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Veröffentlicht am 18.07.2023

Freie Kunst und freie Liebe

Colette
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Da ihr Vater das Familienvermögen durchgebracht hatte, blieben Sidonie-Gabrielle Colette nur zwei Möglichkeiten: sie konnte Lehrerin werden oder warten, bis ihre Eltern einen Mann fanden, der sie auch ...

Da ihr Vater das Familienvermögen durchgebracht hatte, blieben Sidonie-Gabrielle Colette nur zwei Möglichkeiten: sie konnte Lehrerin werden oder warten, bis ihre Eltern einen Mann fanden, der sie auch ohne Mitgift nahm. Doch sie suchte sich ihren Ehemann selbst aus: Henry Gaulthier-Villars, der mit ihrem Bruder zusammen studiert hatte. Er sah zwar nicht besonders gut aus, beeindruckte sie aber mit seinem schriftstellerischen Schaffen und seiner Weltgewandtheit. Gegen die Warnung ihrer Mutter und Freunde heiratet sie den 14 Jahre älteren, sehr erfahrenen Mann. Schon bald nach der Hochzeit kommen ihr Zweifel an seinen Gefühlen und Intensionen. Er ist fasziniert von ihrem kindlichen Aussehen und der Naivität, die sie umgibt, brüstete sich vor seinen Freunden damit, eine kleine Wilde eingefangen zu haben, da ihre Vorfahren zum Teil Martinique stammen und sie als Naturkind nach den Lehren des Sozialreformers Charles Fourier erzogen wurde.
Aber so kann Henry sie auch nach seinem Willen formen. Er schleift sie durchs Pariser Nachtleben, bestimmt ihre Kleidung, Frisur und Bücher, die sie lesen soll, kritisiert sie vor anderen – natürlich nur, damit sie daraus etwas lernt. Wenn sie sich ihm widersetzten will, macht er sie durch Nichtbeachtung und Drohungen gefügig. „Ich verlange unbedingte Loyalität. Blamiere mich nie wieder, oder du wirst es bereuen.“ (S. 190) Ihr Bild von ihm bekommt schnell Risse. Aber sie liebt ihn und kämpft um seine Zuneigung, fühlt sich geehrt, dass sie seine Arbeit machen und die Texte seiner anderen Lohnschreiber Korrekturlesen darf. Bald schreibt sie ganze Artikel für ihn. Trotzdem ist das Geld immer knapp, Henry lebt zu gern auf großem Fuß. Also sperrt er sie in ihr Arbeitszimmer, damit sie einen fiktiven Roman über ihre Schulzeit schreibt, den er mit erotischen Szenen aufpeppt - „Claudine“ wird ein Riesenerfolg. Natürlich steht nicht ihr Name auf dem Einband, sondern seiner … „Henry war ihr dunkler Spiegel, ein notorischer Lügner, ein Hochstapler, der sich an ihren Fähigkeiten bereicherte.“ (S. 314)

Pia Rosenberger beschreibt in ihrem neuesten Buch Colettes langen und steinigen Weg zur gefeierten Journalistin, Schriftstellerin und Varietékünstlerin. Ich wusste kaum etwas über sie und war schockiert, wie Henry seine Kleinmädchenfantasien an ihr (und später anderen jungen Frauen und Mädchen) auslebte. Er war ein Mann, der niemanden neben sich duldete, schon gar keine Frau. Mit Zuckerbrot und Peitsche hielt er sie gefügig, lobte sie erst für ihre Leistungen, nur um ihr im nächsten Satz zu sagen, dass sie ohne ihn nichts war „Vergiss nicht, dass allein die Tatsache, dass Du eine Frau bist, dir Grenzen setzt.“ (S. 34) Und da er ständig untreu war, „erlaubte“ (besser befahl) er ihr Beziehungen zu anderen Frauen, damit sie ihr Spektrum erweiterte. Ich habe mich beim Lesen manchmal richtiggehend vor ihm und seinen Ansichten geekelt und mich gefragt, wie sie es so lange bei und mit ihm ausgehalten hat.
Colette war zwar noch jung und naiv, als sie ihn kennenlernte, aber sie hatte eine Vision: „Ich will kein Anhängsel sein, sondern etwas Unvergängliches schaffen. Etwas, das für sich steht, frisch und rein und ewig.“ (S. 34) Und so sehr Henry sie auch unterdrückte, letztendlich begann sie wegen ihm mit dem Schreiben und um ihren Namen und ihre Unabhängigkeit zu kämpfen, als sie begriff, wie gut sie war. Die Leser sollten wissen, dass sie hinter den Claudine-Romanen stand!

Henry und Colette lebten in einer Zeit, da in Paris die freie Kunst und freie Liebe propagiert wurde und probierten vieles aus. Sie hatten einen großen Freundeskreis und standen mit vielen Berühmtheiten auf Du und Du. Dieses mondäne, leicht verruchte Flair bringt Pia Rosenberger sehr gut rüber. Allerdings beleuchtet sie Colettes und Henrys Ehe in meinen Augen etwas zu ausführlich, dafür kamen mir ihr Kampf um ihre Freiheit und Unabhängigkeit und die Art und Weise, wie sie das macht, etwas zu kurz. An der Stelle überwogen die Einblicke in ihr Privat- und Liebesleben, obwohl das natürlich auch eine Rolle gespielt hat.

Mein Fazit: Eine sehr ausführliche und bildhafte Romanbiographie über Colettes erste Ehe und ihre Befreiung daraus.

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Veröffentlicht am 17.07.2023

Die Zugabe

Frau Komachi empfiehlt ein Buch
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Jeder Nutzer, der die Bibliothekarin Frau Komachi nach Büchern zu einem bestimmten Thema fragt, bekommt neben den gewünschten Titeln als Zugabe noch einen, der augenscheinlich überhaupt nichts mit ihnen ...

Jeder Nutzer, der die Bibliothekarin Frau Komachi nach Büchern zu einem bestimmten Thema fragt, bekommt neben den gewünschten Titeln als Zugabe noch einen, der augenscheinlich überhaupt nichts mit ihnen zu tun hat und außerdem eine von ihr selbst gefilzte Figur. Das Bonus-Buch erschließt sich einigen sofort, andere brauchen länger um zu verstehen, warum sie gerade dieses bekommen haben. Doch die Bibliothekarin hat ein gutes Gespür für ihre Kunden, die an einem Scheideweg in ihrem Leben stehen oder mit dem Ist-Zustand nicht zufrieden. Frau Komachi macht ihnen mit gezielten Fragen, Lebensweisheiten, philosophischen Betrachtungen und Büchern und klar, was sie ändern oder annehmen müssen, weil sie es nicht ändern können.

Das Buch erzählt in fünf Geschichten fünf Schicksale, die lose miteinander verknüpft sind.
Verkäuferin Tomoka hatte keinen Plan für ihr Leben. Sie wollte nur weg vom Land nach Tokio, dann würde sich schon alles finden. Aber ihre Arbeit hier erfüllt sie nicht.
Buchhalter Ryo träumt seit seiner Jugend von einem Trödelladen, will aber erst genug Geld verdienen, bevor er sich selbständig macht, und reibt sich auf Arbeit auf.
Die ehemalige Zeitschriftenredakteurin Natsumi wurde nach der Babypause einfach ins Archiv versetzt und fühlt sich von ihrem Mann mit dem Kind und der Hausarbeit alleingelassen.
Hiroya ist nach seinem Designstudium arbeitslos, weil er den perfekten Job noch nicht gefunden hat. Also lebt er bei seiner Mutter und liegt ihr auf der Tasche.
Als Masao mit 65 in die Rente geschickt wird, stellt er fest, dass die Firma ihm alles bedeutet hat, er für sie aber ersatzbar war. Er hat nie Freundschaften oder Hobbys gesucht und weiß nicht, womit er seine Tage füllen soll.

Durch Frau Komachi wird ihnen allen klar, was sie ändern können, damit sich ihre Situation bessert. Sie lernen, hinter die Fassade ihres Gegenübers zu schauen oder (wieder) zu vertrauen; dass man manchmal nur seine Perspektive ändern muss, um eine Lösung zu finden; dass sie aufhören müssen zu träumen und stattdessen anfangen, die Träume zu verwirklichen, wenn auch anders als gedacht; dass sie sich den Gegebenheiten anpassen und das Schöne darin suchen und genießen sollen; dass sie im Hier und Jetzt leben und jeder Tag wertvoll ist.

Das Buch hat eine für mich ungewöhnliche Erzählweise, sehr ruhig und überaus höflich, mit Achtung vor seinem Gegenüber – so, wie man sich Japan vorstellt. Frau Komachi hingegen ist für Japanerinnen wohl ungewöhnlich groß und rundlich, der Kontrast hat mir gut gefallen. Sie wirkt, als würde sie alles Wissen der Welt und alle Weisheit in sich tragen.

In „Frau Komachi empfiehlt ein Buch“ geht es um das Glück der kleinen Dinge, um den Zauber, der darin liegt und um das, was die Menschen ausmacht und die Welt zusammenhält. Perfekt z.B. für Leser von Jostein Gaarder.

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Veröffentlicht am 12.07.2023

Mord ohne Leiche?

Mord & Croissants
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„Bei dir ist ein Gast verschwunden, ein alter Mann. An der Wand ist Blut verschmiert, und eine zerbrochene Brille liegt im Mülleimer. Da sollten wir doch wohl etwas unternehmen, oder?“ (S. 25) Richard ...

„Bei dir ist ein Gast verschwunden, ein alter Mann. An der Wand ist Blut verschmiert, und eine zerbrochene Brille liegt im Mülleimer. Da sollten wir doch wohl etwas unternehmen, oder?“ (S. 25) Richard Ainsworth führt seit Jahren ein ruhiges Leben und ein kleines Bed and Breakfast mitten im Tal der Loire. Doch dann verschwinden erst der Gast und direkt danach sämtliche Beweise für das mögliche Verbrechen. Und Valérie d’Orçay, die erst am Vorabend eingecheckt hat, zwingt Richard, mit ihr zusammen deswegen zu ermitteln.

Das Buch lebt neben dem ungewöhnlichen Fall vor allem von den skurrilen Protagonisten und ihrem Zusammenspiel. Richard war früher Filmhistoriker und will nur eins: „… ich bin hergezogen, um ein ruhiges Leben zu führen und mein Buch fertig zu schreiben.“ (S. 69) Das interessiert Valérie allerdings recht wenig. „Vielleicht würde es dir gut tun, dein Leben tatsächlich zu leben, statt nur einen Haufen dummer alter Filme über das Leben zu schauen!“ (S. 70) Sie ist extrem neugierig und durchsetzungsstark und hat anscheinend ein großes Interesse an dem Verschwundenen. Außerdem sieht sie gut aus, liebt den ganz großen Auftritt und schreckt weder vor einem NEIN (z.B. zu dem Verbot von Haustieren im B&B), noch vor ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden zurück, was sie und Richard in die eine oder andere komische bzw. prekäre Situation bringt.
Die internen Grabenkämpfe der beiden sind sehr unterhaltsam. Ich habe mich jedes Mal sehr amüsiert, wenn sie ihn wieder einfach ignoriert und etwas über seinen Kopf hinweg entschieden hat. Sie hat aber auch etwas an sich, das nicht nur Männer schwach werden lässt.
Zu Richards B&B gehört noch das Faktotum Madame Tablier. Sie ist fürs Putzen und die schlechte Laune zuständig, wird oft unterschätzt und leider auch von Valérie und Richard nicht ernst genommen, dabei könnte sie wichtige Hinweise liefern …

„Mord & Croissants“ legt von Beginn an ein ordentliches Tempo vor, nicht nur durch Valéries rasante Fahrweise, sondern auch, weil sich die Ereignisse immer schneller überschlagen und ich zum Ende hin Mühe hatte, den Überblick zu behalten – das hat es besonders spannend gemacht.

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Veröffentlicht am 07.07.2023

Der Nerd-Code

Liebe ist eine komplizierte Phase
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„Manchmal fühlte es sich so an, als wären wir zwei Segelboote, die am selben Hafen abgelegt hätten, dann aber vom Wind auseinander getrieben worden waren.“ (S. 34) Charlie ist Informatikerin und hat für ...

„Manchmal fühlte es sich so an, als wären wir zwei Segelboote, die am selben Hafen abgelegt hätten, dann aber vom Wind auseinander getrieben worden waren.“ (S. 34) Charlie ist Informatikerin und hat für ihre Doktorarbeit eine feministische KI namens Emily gebaut und programmiert. Leider sind weder ihre betreuende Professorin noch ihre Kollegen davon sonderlich beeindruckt. Auch privat läuft es nicht rund. Nach 12 Jahren ist aus ihrer Beziehung mit David die Luft raus. Als sich ihre jüngere Schwester dann schon nach 2 Jahren verlobt und sehr zügig eine sehr pompöse Hochzeit plant, kommt Charlie ins Grübeln. Sie hatte zwar gesagt, dass sie nie heiraten will, aber David fragt ja nicht mal. Und dann steht plötzlich Nate vor ihr und die Schmetterlinge in ihrem Bauch fliegen wieder …

Nerdy, wie David Charlie liebevoll nennt, ist ein echter Workaholic. Selbst zu Hause kann sie nur an ihre KI und Fehlercodes denken und vernachlässigt ihr Privatleben. Wobei sie im Zwischenmenschliche eh nicht besonders gut ist, immer alles zerdenkt und jedes nur mögliche Fettnäpfchen mitnimmt. Sicher fühlt sie sich nur im Reich der Zahlen und binären Codes. Zum Glück scheint David Verständnis zu haben und lässt ihr ihre Ruhe – was sie dann auch wieder stört, weil er vor der Konsole oder mit seinen Kumpels auf Bolzplätzen rumhängt. Rückhalt gibt ihr ihre beste Freundin Maxi, die immer ein offenes Ohr für Charlie hat, wenn sie auf Arbeit wieder mal übergangen oder ignoriert wurde. Ihre Doktormutter scheint aber auch die Anna Wintour der Akademischen Landschaft zu sein und keine andere Frau neben sich zu dulden. Maxi sagt Charly seit Jahren, dass sie mehr Werbung für sich machen und Networking betreiben soll, aber dazu ist sie zu introvertiert. Erst als Nate ihr entsprechende Kontakte vermittelt, springt sie endlich über ihren Schatten und traut sich. Aber dann passiert ihr etwas, was ihre Welt ins Wanken bringt. „Meistens wollte ich einfach nur aus meinem Kopf raus. In den Rettungshubschrauber steigen und die brennende Stadt meines Lebens hinter mir lassen.“ (S. 217)

Marilena Sommer schreibt sehr unterhaltsam, ein bisschen wie Ali Hazelwood, nur ohne den Sex 😉. Charlie als weiblicher Nerd hat mir gut gefallen, auch wenn ich ihre Handlungen nicht immer ganz nachvollziehen konnte. Vor allem das, was nach ihrem „Fehler“ passiert und was sich dann daraus ergibt, war mir etwas zu konstruiert. Außerdem legen David und ihre Schwester einige für mich nicht nachvollziehbare Wendungen hin, aber das Ende passte dann wieder.
Vor allem die Szenen mit ihrer Familie und ihrer Schwester, die immer mehr zu Brautzilla mutiert, waren für Charlie zwar nicht so toll, aber sehr amüsant.

Mein Fazit: Abwechslungsreiche RomCom aus dem deutschen MINT-Bereich mit kleinen Abstrichen. 3,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 04.07.2023

Hassliebe

Greta Garbo (Ikonen ihrer Zeit 9)
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Greta ist 17, als sie beim Dreh eines Werbefilms entdeckt wird. Eigentlich ist sie Verkäuferin in einem großen Kaufhaus, träumt aber davon, Theaterschauspielerin zu werden. Sie bekommt ein Stipendium an ...

Greta ist 17, als sie beim Dreh eines Werbefilms entdeckt wird. Eigentlich ist sie Verkäuferin in einem großen Kaufhaus, träumt aber davon, Theaterschauspielerin zu werden. Sie bekommt ein Stipendium an der Schauspielschule, auch wenn sie bei der Aufnahmeprüfung fast an ihrem Lampenfieber, ihrer Schüchternheit und Nervosität gescheitert wäre. Der Regisseur Mauritz Stiller wird auf sie aufmerksam und nimmt sie unter seine Fittiche, obwohl sie ihm zu dick und zu verspannt ist – aber ihn faszinieren ihre Ausstrahlung und Ausdruckskraft. Für Greta beginnt eine harte Zeit. Stiller versucht, alles in ihrem Leben zu bestimmen und sie nach seinem Willen zu formen, bei Dreharbeiten brüllt er sie vor allen an und beschimpft sie, nur um ihr kurze Zeit später zu sagen, dass er nur ihr Bestes will. Und obwohl sie immer wieder vor ihm gewarnt wird („Stiller denkt nur an sich, vergiss das nicht.“ (S. 199)), ist sie ihm geradezu hörig, lässt sich überreden, erst Schweden und dann sogar Europa zu verlassen, um in Amerika berühmt zu werden.

Kristina Lüding lässt in ihrer Romanbiografie die junge Greta Garbo wieder auferstehen. Sie zeigt ein junges Mädchen voller Selbstzweifel, dass sich nie schön, schlank und gut genug findet; dass früh ihren Vater verlor und wahrscheinlich auch deshalb so leicht von ihrem Mentor zu beeinflussen war, der diese Stelle ganz selbstverständlich bei ihr einnahm. Sie beschreibt eine junge Frau, die eine Hassliebe mit ihrem Förderer verbindet, von dem sie sich nicht lösen kann oder will.

Mir hat sehr gut gefallen, dass sie Greta nicht als kühlen, blonden Engel darstellt, sondern mit allen ihren Fehlern. Sie war vor der Kamera sehr unsicher, wollte lieber auf die Theaterbühne. Außerdem hasste sie es, fast ausschließlich als blondes Dummchen auf der Suche nach der großen Liebe und in Slapstick-Komödien besetzt zu werden: „Ich will ernste Rollen spielen, damit überzeugen. Ich will, dass die Leute über mich weinen müssen, dass sie den Atem anhalten, und ihr Herz sich vor Traurigkeit zusammenzieht. Ich will die Menschen berühren.“ (S. 56) Erst mit ihren Erfolgen wird sie sich ihrem Wert bewusst und emanzipiert sich, stellt den Studiobossen Forderungen und setzte diese auch auf die harte Tour durch.

Ich fand es spannend, dass Gretas Privatleben oft nur angedeutet wird, dass sie Männer und Frauen liebte, sich aber nie für immer binden oder eine Familie wollte. Mit vielen Weggefährten verband sie jahrzehntelange (Brief-)Freundschaften, auch wenn die persönliche Beziehung längst beendet war.

Die Autorin liefert eine sehr umfassende Schilderung von Gretas Leben bis zu ihrem selbstgewählten Rückzug aus der Filmbranche. Die Geschichte ist extrem gut (und schnell) lesbar, entfaltet von Beginn an eine tolle Sogwirkung und konnte mich bis zu Ende fesseln. Verdiente 5 Sterne!

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