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Veröffentlicht am 07.06.2026

Mitleidenschaft

Die Liebeshungrigen
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„Die Liebeshungrigen“, ein Roman von Karine Tuil, erschienen 2026 bei dtv, hat mich positiv überrascht als eine sehr lesenswerte Zeitanalyse, die hinter die Fassaden schaut und insbesondere auch formal ...

„Die Liebeshungrigen“, ein Roman von Karine Tuil, erschienen 2026 bei dtv, hat mich positiv überrascht als eine sehr lesenswerte Zeitanalyse, die hinter die Fassaden schaut und insbesondere auch formal sehr gut konstruiert ist.

Auf der Handlungseebene tauchen wir ein in die Welt der Spitzenpolitik und der Filmkunst – die Verbindung zwischen diesen beiden Kosmen wird zunächst durch Menschen, die sich begegnen, hergestellt, schnell offenbart sich aber eine tiefergehende strukturelle Ähnlichkeit. Der ehemalige Präsident Frankreichs, Dan Lehman, verkraftet seinen Abgang nicht und driftet immer mehr in die Alkoholsucht ab. Seine Gattin, die Schauspielerin Hilda Müller, versucht, nun da sie nicht mehr auf die Position ihres Mannes Rücksicht nehmen muss, wieder im Film Fuß zu fassen. Absurderweise gelingt ihr dieses genau durch die Verfilmung eines Buches von Lehmans vorheriger Frau, Marianne, durch einen Regisseur aus der dritten Reihe, Romain Nizan, der sich ebenfalls mit diesem Film endlich den Durchbruch erhofft. Am Ende treffen alle in Cannes beim Kampf um die Goldene Palme aufeinander – wessen Träume werden erfüllt werden?

Was klingt wie der Plot einer Telenovela, zeigt sich zum Glück in Tuils Buch von einer ganz anderen Seite. Klares Vorbild der Hauptfiguren sind Nicolas Sarkozy und Carla Bruni. Das ist sehr sichtbar, beinhaltet aber auch viele Abweichungen, denn Tuil geht es eher um etwas Strukturelles in Bezug auf Macht und Schein, als um konkrete Personen und Biographien. Wir lesen im Verlauf des Buches mehrere Formen, personaler Erzähler und Audioprotokolle, erfundene Fußnoten, kursive Passagen, die direkt in Lehmans Gedankenstrom einzutauchen scheinen und tiefe Einblicke in seine Sucht geben, sowie die „M“-Kapitel, die Marianne gehören. Je weiter das Buch voranschreitet, desto mehr wird aus dem personalen Erzähler ein allwissender, was den Roman um noch mehr Perspektiven ergänzt.

Die Gedankenwelt von Lehman ist morbid, aber humorvoll, maximal abgefuckt und latent suizidal – eine wilde Mischung, die sich sehr gut liest und eine ambivalente Faszination hervorruft. Es braucht ein bisschen, bis frau sich sicher sein kann, dass Tuil klar feministisch schreibt, zu unkommentiert kommt der patriarchal-sexistische Gedankenslang von Lehman zunächst einher. Doch je tiefer wir in die Handlung einsteigen, desto deutlicher seziert Tuils Skalpell die Gesellschaft klar feministisch und arbeitet die durchgehende Objektifizierung der Frau bis hin zum Brutkasten präzise heraus. Die Figuren sind nicht sympathisch – und das ist gut so, dafür sind sie sehr real, teilweise kaum auszuhalten. Auch die Alkoholsucht in all ihren Stadien und die einhergehenden Co-Abhängigkeiten beschreibt Tuil kenntnisreich.
Die Rückkehr in eine „Normales Leben“ nach so viel Macht und Ruhm finde ich ein spannendes Thema. Wie hat Merkel das eigentlich so gut geschafft? Nach so langer Zeit an der Staatsspitze? Wie konnte sie so gut loslassen? Tuil arbeitet die Komplexität menschlicher Beziehungen in vielen Aspekten heraus und zeigt, wie schwierig es ist zu gehen, wie sehr einem manchmal Herz oder Ambitionen oder Vernunft im Weg stehen können – das gilt für alle Beziehungen im Buch, meint gar nicht nur Liebesbeziehungen. Dabei schreibt die Autorin so gut, dass ich immer wieder die Fiktion vergesse und mich als Mensch furchtbar aufrege, weil wir alle solche Narzissten kennen, alle Menschen kennen, die nicht herausfinden, alle Menschen kennen, die sich in red flags verlieben usw. Lehman als Narzisst, der nur um sich selbst dreht, ist wirklich gut getroffen in allen Details.
Die metoo Debatte ist sehr gut in den Roman eingebettet, generell auch viele Informationen über die Filmwelt, hier ist Tuil on point in den aktuellen Debatten.
Große Fragen im Roman, warum machen Frauen diese dauerhafte Erniedrigung durch Männer mit? Das extrem sexistische Weltbild in den Männergedanken zeichnet Tuil mit Bravour, es ist widerwärtig und es ist: wahr. Wahr ist auch, dass Frauen sich noch viel mehr wehren müssen und dass der Hunger nach Erfolg: Bei allen Beteiligten die Menschlichkeit verhindert.

„Mitleidenschaft“ ist der Titel eines Buches von Marianne und Tuil gelingt die Kunst, das Mitleid durchaus zu verhindern, uns aber dennoch in ein Mitleiden zu bringen, das den Wunsch und die Not nach Veränderung provoziert. Sie stößt die Lesenden auf die falschen inneren Glaubenssätze von Menschen, die nach Macht und Anerkennung streben. Und sie zeigt schonungslos, wie erbärmlich es hinter den Fassaden von Glamour und Weltpolitik zugeht. Das alles eingebettet in eine sehr gute Story und eine literarisch extrem gut gelungene Konstruktion, ein mutiges, kluges Buch, das ich sehr gern gelesen habe. Dennoch musste ich auch feststellen, dass das Buch in mir keinen Nachhall erzeugt und nicht viel davon länger in mir hängengeblieben ist. Das mag daran liegen, dass die Figuren aus der Welt der Eliten, der Reichen, Schönen und Mächtigen stammen und durchschnittliche Menschen kaum vorkommen. Damit bietet Tuil nur einen sehr kleinen Ausschnitt der beiden geschilderten Branchen und fokussiert auf einen Teil der Welt, dem nur wenige angehören.

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Veröffentlicht am 31.05.2026

Kein Thrill, aber ein solides Drama

Tokyo
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„TOKYO“ von Tokuro Nukui, laut Verlag ein Thriller und schon 1993 erstmalig veröffentlich, jetzt neu aufgelegt bei Bastei Lübbe in 2026, hält leider nicht, was die peppige Aufmachung und die Einordnung ...

„TOKYO“ von Tokuro Nukui, laut Verlag ein Thriller und schon 1993 erstmalig veröffentlich, jetzt neu aufgelegt bei Bastei Lübbe in 2026, hält leider nicht, was die peppige Aufmachung und die Einordnung „Thriller“ verspricht.

Die Handlung spielt 1991 in Sommer in Tokio. Nacheinander verschwinden mehrere Mädchen im Kleinkindalter und irgendwann wird die erste Leiche an einem Flussbett entdeckt. Der Leiter des Dezernats für Tötungsdelikte und schweren Raum Saeki versucht, eine Spur in diesem Fall aufzutun, doch es ist vertrackt, alle Ermittlungen laufen ins Leere.
In einer Parallelhandlung begleiten wir Matsumoto, einen Mann, der ein Loch in seinem Herzen empfindet, seit er seine Tochter verloren hat, bei seiner Sinnsuche durch Tokio, die ihn in die Fänge einer dubiosen Religionsgemeinschaft führt, die ihn immer mehr gehirnwäscht und von seinem Leben Besitz nimmt.

Wir pendeln lesend zwischen diesen beiden Szenarien hin und her, indem wir immer abwechselnd pro Kapitel einer der beiden Personen folgen. Dabei erhalten wir lesend spannende und für mich neue Einblicke in die japanische Polizeistruktur und Gepflogenheiten, sowie in die vielfältigen Religionsgemeinschaften und Glaubenszugänge. Das ist durchaus interessant, ich konnte hier viel Neues entdecken.
Auf der Handlungsebene ist das Buch allerdings doch sehr ausführlich und langsam erzählt, die Einordnung als Thriller kann ich zu keinem Zeitpunkt nachvollziehen, selbst wenn die Handlung Richtung Ende anzieht, stellt sich dennoch kein Thrill ein. Eher folgen wir hier einem Drama oder Kriminalroman – und auch für diesen hätten es für mich gut 100 Seiten weniger sein dürfen, damit die karge Handlung trägt. Da die Sprache zudem holzig ist und ich doch sehr regelmäßig über Formulierungen gestolpert bin, ohne beurteilen zu können, ob das an der Übersetzung oder dem Original liegt, war es ein kleiner Kraftakt sich durch das Buch hindurchzuarbeiten, auch wenn es unter dem Dramaaspekt gute Qualitäten hat und sich am Ende eine wirklich gute Konstruktion offenbart – die ich allerdings psychologisch betrachtet doch anzweifeln würde, hier habe ich Probleme mit der für mich nicht plausiblen Figurenkonstruktion.

Was ich allerdings wirklich spannend fand, ist die Dynamik zwischen Polizei und Presse, die in dem Buch Raum bekommt. Die Hassliebe zwischen Ermittlern und Medien – dass beide voneinander profitieren, die Presse Ermittlungen aber gleichzeitig gefährden kann – war für mich ein spannender Aspekt des Buches. Negativ bewerten würde ich den reinen male gaze des Buches, Frauen kommen eigentlich nicht zu Wort und befinden sich eher in der Opferposition – oder werden doch sehr launisch dargestellt.
Alles in allem also leider keine klare Leseempfehlung, auch wenn die kulturellen Aspekte und die Grundkonstruktion die Lesereise wert sind, wenn man die Lesearbeit, denn so muss ich das nennen, investieren mag. Wer einen Thriller erwartet, wird hier enttäuscht.

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Veröffentlicht am 17.05.2026

Starker Auftakt einer neuen nordischen Crime-Serie

Vega Varg – Das Schweigen der Insel
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Mit „Vega Varg – Das Schweigen der Insel“, erschienen 2026 bei Heyne, startet die bekannte Romanautorin Åsa Hellberg eine neue Krimireihe – und konnte mich direkt als Fan gewinnen.

Der Roman spielt auf ...

Mit „Vega Varg – Das Schweigen der Insel“, erschienen 2026 bei Heyne, startet die bekannte Romanautorin Åsa Hellberg eine neue Krimireihe – und konnte mich direkt als Fan gewinnen.

Der Roman spielt auf den Kosterinseln, im Grenzgebiet zwischen Schweden und Norwegen. Vega Varg ist eine ungewöhnliche Ermittlerin, sie ist Polizeichefin und schon 62 Jahre alt, gleichermaßen beharrlich wie auch manchmal einfach müde von langen Dienstjahren. Der Polizeidienst liegt in der Familie, ihr Vater war Polizist und ihre zwei Söhne haben auch eine Laufbahn bei der Polizei eingeschlagen. Aus der Reihe fällt das Sorgenkind in der Familie, ihre Tochter Moa, die sie in einem One-Night-Stand zeugte und die im Roman lange mit Abwesenheit glänzt – was Vega keine Ruhe lässt.
Die Familienverhältnisse sind kompliziert – und der Fall auch, obwohl es zunächst anders aussieht. Eine Gruppe von Immobilienmaklern, die auf den Kosterinseln ein Team-Incentive absolviert, stößt auf eine Leiche. Es ist der Barmann aus dem Hotel in dem die vier, Bente, Meja, Svein und Måns, untergekommen sind. Der scheinbar lokale Fall nimmt schnell eine Wendung, die einen viel größeren Kontext offenbart – und Vega und ihre Vergangenheit auch ganz persönlich betrifft. Als eine norwegische Zeugin plötzlich verschwindet, muss über die Grenzen zusammengearbeitet werden, was Leopold Posse aus Oslo auf den Plan ruft, bester Freund von Vega und Patenonkel ihrer Tochter. Leopold gibt Vega in den Ermittlungen zunächst Sicherheit – doch immer mehr muss sie auch seine Rolle in ihrem Leben in Frage stellen. Die Ermittlungen treiben Vega in eine Konfrontation mit ihrer eigenen Vergangenheit, ihrer Familie und dem Tod ihres Ehemanns vor vielen Jahren. Am Ende wird nichts mehr sein wie zuvor gedacht.

Die Autorin schafft es hervorragend, einen durchgehenden Spannungsbogen zu erzeugen und findet ein wirklich gutes Maß aus Ereignissen in der Gegenwart und Rückblicken in die Vergangenheit. Vega als Figur ist plastisch und realistisch, man kommt ihr nahe und ihre leise Sperrigkeit macht sie sehr sympathisch. Eine starke Frauenfigur, die sich durchbeißt. Die Immobilienmakler sind zugegeben sehr klischeehaft gezeichnet, für den Roman ergibt das so Sinn, ich hätte ihnen dennoch ein bisschen mehr „echten Menschen“ gewünscht. Das Buch hat ein gutes Tempo, und Hellberg findet überraschende Wendungen, die die Spannung bis zum Ende halten. Dabei tut die Szenerie ein Übriges, dieser Kriminalroman ist ein stimmiges Ganzes.

Hier liegt somit ein sehr lesenswerter erster Band vor, der schon Vorfreude auf einen zweiten schafft. Ein sehr guter Einstieg in eine neue nordische Crime-Serie, die ein bisschen nach Verfilmung schreit.

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Veröffentlicht am 10.05.2026

Auf der Suche nach dem Warum

Fabula
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„Fabula“, der neue Roman von Fernando Aramburu, erschienen 2026 bei Rowohlt, vom Verlag beworben als „Eine große menschliche Komödie, ein bestechend aktuelles Thema“, konnte mich leider nicht erreichen. ...

„Fabula“, der neue Roman von Fernando Aramburu, erschienen 2026 bei Rowohlt, vom Verlag beworben als „Eine große menschliche Komödie, ein bestechend aktuelles Thema“, konnte mich leider nicht erreichen. Neugierig gemacht durch das Thema der sich auflösenden ETA und des baskischen Kampfes um Souveränität, habe ich davon eigentlich nicht viel erzählt bekommen, viel jedoch über zwei relativ unsoziale Männer auf ihrem Egotrip, die mich wirklich abgestoßen haben.

Vorweg: Das Buch hat ein wirklich schönes Cover, das mich sehr angezogen hat und ein Lesebändchen, das ist ja immer was Feines. Aufgeteilt in sieben Kapitelstationen, was ich beim Lesen als Struktur sehr mag, und mit einem Glossar für die baskischen Begriffe versehen, was natürlich total hilft, bin ich angetan von der Serviceorientierung ;) Nein, im Ernst, so etwas hebt das Leseerlebnis bei mir total. Auf der Oberfläche also alles richtig gemacht, leider enttäuscht das Innenleben.

Wir begleiten lesend die zwei Protagonisten Asier und Joseba, die nach Frankreich gesendet wurden, um dort ihre Grundausbildung für die ETA zu erhalten – die dann leider nie stattfindet, weil die ETA sich zeitgleich auflöst und ihr Ende verkündet. Geparkt auf einer Hühnerfarm in Albi, langweilen beide sich zu Tode und versteigen sich deshalb in immer absurdere Trainingsmaßnahmen und Gedankenschleifen. Und auch ihr Aufbruch nach Toulouse und die Bekanntschaft mit einer jungen Frau, die deutlich mehr Pfeffer im Hintern hat als beide Kerle zusammen, führt keine Veränderung herbei, hilflos torkeln die beiden durch Ideologie und Handlungsarmut.

Dem knapp 300 Seiten zu folgen, fand ich mühselig, und ich konnte für mich auch nicht herausfinden, was der Autor mir sagen möchte, was ist seine Haltung zur ETA? Asier ist der Aktive von beiden Protagonisten, Joseba eher ein Mitläufer, der seiner schwangeren Freundin daheim nachtrauert und wahrscheinlich eher eine Impulshandlung begangen hat, der er jetzt nicht mehr entkommt. Asier formuliert viel – auch sehr kritisch zu betrachtende – Ideologie und hat ein wirklich problematisches Frauenbild, Joseba erlebe ich lesend als sanfter und hilflos, er ist ganz sicher nicht für den Kampf gemacht. Was motiviert beide in ihrem Inneren, was genau ist für sie der Wert von Euskal Herria, dem Baskenland, was würde die Unabhängigkeit für sie bedeuten? Darüber erfahren wir wenig, wie auch die Struktur der ETA und deren Kampf, deren Aufgeben eigentlich nicht beleuchtet werden. Stattdessen drehen wir mit den Protagonisten leer und folgen ihrem immer klareren Abstieg in die Asozialität. Vielleicht wollte der Autor etwas über toxische Maskulinität oder sinnentleerte Heldenbilder erzählen – ich konnte das allerdings aus diesem Buch nicht herauslesen.

Auch die Frauenfiguren, denen wir später begegnen, haben bei mir leider keine Verbindung erzeugen können. Ich brauche keine sympathischen Figuren, aber irgendeine Form von Zugänglichkeit schon. Die Handlung dreht so leer wie die beiden Figuren, das ist konsequent in der Erzählform, wie auch die Sprache so sperrig ist, wie die Figuren, und deren Schlichtheit gut abbildet, aber auf Dauer habe ich dann auch leergedreht und das Buch leider immer mehr mit Unlust angefasst. Es ist nicht schlecht geschrieben, es hat System, aber ich habe hinterher nur ein Achselzucken empfunden. Hat sich nicht angefühlt wie eine Handlung, die deutlich nach 2000 stattgefunden haben kann, was die Antiquiertheit der Menschenbilder angeht (damit will ich nicht sagen, dass es nicht Menschen gibt, die so sind). Gut gefallen haben mir die immer wieder eingestreuten baskischen Begriffe, die eine eigene Realität erzeugen. Das bestechend aktuelle Thema suche ich noch – etwa doch hilflose Männlichkeit, die keinen Platz mehr für Heldentaten hat? So wie die beiden sich anstellen, ist die Welt gut beraten, wenn sie keine Helden werden... Auch die Komödie habe ich nicht entdecken können, das Buch hat mir zu keinem Zeitpunkt ein Schmunzeln entlockt. Wenn überhaupt liegt hier eine Farce vor – vielleicht muss man ein alter Cis-Mann sein, um dem Humor folgen zu können. Für mich also leider ein Flop, der mich nicht neugierig auf das weitere Werk des Autors hat werden lassen.

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Veröffentlicht am 30.04.2026

Der dunkelste Ort der Welt

Nebelbeute
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„Nebelbeute“, der dritte Band der Thriller-Reihe um die Gruppe 4 aus der Feder von Benjamin Cors, erschienen 2026 bei dtv, ist der bisher beste Band der Reihe, ein Pageturner Deluxe, im positivsten Sinne ...

„Nebelbeute“, der dritte Band der Thriller-Reihe um die Gruppe 4 aus der Feder von Benjamin Cors, erschienen 2026 bei dtv, ist der bisher beste Band der Reihe, ein Pageturner Deluxe, im positivsten Sinne ein Thriller wie aus dem Lehrbuch, enorm stark und packend.

Der Roman spielt diesmal in einem abgelegenen Bergdorf, wo die Ermittlerin Mila Weiss sich erneut auf die Spuren ihres Erzfeindes Johannes Toblach begibt – und diesmal ist die Jägerin gekommen, um ihre Beute zur Strecke zu bringen. Doch schnell geschieht in der Einöde ein erster Mord und der Fall nimmt Dimensionen an, die nicht vorstellbar waren, weshalb sich in Windeseile die schon bekannte gesamte Gruppe 4, Sondereinheit für Serienstraftaten, angeführt von Jakob Krogh, der sich schon in den letzten Bänden immer mehr an Mila angenähert hat, ebenfalls im Bergdorf einfindet, wo Mila inzwischen in Schwierigkeiten geraten ist. Doch kommen sie noch rechtzeitig? Und kann Mila Toblach endlich das Handwerk legen?

Formal schreibt Cors diesmal anders als sonst zunächst aus der Perspektive von Mila, dann aus der von Jakob, ein spannender Twist für den Triller. Und apropos Spannung: Cors produziert hier sein Meisterstück. Atemlos folgt man lesend der Handlung, Cors serviert viele mögliche Täter und immer wieder bringt noch ein Plottwist neue Dynamik in die Handlung. Das Setting in den Bergen inmitten von Schnee und Eis, die eigenbrötlerischen Dorfbewohner: innen, die immer engere Beziehung zwischen den Ermittlern, die Rasanz und der Zeitdruck, der unter allem liegt: Einfach richtig gut gebaut. Und das Ende bis kurz vor dem Schluss nicht vorhersehbar. Dabei schadet es zwar nicht, die vorherigen Bände gelesen zu haben, Cors webt wichtige Informationen aber so geschickt in die Handlung ein, dass das Buch sehr gut auch als Standalone gelesen werden kann – und Menschen, die die vorherigen Bände kennen dennoch nicht gelangweilt werden.

Mit diesem Thriller hat Cors sich selbst übertroffen. Und da zum Glück Jakobs Trauma noch nicht auserzählt ist: Dürfen wir hoffentlich auf weitere Bände mit der Gruppe 4 hoffen. Ein Knaller. Nicht verpassen.

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