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Veröffentlicht am 14.10.2025

Berührender Geschichtsunterricht

Der brennende Garten
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„WENN DICH DER FALSCHE bittet, das Richtige zu tun, würdest du es tun?“ (S. 436)
Die Tamilin Sashi lebt mit ihrer Familie in einem Dorf, das zu Jaffna auf Sri Lanka gehört. 1981 ist sie 16 und setzt alles ...

„WENN DICH DER FALSCHE bittet, das Richtige zu tun, würdest du es tun?“ (S. 436)
Die Tamilin Sashi lebt mit ihrer Familie in einem Dorf, das zu Jaffna auf Sri Lanka gehört. 1981 ist sie 16 und setzt alles daran, Ärztin zu werden, um ihrem Großvater und ihrem ältesten Bruder nachzueifern. Darauf ist ihr ganzes Leben ausgerichtet, dafür lernt sie fast ohne Pause. Als sie sich beim Teekochen eine schwere Verbrennung zuzieht, leistet K erste Hilfe, ein Junge aus der Nachbarschaft. Zwischen ihnen entwickeln sich zarte Bande, aber bevor mehr daraus werden kann, bricht der Bürgerkrieg aus, der 26 Jahre andauern wird.

V. V. Ganeshananthan hat es mir mit der Lektüre nicht leicht gemacht. Sie schreibt ungeschönt vom Grauen des Bürgerkrieges, von Leid und Elend, den unschuldig Verletzten, Frauen und Kindern, denen Gewalt angetan wurde.
Sashis Geschichte und die ihrer Familie ist sehr berührend. Sie gehören einer ethnischen Minderheit an, die ihre Diskriminierung nicht länger hinnehmen will. Doch während des Bürgerkrieges triftet die Familie auseinander. Zwei ihrer Brüder schließen sich den Tamil Tigers an, den Rebellen, und geben damit ihre Lebens- und Zukunftspläne auf.
Sashi schafft es trotz aller Widerstände und Schwierigkeiten, Medizin zu studieren. In ihrem ersten Studienjahr kommt K mit einem verletzten Rebellen zu ihr, den er nicht in ein Krankenhaus bringen kann. Das ist der Startschuss für Sashis Arbeit in einem geheimen Feldlazarett mitten in der Stadt. Sie sieht es als ihre Pflicht an, die Kämpfer auf diese Art und Weise zu unterstützen. Außerdem lernt sie dort mehr als im Studium. Doch damit gilt sie auch als Unterstützerin der Rebellen und ist selber in Gefahr.
K will eigentlich nicht kämpfen, schließt sich den Rebellen aber irgendwann doch an und wird zum Helden. Seinen Namen nennt Sashi auch 30 Jahre später nicht, um seine Identität weiterhin zu schützen.

Obwohl Sashis Geschichte bewegend ist, liest sich das Buch über lange Strecken leider eher wie ein Geschichtslehrbuch mit vielen historischen Fakten, als wie ein Roman. Das Persönliche steht hinter dem großen Ganzen zurück, einzig Sashis Ausbildung und die Beziehung zu K bilden eine Ausnahme. Zum Ende hin wird es immer mehr zum Tagebuch.

Außerdem fehlt (mir) ein Glossar bzw. Übersetzungen für diverse Wörter und eine Erklärung für die unterschiedlichen Bezeichnungen der Personen. Neben ihren Vornamen werden sie mit Spitznamen, verschiedenen Verwandtschaftsverhältnissen oder Ehrenbezeichnungen angesprochen. Ich bin irgendwann nicht mehr mitgekommen, wer jetzt eigentlich gemeint ist, und habe das Googeln aufgegeben.

„Der brennende Garten“ ist ein wichtiges und bewegendes Buch über den tamilischen Bürgerkrieg, das mich allerdings mit seinen vielen Fakten und Fremdwörtern oft überfordert hat.

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Eine Seefahrt ist nicht lustig, eine Seefahrt ist nicht schön …

Tod unter Deck
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„Sie haben es geschafft, ganz allein die komplette Reise zu ruinieren, Paul.“ (S, 374)
Chefkoch Paul Delamare darf seine Freundin Xéra auf deren Hochzeitsreise auf einer Privatjacht in die Karibik begleiten. ...

„Sie haben es geschafft, ganz allein die komplette Reise zu ruinieren, Paul.“ (S, 374)
Chefkoch Paul Delamare darf seine Freundin Xéra auf deren Hochzeitsreise auf einer Privatjacht in die Karibik begleiten. Außer ihm ist nur die Familie ihres Mannes, Sir Billy Hardcastle, mit an Bord, Xéra hat keine eigenen Verwandten mehr. Nebenbei wollen sie und Paul an ihrem nächsten Buch arbeiten, das sich um die Patisserie ihrer Familie drehen soll.
Doch schon am ersten Abend kippt die Stimmung: Als Xéra ihr Hochzeitsgeschenk präsentieren will – eine antike Halskette mit einem Padparadscha-Saphir, bekannt als der Schatz von De Lage – ist diese spurlos aus ihrer Kabine verschwunden. Sir Billy ist außer sich und lässt das ganze Schiff durchsuchen, doch die Kette bleibt verschwunden.
Paul, der vor einem Jahr bereits einen Mord bei einem Kochkurs aufgeklärt hat, beginnt eigene Nachforschungen. Doch die Lage spitzt sich zu, als beim Frühstück plötzlich eine Leiche am Tisch sitzt – anscheinend erstickt, doch Paul ist überzeugt, dass es sich um Mord handelt. Bald gerät er selbst unter Verdacht und bringt sich mit seinen Ermittlungen in Lebensgefahr.

Eigentlich wollte Paul auf dieser Reise zur Ruhe kommen. Der Tod seines Ehemannes liegt noch nicht lange zurück, und dessen Familie versucht, ihm das Cottage streitig zu machen, in dem er lebenslanges Wohnrecht hat. Auch finanziell steht er unter Druck, das Honorar für Xéras Buch käme ihm da sehr gelegen. Doch anstatt sich auf dem Sonnendeck zu erholen, wird Paul „gebeten“, in der Küche auszuhelfen. Die Köchin scheint kaum ein Rührei zustande zu bringen, und auch sonst wirkt die Crew merkwürdig unprofessionell.

Wie schon im ersten Teil der Reihe „Mit scharfer Klinge“ verbindet Orlando Murrin auch in „Tod unter Deck“ klassischen Whodunit-Charme mit kulinarischen Elementen und der Enge eines Kammerspiels. Die Handlung spielt sich vollständig auf dem Schiff ab, Pauls einzige Verbindung zur Außenwelt sind die Mails an seine Freundin Julie und deren Partner Declan, einen Polizisten, die ihm bei seinen Recherchen helfen sollen – sofern das schwächelnde WLAN mitspielt.

Die Geschichte entwickelt sich gemächlich, fast bedächtig. Paul hört sich unter den Gästen und der Besatzung um, versucht, Verbündete zu gewinnen und die zahlreichen kleinen Geheimnisse an Bord zu entwirren. Gegen Ende wird die Handlung durch die Vielzahl möglicher Motive und Verdächtiger etwas unübersichtlich, und auch der Showdown gerät ein wenig überzogen.
Trotzdem überzeugt „Tod unter Deck“ mit seinem sympathischen Ermittler, feinem britischem Humor und einer angenehm altmodischen Krimiatmosphäre. Orlando Murrin gelingt es, Spannung und Witz zu verbinden, ohne den Charme seiner Figuren zu verlieren. Wer klassische, gemütliche Krimis mit maritimem Setting und kulinarischer Note liebt, wird auch diesen zweiten Fall von Paul Delamare mit Vergnügen lesen.

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Veröffentlicht am 13.10.2025

Lecker, bunt, gesund

Eat Yourself Healthy
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Ich bin, genau wie Jamie Oliver, letztes Jahr 50 geworden und obwohl ich mich schon mein ganzes Leben bewusst und gesund ernähre, ist diese magische Grenze nicht spurlos an mir vorübergegangen. Darum war ...

Ich bin, genau wie Jamie Oliver, letztes Jahr 50 geworden und obwohl ich mich schon mein ganzes Leben bewusst und gesund ernähre, ist diese magische Grenze nicht spurlos an mir vorübergegangen. Darum war ich auf der Suche nach Rezepten und Inspirationen, die ein neues, fitteres Lebensgefühl liefern. Die Gerichte in Eat Yourself Healthy sehen, lecker, bunt und gesund aus und machen wirklich Lust zum Nachkochen. Die Faustregel des Buches ist, statt der 5 Portionen Obst und Gemüse am Tag, wie ich es mal gelernt habe, 7 Portionen in den Speiseplan einzubauen. Also fängt man am besten schon beim Frühstück damit an. „Faustregel“ ist übrigens wörtlich gemeint – eine Portion entspricht 80 g oder einer großen Hand voll.

Los geht es mit einer umfangreichen Einführung, die u.a. die Vorratskammer und Ausstattung, aber auch 50 gesunde Tipps und Tricks zum Einkaufen, Essen, Alltag und Schlafen beinhaltet. Darauf folgt der 2-Wochen-Kickstarter-Plan, der einen genauen Speiseplan für Frühstück, Mittag- und Abendessen aus Rezepten des Buches enthält. Dabei sollten morgens mindestens 1 Portion und mittags und abends je mindesten 2 Portionen Obst oder Gemüse gegessen werden. Gleichzeitig wird auf Kalorien geachtet: morgens max. 400, mittags und abends max. 600. Damit nimmt man die 1600 kcal pro Tag zu sich, die ein normalgewichtiger Mensch braucht, wenn er sein Gewicht gesund reduzieren will. (Die genauen Nähwertangaben für jedes Rezept stehen am Ende des Buches.)

Wir haben uns in den letzten Wochen quer durch das Buch gekocht und schon einige Highlights gefunden, die es jetzt regelmäßig geben wird. Dazu gehören z.B. die pochierten Eier mit Dukkah zum Frühstück, die auf Süßkartoffelstampf mit einem frischen Tomatensalat serviert werden. Ohne das Buch hätte ich mich wahrscheinlich nie an pochierte Eier gewagt, dabei sind die kinderleicht und die orientalische Gewürzmischung Dukkah, passt perfekt dazu. Wenn man beim Frühstück mal Eindruck schinden will, sollte man das Omelett mit Roggenbrot und Räucherlachs machen. Das geht schnell und schmeckt himmlisch.
Wie wäre es mittags mit leckeren Karotten-Süßkartoffel-Küchlein? Nur dem dazugehörigen Spinat-Humus hat noch eine frische Komponente gefehlt – vielleicht ein Spritzer Zitrone? Ich werde es ausprobieren.
Zum Abendessen haben uns die recht unspektakulär aussehenden Hähnchen-Fajitas überzeugt, die schnell gemacht und dank des Cajun schön scharf sind. Das bisherige absolute Lieblingsessen des Buches ist der Lachs-Couscous mit dicken Bohnen, bunten Tomaten und einem Frühlingszwiebeljoghurt.
Und wenn es zwischendurch mal was gesundes Süßes sein soll, hat Jamie Oliver Heidelbeermuffins mit Banane und Haferflocken oder gemogeltes Softeis aus gefrorener Banane, frischen Beeren und Sesammus im Angebot.

Alle Rezepte waren leicht nachzukochen, auch wenn die Zubereitungszeiten nicht immer gepasst haben, da ich zum Gemüseschnibbeln mehr Zeit brauche als der Spitzenkoch. Aber das plane ich sowieso immer mit ein. Die Zutaten sind nicht zu außergewöhnlich und in einem gut sortierten Supermarkt zu bekommen. Zu beachten ist, dass Standards wie Salz und Pfeffer oder Essig und Öl nicht in der jeweiligen Zutatenliste stehen, sondern nur im Textteil des Rezeptes angegeben werden. Übrigens wurde jedes der Gerichte sehr appetitanregend fotografiert.

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Veröffentlicht am 10.10.2025

Gestrandet

Sonnenaufgang Nr. 5
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„Fragen ist Ihre Aufgabe, Jonas. Antworten meine Möglichkeit.“ (S. 141)
Jonas ist 19 und hat gerade sein Germanistikstudium abgebrochen - zu trocken, zu theoretisch. Stattdessen will er als Ghostwriter ...

„Fragen ist Ihre Aufgabe, Jonas. Antworten meine Möglichkeit.“ (S. 141)
Jonas ist 19 und hat gerade sein Germanistikstudium abgebrochen - zu trocken, zu theoretisch. Stattdessen will er als Ghostwriter für Autobiographien durchstarten. Seine erste Kundin ist ehemalige Filmdiva Stella Dor, die zurückgezogen in einem ehemaligen Strandpavillon an der Nordsee lebt. Seit ihrem plötzlichen Rückzug aus der Filmbranche vor 25 Jahren ist Jonas der erste, den sie in ihr Haus und in ihr Leben lässt. Stella empfängt ihn im Chanel-Kostüm mit einem Fascinator auf dem Kopf. Sie ist genauso stark, selbstbewusst und exzentrisch, wie er es erwartet hatte. Womit er nicht gerechnet hat, sind die Bücherregale, die jeden Zentimeter der Wände füllen – alle voller Autobiografien. Und überall liegen Zettel verstreut, kleine Anker ihrer Erinnerungen. „Erinnerungen braucht nicht viele Worte, um wieder zum Auftauchen gebracht zu werden. Es mussten nur die richtigen sein.“ (S. 10)

Carsten Henn erzählt die Geschichte aus Jonas‘ Perspektive. Er ist für sein Alter erstaunlich empathisch und hat, wie auch Stella, eine problematische Vergangenheit, die sich im Verlauf des Buches langsam enthüllt.
Stella hat genaue Vorstellungen davon, wie ihre Lebensgeschichte erzählt werden soll – welche Momente wichtig sind und welche nicht. „In eine Autobiografie gehören vor allem die Momente, in denen das Leben plötzlich die Richtung ändert.“ (S. 41) Doch Jonas merkt bald: So glänzend, wie Stella ihr Leben schildert, war es nicht. Schließlich steht er vor der Entscheidung, welche Wahrheit er aufschreiben soll: Stellas Version oder die ihrer Weggefährten.

Neben Stella und Jonas begegnet man weitere Protagonisten, die tief berühren. Da ist Paul mit seinem Hund „Guter Junge“, der sich seit 20 Jahren um Stellas Pavillon kümmert, täglich kleinere Dinge repariert und doch nur eines hofft: dass Stella eines Tages mit ihm tanzt. Doch sie sagt jeden Tag nein. Paul ist vermutlich dement, überall in seinem Haus liegen Zettel. Aber das Wichtigste muss sich nicht notieren: dass er Sofia liebt.
Dann gibt es den Maler, der ausschließlich Sonnenuntergänge malt – genau 7 verschiedene. Die alte Bentje, die ihren Mann nach 43 Ehejahren verloren hat, wartet jeden Tag an der Bushaltestelle auf ihn. Er hatte einst die Ansagen in den Bussen eingesprochen, und jedes Mal, wenn einer hält, hört sie seine Stimme wieder. Nessa stammt aus Thailand, kann sich aber nicht an ihre Kindheit dort erinnern. Sie freundet sich mit Jonas an und bringt ihn schließlich dazu, die Wahrheit hinter Stellas Erinnerungen zu suchen.

Mich hat lange kein Buch mehr so berührt wie „Sonnenaufgang Nr. 5“. Schon nach rund 100 Seiten musste ich die erste Träne verdrücken, und es sollte nicht die letzte bleiben. Diese Geschichte ist extrem emotional, berührend und ehrlich. Man sollte beim Lesen unbedingt Taschentücher bereithalten. Es ist ein Roman über Abschiede und Neubeginne, das Loslassen und (un)verfälschte Erinnerung, Dichtung und Wahrheit. „Jonas hatte den Eindruck, dass man bei jedem Erinnern die Geschehnisse ein klein bisschen veränderte, so wie man einen Schuh bei jedem Anziehen ein wenig weitet, bis er richtig passte.“ (S. 250)

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Veröffentlicht am 08.10.2025

Kein gemütlicher Weihnachtskrimi

Der Tote im Kamin
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„Wenn Sie sich nicht gerade dämlich anstellen, sind Sie ein durchaus fähiger Polizist.“ (S. 19)
Leider neigt Inspector Frank Grasby bei Ermittlungen zu unüberlegten Aktionen, darum wird er im Dezember ...

„Wenn Sie sich nicht gerade dämlich anstellen, sind Sie ein durchaus fähiger Polizist.“ (S. 19)
Leider neigt Inspector Frank Grasby bei Ermittlungen zu unüberlegten Aktionen, darum wird er im Dezember 1952 von York nach Elderby in den North York Moors strafversetzt. Dort hat es zahlreiche Diebstähle auf den Farmen von Lord Damnish gegeben. Grasby soll die Polizei vor Ort unterstützen – je eher er die Schuldigen erwischt, desto eher kann er zurückkommen.
Sergant Bleakly, der Leiter des örtlichen Reviers, ist genauso verschlafen wie das Dörfchen. Grasbys einziger Lichtblick ist die hübsche Praktikantin Miss Daisy Daen, genannt Deedee. Sie stammt aus New York und studiert in Yale Kriminologie. Grasby ist mit fast 40 immer noch Junggeselle und sehr von ihr angetan, aber sie hält ihn auf Abstand.
Weil bei ihrem Antrittsbesuch bei Lord Damnish dessen Kamin extrem qualmt, will Grasby helfen. Dabei zieht er eine Leiche aus dem Schacht, die angeblich niemand kennt. Und schon am nächsten Morgen gibt es den nächsten Toten. Hinter der Kirche wird der im Ort ansässige amerikanische Journalist Chuck Starr gefunden. Doch noch bevor Gasby mit den Nachforschungen beginnen kann, mischt sich sein Chef mit einen außergewöhnlichen Anliegen ein.

„Der Tote im Kamin“ ist ein sehr ungewöhnlicher und herrlich skurriler Krimi, der (Achtung Spoiler!) immer mehr zum Agententhriller wird. Der 2. WK ist noch nicht lange vorbei, die Lebensmittel sind noch rationiert und der Kalte Krieg ist in vollem Gang. Alle Fremden im Ort werden misstrauisch beäugt, aber auch Lord Damnish hat sich Feinde gemacht. Er hat seinen Titel nämlich nicht geerbt, sondern dem alten Lord zusammen mit dem Besitz und dessen Tochter abgekauft.

Der Fall beginnt relativ gemütlich, wird immer undurchsichtiger und zieht immer größere Kreise. Irgendwann überschlägt sich die Handlung förmlich, es gibt ständig neue Beteiligte, Motive und Indizien. Es wird für Grasby (und auch für mich) sehr unübersichtlich, weil man bald nicht mehr weiß, wer hier alles ein falsches Spiel spielt. Kaum jemand ist der, der er vorzugeben zu sein scheint.

„Frank Grasby ist ein geborener Schriftsteller, der unterhaltsam zu erzählen vermag. Nur hie und da neigt er zu Abschweifungen …“ (S. 8) schreibt Denzil Meyrick, der hier als übergeordneter Erzähler des Ich-Erzählers Frank auftritt und hat Recht. Er lässt Grasby selbst berichten, was der erlebt und denkt, wie er ab und an oft unfreiwillig komisch ist und in welche Fettnäpfchen er tappt. Er ist ein ziemlich verschrobener Charakter, muss sich neben den Ermittlungsproblemen auch mit einer unheimlichen Wirtin und deren gruseligen Voraussagungen beschäftigen und einem allmächtigen, stets unzufrieden nörgelndem Vater rumschlagen.

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