustrationen von Jana Moskito, die die Erzählungen noch toll untermalen.

Auch die Berichte von anderen Personen tauchen im Buch auf und sind interessant zu lesen, es ist doch spannend wie unterschiedlich man unter Geschwistern aufwachsen kann.

Für mich war es ein interessanter, spannender und lesenswerter Einblick, ist es doch unter Geschwistern immer wieder überall etwas unterschiedlich. Sicher, im Großen und Ganzen ähnlich, aber es gibt eben immer wieder Unterschiede. Manchmal war es für mich ein bißchen zu langatmig oder zu fachlich, da hätte man sich vielleicht ein wenig kürzer fassen können. Alles in allem war es ein lesenswertes Buch mit teilweise passenden Strategien im Umgang unter Geschwistern. Von mir gibt es hier 4 von 5 Sternen und eine Empfehlung.