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Veröffentlicht am 01.03.2026

Commissaire Lacroix und sein 9. Fall

Lacroix und der Flussschiffer von der Seine
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Gegenüber des Eiffelturms entdeckt eine Schulklasse beim Blick auf die Seine eine Leiche auf einem Containerschiff. Damit ist für Commissaire Lacroix und seine Ehefrau Dominique das gemeinsame Wochenende ...

Gegenüber des Eiffelturms entdeckt eine Schulklasse beim Blick auf die Seine eine Leiche auf einem Containerschiff. Damit ist für Commissaire Lacroix und seine Ehefrau Dominique das gemeinsame Wochenende in Giverny gestrichen. Lacroix und Capitaine Jade Rio müssen erst die Identität des Toten klären und dann seinen Mörder finden. Klar ist, sein Todeszeitpunkt war vor ca. 20 Stunden., er war Ende 50, hatte gepflegte Nägel, ordentliche Kleidung und ist durch Gewalteinwirkung in den Oberkörper gestorben. Es muß sich ein Holz durch seine Brust gebohrt haben, dabei sein Herz gestreift haben und dadurch ist er schnell verblutet. Lacroix erfährt von der Vermißtenmeldung eines Flussschiffers, der vehement gegen die Reederei des Containerschiffs gekämpft hat, um deren kriminellen Aktivitäten wie Drogenschmuggel und Korruption aufzudecken. Laurent Poissy und sein verschwundener Bruder Sylvain leben seit ihrer Kindheit zusammen auf ihrem Schiff, der Arc-en-Ciel und transportieren Schüttgut.

Lacroix und Jade ermitteln dieses Mal nicht in der Großstadt Paris bei den Schönen und Reichen, sondern in einer anderen, raueren Welt auf der Seine und in der Normandie.


Ich kenne von dem Autor Alex Lépic/Alexander Oetker schon einige Bände mit dem Commissaire. Lacroix ist schon fast Kult. Für mich ist er ein älterer, vielleicht etwas wortkarger, aber sympathischer Genießer, Handyverweigerer und routinierter Ermittler. Er ist gut vernetzt und er nimmt die Leser wie ein Reiseführer mit durch die Straßen seines Viertels und Paris. Die ebenfalls sympathische Capitaine Jade Rio unterstützt ihn und ist stets vertrauensvoll neben ihm. Und eine Überraschung, sie geht in diesem Band zum ersten Mal mit in sein Stammlokal zum Mittagessen und begleitet ihn auch noch auf der Reise in die Normandie. Von der Hektik der Großstadt auf die entschleunigende Seine. Aufgedeckt werden dabei nicht nur kriminelle Aktivitäten, sondern Lacroix und Jade finden auch den Mörder.

Das Cover paßt zum einheitlichen Erscheinungsbild der ganzen Reihe und Blau für die Seine, paßt perfekt zum vorliegenden Buch.

Der Schreibstil war auch in diesem 9. Fall flüssig und spannend und hat hat mir unterhaltsame Lesestunden beschert. Wer Lacroix bisher mochte, dem wird auch dieser Cozy-Krimi wieder gefallen.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

fortunato o sfortunato

Villa Rivolta
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Aufgrund verschiedener Treffen und Gespräche mit Piero und Lele Rivolta wurde der Autor inspiriert, diese Familiengeschichte in einen Roman zu verpacken. Er erzählt sie beginnend 1945 in Valperga und Bresso/Milano ...

Aufgrund verschiedener Treffen und Gespräche mit Piero und Lele Rivolta wurde der Autor inspiriert, diese Familiengeschichte in einen Roman zu verpacken. Er erzählt sie beginnend 1945 in Valperga und Bresso/Milano über Santa Margherita und endet 1979 in Milano/Maremma.

Es beginnt 1945 - Die Familie Rivalto lebt in einer wunderschönen Villa mit einem großen Garten und den Kindern Piero und Attilia. Caterina muß mit ihrer 4jährigen Tochter Valeria nach dem tragischen Tod des Vaters Valperga verlassen und sie kommt aufgrund früherer Freundschaften als Hausangestellte im Hause Rivolta unter. Piero, der Unternehmersohn und Valeria, die Angestelltentochter treffen sich immer wieder heimlich im Garten und es entwickelt sich im Laufe der Jahre eine Seelenverwandtschaft, die über eine normale Freundschaft hinausgeht. Beide finden Partner – Piero heiratet die schillernde Lele Zerboni aus sehr gutem Haus und Valeria lernt Flavio, den Arbeitersohn und Rebellen kennen. So unterschiedlich ihre jeweiligen Lebenssituationen sind, die Verbindung zwischen Piero und Valeria bleibt immer bestehen und bedeutet auch beiden sehr viel. Sie haben außerdem etwas gemeinsam, die Trauer um den geliebten Vater. Piero muß nach dem Tod von Renzo in jungen Jahren die Verantwortung für die Firma und die Angestellten mit ihren Familien übernehmen. Valeria war ihr ganzes Leben schon wissensdurstig, bildet sich fort, beginnt zu schreiben und arbeitet an der Seite von Piero in der Firma. Aber zwischen Mutter und Tochter ist das Verhältnis gestört. Vor allem es bleiben Fragen offen zur Vergangenheit in Valperga, die Valeria nicht loslassen - zum Heldentod des Vaters und den damaligen Freunden. Und dann am Ende 1979 bereitet Valerias und Flavios Sohn Tonino große Sorgen.

Die ganze Geschichte ist eingebettet in den wirtschaftlichen Aufschwung der Firma Rivolta beginnend mit dem Kühlschrank Iso, dann dem Motorino, der Isetta und der Sportwagen. Aber auch die beginnenden Streiks, die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme werden dargestellt.


Ich habe von Daniel Speck schon einige Bücher gelesen. Der vorliegende Roman ist von nun an mein Lieblingsbuch und ein Highlight. Er hat die Geschichte sehr menschlich, authentisch, realistisch und ohne jegliche Längen erzählt. Er streut bewundernswert passende italienische Phrasen, Zitate und Liedertexte ein, ebenso Details der Automobilbranche. Nichts wirkt aufgesetzt, sondern wohl dosiert. Die Figuren zeichnet er detailliert und größtenteils sympathisch, egal ob fortunato oder sfortunato - reich oder arm - Süditaliener oder Norditaliener. Und die Atmosphäre ist italienisch temperamentvoll und lebendig, der jeweiligen Situation angepaßt. Das Cover ist ausgesprochen passend gewählt. Sehr gut gefällt mir natürlich, daß es eine Fortsetzung geben wird.

Diesen Roman empfehle ich sehr gerne weiter!

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Spannende Flucht in Australien

Zuflucht
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Eine der Hauptfiguren ist Grace, die eine bunte Vergangenheit aufzuweisen hat. Sie ist mit immer wechselnden Namen und Verkleidungen gleich einem Chamäleon unterwegs bei ihren Gaunereien. Sie stiehlt vor ...

Eine der Hauptfiguren ist Grace, die eine bunte Vergangenheit aufzuweisen hat. Sie ist mit immer wechselnden Namen und Verkleidungen gleich einem Chamäleon unterwegs bei ihren Gaunereien. Sie stiehlt vor allem bei den Reichen und plant diese Streifzüge akribisch. Mit Adam Garrett ist sie zusammen in einer Pflegefamilie aufgewachsen und mit ihm zusammen hat sie ihre Coups gelandet. Im Moment „arbeitet“ das Paar getrennt. Grace ist mit einigen Schätzchen abgetaucht und sie trifft in Adelaide Hills auf die Trödel- und Antiquitätenhändlerin Erin Mandel, die sie für den Verkauf einstellt und ihr auch gleich eine Wohnmöglichkeit anbieten kann. Hier gefällt es ihr nach langer Zeit mal wieder und sie glaubt, daß sie hier zur Ruhe kommen kann. Aber auch Erin hat etwas zu verbergen, dann sie fühlt sich bedroht – von ihrem früheren Ehemann. Ohne es zu wissen, sind sie beide auf der Flucht vor ihren wütenden Männern. Sie werden auf ungeahnte Weise als Duo zusammengeschweißt und es bleibt für alle involvierten Figuren spannend bis zum Ende!


Der Autor hat einen fesselnden Schreibstil und der gut konstruierte Plot hebt sich eindeutig von der gängigen Kriminalliteratur ab. Grace war für mich eine schillernde Persönlichkeit und ich konnte/wollte sie auch wegen ihrer Coups nicht verurteilen. Sie nimmt den Reichen, gibt denen, die es brauchen können und behält den Rest für sich. Ferner sie ist für Gerechtigkeit, das stellt sie mehrfach unter Beweis. Auch die anderen Figuren haben ihre eigene Geschichte, nicht nur Erin Mandel, sondern auch die „Verfolger“. Adam Garrett, der sich weiterhin mit Gaunereien mehr oder weniger gut durchs Leben schlägt und Brodie Hendren, der alles verkauft, was auf dem Markt Abnehmer finden könnte und der den Abgang seiner Ehefrau Karen/Erin sühnen will. Am Ende konnten alle angerissenen Stränge zusammengeführt werden.

Trotz aller Verwerflichkeit der Kriminalität war das Buch nicht düster, sondern es menschelte und ich konnte mitfühlen, mitfiebern und in die Geschichte eintauchen.

Von mir erhält dieser temporeiche Kriminalroman eine eindeutige Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 22.02.2026

Spannend und aktuell

Schattenmädchen
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Schauplatz Schweden im unglaublich heißen Mai
Die Soziologiestudentin Isabella Karlsson wird vermißt. Sie ist 25 Jahre und galt als introvertiert. Zuletzt gesehen wurde sie auf einer Relaese-Party der ...

Schauplatz Schweden im unglaublich heißen Mai
Die Soziologiestudentin Isabella Karlsson wird vermißt. Sie ist 25 Jahre und galt als introvertiert. Zuletzt gesehen wurde sie auf einer Relaese-Party der Firma BubbleBuy. Das Unternehmen wurde von zwei ehemaligen Studenten der LTH in Lund gegründet und hat eine App zur Einkaufshilfe entwickelt. Nun soll das Unternehmen an einen chinesischen Investor verkauft werden. Von Isabelle fehlt seit der Feier jegliche Spur. In mühsamer Kleinarbeit werden einzelne Puzzleteilchen von Fredrika Storm und Henry Calment mit Unterstützung des Teams zusammengetragen. Und dann kommt plötzlich ein alter, abgeschlossener Fall bei den Ermittlungen in den Fokus. Ebenfalls eine Studentin, Petra Olsen, verschwand vor 7 Jahren, ihr Mörder wurde verurteilt und beging aus Verzweiflung Suizid. Er hatte bis zum Schluß seine Unschuld beteuert. Fedrika glaubt der Familie und den Angehörigen, verbeißt sich förmlich in den alten Fall, da sie eindeutige Zusammenhänge zu Isabella erkennt und sich scheinbar alles um die Uni, Studenten und Studentenvereinigungen dreht. Gegen alle Widerstände ermittelt sie und will unbedingt den einen Täter finden, dabei bekommt sie einen gewissen Tunnelblick. Vor allem haben hier sehr viele Beteiligte Geheimnisse. Das Ende und der Ausgang überrascht!


Es ist bereits der dritte Band der Reihe, für mich allerdings das erste Buch der Autorin. Es gibt immer wieder Hinweise auf die Vorgängerbände, das stellte aber für mich als Neueinsteigerin kein Problem dar. Die Ermittlungen im Vermißtenfall nehmen erst langsam Fahrt auf, werden dann allerdings immer rasanter und als Leser stellt man seine eigenen Vermutungen an. Es werden etliche Verdächtige ins Spiel gebracht und die Autorin schürt bei ihren Lesern immer wieder Zweifel über den zeitlichen Ablauf. Verschiedene Alternativen was geschehen sein könnte, werden aufgezeigt und am Ende ist es doch anders. Es geht sowohl um aktuelle politische Themen als auch um Machtmißbrauch und geheime Verbindungen. Das jeweilige Privatleben von Fredrike und Henry wird ausführlich behandelt und nimmt einen für mich zu großen Part im Buch ein. Das hätte gerne etwas zurückgenommen werden können. Beide haben ihre sehr unterschiedlichen Probleme zu bewältigen, die sie über den Büroalltag hinaus beschäftigen, für mich waren es allerdings Unterbrechungen in der Story und im Lesefluß. Ansonsten fand ich das Zusammenspiel der beiden sehr gut und ihre unterschiedlichen Charaktere und Herangehensweisen haben sich gut ergänzt.

Positiv fand ich, daß die Autorin am Ende des Buches erwähnt, daß der vorliegende Fall auf wahren Begebenheiten basiert. Nicht so gut fand ich die Covergestaltung. Es ist zwar schön zum Anschauen und paßt zu den Vorgängerbänden, aber zum Inhalt des vorliegenden Buches hat es keinen Bezug – schade.

Trotz meiner Kritik hatte ich spannende Lesestunden. Die Autorin konnte mich mit diesem Krimi überzeugen und ich empfehle ihn gerne weiter!

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Veröffentlicht am 13.02.2026

Nazaré, die Stadt des Windes und ein Surferparadies

Die Tote von Nazaré
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Die Kölner Hauptkommissarin Maren Berger wurde bei einem Banküberfall angeschossen und will nach einer langen Reha-Zeit zurück ins Leben finden. Allerdings hat sie Erinnerungslücken und ein Dienst ist ...

Die Kölner Hauptkommissarin Maren Berger wurde bei einem Banküberfall angeschossen und will nach einer langen Reha-Zeit zurück ins Leben finden. Allerdings hat sie Erinnerungslücken und ein Dienst ist zur Zeit undenkbar. Deshalb fliegt sie zu ihrer deutschen Freundin Dagmar nach Portugal. Bei einem ersten Spaziergang entdeckt sie neben einer Statue, dem Wahrzeichen Nazarés, eine weibliche Frauenleiche. Sie erkennt die Tote. Es ist die russische Schriftstellerin Ludmilla Donzowa, die sie gestern in einem Cafe auf Englisch angesprochen hat. Als jedoch die Polizei eintrifft, ist die Leiche verschwunden. Hier lernt sie Inspetor João Ferreira von der Policia Judiciária in Leiria kennen, der sehr gut Deutsch spricht, da er längere Zeit in Köln gelebt hat und mit einer Deutschen verheiratet war. Doch eine Leiche ist nicht genug, kurz darauf wird ein deutscher Kollege, Wolfgang Schremp mit einer Kugel im Kopf aufgefunden. Aber Schremp war nicht dienstlich hier, sondern er hatte sich krank gemeldet. Aber aus welchem Grund hat er diese Reise unternommen? Mit Unterlagen von zu Hause versucht Maren ihre Erinnerungen zu ihrem letzten Fall wieder zurückzuerlangen. Daraus resultiert bei ihr ein bestimmter Verdacht, dann erhält sie eine rätselhafte Nachricht und sie gerät durch einen Alleingang in persönliche Gefahr.


Miguel Silva hat einen soliden Krimi geschrieben. Er läßt sich flüssig und durchaus spannend lesen. Der Plot und die Zusammenhänge waren mir persönlich dann doch sehr konstruiert. Es ist der Startband einer neuen Reihe und die beiden Hauptakteure Maren Berger und Inspetor João Ferreira werden eingeführt. Hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht. Das Urlaubsland Portugal, damit verbunden Essen, Trinken und Saudade, wurden einladend geschildert.

Das Cover wurde perfekt zum Thema ausgewählt. Mit diesen Krimi, der Luft nach oben hat, hatte ich unterhaltsame Lesestunden.

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