Starker Auftakt einer neuen nordischen Crime-Serie
Vega Varg – Das Schweigen der InselMit „Vega Varg – Das Schweigen der Insel“, erschienen 2026 bei Heyne, startet die bekannte Romanautorin Åsa Hellberg eine neue Krimireihe – und konnte mich direkt als Fan gewinnen.
Der Roman spielt auf ...
Mit „Vega Varg – Das Schweigen der Insel“, erschienen 2026 bei Heyne, startet die bekannte Romanautorin Åsa Hellberg eine neue Krimireihe – und konnte mich direkt als Fan gewinnen.
Der Roman spielt auf den Kosterinseln, im Grenzgebiet zwischen Schweden und Norwegen. Vega Varg ist eine ungewöhnliche Ermittlerin, sie ist Polizeichefin und schon 62 Jahre alt, gleichermaßen beharrlich wie auch manchmal einfach müde von langen Dienstjahren. Der Polizeidienst liegt in der Familie, ihr Vater war Polizist und ihre zwei Söhne haben auch eine Laufbahn bei der Polizei eingeschlagen. Aus der Reihe fällt das Sorgenkind in der Familie, ihre Tochter Moa, die sie in einem One-Night-Stand zeugte und die im Roman lange mit Abwesenheit glänzt – was Vega keine Ruhe lässt.
Die Familienverhältnisse sind kompliziert – und der Fall auch, obwohl es zunächst anders aussieht. Eine Gruppe von Immobilienmaklern, die auf den Kosterinseln ein Team-Incentive absolviert, stößt auf eine Leiche. Es ist der Barmann aus dem Hotel in dem die vier, Bente, Meja, Svein und Måns, untergekommen sind. Der scheinbar lokale Fall nimmt schnell eine Wendung, die einen viel größeren Kontext offenbart – und Vega und ihre Vergangenheit auch ganz persönlich betrifft. Als eine norwegische Zeugin plötzlich verschwindet, muss über die Grenzen zusammengearbeitet werden, was Leopold Posse aus Oslo auf den Plan ruft, bester Freund von Vega und Patenonkel ihrer Tochter. Leopold gibt Vega in den Ermittlungen zunächst Sicherheit – doch immer mehr muss sie auch seine Rolle in ihrem Leben in Frage stellen. Die Ermittlungen treiben Vega in eine Konfrontation mit ihrer eigenen Vergangenheit, ihrer Familie und dem Tod ihres Ehemanns vor vielen Jahren. Am Ende wird nichts mehr sein wie zuvor gedacht.
Die Autorin schafft es hervorragend, einen durchgehenden Spannungsbogen zu erzeugen und findet ein wirklich gutes Maß aus Ereignissen in der Gegenwart und Rückblicken in die Vergangenheit. Vega als Figur ist plastisch und realistisch, man kommt ihr nahe und ihre leise Sperrigkeit macht sie sehr sympathisch. Eine starke Frauenfigur, die sich durchbeißt. Die Immobilienmakler sind zugegeben sehr klischeehaft gezeichnet, für den Roman ergibt das so Sinn, ich hätte ihnen dennoch ein bisschen mehr „echten Menschen“ gewünscht. Das Buch hat ein gutes Tempo, und Hellberg findet überraschende Wendungen, die die Spannung bis zum Ende halten. Dabei tut die Szenerie ein Übriges, dieser Kriminalroman ist ein stimmiges Ganzes.
Hier liegt somit ein sehr lesenswerter erster Band vor, der schon Vorfreude auf einen zweiten schafft. Ein sehr guter Einstieg in eine neue nordische Crime-Serie, die ein bisschen nach Verfilmung schreit.