Führe mich nicht in Versuchung!
To Tempt a GodDer Einstieg in "To Tempt A God" fiel mir nicht ganz leicht – die Welt, in die Anna Benning uns mitnimmt, ist komplex, ungewohnt und auf ihre eigene Weise besonders. Es hat einige Zeit gebraucht, bis ich ...
Der Einstieg in "To Tempt A God" fiel mir nicht ganz leicht – die Welt, in die Anna Benning uns mitnimmt, ist komplex, ungewohnt und auf ihre eigene Weise besonders. Es hat einige Zeit gebraucht, bis ich mich zurechtgefunden habe.
Was jedoch von Anfang an überzeugt, ist die spürbare Spannung. Das Erzähltempo ist hoch, die Handlung dicht und voller Wendungen. Es passiert ständig etwas – und doch wirkt die Geschichte nie überladen. Anna Benning gelingt es beeindruckend, viele Handlungsstränge gleichzeitig zu eröffnen und im Blick zu behalten. Das macht das Lesen unglaublich kurzweilig und lebendig.
Besonders unheimlich sind die Sentinels. Sobald sie auftreten, verdichtet sich die Atmosphäre spürbar. Sie bringen eine düstere Note in die Geschichte, die nicht besser zur Brutalität und Willkür der Götter passen könnte. Letztere bleiben für mich jedoch schwer greifbar. Ihre Grausamkeit wirkt oft willkürlich, mir fehlten Erklärungen oder Hintergründe, um ihr Handeln nachvollziehen zu können. Einige Szenen empfand ich in ihrer Härte als sehr unangenehm.
Zum Glück gibt es Ausgleich – und der kommt vor allem in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Aurora als Hauptfigur ist wunderbar gezeichnet: emotional, menschlich, mit Ecken und Kanten. Sie ist keine makellose Heldin, sondern eine Figur, die man in ihrer Verletzlichkeit spürt. Besonders mochte ich ihre Dynamik mit Colden, der für mich zum heimlichen Helden dieses Buches geworden ist. Auch die Freundesgruppe um ihn tut der Geschichte unglaublich gut. In all der Dringlichkeit, Hektik und Schwere bringen sie Leichtigkeit und Wärme hinein. Es sind diese stillen Momente, die mich zwischendurch immer wieder aufgefangen haben.
Und dann sind da die Wendungen – wow. Einige davon kamen völlig unerwartet, ohne jede Vorankündigung. Die Autorin versteht es meisterhaft, Spannung zu erzeugen, ohne sich zu verraten. Gerade gegen Ende wartet das Buch noch einmal mit großen Enthüllungen auf, die Rückblicke zu Beginn jedes Teils fügen sich nun auf einmal zu einem stimmigen Ganzen.
Das Ende? Gemein. So richtig fies. Und dann dieser Epilog – ich sag nur: Wann kommt Band 2?