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Veröffentlicht am 15.03.2024

Gespenster der Vergangenheit

Das Schweigen des Wassers
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1991 und Hauptkommissar Arno Groth wird als Aufbauhelfer Ost zurück in die alte Heimat geschickt, um an der Polizeischule Pasewald zu unterrichten. Eine nicht ganz freiwillige Versetzung, aber es soll ...

1991 und Hauptkommissar Arno Groth wird als Aufbauhelfer Ost zurück in die alte Heimat geschickt, um an der Polizeischule Pasewald zu unterrichten. Eine nicht ganz freiwillige Versetzung, aber es soll ein Karriere-Sprungbrett für ihn sein. Dort bekommt er Besuch von Siegmar (genannt Siegen) Eck, der etwas heruntergekommen aussieht und erklärt, daß jemand von früher hinter ihm her ist und sein Leben will. Als Nächstes sieht Groth ihn als Leiche im Wasser am Bootsanleger des Sees wieder. Die Mordermittlungen beginnen, aber Groth merkt, daß er mit seiner Hamburger Autonummer von allen als Wessi wahrgenommen wird und er nicht in der Gemeinschaft aufgenommen wird. Vor allem Kollege Gerstacker und er eruieren die Hintergründe jeweils im Alleingang, von Teamarbeit anfangs keine Spur. Da der Tote in der Nähe des Restaurants „Erholung“ gefunden wurde, werden die Angestellten vernommen, ebenso wird Kontakt mit dem Vater von Eck aufgenommen. Plötzlich verdichten sich die Informationen auf einen alten Fall, das Blatt scheint sich zu wenden und aus Groth und Gerstacker wird doch noch ein Team.


Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit und für mich hat die Autorin einen sehr spannend konstruierten Plot daraus gemacht. Der Schreibstil ließ sich flüssig lesen. Mich hat es von der ersten Seite an gepackt und es wurde ein echter Pageturner daraus. Die Figuren wurden detailliert charakterisiert. Die Atmosphäre von früher, die Wende und was aus den Personen geworden ist wurde hervorragend und authentisch beschrieben. Das Ende läßt auf eine Fortsetzung hoffen.

Von mir erhält dieser Krimi auf jeden Fall eine Leseempfehlung und ich würde gerne mehr von der Autorin lesen!

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Veröffentlicht am 13.03.2024

Beschauliches Bamberg

Wilde Wut
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Unterhalb der Heinrichsbrücke wird die Leiche von Michael Dreysbach gefunden – offensichlich unglücklich gestürzt. In seinem Blut wird Antidepressiva und Kokain gefunden. Er war 36 Jahre, geschieden, Sohn ...

Unterhalb der Heinrichsbrücke wird die Leiche von Michael Dreysbach gefunden – offensichlich unglücklich gestürzt. In seinem Blut wird Antidepressiva und Kokain gefunden. Er war 36 Jahre, geschieden, Sohn des cleveren Immobilienmaklers Günther Dreysbach. In einem anderen Strang lernt der Leser Babs kennen, die durch Immobilienhaie ihre Wohnung verloren hat, sich einer Gruppe gegen Gentrifizierung „Villen für alle“ angeschlossen hat und jetzt durch Indizien in den Fall Dreysbach hineingezogen wird. Sie bittet Katinka Palfy um Hilfe. Aber auch Katinka muß die Geschäftspraktiken von Dreysbach kennenlernen als sie ein sehr niedrig gehaltenes Kaufangebot für ihr Haus ablehnt.


Dieser Band ist ein Treffen mit guten Bekannten, die man aus den vorherigen Bänden kennt, allen voran Detektivin Katinka Palfy, ihr Lebensgefährte Hauptkommissar Hardo Uttenreuther und der Journalist Dante Wischnewski. Das Privatleben fließt wie gewohnt in die Story mit ein, denn die Kombi Kommissar und Privatdetektivin ist für den Plot einfach gut, wobei die beiden privat und beruflich trennen. Ich lese die Autorin gerne, denn sie beschreibt die Atmosphäre Bambergs so bildhaft – man ist einfach dabei und taucht ein, in dieses schöne Städtchen. Der vorliegende Fall erweist sich doch nicht so eindeutig und schnell aufzuklären, denn es gibt einen überraschenden Twist. Aber am Ende kann natürlich alles gelöst werden. Das Thema Gentrifizierung, auf das sie aufmerksam macht, ist wichtig und gut eingebaut in die Story. Die Spannung hingegen hält sich in Grenzen.

Alle Fans von Regional- und Cozy-Krimis werden bestimmt auch mit diesem Band ihre Freude haben. Ich hatte einen unterhaltsamen Nachmittag.

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Veröffentlicht am 11.03.2024

Spannendes Thrillerdebüt

Tödlicher Podcast
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Im Mittelpunkt der Handlung stehen Malu M. mit ihrem True-Crime-Podcast „Verbrechen Berlin“ und ihre Reinigungskraft Nina. Nina ist eine treue Hörerin des Podcasts und als sich die Gelegenheit zu einer ...

Im Mittelpunkt der Handlung stehen Malu M. mit ihrem True-Crime-Podcast „Verbrechen Berlin“ und ihre Reinigungskraft Nina. Nina ist eine treue Hörerin des Podcasts und als sich die Gelegenheit zu einer Bewerbung bietet, ergreift sie diese sofort, um dadurch ihrem Idol nahe zu sein. Die Wohnung ist luxuriös, alarmgesichert, liegt sehr ruhig und abgeschieden hinter einem Miethaus. Relativ bald registriert Nina, daß Malu abgeschottet von der Außenwelt lebt, anscheinend von einem Mann beobachtet wird und für ihre kleine Tochter, die ab und zu ausflippt, hat sie stets Medikamente parat. Alles Indizien dafür, daß etwas nicht stimmt. Und dann taucht eines Tages ein weiterer Podcast auf - „Lillis Wahrheit“.


Der Thriller liest sich flüssig und packend - einmal angefangen konnte ich nicht aufhören bis ich wußte, was für Geheimnisse dahinter stecken. Der Plot ist gut durchdacht, komplex und durch etliche Twists nicht sofort durchschaubar. Die große Ähnlichkeit von Malu und Nina lassen gleich zu Anfang gewisse Gedankenspiele aufkommen. Eines kristallisiert sich schnell heraus, die beiden sind absolut unterschiedliche Charaktere. Malu distanziert und geheimnisvoll, Nina offen, beobachtet ihre Umgebung, wirkt dabei unsichtbar. Vor allem ist es lange Zeit nicht klar, wie eng die beiden Figuren miteinander verknüpft sind. Die Anzahl der agierenden Personen ist relativ übersichtlich, wobei man sie nicht sofort zuordnen kann. Die Perspektiven wechseln ständig von Gegenwart zu Vergangenheit und man zuerst einmal versuchen, die Puzzleteile richtig zuzuordnen. Vor allem man ahnt auch, daß es irgendwann den großen Knall geben wird.

Das Cover finde ich sehr gelungen und passend.

Von mir gibt es eine Leseempfehlung und ich bin gespannt, womit die Autorin als nächstes überraschen wird.

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Veröffentlicht am 09.03.2024

Spannender Schauplatz - Hamburger Hafen

Unter Druck
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Svea Roth, Polizeitaucherin, geschieden, lebt auf einem Hausboot und trauert immer noch um ihre verstorbene Tochter Lena. Der Teamleiter der Bereitschaft Karl Hansen benötigt ihre Hilfe. Zusammen mit Lars ...

Svea Roth, Polizeitaucherin, geschieden, lebt auf einem Hausboot und trauert immer noch um ihre verstorbene Tochter Lena. Der Teamleiter der Bereitschaft Karl Hansen benötigt ihre Hilfe. Zusammen mit Lars entdeckt sie bei einem Tauchgang in der Elbe ein leckes Boot mit fünf Fässern und in jedem Faß befindet sich eine Leiche, nackt mit einer Schnur um den Hals . Es sind insgesamt vier männliche Leichen und eine weibliche. Alle wurden zur selben Zeit schossen und alles weist in Richtung Hinrichtung. Svea erkennt die weibliche Leiche. Es handelt sich um Yvette Ziegler, deren Vater ihr Mentor bei ihrer Ankunft in Deutschland war und mit ihr im selben Tauchclub ist. Yvette hatte zu ihrer Familie derzeit keinen Kontakt, arbeitete als Programmiererin und hatte oftmals Geldprobleme. Vielleicht könnte hier eine Gemeinsamkeit mit den anderen Opfern zu suchen sein? Nach und nach werden die anderen Leichen identifiziert und es verdichten sich die Anzeichen auf den Hafen und Drogengeschäfte. Doch ganz so einfach stellen sich die Ermittlungen schlußendlich doch nicht heraus, denn es gibt einige Twists, die dann alles nochmals verändern.


Von Derek Meister habe ich schon einige Bücher gelesen, die mir sehr gut gefielen, deshalb war ich neugierig, was er unter seinem Pseudonym Marc Jansen plant. Den ersten Band dieser Reihe kannte ich nicht, das stellte aber kein Problem dar. Einzig, ich wußte nicht, ob es zu dem Tod der Tochter ein besonderes Vorkommnis gab. Daher war mir die ständig eingeflochtene Trauer um ihre Tochter Lena etwas zuviel, ebenso das Privatleben samt Waschbär. Sehr gut beschrieben fand ich die Atmosphäre des Hamburger Hafens, hier fühlte ich mich mitgenommen. Anfangs wurden etliche Baustellen aufgemacht - organisierte Kriminalität, Drogen und mafiaähnliches Vorgehen sind keine neuen Themen im Krimigenre, aber den Plot fand ich gut durchdacht. Insgesamt war mir dieser Band etwas zu ruhig, erst im letzten Drittel zog das Tempo an und es wurde richtig spannend. Ich hätte allerdings gerne mehr über das Thema „Tauchen“ erfahren. Das Cover finde ich gut gelungen und stimmig zum Inhalt.

Ich hatte unterhaltsame Lesestunden, der Krimi ließ sich flüssig lesen und ich empfehle ihn gerne weiter.

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Veröffentlicht am 02.03.2024

Ein echter Pageturner

Zorn – Schwarze Tage
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Zorn ist paralysiert, denn vor seinen Augen wurde seine Freundin, Staatsanwältin Frieda Borck, von einem alkoholisierten Medizinstudenten brutal überfahren. Fahrer war der Halbjordanier Tarek Macha, eir ...

Zorn ist paralysiert, denn vor seinen Augen wurde seine Freundin, Staatsanwältin Frieda Borck, von einem alkoholisierten Medizinstudenten brutal überfahren. Fahrer war der Halbjordanier Tarek Macha, eir hat überlebt und liegt im Krankenhaus. Bei den Unfallermittlungen übernimmt plötzlich das BKA mit Polizeioberrat Gursky. Zorn und Schröder sehen sich in einer Nebenrolle und fühlen sich ausgebootet. Dann häufen sich die Ungereimtheiten und offenen Fragen, Zorn und Schröder sind zwar beide in ihrer Trauer um Frieda gefangen, forschen aber auf ihre eigene Art weiter.


Dieser Band war für mich wieder ein Highlight. Der Autor kann einfach spannend, unterhaltsam und fesselnd schreiben, das hat er mit diesem Fall wieder unter Beweis gestellt. Bei Zorn und Schröder habe ich immer die Schauspieler vor Augen und mit ihnen tauche ich dann in die Geschichte ein. Ich konnte diese unendliche Trauer von Zorn sehr gut nachvollziehen und auch das Urvertrauen, das die beiden Ermittler zu einander haben. Bei manchen Szenen erinnern sie an ein altes Ehepaar, sie verstehen sich ohne viele Worte, fühlen mit dem anderen, respektieren sich als Partner und sie können auch miteinander lachen. Sie lassen sich auch von Gursky nicht unterbuttern, sondern gehen ihren eigenen Weg. Mehr möchte ich dazu nicht schreiben.

An dieser Stelle muß ich unbedingt noch anmerken, daß das Nachwort des Autors auf jeden Fall gelesen werden sollte. Er hat hier sehr sympathisch und auch mit einem Augenzwinkern über seine Arbeit erzählt.

Das Cover paßt wieder in die Reihe, das freut jeden Buchliebhaber und -sammler.

Dieser Thriller war für mich ein wahrer Pageturner, den ich sehr gerne weiter empfehle!

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