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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.03.2021

Sympathische Protagonisten und eine behutsam erzählte Liebesgeschichte

Not Your Type
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Marie ist heimlich in ihren Kommilitonen Fynn verliebt, obwohl sie noch kein Wort mit ihm gesprochen hat. Als Fynn überraschend bei einem Roadtrip mit Maries Freunden dabei ist, hofft sie, ihren Schwarm ...

Marie ist heimlich in ihren Kommilitonen Fynn verliebt, obwohl sie noch kein Wort mit ihm gesprochen hat. Als Fynn überraschend bei einem Roadtrip mit Maries Freunden dabei ist, hofft sie, ihren Schwarm endlich besser kennen zu lernen. Auch er fühlt sich zu Marie hin gezogen, doch Fynn hat niemandem an der Uni erzählt, dass er trans ist und er glaubt, deswegen für Marie nicht liebenswert zu sein. Auf dem Weg nach Italien kommen sie sich langsam näher, aber wird Fynn seine Ängste überwinden können und Marie die Wahrheit sagen?

"Not Your Type" von Alicia Zett beschreibt auf sanfte Weise, wie sich die Protagonisten langsam annähern. Die Geschichte hat mir grundsätzlich gefallen, den Schreibstil der Autorin habe ich als angenehm flüssig empfunden und ihr behutsamer Umgang mit dem sensiblen Thema gefiel mir gut. Die Protagonisten und auch ihre Freunde waren sympathisch dargestellt, doch ein wenig mehr Tiefe bei der Ausarbeitung der Charaktere hätte für mich den Unterschied zwischen nett und ganz wunderbar ausgemacht. Der Roadtrip bringt einen Hauch von Urlaubsgefühl in das Leseerlebnis, die Reisebeschreibung macht Freude. Das Gegengewicht zu der Urlaubsfahrt, die Leichtigkeit vermittelt, stellt Fynns seelischer Zustand dar, denn neben seinen unterdrückten Gefühlen für Marie schleppt er viele Probleme mit sich herum und versinkt immer wieder in depressive Phasen.

In einigen Bewertungen, die ich über dieses Buch gelesen habe, wurde angeprangert, dass die Autorin Deadnaming verwendet - einen Begriff den ich bisher nicht kannte und erst einmal googeln musste. Dazu denke ich, dass die Verwendung von Fynns Deadname hier zum Kontext gehörte, denn der Name kam in der wörtlichen Rede in einer Erinnerung an seine Mutter vor. Und so wie ich die Geschichte verstanden habe, lag ein Großteil von Fynns Trauma in der fehlenden Akzeptanz seiner Eltern begründet, die ihn trotz der Aussage, ein Junge zu sein immer wie ein Mädchen behandelt haben. Da wäre es kaum glaubwürdig gewesen, wenn sie plötzlich seinen männlichen Vornamen verwendet hätten. Ich denke durch die Nennung des Deadnames möchte Alicia Zett dieses absolute Unverständnis von Fynns Familie betonen.

Fazit: Insgesamt habe ich die Geschichte gern gelesen, auch wenn die Personen stellenweise etwas oberflächlich charakterisiert waren, für die sanfte Liebesgeschichte gebe ich gern eine Empfehlung.

Veröffentlicht am 18.03.2021

Wunderbarer Abschluss der einzigartigen Kinderbuchreihe

Die Unausstehlichen & ich (Band 3) - Die Welt ist voller Wunder
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Ennis Mutter hat endlich wieder die Möglichkeit, ihrer Tochter ein Zuhause zu geben, doch bevor sie sich aus Saaks verabschieden möchte, plant Enni, die offenen Geheimnisse um das Internat zu klären. Immer ...

Ennis Mutter hat endlich wieder die Möglichkeit, ihrer Tochter ein Zuhause zu geben, doch bevor sie sich aus Saaks verabschieden möchte, plant Enni, die offenen Geheimnisse um das Internat zu klären. Immer noch wissen die Freunde nicht, wer hinter der Stiftung steckt, die Ennis und Dantes Schulgeld bezahlt und nach welchen Kriterien sie für das Stipendium ausgesucht wurden. Da die Stiftung ihren Sitz in München hat, sieht Enni ihre Chance gekommen, als ein Theaterwettbewerb veranstaltet wird, bei dem die Gewinnerschule ihr Stück in München aufführen darf.

"Die Unausstehlichen & ich - Die Welt ist voller Wunder" ist der dritte Band der wunderbaren Kinderbuchreihe von Vanessa Walder. Zum Verständnis ist es unabdingbar, die Vorgängerbände in der richtigen Reihenfolge gelesen zu haben, da die Handlung durch alle drei Bücher fortläuft. Die elfjährige Enni ist eine Protagonistin, die meiner Tochter (inzwischen 12 Jahre alt) und mir schon von der ersten Geschichte an ans Herz gewachsen war.

Jedes der Bücher ist aus Ennis Sicht in Briefform verfasst, da sie es nicht leicht im Leben hatte und in ihrer Erzählweise viel flucht, sind alle Schimpfwörter im Buch überkritzelt, so dass der Leser seine Fantasie bemühen muss, sich all die ausgestrichenen Wörter zu denken. Diese Schreibweise mag gewöhnungsbedürftig erscheinen, ich finde, dass Enni dadurch von Anfang an sehr authentisch dargestellt wird. Von Buch zu Buch zeichnet sich auch ihre Weiterentwicklung ab, im dritten Band ist die Zahl der übermalten Wörter deutlich kleiner, als am Anfang.

Vanessa Walder hat mit dieser Buchreihe nicht nur meine Tochter (die eigentliche Zielgruppe), sondern auch mich total begeistert, auf den Erscheinungstermin dieser Fortsetzung habe ich beinahe gespannter gewartet, als das Kind selbst. Der Schreibstil ist gewohnt eingängig, passend zum Alter der empfohlenen Zielgruppe lässt sich die Geschichte leicht und locker lesen. Und ich denke, jeder, der Enni und ihre Freunde bereits kennen gelernt hat, freut sich auf das Wiedersehen und ihre neuen Erlebnisse. Für die außergewöhnliche Kinderbuchreihe, die sich mit wichtigen Themen wie Familie und Freundschaft befasst, aber auch zeigt, dass das Leben nicht immer rosa Zuckerguss ist, gebe ich eine unbedingte Leseempfehlung.

Fazit: Trotz aller Probleme, die Hauptfigur Enni mit ihrer Familie, in Pflegefamilien und im Heim hat, überwiegt in jedem Buch dieser Reihe das positive Grundgefühl, Vanessa Walder zeigt eindrücklich die Entwicklung der Freundschaft zwischen den Unausstehlichen und dass auch Freunde zu Familie werden können. Obwohl ich schon eine Generation älter bin, als die eigentliche Zielgruppe, habe ich mich in den Büchern wohl gefühlt und empfehle alle drei Bände sehr gern weiter.

Veröffentlicht am 17.03.2021

Fesselnde Geschichte mit holprigem Start

Fall of Legend
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Nach einer Joggingrunde findet sich Scarlett Priest plötzlich entführt und in einen Teppich gewickelt wieder, erst im Büro des charismatischen Gabriel Legend wird sie aus ihrer misslichen Lage befreit. ...

Nach einer Joggingrunde findet sich Scarlett Priest plötzlich entführt und in einen Teppich gewickelt wieder, erst im Büro des charismatischen Gabriel Legend wird sie aus ihrer misslichen Lage befreit. Gabriel ist entsetzt, dass sein Helfer Scarlett entführt hat, beschließt aber, die Gunst der Stunde zu nutzen, denn Scarletts Einfluss ist möglicherweise die letzte Chance, die ihm bleibt um seinen Club zu retten. Schon bei Scarletts erstem Besuch im Club sprühen die Funken, doch sie und Legend stammen aus verschiedenen Welten....

"Fall of Legend" von Meghan March hat sein Potential für mich erst nach und nach entfaltet, der Anfang erschien mir wirklich seltsam. Dass Scarlett nach der Entführung Angst hat, kann ich gut nachvollziehen, zumal sie über ihren Internet-Account bereits mehrmals bedroht wurde. Doch Gabriels Reaktion ist für mich schwer nachvollziehbar - sein Helfer Bump, der aufgrund einer früheren Kopfverletzung geistig auf kindlichem Niveau geblieben ist, hat Scarlett entführt, doch anstatt das Missverständnis aufzuklären und sich zu entschuldigen, spielt Gabe den großen bösen Wolf und fordert, dass sie ihren Einfluss in den sozialen Medien nutzt, um seinem Club wieder Leben einzuhauchen. Worauf sie sich aus Angst um ihr Leben auch einlässt - um dann die ganze Woche nach dem bösen Wolf zu schmachten????

An der Stelle hat mir die Überleitung im Gefühlschaos gefehlt, erst später hat die Geschichte ihr Potential entfaltet und mich in ihren Bann gezogen. Den Schreibstil von Meghan March, den ich schon aus einigen anderen Büchern kenne, hat mich auch dieses Mal angenehm durch die Seiten gleiten lassen und nachdem ich den etwas kruden Anfang hinter mir gelassen habe, waren mir auch die Protagonisten immer sympathischer geworden. Auch die Handlung hat mich mehr und mehr gefesselt, so dass ich letzten Endes doch noch ein sehr angenehmes Leseerlebnis mit diesem Roman hatte und mich nun schon auf die Fortsetzungsbände freue.

Fazit: Wenn man sich erst mal durch den unlogischen Start gekämpft hat, entwickelt sich die Handlung meiner Meinung nach zu einer durchaus lesenswerten Geschichte, mit der ich einige angenehme Stunden verbracht habe, so dass ich das Buch gern weiter empfehle.

Veröffentlicht am 16.03.2021

Spannend und temporeich wie ein Videospiel

Ghostwalker
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Hamburg 2047 - der siebzehnjährige Jonas ist nach dem Verschwinden seiner Mutter auf sich allein gestellt. Geld verdient er als Ghostwalker, dabei besteht seine Aufgabe im Transport von Daten innerhalb ...

Hamburg 2047 - der siebzehnjährige Jonas ist nach dem Verschwinden seiner Mutter auf sich allein gestellt. Geld verdient er als Ghostwalker, dabei besteht seine Aufgabe im Transport von Daten innerhalb virtueller Welten. Als Moondancer ist Jonas im Netz bekannt, seine private Identität hält er streng geheim. Ein neuer, sehr lukrativer Auftrag führt Jonas in eine virtuelle Welt, die komplexer ist, als Alles, was er bisher erlebt hat und schnell wird ihm klar, dass auch die Gefahr für ihn größer ist als jemals zuvor.

"Ghostwalker" von Rainer Wekwerth ist eine spannende Geschichte, die in Erzählweise und Tempo an ein Videospiel erinnert. Obwohl ich eine Generation älter bin, als die angestrebte Zielgruppe (das Buch ist für Leser ab 13 Jahren empfohlen), hat der Roman mich schnell in seinen Bann gezogen und bis zur letzten Seite nicht mehr los gelassen. Jonas ist ein Protagonist, mit dem sich sicher viele Jugendliche identifizieren können, obwohl seine private Situation eher ungewöhnlich ist. Dafür bewegt er sich sicher durch die virtuellen Welten, so dass ich mir gut vorstellen kann, dass die Geschichte auch die Generation Gaming (und damit den einen oder anderen Lesemuffel) begeistern wird.

Der Schreibstil ist einfach und flüssig zu lesen, die Spannung steigert sich konsequent zum Finale hin und das rasante Erzähltempo ließ mich das Buch kaum aus der Hand legen. Während die Handlung zuerst nur aus Jonas´ Blickwinkel dargestellt wird, kommt später die legendäre Ghostwalkerin Blue dazu und die Erzählperspektive wechselt zwischen den beiden Figuren. Dadurch war ich beim Lesen in der komfortablen Lage, den Gedankengängen beider Ghostwalker folgen zu können und die Protagonisten noch besser kennen zu lernen. Aber auch die anderen Personen, virtuellen Wesen und den Hintergrund beschreibt der Autor farbenfroh und bildgewaltig, so dass das Leseerlebnis eine Art Film vor meinem inneren Auge erzeugt hat. Dafür gebe ich sehr gern eine Leseempfehlung.

Fazit: Die Handlung spielt sich rasant und in bunten Farben ab, so dass das Leseerlebnis sehr an ein Videospiel erinnert. Empfohlen wird die Geschichte für Jungen und Mädchen ab 13 Jahren und ich kann mir vorstellen, dass sie geeignet ist, auch eher leseunlustige Jugendliche hinter dem Ofen vor zu locken. Mich hat das Buch von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und ich empfehle es gern weiter.

Veröffentlicht am 15.03.2021

Optimistisch, heiter und wunderbar unterhaltsam

Die Optimistin
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Auf einem Dromedar flieht Toygar Bayramoğlu vor seiner eigenen arrangierten Hochzeit, auf die er sich nur wegen der Schulden, die sein Vater bei einem Kredithai hat, eingelassen hatte. Als er im Seniorenheim ...

Auf einem Dromedar flieht Toygar Bayramoğlu vor seiner eigenen arrangierten Hochzeit, auf die er sich nur wegen der Schulden, die sein Vater bei einem Kredithai hat, eingelassen hatte. Als er im Seniorenheim bei Charlotte Keller landet, erzählt die ungewöhnliche alte Dame ihm die Geschichte ihres Lebens, doch so spannend sie auch berichtet, bemerkt Toygar bald, dass nicht Alles so stimmen kann. Dennoch hört er gebannt zu und schwankt dabei ständig zwischen Faszination und Unglauben....

"Die Optimistin" von Timo Blunck hatte mich anhand einer Leseprobe bereits völlig in ihrem Bann gezogen, so dass ich die Geschichte unbedingt weiter kennen lernen wollte. Und zu meiner Freude hat der Roman gehalten, was die ersten Kapitel versprachen, nach Toygars Flucht und der Verfolgung durch die herrlich skurril beschriebenen Söhne des Kredithais, hat mich Charlottes Lebenserzählung sehr fasziniert und mehr als einmal zum Schmunzeln gebracht. Die Dame ist eine wunderbare Protagonistin, sehr selbstbewusst, unkonventionell und einzigartig, erst nach und nach ist mir aufgegangen, dass die Gute so einige alternative Fakten in ihre Erinnerungen einbaut.

Auch Toygar habe ich sehr gemocht, er trägt viel Nerd-Wissen mit sich herum, wodurch er Charlottes Flunkereien schneller durchschaut hatte, als ich beim Lesen (ja der Klappentext hätte da Hinweise geben können, aber den habe ich erst im Nachhinein zur Kenntnis genommen..). Zwischen den Kapiteln in der Vergangenheit gab es immer wieder kleine Einblendungen der Gegenwart, so dass ich auch mit Toygars Verfolgern immer auf dem aktuellen Stand geblieben bin.

Timo Blunck verwebt geschickt ein Stück Zeitgeschichte mit seinen fiktiven Figuren, immer wieder kommen Zitate aus Büchern, Filmen und Musik vor, die Charlottes Geschichte farbenfroh würzen. Den Schreibstil habe ich als fesselnd empfunden, ich mochte das Buch bis zur letzten Seite kaum aus der Hand legen und kann im Nachhinein sagen, dass ich ganz fantastisch unterhalten wurde. Ein kurzer Klappentext vermag es nicht wirklich, zu vermitteln, was den Leser in diesem Buch erwartet, die faszinierende Reise in die Vergangenheit sollte Jeder selbst erleben. Deshalb gebe ich für diesen einzigartigen Roman eine begeisterte Leseempfehlung.

Fazit: Charlotte Keller ist einzigartig und faszinierend und genau so erzählt sie die Geschichte ihres Lebens, gewürzt mit genügend Optimismus und Fantasie. Der Roman hat mich von der ersten bis zur letzten Seite blendend unterhalten und ich empfehle dieses Leseerlebnis sehr gern weiter.