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Veröffentlicht am 01.07.2025

Führe mich nicht in Versuchung!

To Tempt a God
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Der Einstieg in "To Tempt A God" fiel mir nicht ganz leicht – die Welt, in die Anna Benning uns mitnimmt, ist komplex, ungewohnt und auf ihre eigene Weise besonders. Es hat einige Zeit gebraucht, bis ich ...

Der Einstieg in "To Tempt A God" fiel mir nicht ganz leicht – die Welt, in die Anna Benning uns mitnimmt, ist komplex, ungewohnt und auf ihre eigene Weise besonders. Es hat einige Zeit gebraucht, bis ich mich zurechtgefunden habe.

Was jedoch von Anfang an überzeugt, ist die spürbare Spannung. Das Erzähltempo ist hoch, die Handlung dicht und voller Wendungen. Es passiert ständig etwas – und doch wirkt die Geschichte nie überladen. Anna Benning gelingt es beeindruckend, viele Handlungsstränge gleichzeitig zu eröffnen und im Blick zu behalten. Das macht das Lesen unglaublich kurzweilig und lebendig.

Besonders unheimlich sind die Sentinels. Sobald sie auftreten, verdichtet sich die Atmosphäre spürbar. Sie bringen eine düstere Note in die Geschichte, die nicht besser zur Brutalität und Willkür der Götter passen könnte. Letztere bleiben für mich jedoch schwer greifbar. Ihre Grausamkeit wirkt oft willkürlich, mir fehlten Erklärungen oder Hintergründe, um ihr Handeln nachvollziehen zu können. Einige Szenen empfand ich in ihrer Härte als sehr unangenehm.

Zum Glück gibt es Ausgleich – und der kommt vor allem in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Aurora als Hauptfigur ist wunderbar gezeichnet: emotional, menschlich, mit Ecken und Kanten. Sie ist keine makellose Heldin, sondern eine Figur, die man in ihrer Verletzlichkeit spürt. Besonders mochte ich ihre Dynamik mit Colden, der für mich zum heimlichen Helden dieses Buches geworden ist. Auch die Freundesgruppe um ihn tut der Geschichte unglaublich gut. In all der Dringlichkeit, Hektik und Schwere bringen sie Leichtigkeit und Wärme hinein. Es sind diese stillen Momente, die mich zwischendurch immer wieder aufgefangen haben.

Und dann sind da die Wendungen – wow. Einige davon kamen völlig unerwartet, ohne jede Vorankündigung. Die Autorin versteht es meisterhaft, Spannung zu erzeugen, ohne sich zu verraten. Gerade gegen Ende wartet das Buch noch einmal mit großen Enthüllungen auf, die Rückblicke zu Beginn jedes Teils fügen sich nun auf einmal zu einem stimmigen Ganzen.

Das Ende? Gemein. So richtig fies. Und dann dieser Epilog – ich sag nur: Wann kommt Band 2?

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Ein Leben in Worten

Schwebende Lasten
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Das Vorwort des Buches fasst zusammen, was auf 279 Seiten Raum bekommt: Hanna Krause lebte ein bewegtes Leben, ein intensives Leben, ein entbehrungsreiches Leben. Doch was am Ende bleibt, ist, dass sie ...

Das Vorwort des Buches fasst zusammen, was auf 279 Seiten Raum bekommt: Hanna Krause lebte ein bewegtes Leben, ein intensives Leben, ein entbehrungsreiches Leben. Doch was am Ende bleibt, ist, dass sie gelebt hat. Und wie. Sie hat vor nichts zurückgeschreckt, hat sich immer wieder für sich und ihren Weg entschieden, hat geglaubt und getan. Und Annett Gröschner verkleidet ein Leben in so intensive, eindringliche, nahbare Worte, dass es scheint, als hätte man Hanna Krause selbst gekannt. Als wäre man eine Nachbarin gewesen, eine Kundin, ein Familienmitglied, ein Arbeitskollege. Nichts bleibt unerwähnt, nichts lauert im Verborgenen. Alles wird sichtbar, spürbar, erlebbar. Ein ganzes Leben, so viele gelebte Jahre. So viel ist geschehen. Und so viel wird beim Lesen gefühlt. Ein Roman, der fast schon eine Biografie sein könnte. Ich habe ihn sehr gern gelesen.

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Veröffentlicht am 27.05.2025

Bewegend aktuell

Die Unvollkommenheit des Glücks
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Es kommt so sanft daher, das neue Buch von Clara Maria Bagus, doch wie schon die beiden anderen Romane der Autorin ist auch dieser so vollgepackt mit Emotion, mit Erleben, mit Spüren und Durchfühlen, dass ...

Es kommt so sanft daher, das neue Buch von Clara Maria Bagus, doch wie schon die beiden anderen Romane der Autorin ist auch dieser so vollgepackt mit Emotion, mit Erleben, mit Spüren und Durchfühlen, dass es fast wie Magie wirkt, dass sie es geschafft hat, all das Erzählte auf nicht viel mehr als vierhundert Seiten zu bannen. In keinster Weise konnte ich auch nur erahnen, welche Geschichte in diesem Buch erzählt wird. Und das ist gut so. Manchmal reicht der Autorinnen-Name, um vom Lesenwollen zu überzeugen.

"Die Unvollkommenheit des Glücks" erzählt von dem, was uns im Kern ausmacht. Der Roman trifft seine Leser da, wo es unangenehm wird, wo es schmerzt, wo es nur schwer auszuhalten ist. Wo Menschlichkeit gefragt ist und keinen Platz für Zweifel lässt. Das Erzählte berührt und bewegt tief. Weil es so aktuell ist, dass man ihm nicht ausweichen kann. Es geht uns alle an. Das Leid, die Schwere, das Schreckliche, aber genauso der Mut, die Hoffnung, die Tatkraft, die Veränderung. So ist der Roman am Ende nicht nur ein Abbild unserer tiefen Abgründe, sondern auch eine Erinnerung daran, dass Mut und Menschsein belohnt werden. Dass das Leben mehr ist als die Kategorien, in die unser Verstand es einzuordnen versucht.

Mein Wunsch nach Tiefgründigkeit, Berührtwerden und Innehalten beim Lesen schöner Sätze wurde erfüllt. Der Roman hat gehalten, was der Autorinnen-Name auf dem Cover versprochen hat. Es ist das feine Gespür für den Facettenreichtum ihrer Figuren, das ihr Erzähltes so besonders macht und es so intensiv Wirkung entfalten lässt.

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Veröffentlicht am 10.05.2025

Zeitreise mit Witz und Charme

Courting – Be mine through all time
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Ich liebe Geschichten mit Tiefgang, starken Charakteren und emotionaler Entwicklung – und auch wenn "Courting" von Felicia Kingsley in erster Linie eine spritzige, humorvolle Liebesgeschichte ist, hat ...

Ich liebe Geschichten mit Tiefgang, starken Charakteren und emotionaler Entwicklung – und auch wenn "Courting" von Felicia Kingsley in erster Linie eine spritzige, humorvolle Liebesgeschichte ist, hat es mich auf ganz eigene Weise überzeugt. Das Buch ist ein wunderbar leichtfüßiger Ausflug in die Regency-Zeit, gespickt mit scharfsinnigen Dialogen, witzigen Missverständnissen und einem klaren modernen Blick auf eine historisch geprägte Gesellschaft.

Besonders begeistert hat mich Rebecca – eine Protagonistin, wie man sie sich nur wünschen kann: selbstbewusst, clever, witzig und voller Herz. Sie trägt die Geschichte mit ihrer Energie und Schlagfertigkeit und macht selbst die absurdesten Situationen glaubwürdig. Die vielen Nebenfiguren haben es etwas schwer gemacht, allen von ihnen wirklich nahe zu kommen. Dennoch konnte ich mit diesem Buch in eine lebendige Welt eintauchen, in der ständig etwas passiert.

Wer nach ernsten Themen sucht, wird hier eher nicht fündig – aber wer sich nach einem cleveren, charmanten Roman sehnt, der einen regelmäßig zum Schmunzeln bringt und dabei dennoch eine runde, romantische Geschichte erzählt, wird an "Courting" sehr viel Freude haben. Für mich war es gute Unterhaltung mit Stil - genau das richtige Buch zur richtigen Zeit.

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Veröffentlicht am 05.04.2025

Beeindruckend!

Montmartre - Licht und Schatten
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Dieses Buch hat mich wirklich beeindruckt. Ich habe bislang noch keinen Roman der Autorin gelesen und eigentlich interessieren mich historische Romane auch nicht so sehr. Doch dieser hatte mich aufgrund ...

Dieses Buch hat mich wirklich beeindruckt. Ich habe bislang noch keinen Roman der Autorin gelesen und eigentlich interessieren mich historische Romane auch nicht so sehr. Doch dieser hatte mich aufgrund seiner besonderen Erzählweise und der Authentizität, mit der die Autorin vom Paris des 19. Jahrhunderts berichtet, schnell in seinen Bann gezogen. Die verschiedenen Frauenschicksale, mit denen die Leser konfrontiert werden, haben mich sehr berührt. Es war spannend und interessant, so vieles über das Künstlerleben in Paris kennenzulernen. Die Autorin hat die Vergangenheit durch ihren feinen Erzählstil lebendig werden lassen und ich war sehr fasziniert von den unterschiedlichen Leben, von denen sie berichtet. Es ist eine Epoche einer Stadt, von der ich kaum etwas wusste, und es hat großen Spaß gemacht, mithilfe dieser Geschichte eine Zeitreise zu unternehmen.

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