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Veröffentlicht am 10.04.2023

Levanto sehen und sterben

Abschied auf Italienisch
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„Sie haben sicher keine Zeit, sich den Kopf über einen Fall zu zerbrechen, der Sie nicht kümmern muss.“ (S. 37) Schon an seinem ersten Arbeitstag in La Spezia stolpert Commissario Vito Grassi über eine ...

„Sie haben sicher keine Zeit, sich den Kopf über einen Fall zu zerbrechen, der Sie nicht kümmern muss.“ (S. 37) Schon an seinem ersten Arbeitstag in La Spezia stolpert Commissario Vito Grassi über eine Leiche, die ihn allerdings nichts angeht, da es sich bei der Toten augenscheinlich um ein Unfallopfer und nicht um Mord handelt. Trotzdem lässt ihm der Fall keine Ruhe, irgendetwas stört ihn an der Auffindesituation. Kurz darauf taucht eine zweite Leiche auf, ausgerechnet an seiner Grundstücksgrenze und eindeutig erschossen. Noch bevor Grassi, der nach dem Tod seines Vaters gerade erst von Rom hierher in dessen Häuschen gezogen ist, auch nur die Koffer ausgepackt hat, ermittelt er schon in 2 Mordfällen.

Grassi ist ein ruppiger Zeitgenosse, der schnell aus der Haut fährt und nicht frei von Vorurteilen ist. Damit verärgert er gleich mal seine neue Kollegin Marta Ricci, deren ungewöhnliches Äußeres ihn pikiert, doch zum Glück ist sie nicht nachtragend. Außerdem liebt er rasante Fahrten mit seinem roten Elektro-Roadster und gute Musik, natürlich nur von Schallplatten.
Privat läuft es nicht toll. Seine Kinder sind bereits erwachsen und aus dem Haus und seine Ehe plätschert seit Jahren so vor sich hin, seine Frau ist in Rom geblieben.
Im Haus seines Vaters erwartet ihn eine weitere Überraschung. Toni, die er für einen Mann und den Gärtner gehalten hat, war anscheinend mehr für seinen Vater, denn sie lebt in dessen Haus und hat auch jetzt nicht vor, auszuziehen. Hatten sie eine Beziehung oder sah er in ihr die Tochter, die er nie hatte? Noch kann sich Grassi nur oberflächlich mit ihr beschäftigen, denn die Ermittlungen halten ihn auf Trapp.

Der Fall besticht weniger durch Tempo, als durch Grassis ausgebuffte Ermittlungen, die Unterstützung seiner Kollegen und Hinweise aus der Bevölkerung. Denn in der dörflichen Gemeinschaft, in der die Opfer lebten, kennt man sich natürlich.

„Abschied auf Italienisch“ ist der Auftakt einer neuen Krimireihe und mein erstes Buch, dass in Ligurien spielt. Die tolle Landschaft hat mich sofort begeistert. Raue Küstenlandschaften, gefährliche Serpentinen, großzügige Olivenhaine und das Meer fast direkt vor der Haustür – was braucht man mehr?!

Andrea Bonetto hat mich ausgesprochen gut unterhalten, mich haben nur zwei Dinge irritiert: Grassis Beweggrund, allein aus Rom wegzugehen, erschließt sich mir nicht wirklich, denn er scheint noch sehr an seiner Frau zu hängen, und dass ihn der Gerichtsmediziner sofort ins Vertrauen zieht und ihm vorab Ergebnisse zukommen lässt.

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Veröffentlicht am 05.04.2023

3 Tage Angst

Das verschwundene Fräulein
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Seit einem Jahr wartet Kriminalassistent Christian Hinrichs, dass Viktoria Berg endlich wieder zur Sommerfrische nach Norderney kommt und ihm die Frage aller Fragen beantwortet – ob sie ihn heiratet. Doch ...

Seit einem Jahr wartet Kriminalassistent Christian Hinrichs, dass Viktoria Berg endlich wieder zur Sommerfrische nach Norderney kommt und ihm die Frage aller Fragen beantwortet – ob sie ihn heiratet. Doch alles kommt anders. Badekommissar Eduard von Treptow braucht erneut dringend ihre Hilfe. Ilse, die Tochter des Flottenadmirals Adolph von Manteuffel, ist auf einem Spaziergang verschwunden. Noch während sie die Suche organisieren, kommt ein Brief des Entführers: Ilse hat nur noch 3 Tage zu leben. Verwunderlich ist, dass er keinerlei Forderungen für eine eventuelle Freilassung stellt. Trotzdem ist Manteuffel überzeugt: „Meine Tochter wurde entführt, um militärische Geheimnisse zu erpressen.“ (S. 52) Also suchen die Männer nach politischen und privaten Feinden des Admirals. Viktoria vermutet den Grund der Entführung eher bei Ilse selbst und redet mit deren Mutter und den Bediensteten der Familie. Hatte Ilse vielleicht eine geheime Liebschaft oder ein unschickliches Hobby und war dadurch angreifbar?!

„Das verschwundene Fräulein“ ist leider der letzte Band der Reihe von Elsa Dix, dabei hätte ich Viktoria und Christian noch viele weitere Abenteuer gewünscht.
Die Bücher leben von den unterschiedlichen Ermittlungsansätzen und -methoden der beiden Protagonisten, die sich im Laufe der Fälle stets neu zusammenraufen müssen. Diesmal hängt zusätzlich Viktorias seit einem Jahr aufgeschobene Entscheidung wie ein Damoklesschwert über ihnen. Sie liebt Christian sehr, ihren Beruf als Lehrerin, für den sie so hart kämpfen musste, aber auch. Und als Ehefrau dürfte sie nicht mehr unterrichten. Kein Wunder, dass die bisher so amüsanten Wortgefechte zwischen ihnen diesmal deutlich härter ausfallen. „Ich glaube, du willst mich nur heiraten, damit du mich kontrollieren kannst.“ (S. 146)
Außerdem mischt sich Viktorias Tante Rosamunde, die sie auf die Insel begleitet hat, dauernd in die Beziehung mit Christian ein, da sie ihn nicht mal für annähernd standesgemäß hält.

Elsa Dix hat abermals einen sehr spannenden und temporeichen Kriminalfall mit ständig wechselnden Verdächtigen geschaffen, denen man die Entführung allerdings nicht nachweisen kann. Dazu kommen verschiedene Geheimnisse innerhalb der Familie Manteuffel, die nach und nach aufgedeckt werden und den Fokus der Ermittler (und Leser) in bestimmte Richtungen drängen und damit gewisse Erwartungen und Vermutungen implizieren.
Letztlich gipfelt die atemlose Jagd nach dem Entführer und gegen die Zeit wieder in einem filmreifen Showdown. Aber kann Ilse gerettet werden und gibt für Viktoria und Christian es ein Happy End? Das verrate ich natürlich nicht! Schade, dass die Reihe jetzt zu Ende ist.

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Veröffentlicht am 31.03.2023

Zurück zur Natur

Glückstöchter - Einfach leben
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Tonkaalm 1918: Die junge Gräfin Anna vom Quast lebt mit ihrer kleinen Tochter allein und autark in 1320 m Höhe. Fast alles, was sie zum Leben braucht, baut sie selber an oder stellt es her. Ihr Wissen ...

Tonkaalm 1918: Die junge Gräfin Anna vom Quast lebt mit ihrer kleinen Tochter allein und autark in 1320 m Höhe. Fast alles, was sie zum Leben braucht, baut sie selber an oder stellt es her. Ihr Wissen über Pflanzen hat sie von ihrem Vater, einem berühmten Naturforscher und Pflanzenjäger. Sein Tod vor 8 Jahren änderte ihr Leben radikal ...

München 1976: Eva studiert Pharmazie und arbeitet nebenher in einer Apotheke, denn ihre Leidenschaft ist die Herstellung von pflanzlicher Kosmetik, Salben und Schönheitsprodukten. Sie hat „die Nase“, kann unzählige Gerüche erkennen und unterscheiden, beeindruckt mit ihrem Wissen sogar ihre Professoren. Ihre Eltern hoffen, dass sie trotzdem irgendwann den Friseursalon der Familie übernimmt. Als sie kurz vor ihrem 22. Geburtstag auf dem Dachboden einen alten Koffer entdeckt, kommt sie einem gut gehüteten Familiengeheimnis auf die Spur …

„Glückstöchter – Einfach leben“ ist der Auftakt der neuen Reihe von Stephanie Schuster und erzählt von zwei jungen Frauen, die sich auf die Natur (zurück-) besinnen und versuchen, im Einklang mit ihr zu leben.

Anna hat früh ihre Mutter verloren und wurde von ihrem Vater mit mehr Freiheiten und Bildung als zu ihrer Zeit üblich erzogen. Seit sie denken kann, unterstützt sie ihn bei seinen botanischen Studien, er hat ihr alles beigebracht, was er weiß. Außerdem lernt sie auf dem Gut der Familie schon als Kind, wie Landwirtschaft funktioniert.

Evas zieht nach ihrer Entdeckung zu Hause aus und nach Schwabing in eine Studenten-WG, in der alle frei zusammenleben und verschiedene Spielarten der Liebe (und Rauschmittel) ausprobieren. Sie lernt fair gehandelten Kaffee und Rohstoffe direkt vom Erzeuger kennen, engagiert sich auf einem Demeterhof und Anti-Atomkraft-Demos und baut sich mit ihren Mitbewohnern neben ihrem Studium ein kleines Geschäft auf.

Stephanie Schuster erzählt in zwei parallelen Strängen von Annas und Evas Leben, die etwas sehr Wichtiges verbindet, was dann hoffentlich im nächsten Band gelüftet wird – obwohl man es natürlich schon ahnen kann.
Sie schreibt mitreißend über starke, selbstbewusste und selbstbestimmte Frauen, die ihren Weg und ihre Stimme erst finden müssen. Aus der Geborgenheit ihrer Familien werden sie ins pralle Leben geworfen, machen dabei verschiedene Erfahrungen und müssen Entscheidungen treffen, die ihr weiteres Leben nachhaltig prägen werden.
Die beiden Protagonistinnen befinden sich in einer Phase der Rebellion und Selbst-findung. Anna will nicht als gelangweilte Ehefrau und Gutsherrin enden, sondern träumt davon, wie ihr Vater früher die ganze Welt zu bereisen. Eva sitzt irgendwie immer zwischen den Stühlen, will sich weder auf einen Partner noch einen Beruf festlegen, probiert gern Neues aus. Doch auch sie träumt vom Ankommen.

Annas Weg vom Familiengut über München und den Monte Verità bis auf die Alm ist extrem spannend und hat mir ein kleines bisschen besser gefallen als Evas, auch weil mehr Tempo drin und sie entschlossener war.

Mein Fazit: Ein toller Auftakt, der neugierig auf das weitere Leben und die Geheimnisse der Protagonistinnen macht.

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Veröffentlicht am 30.03.2023

Waffe oder nicht Waffe, das ist hier die Frage

Schießt nicht auf die MörderMitzi
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„Ich glaub, auf mich is g`schossen worden.“ (S. 145) Mitzi ist gerade auf einer romantischen Donaukreuzfahrt, als plötzlich etwas ihr Ohr streift. Dabei wollte sie eigentlich endlich mal abschalten, ein ...

„Ich glaub, auf mich is g`schossen worden.“ (S. 145) Mitzi ist gerade auf einer romantischen Donaukreuzfahrt, als plötzlich etwas ihr Ohr streift. Dabei wollte sie eigentlich endlich mal abschalten, ein paar schöne Tage mit ihrem Freund Rudolfo verbringen und nicht an Verbrechen oder ihre traumatischen Kindheitserinnerungen denken. Doch Rudolfo, der auf dem Schiff nur Klavierspielen sollte, muss in der Küche aushelfen und hat kaum Zeit für sie. Und dann stolpert sie ausversehen in eine fremde Kabine und sieht eine Waffe – oder doch nicht? „Möglicherweise waren Mitzis Sinne nach all ihren früheren Erlebnissen zu sehr auf Alarm eingestellt. Sie meinte, bei Rauch stets ein gefährliches Feuer zu sehen, wo einfach bloß gegrillt wurde.“ (S. 96)

Man muss die Mitzi einfach lieben. Eine herzensgute junge Frau, die in ihrem Leben schon viel durchgemacht und eine Schwäche für gutes Essen, Cafébesuche und Bücher hat. Leider wittert sie überall Mord und Totschlag und wendet sich dann an ihre beste Freundin Agnes Kirschnagel, ihres Zeichens Kriminalinspektorin. Aber diesmal will sie Agnes nicht stören, da die selbst einen sehr kniffeligen Fall zu lösen hat. Eine „Uhrenbande“ hat schon vier Juweliere überfallen und immer nur hochpreisige Uhren mitgehen lassen. Bei ihrem letzten Überfall muss irgendwas schiefgegangen sein, denn einer von ihnen wurde angeschossen – allerdings nicht vom Juwelier.

Die Mitzi kann einem schon leidtun. Ihren Spitznamen „Mördermitzi“ wird sie wohl nie mehr los. Wobei es inzwischen eher an ihrem guten Näschen liegt, weil sie den Mördern und Verbrechern oft eher auf die Schliche kommt als die Polizei.

Isabella Archan hat ihrer Mitzi wieder einen spannenden Fall auf den Leib geschrieben und auch nicht mit Dramatik gegeizt. Mitzi gerät ins Visier des Mörders und in Lebensgefahr. Ich habe bis zum Ende mitgerätselt und mitgefiebert, konnte den Täter aber leider nicht allein ermitteln.
Auch der Humor und die Kulinarik kommen nicht zu kurz und das Setting macht Lust auf eine Donau-Kreuzfahrt – aber bitte ohne Leiche und Verbrecher!

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Veröffentlicht am 29.03.2023

Gourmets unter sich

Die Hausboot-Detektei - Tödlicher Genuss
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„Das heißt, dass in dieser Detektei ausschließlich Vorbestrafte arbeiten?“ (S. 52) Nun, nicht ganz. Schließlich gehören zu Aries neu gegründeter Firma auch Elin, eine erfolglose Krimiautorin mit Liebeskummer, ...

„Das heißt, dass in dieser Detektei ausschließlich Vorbestrafte arbeiten?“ (S. 52) Nun, nicht ganz. Schließlich gehören zu Aries neu gegründeter Firma auch Elin, eine erfolglose Krimiautorin mit Liebeskummer, ein Hund namens Hund und das Eichhörnchen Fru Gunilla. Aber die anderen haben wirklich ein bisschen was auf dem Kerbholz, nichts Schlimmes natürlich.
Arie hat seinen Job als Polizisten, seine Frau und sein Haus verloren, weil er einmal zu früh nach Hause gekommen ist. Kav-Maga-Trainerin Maddie ist ein wenig übergriffig geworden, als ihre Schwester Isa wegen ihres Handicaps beleidigt wurde. Jan hat bei der Stadtverwaltung gearbeitet und Einwanderern aus Überzeugung mit gefälschten Pässen ausgeholfen und Jack in England Spielautomaten für Plüschtiere manipuliert. Ihnen allen hat wie Arie eine Perspektive gefehlt, also haben sie sich von ihm anwerben lassen.
Zugegeben, ihre Ausbildung lässt vielleicht etwas zu wünschen übrig, sie besteht überwiegend aus dem Gucken von alten Detektiv-Filmen bzw. -serien, und auf ihren ersten Auftrag müssen sie eine Weile warten, dafür erledigen sie den dann aber zur vollsten Zufriedenheit ihres Auftraggebers. Ein Sternekoche lässt seine Konkurrentin ausspionieren. Beiden droht die Insolvenz und sie brauchen den Auftrag für DIE High-Society-Hochzeit des Jahres, da wird mit allen Mittel gekämpft. Als dann ein berühmter Sommelier tot aufgefunden wird, der die Weine für die Hochzeit liefern sollte, laufen die Ermittler zur Höchstform auf …

„Die Hausboot-Detektei – Tödlicher Genuss“ ist der Auftakt einer neuen Cosy-Crime-Reihe von Amy Achterop und bezaubert mit eigenwilligen, aber warmherzigen Protagonisten, malerischem Setting und amüsanter Erzählweise.
Ich mochte die ungewöhnlichen Ermittler sofort. Sie scheinen mitten aus dem Leben gegriffen, mit kleinen Schwächen und Divergenzen. Außerdem können oder wissen sie etwas, das sie für Arie interessant macht. Und die Tiere geben der Handlung einen besonderen Twist. So erweist sich Fru Gunilla als begnadete Einbrecherin und auch Hund greift im Rahmen seiner Möglichkeiten helfend ein.
Die Detektei befindet sich auf einem etwas altersschwachen Hausboot auf einer Amsterdamer Kracht und das Leben der Detektive verläuft meist ziemlich friedlich und entspannt. Sie wachsen schnell zu einer kleinen Familie zusammen und verbringen auch die arbeitsfreie Zeit gemeinsam.
Mein Highlight ist übrigens, dass sich die Autorin selber mit ins Buch geschrieben hat – aber die Stelle müsst ihr schon selber entdecken.

Die Handlung ist spannend, nicht zu dramatisch oder brutal bzw. blutig, und lädt zum Miträtseln ein. Ich hätte mich zwar manchmal über etwas mehr Tempo gefreut, bin aber trotzdem sehr gespannt auf den nächsten Band, der schon Ende August erscheint.

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