Platzhalter für Profilbild

fredhel

Lesejury Star
offline

fredhel ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit fredhel über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.10.2019

Seltsames Hobby

Tiefes Grab
0

Martin Reese hat sich schon früh aus dem Geschäftsleben zurückziehen können. Er schwimmt im Geld und hat im Prinzip nur ein einziges (geheimes!) Laster. Niemand soll wissen, dass er sich alte Mordfälle ...

Martin Reese hat sich schon früh aus dem Geschäftsleben zurückziehen können. Er schwimmt im Geld und hat im Prinzip nur ein einziges (geheimes!) Laster. Niemand soll wissen, dass er sich alte Mordfälle vorknöpft und dann dort, wo die Polizei schon aufgegeben hatte, doch noch die Leichen aufspürt und anonym meldet. Ich habe da schon die Vermutung, dass er auf diese Weise einen morbiden Trieb kompensiert. Leider kommt ihm ein Unbekannter auf die Schliche, der selbst hoch intelligent ist und nun seine Macht ausnutzt, um Reese nach seiner Pfeife tanzen zu lassen.
Alles in allem ist "Tiefes Grab" ein ungewöhnlicher Thriller, mit einer gestörten Hauptperson, dessen Frau ebenfalls psychische Defizite aufweist. Die meisten Toten sind schon lange tot, von dieser Seite her ist kein Gemetzel mehr zu erwarten. Mir gefällt, dass es hier in erster Linie um die Intelligenz des und der Täter geht, auch wenn die Handlung dann sehr actionreich endet.
Eigentlich würde ich gerne ein weiteres Buch von Nathan Ripley lesen. Mal gespannt, ob da noch was kommt.

Veröffentlicht am 20.10.2019

Die perfekte Brandstiftung

Der Verein der Linkshänder
0

Kommissar Van Veeteren steuert auf seinen 75. Geburtstag zu. Man merkt, dass er sich in einer Phase des Umbruchs befindet, sein Leben bewertet, neue Schwerpunkte setzt. Es ist wunderschön, wie er jeden ...

Kommissar Van Veeteren steuert auf seinen 75. Geburtstag zu. Man merkt, dass er sich in einer Phase des Umbruchs befindet, sein Leben bewertet, neue Schwerpunkte setzt. Es ist wunderschön, wie er jeden Tag aufs Neue die Beziehung zu seiner Partnerin Ulrike als kostbares Geschenk betrachtet. Gemeinsam wollen sie den Geburtstagsfestivitäten entfliehen. Da kommt es gerade recht, dass sich ein alter Fall aus den frühen 90er Jahren als ungelöst erweist. Der Kommissar und seine Lebensgefährtin verbringen ein paar Urlaubstage am Ort des Geschehens und kommen der Lösung auf die Spur.
Der Leser hat einen Wissensvorsprung, denn Nesser erzählt in insgesamt zwei weiteren Zeitebenen die Handlung aus unterschiedlichen Perspektiven.
In den Jahren 1957-1969 bilden Jugendliche eine Art Club, der zu einem entsetzlichen Verbrechen führt.
Im Jahr 1991 treffen sich alle Beteiligten und kommen bei einem Brand ums Leben. Anscheinend konnte der Brandstifter entkommen.
Van Veeteren geht den neuen Hinweisen nach. Der Leser hat durch die anderen Zeitebenen natürlich einen Wissensvorsprung. Schon bald lassen sich Täter und Motiv erahnen, aber die Feinheiten werden erst auf den letzten Seiten offenbar.
"Der Verein der Linkshänder" ist ein stiller, ein feiner Krimi, der durch seine unaufgeregte Erzählweise besticht. Ich mag den Schreibstil von Hakan Nesser und auch diesmal bin ich nicht enttäuscht worden.

Veröffentlicht am 20.10.2019

Gehetzt

ATME!
0

"Atme" von Judith Merchant wirbt mit einem gekonnten Klappentext, der mich sofort in den Bann schlug. Doch schon nach den ersten Seiten wird mir der innere Monolog der Protagonistin Nile zu viel. Sie ist ...

"Atme" von Judith Merchant wirbt mit einem gekonnten Klappentext, der mich sofort in den Bann schlug. Doch schon nach den ersten Seiten wird mir der innere Monolog der Protagonistin Nile zu viel. Sie ist dermaßen auf ihren Partner Ben fixiert, idealisiert ihre Paarbeziehung auf so unrealistische Weise, dass ich sie vor meinem inneren Auge schon als Insassin in einer Nervenheilanstalt enden sehe. Das mysteriöse Verschwinden von Ben gibt natürlich unlösbare Fragen auf und im weiteren Verlauf des Krimis wird die Handlung auch etwas spannender. Was allerdings als spannender Showdown gedacht ist, empfinde ich eher unbefriedigend. Nicht nur deswegen, sondern auch wegen der über weite Strecken vorherrschende Monotonie und Langatmigkeit mag ich dieses Buch nicht weiterempfehlen.

Veröffentlicht am 01.10.2019

Mord am Niederrhein

Dumm gelaufen, Martha
0

Schade, dass ich den Privatdetektiv Lukas Born erst bei seinem zweiten Fall kennenlerne. Er ist ein typischer Mann vom Niederrhein. Er nimmt das Leben sehr entspannt und hat durch seine freundliche Art ...

Schade, dass ich den Privatdetektiv Lukas Born erst bei seinem zweiten Fall kennenlerne. Er ist ein typischer Mann vom Niederrhein. Er nimmt das Leben sehr entspannt und hat durch seine freundliche Art einen grossen Freundeskreis, der sich bei Bedarf auch zu einer sehr patenten Soko "Campingplatz" zusammensetzen kann. Normalerweise kommt Lukas mit der Suche nach verschwundenen Haustieren und ähnlichem Kleinkram gerade so über die Runden, doch als ihn nun die attraktive Notarsgattin beauftragt, ihren vermissten unattraktiven Ehemann aufzuspüren, kommt diese Finanzspritze gerade noch rechtzeitig. Mir hat sehr gut gefallen, dass Lukas Born sich sehr ernsthaft mit den Aussagen einer älteren Dame auseinandersetzt, die von der Polizei nicht für voll genommen wurde. Die Feinfühligkeit soll sich auszahlen, denn am Ende sind deren Erinnerungen der entscheidende Punkt zur Aufklärung. 

Mit dem Autor Erwin Kohl gewinnt man einen ersten Einblick in die Natur des Rheinländers. Die Schauplätze hätten für meinen Geschmack noch etwas liebevoller beschrieben werden können, denn die Landschaft und die Städte dort sind sehr reizvoll. Aber die Charaktere treffen voll auf den Punkt. Insgesamt ist dieser nette Krimi mit einer guten Prise Humor gewürzt und man liest ihn gerne in einem Rutsch durch.

Veröffentlicht am 28.09.2019

Ankommen

Laufen
0

Wenn das erste Buch einer Autorin direkt so ein Erfolg wird, wie "Der Pfau" von Isabel Bogdan, dann ist die Erwartungshaltung des Lesers natürlich hoch, wenn wieder ein neues Buch erscheint. "Laufen" schlägt ...

Wenn das erste Buch einer Autorin direkt so ein Erfolg wird, wie "Der Pfau" von Isabel Bogdan, dann ist die Erwartungshaltung des Lesers natürlich hoch, wenn wieder ein neues Buch erscheint. "Laufen" schlägt eine ganz andere Richtung ein. Es ist der sehr unter die Haut gehende Gedankenfluss einer zutiefst verletzten Frau, die durch ihr Lauftraining wieder in ihr Leben zurückfindet. In Gedankenfetzen setzt sich die zwischenmenschliche Tragödie zusammen, und auf die gleiche Art und Weise erfährt man, wie die Protagonistin langsam wieder mit dem Leben zurechtkommt und auch wieder eine Perspektive für die Zukunft gewinnt. Ich hätte nie gedacht, dass mich diese Art von Roman fesseln könnte. Aber sie tut es von der ersten Zeile an, weil sofort ein direkter Bezug zur Hauptperson entsteht und man mit ihr empfindet. Es ist auch eine Geschichte, die Mut macht, für sich selbst einen Weg aus problematischen Situationen zu finden. Sehr empfehlenswert.