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Veröffentlicht am 14.02.2023

Wo die Liebe wohnt

Das kleine Bücherdorf: Frühlingsfunkeln
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„Mit seinem Tod hatte Alfie sich unsterblich gemacht. Für sie. Aber auch für ihn. Ob er auch noch so viel Platz in seinen Gedanken einnehmen würde, wenn er noch am Leben wäre?“ (S. 243) Als Kinder hatten ...

„Mit seinem Tod hatte Alfie sich unsterblich gemacht. Für sie. Aber auch für ihn. Ob er auch noch so viel Platz in seinen Gedanken einnehmen würde, wenn er noch am Leben wäre?“ (S. 243) Als Kinder hatten sich Shona, Alfie und Nate ewige Freundschaft geschworen, aus der bei Shona und Alfie dann Liebe geworden war. Aber 18 Jahre später ist Alfie tot und Shona und Nate haben sich aus den Augen verloren.

Seit Shonas Café „Sweet Little Things” einen Instagram-Account hat, kommt sie mit der Arbeit kaum hinterher. Außerdem betreibt sie anonym den Blog „What I wanted to tell you“, an den Menschen ihre Briefe senden können, die sie sich nicht trauen abzuschicken. Der allererste Brief war von ihr und für Alfie bestimmt. Jetzt bekommt sie plötzlich eine Antwort darauf. Wer ist der Absender, der sie so gut kennt?

„Während die Worte früher nur so aus ihm herausgeströmt waren und er kaum mit dem Tippen hinterherkam, fühlte sich das Schreiben heute genauso mühsam an wie der Versuch, Wasser aus einem trockenen Schwamm zu pressen.“ (S. 44) Nate ist nach Alfies Tod nach Edinburgh gegangen und Schrift-steller geworden, schon sein Debütroman war ein Bestseller. Seitdem warten alle auf sein nächstes Buch. Doch der Druck des Verlages und die Erwartungen der Presse und Leser sind groß für ihn. Er kommt mit dem Schreiben nicht voran. Also kehrt er heimlich nach Swinton-on-Sea zurück. Doch „… früher oder später kamen in Swinton alle Geheimnisse zu Tage.“ (S. 130)

„Alleine! Weißt du, dass das eines deiner allerersten Worte war?“ (S. 340) Shona ist eine taffe Powerfrau, die in ihrem Café ihre Erfüllung gefunden hat. Nach der unglücklichen Liebe zu Alfie ist sie nie wieder eine Beziehung eingegangen. Zum Kuscheln hat sie ihre treue Hündin Bonnie und ihre knappe Freizeit verbringt sie mit Familie und Freunden. Doch als sie erfährt, dass das Cottage zum Verkauf steht, in dem Alfie früher gewohnt hat, kommen die Erinnerungen wieder hoch. Das Häuschen hat ihr schon immer gefallen und sie würde es gern erwerben, aber ihr Eigenkapital reicht nicht. Wenn sie allerdings den Tortenwettbewerb gewinnt, von dem ihr ein Freund erzählt hat, könnte es gehen. Nur leider fällt ihr zum Motto „Wo die Liebe wohnt“, so gar nichts ein ...

Nate ist an seinem Erfolg und dem Leben danach zerbrochen. Alles ging viel zu schnell, wurde viel zu groß. Er weiß nicht, wie er da wieder rauskommt, ohne sein Gesicht zu verlieren. Außerdem zerfrisst ihn das Geheimnis, dass er seit 10 Jahren hütet und endlich mit Shona teilen will.

Wie schon der erste Band „Winterglitzern“ ist auch „Frühlingsfunkeln“ eine zauberhafte Geschichte über Freundschaft, Liebe und Neuanfänge, mit der man sich in das Schottische Bücherdorf träumen kann und Appetit auf Shonas süße Köstlichkeiten bekommt. Shonas und Nates Geschichte regt dazu an, hinter die Fassade unseres Gegenübers zu schauen, zu verzeihen und für unsere eigenen Wünsche und Träume zu kämpfen.

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Veröffentlicht am 13.02.2023

Hochzeitsstress

Inselhochzeit im kleinen Friesencafé
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„So schrecklich es gewesen ist, so schrecklich schön hat es geendet!“ (S. 262)
In wenigen Wochen werden Anita und Hark endlich heiraten und erwarten Freunde, Verwandte und Bekannte aus aller Welt. Selbst ...

„So schrecklich es gewesen ist, so schrecklich schön hat es geendet!“ (S. 262)
In wenigen Wochen werden Anita und Hark endlich heiraten und erwarten Freunde, Verwandte und Bekannte aus aller Welt. Selbst Harks fast gleichaltriger Neffe Henry, den er vor 50 Jahren in New York besucht hat will extra anreisen.
Damit sie genügend Zeit für alle haben, soll die Feier eine Woche dauern, auch wenn Hark eine intime Zeremonie zu zweit lieber wäre. Doch drei Wochen vor dem Fest stehen plötzlich Anitas Freunde Ramona, Renate und Willy aus Gelsenkirchen im Friesencafé – schließlich hat sie geschrieben, dass sie im neuen Gästehaus logieren können. Dumm nur, dass das noch gar nicht eingerichtet ist. Zum üblichen Hochzeitsstress kommt jetzt noch das Problem der fehlenden Möbel, um die sich Julia kümmern muss.
In der Zwischenzeit mischen die Gelsenkirchener das Café auf, sorgen für „ordentlich Stimmung“ und sind kurz davor, Julias Stammgäste zu vertreiben. Zum Glück reist auch Henry eher an und kann sie etwas bremsen.

Ich fühle mich in Julias Café schon richtig heimisch und habe mich sehr über das Wiederlesen mit den Insulanern gefreut. Es ist ein bisschen wie nach Hause kommen, wenn man ein Buch von Janne Mommsen aufschlägt und in seinen Beschreibungen von Land und Leuten versinkt.

Leider ist das Leben auf Föhr diesmal nicht ganz so entspannt. Julia sehnt sich nach Finn-Ole, der immer noch auf Amrum arbeiten muss. Die abendlichen Morsezeichen via Taschenlampe von Insel zu Insel sind zwar sehr romantisch, ersetzen aber keine Kuschelstunden zu zweit.
Anita und Hark befürchten, dass ihre Freunde wohl doch nicht so gut zusammen passen und haben Angst, dass sie die Feier stören könnten. Außerdem ist Willy überzeugt, dass Henry mit falschen Karten spielt und stänkert gegen ihn, nur weil der sich so gut mit Ramona und Renate versteht. Eine unruhige Zeit auf der sonst so ruhigen Insel beginnt.

„Inselhochzeit im kleinen Friesencafé“ ist eine unterhaltsame, spannende und bewegende Geschichte voller Überraschungen, Liebe und zauberhaften Begegnungen, mit viel friesischer Kultur und Traditionen, bei der man bis zu Ende mitfiebern kann, ob und wie die Hochzeit von Anita und Hark stattfindet.

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Veröffentlicht am 08.02.2023

75 Tage und 4 Stunden

Miss Bly und die Wette gegen Jules Verne
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… plant die Journalistin Nellie Bly für ihre Reise um die Welt auf den Spuren von Jules Verne ein, denn sie will schneller sein als dessen Protagonist Phileas Fogg. Zwei Jahre hat sie dafür hart bei der ...

… plant die Journalistin Nellie Bly für ihre Reise um die Welt auf den Spuren von Jules Verne ein, denn sie will schneller sein als dessen Protagonist Phileas Fogg. Zwei Jahre hat sie dafür hart bei der New York World gearbeitet, sich für ihre Reportagen und Erlebnisberichte selbst in Gefahr begeben und bewiesen, dass eine Frau genau so viel kann wie ein Mann.
Ihre abenteuerliche Reise beginnt am 14.11.1889 mit dem Schiff nach Southampton und genau wie „In 80 Tagen um die Welt“ muss auch sie allerlei Widrigkeiten überstehen. Aber sie lernt auch viele tolle Menschen und die Liebe kennen und erfährt immer dann Hilfe, wenn sie es am wenigsten erwartet. Außerdem macht sie Bekanntschaft mit verschiedenen Religionen und erkennt „…, dass diese Reise viel mehr ist als nur ein Wettlauf gegen eine literarische Figur. Vielleicht muss man reisen, um sich selbst zu verstehen.“ (S. 202)

Seit ich vor einem Jahr im Podcast „Frauenleben“ von Nellie Bly, die eigentlich Elizabeth Cochrane hieß, gehört habe, bin ich fasziniert von dieser Frau. Sie hat in ihrem Leben sehr viel erlebt und einige Schicksalsschläge erlitten. Darum war ich auch sehr gespannt auf das Buch, das sich um ihre berühmte Reise dreht.
Wer allerdings ein Abenteuer im Stil von Jules Verne erwartet, eine gehetzte Reise bzw. Nellie, die sich einen Wettlauf mit der Zeit liefert, wird vielleicht etwas enttäuscht. Trotz aller Probleme läuft die nämlich ziemlich ruhig und gesittet ab. Selbst als Nellie auf der Hälfte der Strecke erfährt, dass sie eine Konkurrentin hat, regt sie sich nicht besonders auf. Erst ab der letzten Etappe spürt man die drängende Eile, die ich erwartet hatte.
Statt mit Dramen punktet Eva-Maria Bast in ihrem Roman mit anschaulichen Beschreibungen und witzigen Anekdoten und vermittelt viel geschichtliches und kulturelles Hintergrundwissen über die bereisten Länder und Regionen.
Sie zeichnet ein interessantes Bild einer spannenden Frau, die viel für die Frauenrechtsbewegung getan hat. „Niemand hat je zuvor so schnell die Welt umrundet. Die amerikanische Frau wird nun nicht mehr länger falsch eingeschätzt werden. Sie wird fortan als draufgängerisch, willensstark, unabhängig und als befähigt, auf all ihren Wegen auf sich selbst aufzupassen, anerkannt sein.“ (S. 394)

Mein Fazit: Kein atemloses Abenteuer im Stil von Jules Verne, sondern eine unterhaltsame Reise in die Vergangenheit und um die Welt und ein interessantes Bild einer spannenden Frau, die viel für die Frauenrechtsbewegung getan hat.

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Veröffentlicht am 04.02.2023

Was kommt nach der Märchenhochzeit?

Soraya (Ikonen ihrer Zeit 8)
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„Es ist alles so schnell gegangen. Ich habe das Gefühl, ich sitze auf einem Kettenkarussell, das nicht mehr anhalten kann.“ (S. 89)
Die meisten Märchen enden mit dem Happy End, Sorayas beginnt damit. Sie ...

„Es ist alles so schnell gegangen. Ich habe das Gefühl, ich sitze auf einem Kettenkarussell, das nicht mehr anhalten kann.“ (S. 89)
Die meisten Märchen enden mit dem Happy End, Sorayas beginnt damit. Sie ist erst 18, als sie 1950 Mohammad Reza, dem Schah von Persien (heutiges Iran) vorgestellt wird. Der braucht dringend eine Frau, die ihm einen männlichen Erben schenkt, von seiner ersten Frau hat er sich deswegen schon scheiden lassen. Zum Glück funkt es sofort zwischen ihnen und er bittet ihren Vater direkt nach dem Kennenlernen um ihre Hand. Eine märchenhafte Hochzeit wird gefeiert, der ein traumhaftes Leben voller Liebe folgen soll, aber die politischen Unruhen und Sorayas anscheinende Unfruchtbarkeit trüben das Glück …

Brigitte Janson erzählt vom Leben einer jungen Frau, die zu ihrer Zeit von vielen zuerst bewundert und beneidet, später bemitleidet und von der Presse gejagt wurde. Soraya ist noch sehr jung und leicht naiv, als sie den Schah kennenlernt. Ihre Mutter ist Deutsche und ihr Vater ein persischer Fürst, darum ist sie in verschiedenen Kulturen aufgewachsen und entsprechend privilegiert erzogen worden, erscheint seinen Beratern perfekt. Schließlich soll sich der Iran in der Welt behaupten und eine teilweise europäische Frau ist dem Ganzen sehr dienlich.

Die Autorin erzählt sehr flüssig, bildlich und mitreißend von Sorayas Leben mit dem Schah, dabei stehen ihre tiefe Liebesbeziehung und karitative Arbeit im Vordergrund. Sie beschreibt aber auch, wie sehr beide unter der Kinderlosigkeit leiden, schließlich braucht das Land einen Thronfolger.
Leider wurden mir die politischen Entwicklungen im Iran etwas zu kurz abgehandelt, die ja einen großen Einfluss auf ihre Ehe hatten, und wie die Familie ihrer Mutter nach Russland und zu ihrem nicht unbeträchtlichen Vermögen gekommen ist.
Dafür fand ich es sehr interessant, dass die Kaiserinmutter und ihr weiblichen Verwandten die Frau des Schahs (vor)aussuchten, also Soraya, ihre Vorgängerin und ihre Nachfolgerin, und nicht der Schah selber – er konnte also anscheinend nicht selber über sein Schicksal entscheiden.

Mein Fazit: Die bewegende Geschichte einer großen Liebe und ihr trauriges Ende.

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Veröffentlicht am 02.02.2023

Liebe ist keine Wissenschaft

Die Unannehmlichkeiten von Liebe – Die deutsche Ausgabe von „Loathe to Love You“
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Mara arbeitet als Ingenieurin bei der Umweltbehörde und teilt sich ein geerbtes Haus mit Liam, der als Anwalt für einen Ölkonzern arbeitet. Da ist Stress vorprogrammiert, zumal er ihr unbedingt ihre Haushälfte ...

Mara arbeitet als Ingenieurin bei der Umweltbehörde und teilt sich ein geerbtes Haus mit Liam, der als Anwalt für einen Ölkonzern arbeitet. Da ist Stress vorprogrammiert, zumal er ihr unbedingt ihre Haushälfte abkaufen will. Aber je leidenschaftlicher sie sich streiten, um so mehr fühlen sie sich auch zueinander hingezogen.

Sadie setzt für eine kleine Firma nachhaltige Bauprojekte um. Eines Tages lernt sie im Café Erik kennen, der für ein großes Ingenieurbüro arbeitet. Sie verbringen einen Abend und eine Nacht zusammen und reden dabei auch über Sadies nächstes geplantes Projekt. Doch dann bekommt Eriks Firma den Zuschlag dafür. Hat er ihre Ideen geklaut?

Hannah trifft an ihrem ersten Arbeitstag bei der NASA ausgerechnet Ian wieder, den sie vor Jahren im Promotionsstudium für eine Hausarbeit interviewt und dabei verführt hat. Als wäre das nicht schon peinlich genug, rettet er sie Monate später aus einer Gletscherspalte in der Arktis, in die sie beim Testen eines Mars-Rovers gestürzt ist.

Ali Hazelwood vereint in ihrem Buch drei Kurzgeschichten und ein Bonuskapitel, die sich um die Freundinnen Mara, Hannah und Sadie drehen. Sie haben ihr Studium endlich abgeschlossen und sind erfolgreich ins Berufsleben gestartet, aber mit Männern haben einfach sie kein Glück.

Wie schon in ihren Romanen beschreibt Ali Hazelwood die Probleme von Frauen in der Forschung bzw. wissenschaftlichen Berufen, ihre Schwierigkeiten, wahr- und ernstgenommen zu werden und sich durchzusetzen. Das Hauptaugenmerkt liegt hier aber auf dem Zwischenmenschlichen, dem Prickeln zwischen den auf den ersten Blick so unpassenden Partnern – und es geht heiß her zwischen ihnen.
Die Liebesgeschichten sind sehr charmant geschrieben und auch wenn sich die Protagonisten auf den ersten Blick äußerlich ähnlich sind (die Frauen alle klein und zart und die Männer Marke Wikinger bzw. schottische Highlander), so haben sie doch unterschiedliche Charaktere. Ich mochte auch die freundschaftlichen Beziehungen der Drei untereinander sehr und habe mich über Facetime Anrufe köstlich amüsiert.

Wer bei den kalten Temperaturen draußen auf heiße Gedanken kommen und sich gut unterhalten lassen will, liegt mit „Die Unannehmlichkeiten von Liebe“ genau richtig 😉.

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