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Veröffentlicht am 09.11.2022

Aufarbeitung einer unglücklichen Familiengeschichte

Lügen über meine Mutter
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Ela wächst in einem kleinen Dorf im Hunsrück auf, in dieser Zeit steht ein Thema immer wieder im Vordergrund: das Übergewicht ihrer Mutter. Denn der kleingeistige Vater ist sich sicher, dass jeder seiner ...

Ela wächst in einem kleinen Dorf im Hunsrück auf, in dieser Zeit steht ein Thema immer wieder im Vordergrund: das Übergewicht ihrer Mutter. Denn der kleingeistige Vater ist sich sicher, dass jeder seiner persönlichen Misserfolge durch das Übergewicht seiner Gattin zu begründen ist - mit einer vorzeigbaren Frau an seiner Seite wäre er zum Beispiel doch ganz gewiss befördert worden. So ist das Leben von Elas Mutter durch den psychischen Druck ihres Ehemanns geprägt, der sie immer wieder zum Abnehmen drängt, doch jeglicher Diäterfolg ist nur für kurze Dauer.

"Lügen über meine Mutter" von Daniela Dröscher ist ein Roman, in dem die Autorin einen Teil ihrer Kindheit aufarbeitet. Zwischen den Kapiteln gibt es kurze Einschübe aus Sicht der erwachsenen Tochter auf die Vergangenheit, in der sie die Ereignisse rückblickend interpretiert, der Großteil der Geschichte wird allerdings aus dem Blickwinkel der kindlichen Ela geschildert. Dieser familiäre Einblick lässt sich zunächst recht fesselnd lesen, wirklich überzeugen konnte mich das Buch jedoch nicht. Die politischen und gesellschaftlichen Ereignisse zeigen deutlich, dass das Geschehen in den achtziger Jahren spielt, betrachtet man die innerfamiliäre Dynamik, entsteht der Eindruck, dass es bereits Jahrzehnte länger her sein könnte.

Für mich war es schwer nachvollziehbar, warum die von ihrer Tochter als starke und selbstständige Frau beschriebene Mutter bereit war, sich dem tyrannischen Ehemann derartig unterzuordnen. Selbst als eine Erbschaft es ihr ermöglichen würde, ein unabhängiges, selbstbestimmtes Leben zu beginnen, führt die Mutter diese trostlose Ehe fort und finanziert sämtliche Wünsche des Vaters, der mit einem großen Haus und sportlichen Autos sein Selbstwertgefühl aufpoliert. Bei einer autobiografischen Betrachtung der eigenen Eltern ist es sicher nicht möglich, sämtliche Emotionen außen vor zu lassen, dennoch hätte ich mir etwas mehr Ausgewogenheit in der Erzählweise gewünscht, um auch ein deutlicheres Bild des Vaters zu erhalten.

Wie der Titel bereits aussagt, steht Danielas Mutter im Focus, ob eine solche psychologische Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit für eine breite Lesergruppe interessant ist, darüber lässt sich streiten. Ich habe die Geschichte als durchaus gut lesbar, allerdings auch reichlich deprimierend empfunden. Zwischendurch habe ich das Buch für eine längere Lesepause zur Seite gelegt, um der bedrückenden Atmosphäre zu entkommen. Meiner Meinung nach fehlen dem Roman schlussendlich doch die Antworten, zu deren Suche Daniela Dröscher begonnen hatte, über ihre Mutter zu schreiben, nach wie vor empfindet die Autorin sie als eine Person voller Rätsel. Damit stellt die Geschichte für mich einen eindimensional erlebten Rückblick in die Vergangenheit dar, bei dem die erhofften Erkenntnisse ausgeblieben sind.

Fazit: Obwohl sich die Handlung aus der Sicht der kindlichen Daniela gut lesen lässt, fehlt mir die mit einer Aufarbeitung zu erwartende Einsicht, zwar formuliert die Autorin am Ende, dass ihre Mutter ihre persönliche Heroine ist, aber die anfangs aufkommenden Fragen bleiben meiner Meinung nach weitestgehend unbeantwortet.

Veröffentlicht am 04.11.2022

Fantasievoll, komplex und absolut fesselnd

Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit
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Joe Tournier findet sich im Jahr 1898 auf einem Londoner Bahnhof wieder und hat jegliche Erinnerungen verloren. In London, das inzwischen den französischen Namen Londres trägt, erkennt Joe viele Straßen ...

Joe Tournier findet sich im Jahr 1898 auf einem Londoner Bahnhof wieder und hat jegliche Erinnerungen verloren. In London, das inzwischen den französischen Namen Londres trägt, erkennt Joe viele Straßen und Orte, dennoch kann er sich des Gefühls nicht erwehren, dass alles um ihn herum ein wenig falsch ist. Als ihn eine Postkarte erreicht, die bereits vor 90 Jahren aufgegeben wurde, rührt der darauf abgebildete Leuchtturm an Joes Gefühlen, die geschriebene Nachricht weckt Erinnerungen, die allerdings niemand aus seinem Umfeld bestätigt. Für Joe steht fest, dass er unbedingt zu diesem Leuchtturm reisen muss, um sein verlorenes Gedächtnis wieder zu finden.

"Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit" von Natasha Pulley ist eine wunderbar fantasievolle Geschichte, die mich von der ersten Zeile an gefesselt und bis zum Schluss nicht mehr los gelassen hat. Joe ist ein sympathischer Protagonist, und es hat mir Freude bereitet, seine Persönlichkeit durch den gesamten Roman hindurch von Seite zu Seite immer etwas mehr kennen zu lernen. Auch die Figuren in seinem Umfeld fand ich authentisch und lebensecht dargestellt, der Leser sieht sie alle durch Joes Augen, was ich auf ganz einzigartige Weise faszinierend fand.

Den Schreibstil möchte ich eher als komplex bezeichnen, nicht nur Joe bewegt sich durch verschiedene Zeitebenen, es gibt zwischendurch auch Abschnitte, die die Vergangenheit manch anderer Figur beleuchten. Dennoch konnte ich dem Handlungsfaden problemlos folgen, die Spannung ist meiner Meinung nach an keiner Stelle abgeflaut und die zarte Liebesgeschichte, die nur in wenigen seltenen Momenten durchgeschimmert ist, hat mich emotional berührt. Auch nach dem Ende des Buches war ich geistig noch in Joes wundervoller Geschichte gefangen und habe mich immer wieder in die Handlung zurück geträumt. Dieser Roman war für mich ein absolutes Highlight, für das ich eine begeisterte Leseempfehlung ausspreche.

Fazit: Die Autorin führt ihre Leser auf verschlungenen Pfaden zum Ziel, dabei hat mich sowohl die Spannung als auch die emotionale Seite der Geschichte bis zur letzten Seite gefesselt und fasziniert. Dieses wunderbare Leseerlebnis empfehle ich mit Begeisterung weiter.

Veröffentlicht am 02.11.2022

Nette Liebesgeschichte mit Kleinstadtflair

Touch me forever
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Nachdem die Schauspielerin Skye ihre Drogen- und Alkoholsucht überwunden hat, reist sie nach Honey Falls, wo sie als Kind glückliche Sommer im Haus ihrer Tante verbrachte. Ivy, wie Skye damals hieß, hatte ...

Nachdem die Schauspielerin Skye ihre Drogen- und Alkoholsucht überwunden hat, reist sie nach Honey Falls, wo sie als Kind glückliche Sommer im Haus ihrer Tante verbrachte. Ivy, wie Skye damals hieß, hatte nach dem Tod der Tante das Haus geerbt, doch es stand jahrelang leer und muss zunächst gründlich renoviert werden, ehe es ihr eine gemütliche Zuflucht bieten kann. Um dem harschen Winterwetter zu entgehen, zieht Ivy ins Hotel, wo sie unvermittelt ihrer Jugendliebe Hunter gegenüber steht. Der erfolgreiche CEO war einige Monate zuvor in sein Heimatstädtchen zurück gekehrt, wo er seine Schwester vorübergehend im Familienhotel vertritt. Können die Beiden an die emotionale Verbindung ihrer Jugendzeit anknüpfen, oder stellt die Vergangenheit unüberwindbare Mauern auf?

"Touch me forever" von Amy Baxter ist der dritte Band der "Now and Forever" Reihe und obwohl Skye und Hunter bereits Gastauftritte in den voran gegangenen Bänden hatten, lässt sich das Buch auch gut lesen ohne die ersten Teile zu kennen. Ich bin neu in die Serie eingestiegen und hatte nicht das Gefühl, dass mir zum Verständnis der Ereignisse etwas fehlt. Beide Protagonisten fand ich schnell sympathisch und es hat mir Freude gemacht, sie durch ihre Geschichte zu begleiten. Ivys Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit zeigt allerdings, dass sie auf dem Höhepunkt ihrer Karriere deutlich weniger liebenswürdig war, als nach dem suchtbedingten Absturz. Diese Einblicke und einige Andeutungen zum Leben von Hunters Schwester haben meine Lust geweckt, auch die Vorgängerbände zu lesen.

Den Schreibstil habe ich als angenehm leicht empfunden, das winterliche Flair im Kleinstadthotel hat mich während des Lesens in Wohlfühlatmosphäre eingehüllt wie in eine kuschelige Wolldecke. Einzig der Umgang der Hauptfiguren mit ihrer ersten Krise konnte mich nicht ganz überzeugen, hier hätte ich mir mehr Kommunikation gewünscht. Sicher sind Beide eher als Einzelkämpfer durch ihr früheres Leben gegangen , dennoch fand ich gerade Hunters Verhalten nicht stimmig mit der Persönlichkeit, die er bis zu diesem Zeitpunkt gezeigt hatte. Was dem Lesevergnügen allerdings kaum Abbruch tut, insgesamt habe ich mich gut unterhalten gefühlt, so dass ich für die ruhig erzählte Liebesgeschichte gern eine Leseempfehlung ausspreche.

Fazit: Das Kleinstadtflair hat mich beim Lesen in Wohlfühlatmosphäre gehüllt, bis auf winzige Unstimmigkeiten, hatte ich ein angenehmes Leseerlebnis, das ich gern weiter empfehle.

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Veröffentlicht am 28.10.2022

Spannende Fortsetzung, doch mir fehlte wieder die Greifbarkeit der Gefühle

Maple-Creek-Reihe, Band 2 - Save Me in Maple Creek
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Monate nach Joshkas plötzlicher Abreise ist Mira noch immer tief in ihrem Kummer gefangen - bis sie Lilac nach New York begleiten muss. Dort trifft sie ihre große Liebe unverhofft wieder, doch er macht ...

Monate nach Joshkas plötzlicher Abreise ist Mira noch immer tief in ihrem Kummer gefangen - bis sie Lilac nach New York begleiten muss. Dort trifft sie ihre große Liebe unverhofft wieder, doch er macht ihr unmissverständlich klar, dass es keine gemeinsame Zukunft geben kann. Doch Mira gibt die Hoffnung nicht auf, ohne zu ahnen, wie sehr sie sich selbst damit in Gefahr bringt. Denn Cam, der inzwischen den Untergrund leitet, hält Joshka an der kurzen Leine, indem er Miras Leben bedroht.

"Save Me in Maple Creek" von Alexandra Flint ist der zweite Band einer Dilogie, zum Verständnis sehe ich es als unabdingbar an, zunächst das Vorgängerbuch gelesen zu haben, denn die Geschichte baut auf den Ereignissen aus "Meet me in Maple Creek" auf. Leider konnte mich auch die Fortsetzung um Mira, Joshka und ihre Freunde nur mäßig begeistern, was unter Anderem an der Darstellung der Protogonisten lag.

Mit Joshka bin ich schon im ersten Teil nicht wirklich warm geworden, die Autorin packt meiner Meinung nach zu viel in diesen Charakter - er ist superschlau, absolut finster (insgeheim allerdings doch äußerst wohltätig) und immer allen Anderen einen Schritt voraus - bis er sich in seiner eigenen Arroganz verstrickt und unversehens von Cam aufs Kreuz gelegt wird. Mira dagegen wandelt sich plötzlich in ihr Gegenteil, wurde sie mir im ersten Band noch als zielstrebige Studentin vorgestellt, lässt sie jetzt alles schleifen und als sie bereits mehrfach von ihrem Professor angemahnt wurde, schwänzt sie ihre Vorlesungen einfach noch ein paar Tage länger. Ihr Bruder Lilac verkommt leider mehr oder weniger zur Randfigur, über seine Entwicklung hätte ich gerne ein wenig ausführlicher gelesen.

Der Schreibstil hat mich erneut sehr angesprochen und auch die Spannung fand ich angemessen dosiert, dennoch fiel es mir schwer, emotional in die Handlung einzutauchen. Meiner Meinung nach hat die Autorin zwar einige Schlüsselszenen gut ausgearbeitet, die Übergänge dazwischen aber zu knapp abgehandelt, nach einer äußerst spannenden Szene wurde z.B. abrupt ein Zeitsprung eingesetzt, hier hätte ich mir ein sanfteres Ausgleiten aus dem Geschehen gewünscht. Deshalb fällt meine Bewertung auch für den finalen Band eher mittelmäßig aus.

Fazit: Auch im Folgeband konnte der gute Schreibstil die inhaltlichen Mängel nicht ausgleichen, es fiel mir schwer, den Protagonisten emotional nahe zu kommen und dadurch in die Handlung einzutauchen.

Veröffentlicht am 27.10.2022

Viel kriminelle Spannung, wenig greifbare Emotionen

Maple-Creek-Reihe, Band 1 - Meet Me in Maple Creek
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Vorzeigestudentin Mira hat ihr ganzes Leben in der beschaulichen Kleinstadt Maple Creek verbracht, als sie von ihrem bisher unbekannten Zwillingsbruder erfährt, stürzt eine Welt für sie zusammen. Lilac, ...

Vorzeigestudentin Mira hat ihr ganzes Leben in der beschaulichen Kleinstadt Maple Creek verbracht, als sie von ihrem bisher unbekannten Zwillingsbruder erfährt, stürzt eine Welt für sie zusammen. Lilac, der im New Yorker Untergrund zuhause war, ist zunächst wenig begeistert, neben seinen Sozialstunden in der kleinen Stadt auch noch eine Schwester zu bekommen. Nur weil sein bester Freund Joshka ihn begleitet, lässt sich Lil´ auf den Deal ein, der ihn vor einer Gefängnisstrafe bewahrt. Mira fühlt sich schon bald zu Joshka hin gezogen, doch seine kriminelle Vergangenheit folgt ihm nach Maple Creek und bringt auch Mira in Gefahr.

"Meet Me in Maple Creek" von Alexandra Flint ist der erste Band eines Zweiteilers, der mich leider nicht so überzeugen konnte, wie ich es mir erhofft hatte. Dass die Geschichte weit von dem ersten Eindruck abweicht, den das wunderschöne, romantische Herbstcover und der dazu passende Farbschnitt hervor rufen, lässt sich bereits anhand des Klappentextes erahnen. Allerdings hatte ich, was mir selten passiert, echte Probleme, mich auf den Protagonisten einzulassen. Mira, ihre Freunde und auch Lilac fand ich zwar durchaus sympathisch, Joshka hingegen ist in meinen Augen deutlich überzeichnet.

Immer wieder kommt in seinen Gedankengängen vor, wie superschlau und vorausschauend er doch ist, das wirkte auf mich nicht nur arrogant, sondern einfach lächerlich, besonders wenn ich es teilweise mit seinen Handlungen vergleiche. Außerdem schien es weder der Autorin noch ihm selbst klar zu sein, ob er nun der große böse Untergrundboss oder doch ein versteckter Gutmensch sein will, aus den beschriebenen Charaktereigenschaften hätte man auch gut mehrere Figuren schaffen können - für einen einzigen Menschen war es deutlich zu viel.

Auch die Emotionen, die sich zwischen den Figuren entwickeln, waren für mich kaum greifbar, erst feinden sich Mira und Joshka an und plötzlich sind sie unsterblich ineinander verliebt - da hätte ich mir zwischendurch etwas mehr Kribbeln im Bauch gewünscht. Ähnlich ist es bei Lilac, seine Abschnitte erzählen hauptsächlich von der Vergangenheit, der schrecklichen Kindheit, die ihn gezeichnet hat. Sein Leben in der Gegenwart spielt sich eher in Randnotizen ab, hier hat mir ebenfalls ganz eindeutig das Gefühl gefehlt.

Positiv ist mir der blumige, anschauliche Schreibstil aufgefallen, auch die Spannung lässt nichts zu wünschen übrig. Wenn der romantische Aspekt der Geschichte etwas mehr Raum bekommen hätte, so dass das Verhältnis zum kriminellen Teil der Handlung ausgewogener gewesen wäre, hätte mich das Leseerlebnis deutlich mehr begeistern können. Insgesamt bewerte ich das Buch daher eher mittelmäßig, die Autorin hat leider viel ihres unbestreitbar vorhandenen Potentials verschenkt.

Fazit: Die Geschichte ist durchaus spannend und auch der Schreibstil hat mir gut gefallen. Gefehlt hat mir allerdings die Greifbarkeit der Emotionen und Joshka fand ich als Figur recht unglaubwürdig, so dass ich für das Buch nur drei Sterne vergebe.