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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.05.2020

Dünkel

Die Tote in der Sommerfrische
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Elsa Dix versetzt ihre Leser ins mondäne Norderney des Jahres 1912.

Henny, ein Dienstmädchen aus dem vornehmen Palais-Hotel wird tot aus dem Meer gezogen. Die Polizei geht vorschnell von einem Suizid ...

Elsa Dix versetzt ihre Leser ins mondäne Norderney des Jahres 1912.

Henny, ein Dienstmädchen aus dem vornehmen Palais-Hotel wird tot aus dem Meer gezogen. Die Polizei geht vorschnell von einem Suizid aus. In dem genannten Hotel versammelt sich eine illustre Urlauberschar aus den besten Kreisen. Reiche Industrielle, verarmter Adel und eine bekannte Schauspielerin verbergen ihre Borniertheit hinter oberflächlichem Geplauder bei Tisch. Sie leben in ihrer eigenen Welt. Und doch muss einer der feinen Herrschaften ein Mörder sein. Die emanzipierte alleinreisende Viktoria und der Feuilleton-Reporter Christian wollen wissen, warum Henny sterben musste. Geschickt lenkt die Autorin den Verdacht auf mehrere Hotelgäste. Unter der heilen Fassade sieht es bei ihnen nämlich ganz anders aus.

Die Spurensuche lädt zum Mitraten ein. Die Hobbydetektive haben immer den gleichen Wissensstand wie der Leser und zum Schluss wird es dann für Viktoria auch noch einmal richtig gefährlich.

Mir hat in diesem Roman sehr gefallen, wie gut sich die Autorin mit der Zeitgeschichte auseinandergesetzt hat. Ohne moralischen Zeigefinger werden quasi nebenher die harten Arbeitsbedingungen der Arbeiterschicht angerissen und auch die politische Grundstimmung besonders im reichen Bürgertum dargestellt. Fakten, die im Deutschland der Kaiserzeit den Nährboden für den Ersten Weltkrieg bildeten. Alles unterhaltsam und lebensecht verpackt in den Gesprächen der Hotelgäste. 

Dieser historische Krimi verlegt nicht einfach stumpf einen Mord in eine andere Epoche, sondern als Leser kann man sich gut in diese Zeit hineindenken. Er ist, soweit ich das beurteilen kann, sehr authentisch und die Krimihandlung selbst ist intelligent angelegt. Absolute Leseempfehlung, nicht nur für den Urlaub.



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Veröffentlicht am 24.05.2020

Bunte Kacheln

Portugiesische Wahrheit
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Überraschenderweise ist es ein deutscher Schriftsteller, der hier in diesem Krimi das besondere Flair der wunderschönen Stadt Lissabon und ebenso die spezielle Mentalität der Portugiesen einfängt.

Die ...

Überraschenderweise ist es ein deutscher Schriftsteller, der hier in diesem Krimi das besondere Flair der wunderschönen Stadt Lissabon und ebenso die spezielle Mentalität der Portugiesen einfängt.

Die Hauptfigur ist der ehemalige Polizist Henrik Falkner aus Deutschland, der durch die Erbschaft eines ziemlich maroden Antiquariats in Lissabon gelandet und geblieben ist. Sein Spürsinn ist erwacht, als bei Umbauarbeiten in einem Luxushotel die Leiche eines Mannes gefunden wird. Er wurde im Hotelpool einbetoniert. Der Vorfall liegt schon Jahrzehnte zurück. Falkner kann die Spur aufnehmen, die zu zwielichtigen Verhandlungen in der Vergangenheit eines portugiesischen Energiekonzerns mit Marokko führen.

Eigentlich eine sehr spannende Handlung, die noch dadurch gewürzt wird, dass Falkners Erbonkel in seinem Antiquariat streng  verschlüsselte Hinweise auf einen anderen Mord versteckt hat. Es ist eine Schnitzeljagd, die sehr viel Grips erfordert und auch eng mit Personen aus den Vorgängerbänden verknüpft ist. Und hier liegt das große Manko dieses Buches. Die großen Zusammenhänge erschließen sich dem Leser nur schwer und auch leider nicht vollständig. Man hat ständig das Gefühl, dass wichtige Informationen fehlen. 

Wahrscheinlich ist "Portugiesische Wahrheit" für Kenner aller Folgen eine spannende Episode, aber mich als Quereinsteiger lässt es eher unzufrieden zurück, obwohl der Autor wirklich gut und spannend zu erzählen weiß.

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Veröffentlicht am 23.05.2020

Geheime Drahtzieher

Achtzehn
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Dieser schwedische Thriller hat den immer noch mysteriösen Mord an Olof Palme zum Thema.

Natürlich ist es nur Fiktion, dass der Journalist Axel Sköld eine Verbindung zu anderen Auftragsmorden herstellt. ...

Dieser schwedische Thriller hat den immer noch mysteriösen Mord an Olof Palme zum Thema.

Natürlich ist es nur Fiktion, dass der Journalist Axel Sköld eine Verbindung zu anderen Auftragsmorden herstellt. Bei der Verfolgung dieser Spur stößt er auf eine sehr alte Geheimverbindung von vornehmlich Adligen, die hinter den Kulissen politisch und wirtschaftlich die Geschicke des Landes nach ihren Vorstellungen beeinflussen. Sie sind mächtig und einflussreich und sie haben die besten Auftragsmörder zur Hand, sodass Sköld eigentlich mit dem Rücken zur Wand kämpft, auch wenn er auf sehr clevere Verbündete zurückgreifen kann.

Die Geschichte läuft leider sehr trocken und schleppend an. Erst im Mittelteil steigert sich die Spannung und steuert auf ein sehr aufregendes Ende zu. Das kommt dann leider gerade im Vergleich zum ausführlichen Anfang zu schnell und oberflächlich daher.
Die Grundidee hat enormes Potenzial, das der Autor leider nicht ausgeschöpft hat. Deswegen vergebe ich vier gut gemeinte Lesesterne.

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Veröffentlicht am 23.05.2020

Herbstglühen

Nachts, wenn der Garten blüht
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Maggie stammt aus einfachen Verhältnissen, hatte aber die besten Voraussetzungen für eine eigene Karriere. Sie entschied sich allerdings für ein Leben als Ehefrau eines reichen Mannes. Dieser Ehemann und ...

Maggie stammt aus einfachen Verhältnissen, hatte aber die besten Voraussetzungen für eine eigene Karriere. Sie entschied sich allerdings für ein Leben als Ehefrau eines reichen Mannes. Dieser Ehemann und ihre eigenen beiden Kinder erwiesen sich dann leider als Flop, weil alle drei starke Trinker sind und waren. Nun ist Maggie Witwe, aber anstatt endlich frei von ehelichen Zwängen das Leben genießen zu können, kämpft sie mit den Folgen eines Schlaganfalls. Die Liebe zu ihrem ehemals prächtigen Garten gibt ihr Kraft und spornt sie an, die Kontrolle über ihren Körper wiederzuerlangen. Auf dem Nachbargrundstück entsteht unter der Planung eines renommierten Landschaftsgärtners eine herrliche Gartenanlage. Die gemeinsamen Interessen verbinden die beiden Menschen zu einer romantischen und zugleich leidenschaftlichen Liebe, die alle körperlichen Gebrechen unwichtig werden lässt.

Es ist eine schöne Geschichte, die von der Autorin erzählt wird.

Sie macht Mut, niemals aufzugeben, auch wenn die Umstände schwierig werden.

Sie macht ebenso Mut, für sein eigenes Leben, solange es irgendwie geht, die Verantwortung nicht aus der Hand zu geben.

Und sie gibt die Zuversicht, dass die wahre Liebe nicht nur der Jugend vorbehalten bleibt.

Dies ist ein Roman für Romantiker. Für Menschen, die mit dem Herzen lesen.

Für mich persönlich liegt der Schwerpunkt etwas zu sehr auf einzelnen Blumensorten, aber gerade das wird Gartenfreunden sicherlich extrem gut gefallen.

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Veröffentlicht am 21.05.2020

Es lohnt sich

Die Herren der Zeit
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Nachdem mir die beiden Vorgängerbände rund um Inspector Unai López de Ayala alias „Kraken“ und seiner Frau, der Subcomisaria Alba de Salvatierra schon so gut gefallen haben, musste ich diesen dritten abschließenden ...

Nachdem mir die beiden Vorgängerbände rund um Inspector Unai López de Ayala alias „Kraken“ und seiner Frau, der Subcomisaria Alba de Salvatierra schon so gut gefallen haben, musste ich diesen dritten abschließenden Band natürlich auch unbedingt lesen.

Diesmal übertrifft sich die Autorin Eva García Sáenz selbst, weil die Handlung noch kunstvoller gestrickt ist.

In der malerischen baskischen Stadt Vitoria sucht Kraken nach einem Mehrfach-Mörder, der seine Taten eng an einen gerade erschienenen Bestseller-Roman lehnt, der im 12.Jahrhundert angesiedelt ist und auf tatsächlichen Chroniken einer ansässigen Adelsfamilie basiert. Deren letzter Spross ist psychisch labil und gerät immer wieder ins Fadenkreuz der Ermittlungen. Zeitgleich ist Ayalas Familienglück bedroht, doch diese Geschichte zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Trilogie und findet hier endlich zu einem Abschluss.

Neben den aktuellen Ermittlungen gibt es einen zweiten Handlungsstrang in der Zeitebene des historischen Bestsellers, so dass auch der Leser an den Parallelen teilnehmen kann.

Dieser Roman ist voll gespickt mit historischen Personen und Fakten, einer sehr dichten psychologischen Motivsuche mit interessantem Hintergrundwissen und einer wirklich überraschenden Aufklärung.

Es ist kein Thriller, den man eben schnell liest, sondern man muss sein Lesetempo erheblich reduzieren, wenn man nicht den Faden verlieren will. Dennoch versteht es die Autorin, straff und spannend zu erzählen. Der Wechsel zwischen den beiden Zeitebenen wird immer sehr geschickt gehandhabt.

In meinen Augen ist "Die Herren der Zeit" ein krönender Abschluss der Trilogie. Es bleiben (leider!) keine offene Fragen, die auf eine weitere Fortsetzung hoffen lassen, aber vielleicht gibt es ja in Zukunft ähnlich fesselnde Bücher aus der Feder von Eva García Sáenz.

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