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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.07.2025

Haus Morgentau

Am Meer ist es schön
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Titel und Cover des Buches können nicht über den ernsten Inhalt hinwegtäuschen.
Susanne wird mit gerade mal 8 Jahren zu einem 6-wöchigen Kuraufenthalt am Meer geschickt. Und ihre Eltern versprechen ihr, ...

Titel und Cover des Buches können nicht über den ernsten Inhalt hinwegtäuschen.
Susanne wird mit gerade mal 8 Jahren zu einem 6-wöchigen Kuraufenthalt am Meer geschickt. Und ihre Eltern versprechen ihr, dass sie rechtzeitig zur Mondlandung zurück sei wird. Doch die erste Unruhe macht sich bereits bei der Zugfahrt breit. Platzwechsel ist nur mit Erlebnis möglich. Namensschilder müssen getragen werden. Und wehe, man verstößt gegen diese Regeln. Auch auf weinende Kinder wegen der Trennung von den Eltern wird nicht eingegangen.

Schon auf den ersten Seiten hat man als Leser einen Kloß im Hals, so real, beklemmend und dennoch einfühlsam ist diese Zugfahrt erzählt. Doch das ist erst der Anfang. Im Haus Morgentau geht es mit strengen Regeln, Vorschriften und emotionaler Kälte weiter. Keines der Kinder ist alt genug, sich dagegen zur Wehr zu setzten. Und die Tanten haben sich harte Strafen ausgedacht für jedes Kind, das es trotzdem versucht.

Als Luise, die Mutter von Susanne, im Sterben liegt und die Worte „Es tut mir leid“ spricht, brechen die alten Wunden wieder auf. Susanne erzählt ihr, ihrer Tochter und den Geschwistern von ihren traumatischen Erlebnissen während der Kur. In Rückblenden erfahren wir mehr über das systematische Vorgehen von Demütigung, Erniedrigung und bloßgestellt werden. Es entfaltet sich das ganze Ausmaß der seelischen Grausamkeit, die sie als Kind erleben musste.

So fiktiv der Roman ist, so wahr ist der historische Hintergrund. Barbara Leciejewski gelingt es dabei, eine tief berührende, einfühlsame und zugleich kraftvolle Geschichte zu erzählen, die man nicht so schnell vergisst.

Veröffentlicht am 27.06.2025

Das Sterben hat begonnen

Aschesommer
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Benjamin Cors liefert mit Aschesommer einen spannenden und leicht zu lesenden Thriller. Das ich den ersten Band nicht kennt, störte mich dabei überhaupt nicht. Mit den Mitgliedern des Teams war ich schnell ...

Benjamin Cors liefert mit Aschesommer einen spannenden und leicht zu lesenden Thriller. Das ich den ersten Band nicht kennt, störte mich dabei überhaupt nicht. Mit den Mitgliedern des Teams war ich schnell vertraut. Die Gruppendynamik und Zusammenarbeit wirkte glaubwürdig und lebendig.

Die Handlung entfaltet sich in mehreren Erzählsträngen, bleibt dabei aber gut strukturiert und keineswegs überladen. Trotzdem undurchsichtig und rätselhaft. Also genau so, dass man sich auf die folgenden Seiten freute und direkt weiterlesen wollte. Mit immer neuen Entwicklungen wurde die Spannung hochgehalten. Während sich einige Zusammenhänge allmählich erschließen, tauchen gleichzeitig neue Fragen auf. Das Team um Jakob und Mila kämpft unter Hochdruck gegen die Zeit, um weitere Opfer zu verhindern.

So gut und spannend der Thriller war, so sehr folgte er dennoch einem gängigen Muster. Bei den ersten Opfern tappen die Ermittler im Dunkeln und der Täter ist stets einen Schritt voraus. Irgendwann haben sie eine Idee wer in Gefahr ist, können die Person trotzdem nicht rechtzeitig warnen. Und beim nächsten Opfer ist es ganz, ganz knapp und sie kommen dem Täter immer näher. Dieser Verlauf wirkt sehr vorhersehbar und wenig überraschend.

Umso wirkungsvoller ist die überraschende Wendung am Ende, die so nicht absehbar war und dem Buch einen starken Abschluss verleiht.

Trotz vielen Lobs für diesen Thriller, hat er für mich auch ein paar Schwächen und Unstimmigkeiten. Auch wenn ich für manche Ungereimtheiten eigene Erklärungsversuche finde, empfinde ich es als störend, dass der Autor diese unbeantwortet lässt.

Wahrscheinlich soll Aschesommer in erster Linie spannend unterhalten und legt dabei weniger Wert auf absolute Realitätsnähe. Und das gelingt dem Buch zweifellos.

Veröffentlicht am 23.05.2025

Anwalt einer Doppelmörders?

Der zweite Verdächtige
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Dies ist erneut ein überzeugender Justiz-Krimi, der diesen Namen auch verdient hat. Man merkt, dass man mit Florian Schwiecker einen Autor hat, der etwas von seinem Gebiet versteht und weiß, wovon er schreibt.

Neben ...

Dies ist erneut ein überzeugender Justiz-Krimi, der diesen Namen auch verdient hat. Man merkt, dass man mit Florian Schwiecker einen Autor hat, der etwas von seinem Gebiet versteht und weiß, wovon er schreibt.

Neben dem eigentlichen Fall werden die rechtlichen und gesetzlichen Aspekte erklärt. Wie läuft ein Haftprüfungstermin. Wie sind die Abläufe vor Gericht. Sind die Beweise angreifbar und schnell zu entkräften oder nicht. Aber auch die Rolle von Staatsanwaltschaft auf der einen Seite und Strafverteidigung auf der anderen Seite werden beleuchtet. Selbst der Blick auf die moralische Verantwortung eines Strafverteidigers und eventuell vorhandene Gewissenskonflikte werden angesprochen.

Es wird versucht, die Erklärungen in Bezug auf das Gerichtsverfahren geschickt mit der Handlung zu verknüpfen. Trotzdem kann es passieren, dass der Fall rund um den Mandanten Jan Staiger etwas steif daherkommt und nicht immer im Mittelpunkt steht. Ich fand diese Ausführungen trotzdem überaus bereichernd und sie unterstützen die Authentizität. Diese realistische Wiedergabe und der Blick hinter die Kulissen sind für mich das große Plus des Buches.

Der Fall braucht sich hinter diesen Ausführungen nicht zu verstecken. Rocco ist sich nicht sicher, ob er sich auf sein Bauchgefühl und die Unschuld seines Mandanten verlassen kann. Und so wissen wir Leser auch nicht sicher, wohin die Reise geht. Alles scheint gegen den Beschuldigten zu sprechen, erst recht, als ein zweiter Toter auftaucht. Die Stimmungsmache in den sozialen Medien ist da nur wenig hilfreich. Denn natürlich ist die Aufklärung nicht so offensichtlich, wie es anfangs scheint.

Fazit: wer nicht nur auf Aktion aus ist, sondern sich auch für die Abläufe eines Gerichtsverfahrens interessiert, ist hier sehr gut aufgehoben

Veröffentlicht am 21.05.2025

Im Zweifel für den Angeklagten?

Dunkle Momente
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Die überzeugte Strafverteidigerin Eva Herbergen nimmt uns mit auf eine Reise zu 9 Fällen, die sie selber erlebt hat. Die klassische Story fehlt. Die geschilderten Fälle bieten den Hintergrund, um zu verstehen, ...

Die überzeugte Strafverteidigerin Eva Herbergen nimmt uns mit auf eine Reise zu 9 Fällen, die sie selber erlebt hat. Die klassische Story fehlt. Die geschilderten Fälle bieten den Hintergrund, um zu verstehen, dass auch Eva Herbergen mit ihrem Job und den Erlebnissen hadert.

Die hier erzählten Fälle sind zwar fiktiv, fühlen sich aber sehr real an. Sie sind komplett unterschiedlich gelagert, aber immer geht es um menschliche Tragödien und menschliche Abgründe. Denn es reicht ein schwacher Moment, eine falsche Entscheidung um zum Täter zu werden.

Doch die Schicksale offenbaren sich erst, wenn man das komplette Bild kennt. Zum Teil sind sie erschütternd und nur schwer verdaulich, sodass eine Pause zwischen den einzelnen Fällen von Nöten ist. Diese kann auch problemlos eingelegt werden, da die Fälle in keinem Zusammenhang stehen. Man kann also das Buch auch gerne zur Seite legen und zwischendurch etwas anderes lesen.

Ich würde aber empfehlen, einen einzelnen Fall am Stück zu lesen. Auch dieser ist in unterschiedliche Kapitel unterteilt. Aber die Beleuchtung des Hergangs, der Verteidigungsstrategie, aber auch der Hintergründe sind in ihrer Komplexität nur zu erfassen, wenn man keine Pause einlegt.

Doch auch wenn man das komplette Bild kennt, ist es schwer, das Verbrechen einzuordnen. Gerichte können nur nach Tatsachen bzw. Beweisen gehen und dadurch nicht immer ein gerechtes Urteil fällen. Unser moralischer Kompass ist nicht immer deckungsgleich mit den gesetzlichen Vorgaben. Trotzdem kann es auch unsere Moralvorstellung nicht leisten, hier ein gerechtes Urteil zu sprechen. Aber was ist hier überhaupt ein gerechtes Urteil? Dieses Buch hat mir einmal mehr gezeigt, dass eine kurze Nachricht im Radio, TV, Social Media nicht ausreicht, um sich eine Meinung bilden zu können. Und zum anderen, dass ich nicht in der Haut von Richtern, Anwälten, Verteidigern … stecken möchte.

Fazit: empfehlenswert, da das Buch auf eine kluge Weise hinterfragt

Veröffentlicht am 13.05.2025

Projekt Zaugg

Wut und Liebe
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Eigentlich bin ich im Krimigenre beheimatet. Aber zur Abwechslung lese ich auch sehr gerne einen Roman. Wobei ich mich dann unweigerlich frage, was uns der Roman mit auf den Weg geben will. Manchmal vielleicht ...

Eigentlich bin ich im Krimigenre beheimatet. Aber zur Abwechslung lese ich auch sehr gerne einen Roman. Wobei ich mich dann unweigerlich frage, was uns der Roman mit auf den Weg geben will. Manchmal vielleicht nichts, da es sich um einen Wohlfühlroman handelt. Doch ein Wohlfühlroman ist Wut und Liebe trotz der sehr leichten Schreibweise nicht. Also, was für eine Geschichte will uns Suter erzählen?

Einer der prägnantesten Sätze ist „Ich liebe dich, aber nicht das Leben mit dir“. Dies sagt Camilla zu Noah. So trifft sie eine sehr rationale Entscheidung und verlässt Noah. Sie will ein Leben ohne finanzielle Sorgen und nicht den mittellosen Künstler Noah durchfüttern. Dieser wiederum liebt Camilla, will sie zurück und braucht dafür Erfolg bzw. Geld. Dieses Geld könnte er durch ein unmoralisches Angebot seiner Zufallsbekanntschaft Betty bekommen. Bei ihr sitzt der Hass auf den Geschäftspartner ihres verstorbenen Mannes tief. Und sie kann sich vorstellen, für seinen Tod zu bezahlen.

Die anfänglich gestellt Frage, ob man auch arm glücklich sein kann, wird aus den Augen verloren. Stattdessen rückt nun in den Mittelpunkt, wie weit man für die Liebe bereit ist zu gehen und ob man für sie morden würde. Oder auch wie tief Hass und Rachegedanken sitzen können.

Alle drei Hauptpersonen werden vor moralische Fragen gestellt. Ihre jeweilige Motivation ist vielleicht rational erklärbar. Aber um die daraus folgende Entscheidung und Handeln zu verstehen, hätte es mehr Tiefe bedurft. Mir sind die Charaktere zu blass geblieben, um ihr bedenkliches Handeln nachvollziehen zu können.

Der Plot-Twist war gut vorbereitet, aber für mich nicht wirklich überraschend. Eigentlich habe ich auf eine Auflösung in diese Richtung gewartet.

Fazit: gute Unterhaltung im besten Sinne. Die aufgeworfenen Fragen sind interessant, aber die Geschichte selbst und die Charaktere sind zu seicht und oberflächlich.