Platzhalter für Profilbild

fredhel

Lesejury Star
offline

fredhel ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit fredhel über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.01.2026

Verbrechen im Hungerwinter

Die weiße Nacht
0

Schon von außen gibt das perfekte Coverbild eine Ahnung vom Inhalt. Denn durch eine Kameralinse wird eine winterliche Szene aus dem zerbombten Berlin in schwarz/weiß gezeigt. Von diesem Hungerwinter haben ...

Schon von außen gibt das perfekte Coverbild eine Ahnung vom Inhalt. Denn durch eine Kameralinse wird eine winterliche Szene aus dem zerbombten Berlin in schwarz/weiß gezeigt. Von diesem Hungerwinter haben uns die Eltern oft erzählt und in genau dieser Atmosphäre spielt der Roman von Anne Stern. Die Kameralinse gehört zu der Fotojournalistin Lou Faber. Auf ihrer Motivsuche entdeckt sie eine Frauenleiche, die zwar versteckt, dennoch sorgfältig aufgebahrt wurde. Der ermittelnde Kriminalkommissar Alfred König hat noch mit den Schrecken der Vergangenheit zu kämpfen, während die Gegenwart ihm nicht nur mit der Ressourcenknappheit bei der Polizei zusetzt, sondern auch mit Vorgesetzten, die nicht wegen ihrer Tüchtigkeit, sondern wegen alter Seilschaften in ihre Position gehoben wurden. Die beiden entwickeln sich nach anfänglichen Ressentiments zu einem guten Team.
Das Buch firmiert als Kriminalroman, wobei man hier den Schwerpunkt auf Roman legen sollte. Die Spannung ist eher zurückhaltend, währenddessen die Stimmung in dieser Szenerie des Überlebens von Tag zu Tag meisterlich eingefangen wird. Ebenso werden die zwischenmenschlichen Schwingungen zwischen den Zeilen spürbar, ohne groß ausgesprochen zu werden. Der sensible Schreibstil macht mich neugierig auf eine Fortsetzung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.01.2026

Vegan ist kein Muss, sondern eine Möglichkeit, sagt Oli P.

Vegan Meal Prep
0

Das vegane Kochbuch von Oli P. besticht als Erstes durch viele höchst sympathische Fotos von ihm. Aber bevor es mit dem Kochen richtig losgeht, erklärt er seinen Weg zu einem Lebensstil, der von Achtsamkeit ...

Das vegane Kochbuch von Oli P. besticht als Erstes durch viele höchst sympathische Fotos von ihm. Aber bevor es mit dem Kochen richtig losgeht, erklärt er seinen Weg zu einem Lebensstil, der von Achtsamkeit geprägt ist, nicht nur in Bezug auf Ernährung.
Ganz wichtig finde ich das Kapitel über seinen Vorratsschrank. Oli P.s Rezepte punkten zwar mit einfach zu beschaffenden, normalen Zutaten, aber gewisse Basics sollten doch immer im Haus vorhanden sein.
Die Rezepte selbst sind meist für zwei Personen ausgelegt. Die Anzahl der Zutaten ist überschaubar und zum Glück nicht exotisch. Das Nachkochen ist auch keine Herausforderung und lässt sich mit Sicherheit auch von Kochneulingen bewältigen. Zu jedem Rezept gibt es als Ansporn ein wunderbares Foto. Dabei ist mir aufgefallen, dass auch Töpfe und Besteck plastikfrei sind. Alles ist rundum umweltfreundlich.
Ja, alle Rezepte sind alltagstauglich und mit ein wenig Vorausdenken, Großeinkauf und gezielter Arbeitsplanung wird die Ernährung, besonders für Berufstätige, gesünder und bequemer.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 10.01.2026

skurril witzig british

Down Cemetery Road
0

Wer sich anhand des stimmungsvollen Oxford-Fotos auf dem Cover auf einen typisch englischen Kriminalroman in gemächlichem Tempo eingestellt hat, wird sich wundern.
Zwar beginnt alles noch recht ruhig mit ...

Wer sich anhand des stimmungsvollen Oxford-Fotos auf dem Cover auf einen typisch englischen Kriminalroman in gemächlichem Tempo eingestellt hat, wird sich wundern.
Zwar beginnt alles noch recht ruhig mit Einblicken in das Leben von Sarah Tucker, einer beruflich erfolglosen, ergo erzwungenermaßen Nurhausfrau, die ihren Frust mit energischen Putzorgien bekämpft. Doch während eines Geschäftsessens ihres Mannes, das sie provokant mit ihren exaltierten Freunden als zusätzliche Gäste unterminiert hat, explodiert ein Wohnhaus in der Nachbarschaft.
In ihrer Perspektivlosigkeit fokussiert sich Sarah auf die Suche nach einem Kind, das seit dieser Nacht verschwunden ist, und schon bald findet sie sich Zielobjekt des Geheimdienstes wieder.
Leider wird die Handlung auch zu diesem Zeitpunkt unübersichtlich, denn es gibt einfach zu viele Akteure. Gerade bei einem Hörbuch, übrigens sehr schön vorgetragen von Cathrin Störmer, kann man nur schwer hin- und herblättern, wenn man die Orientierung verloren hat. Trotzdem werde ich nicht einen einzigen Bewertungsstern abziehen, denn ich bin von Mick Herrons Erzählkunst restlos begeistert. Er hat einen trockenen Humor, gewürzt mit einer scharfen Beobachtungsgabe. Seine Charakterisierungen sind oft so treffend böse, dabei skurril und witzig, dass die Handlung fast schon nebensächlich scheint. Für mich ist dieses Buch eine total positive Überraschung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.01.2026

Leo lässt sich nicht unterkriegen

Rostiges Grab
0

Leo Asker habe ich noch als bemerkenswerte Ermittlerin in Erinnerung, die großes Geschick darin hat, das Bestmögliche aus ihrem Team, das zugegebenermaßen mehr als skurril ist, herauszukitzeln. Ihre Truppe ...

Leo Asker habe ich noch als bemerkenswerte Ermittlerin in Erinnerung, die großes Geschick darin hat, das Bestmögliche aus ihrem Team, das zugegebenermaßen mehr als skurril ist, herauszukitzeln. Ihre Truppe setzt sich aus hochbegabten Einzelkämpfern zusammen, die in anderen Teams wegen ihrer mangelnden Sozialkompetenz gescheitert sind, doch Leo hat es geschafft, sie zu einer Einheit zusammenzuschweißen.
Auch Leos Karriere ist ins Stocken geraten. Diese Cold Case Einheit soll ihr wieder auf die Sprünge helfen. Ihr langjähriger dienstlicher Widersacher schustert ihr einen Fall zu, an dem sie eigentlich nur scheitern kann. Er ist mystisch und dabei brandgefährlich. Es geht um einen jahrzehntealten Mord, der stark an eine Moorleiche erinnert, die auf demselben Areal gefunden wurde. Es ist eine alte Torffabrik, abgelegen in tiefstem Wald und im Besitz einer Familie, die nach ihren eigenen brutalen Gesetzen lebt.
Leo tritt mal wieder gern einflussreichen Menschen auf die Füße, umschifft die Steine, die ihr in den Weg gelegt werden und schafft einen sauberen Ermittlungserfolg.
Der Leser trifft alte Bekannte wieder, sodass er sich sofort wieder in die Szene einleben kann. Die Kapitel haben genau die richtige Länge, um Spannung aufzubauen, um dann wieder auf eine andere Erzählperspektive umzuschwenken.
Ich habe mich wieder gut unterhalten gefühlt, nicht zuletzt, weil ich Leos schnörkellose Art so gern mag. Ihr ist Gerechtigkeit letztendlich doch wichtiger als Karriere. Jetzt freue ich mich auf einen weiteren Cold Case, falls Leo nicht doch befördert wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.01.2026

nichts dazugelernt

The Woman in Suite 11
0

Kaum zu glauben, die Frau aus Cabin 10 ist in der Suite 11 gelandet. Leider ist sie mit den Jahren der Kindererziehung und Psychopharmaka noch naiver geworden.
Lo Blacklock möchte einen Neubeginn in ihrem ...

Kaum zu glauben, die Frau aus Cabin 10 ist in der Suite 11 gelandet. Leider ist sie mit den Jahren der Kindererziehung und Psychopharmaka noch naiver geworden.
Lo Blacklock möchte einen Neubeginn in ihrem alten Beruf als Journalistin wagen. Die Berichterstattung über ein Schweizer Luxusressort bietet sich da geradezu an. Der Aufenthalt beginnt schon recht vielversprechend, bis ihr einige alte Bekannte von der damaligen alptraumhaften Kreuzfahrt über den Weg laufen. Alles kein Zufall, denn auch Carrie ist darunter. Flehentlich überzeugt sie Lo, ihr bei der Flucht vor dem gewalttätigen Hotelbesitzer zu helfen. Und wieder ist Lo naiv genug, auf sie hereinzufallen. Wohl wissend, dass somit einer der mächtigsten Männer Europas auch eine Gefahr für sie und ihre Familie werden könnte, wenn der Plan auffliegt.
Alles läuft dann ganz anders als geplant, aber auch als gefürchtet. Lo steht plötzlich in England unter Mordverdacht. Nur langsam begreift sie, wer ein falsches Spiel gespielt hat und das ist natürlich schwer zu beweisen.
Dies ist eins der wenigen Bücher, bei dem man besser die erste Folge nicht kennt. So ist man leider über einen etwas faden Abklatsch eines Bestsellers enttäuscht. Der Schreibstil lässt sich natürlich immer noch flüssig lesen und es existiert auch eine Spannungskurve, die, von einigen Längen durchbrochen, den Leser durchaus bis zu einem mäßig aufregenden Ende trägt. Das Buch lässt sich einigermaßen gut lesen, hinterlässt aber keinen bleibenden Eindruck, genauso wenig wie das nichtssagende Cover. Ich gebe ganz knappe vier Bewertungssterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere