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Veröffentlicht am 28.09.2019

Saras Erbe

Die kleine Buchhandlung am Ufer der Themse
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„Zu arbeiten war ihre Methode, zu vergessen, und nachdem sie endlich wieder die Kontrolle über ihr Leben zurückgewonnen hatte, dachte sie nicht daran, sie so ohne weiteres wieder abzugeben.“ (S. 20) Charlotte ...

„Zu arbeiten war ihre Methode, zu vergessen, und nachdem sie endlich wieder die Kontrolle über ihr Leben zurückgewonnen hatte, dachte sie nicht daran, sie so ohne weiteres wieder abzugeben.“ (S. 20) Charlotte kämpft immer noch mit dem viel zu frühen Unfalltod ihres Mannes. Ihnen war nicht viel Zeit zusammen vergönnt, Zeit, die sie in die gemeinsame Firma gesteckt hatten, anstatt eine Familie zu gründen.

Martinique vermisst ihre vor kurzem verstorbene Freundin Sara. Bis deren Nichte Charlotte ihr Erbe antritt, führt sie Saras Buchladen weiter. Doch der Umsatz ist rückläufig und Charlotte mit dem Erbe überfordert. Sie wusste nicht mal, dass sie eine Tante hat und versteht nichts vom Buchhandel. Martinique hat Angst, dass Charlotte das Haus inkl. Laden einfach verkauft. „Diese Buchhandlung war Saras Erbe. ... Wenn er verschwand, würde sich auch das Letzte, was von ihr blieb, im Nichts auflösen, und Martinique würde es nicht ertragen, ihre Freundin auf diese Weise noch ein weiteres Mal zu verlieren.“ (S. 85)

„Die kleine Buchhandlung am Ufer der Themse“ ist ein echter Pageturner. Ich bin durch die über 500 Seiten nur so geflogen. Charlottes Geschichte, vor allem aber die ihrer Mutter Kristina und ihrer Tante Sara von vor 30 Jahren, hat mich gefesselt. Geschickt wechselt die Autorin Frida Skybäck zwischen beiden Zeitebenen.

Charlotte findet alte Fotos, Briefe und Bücher mit Widmungen und kommt so ihre Mutter und Tante, aber auch dem Geheimnis ihrer eigenen Vergangenheit immer näher. Zudem stellt sie fest, dass ihr die Anonymität in London gut tut. Niemand weiß, dass sie Witwe ist und bedauert sie. Sie verliebt sich in ihren Buchladen und die Stadt und beginnt, sich heimisch zu fühlen. Doch um bleiben zu können, muss die Buchhandlung wieder Gewinne machen, neue Ideen sind gefragt.
Martinique ist ihr von Beginn an eine große Hilfe. Sie hat viele Jahre für Sara gearbeitet und kennt den Laden wie ihre Westentasche. Ihr einziger „Fehler“ ist ihre große Hilfsbereitschaft, die gern von anderen ausgenutzt wird. Dank Charlotte lernt sie sich selbst zu behaupten und auch mal „Nein“ zu sagen. Mir war der Erzählstrang um sie an einigen Stellen etwas zu ausführlich.
Mit Charlottes zweiter Mitarbeiterin Sam hatte ich zu Beginn so meine Probleme. Sie ist oft schnippisch und feindselig, hat sich ihre Meinung über Charlotte schon gebildet, bevor sie diese näher kennenlernt. Zum Glück hat sich ihr Verhalten im Laufe des Buches geändert.
Mein heimlicher Liebling ist Kater Tennyson, ein absoluter Herzensbrecher und das Maskottchen der Buchhandlung.
Auch der Buchladen selbst hat es mir angetan. Er ist schon über 100 Jahre alt und sehr liebevoll und gemütlich eingerichtet. So wie die Autorin ihn beschreibt, wäre ich dort gern mal zu Gast.

Mein Fazit: Trotz kleiner Längen ein echtes Wohlfühlbuch und Must-Reed für alle Bibliophilen.

Veröffentlicht am 27.09.2019

Die große Abschiedsshow

Sorge dich nicht, stirb!
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Noch 24 Tage bis zu Kommissar Henning Bröhmanns 50. Geburtstag, noch 23 bis zur großen Party, schließlich will er ganz cool reinfeiern. „Ich bin wieder zurück. Nicht nur in Bad Salzhausen, sondern auch ...

Noch 24 Tage bis zu Kommissar Henning Bröhmanns 50. Geburtstag, noch 23 bis zur großen Party, schließlich will er ganz cool reinfeiern. „Ich bin wieder zurück. Nicht nur in Bad Salzhausen, sondern auch bei der Polizei.“ (S. 11) Ja, Bröhmann ist wieder im Dienst und motivierter als je zuvor. Darum reißt er auch den Todesfall im Coaching- und Beratungs-Institut an sich. Einer der Besitzer treibt tot im Pool, Fremdeinwirkung nicht ausgeschlossen. Henning stürzt sich voller Elan und im Alleingang in die Ermittlungen, sein Chef ist nicht begeistert. Doch er will Daria, eine junge Trainerin des Instituts, unbedingt beeindrucken – schließlich findet die ihn „interessant“, hört ihm zu und gibt ihm Tipps, sich zu optimieren. Dass sie ihm nur teure Kurse verkaufen will, wie ihm seine Frau auf den Kopf zusagt, will er nicht wahrhaben. „Nur weil ich ein paar ... Ansätze dieser Leute ganz interessant finde, verliere ich doch nicht gleich die Distanz.“ (S. 147)

Dietrich Faber hat mit „Sorge dich nicht, stirb!“ einen würdigen Abschluss der Reihe um den (Ex-)Kommissar Henning Bröhmann geschafft. Der 50. Geburtstag seines Protagonisten ist die perfekte Bühne, um noch mal alle wichtigen Personen auftreten zu lassen – bei Manni und Hessi im wahrsten Sinne des Wortes.
Es hat mir unglaublichen Spaß gemacht zu lesen, wie Henning den Fall immer mehr aus den Augen verliert und dafür Schnupperstunden im Institut belegt, weil Daria ihn manipuliert. Dafür sehe ich Dietrich Faber auch nach, dass der Kriminalfall an sich etwas wenig Raum einnimmt und die Spannung erst zum Ende aufkommt.

Fabers Humor ist genau meine Kragenweite. Die Geburtstagsparty und alles, was dabei anders läuft als geplant hat man garantiert schon mal so oder ähnlich erlebt, da bleibt kaum ein Auge trocken. „Soll man zu einem runden Geburtstag nur die Leute einladen, die man mag, oder auch die Verwandtschaft?“ (S. 6)
Zudem nimmt er sich am Ende des Buches als Autor auch selbst auf die Schippe.

Mein Fazit: Manipulativ, lustig, traurig – der perfekte Abschied.

Veröffentlicht am 25.09.2019

Gute Plot-Idee, aber die Umsetzung ist für mich nicht gelungen

Das geteilte Herz
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Ostberlin 1988: Es ist Liebe auf den ersten Blick, als sich Barbara und Ullrich in der Silvesternacht auf einer Party kennenlernen. Trotz einiger Widrigkeiten finden sie zusammen und planen eine gemeinsame ...

Ostberlin 1988: Es ist Liebe auf den ersten Blick, als sich Barbara und Ullrich in der Silvesternacht auf einer Party kennenlernen. Trotz einiger Widrigkeiten finden sie zusammen und planen eine gemeinsame Zukunft. Doch dann reist Ullrich nach Heidelberg zu einem Kongress und kommt nicht wieder. Hat er wirklich Republikflucht begangen? Barbara kann das einfach nicht glauben, ihn nicht vergessen. Aber ihr Leben muss weitergehen. Inzwischen spitzt sich auch die politische Lage in der DDR immer mehr zu ...

Leider konnte mich „Das geteilte Herz“ von Birgit Schönthal nicht wirklich erreichen. Ich dachte die Geschichte geht tiefer, berührt mich stärker. Für mich ist weder eine richtige Liebesgeschichte (obwohl es am Anfang schon sehr rührselig war), noch ein historischer Roman. Im ersten Teil des Buches geht es nur darum, ob und wie sie sich endlich bekommen und im zweiten Teil, dass sie ihn nach seinem Verschwinden einfach nicht vergessen kann. Zudem ist die politische Entwicklung zwar für das Ende der Geschichte wichtig, aber die Vorfälle waren mir zum Teil zu hölzern in die Handlung eingebunden. Dabei hat der Plot echt Potential.
Barbara ist eine junge Lehrerin aus der Nähe von Ostberlin. Sie ist nicht immer glücklich mit den Zuständen in der DDR, aber sie will sie nicht verlassen, sondern durch Reformen verändern. Das bringt sie auch ihren Schülern nahe. Ihre Freunde denken wie sie, engagieren sich in der Kirche, später im neuen Forum.
Durch Ullrichs Fluch gerät Barbara ins Visier der Stasi. Nur weil der Vater ihres besten Freundes zur Regierung gehört und die Hand schützend über sie hält, wird sie nicht verhaftet und eingesperrt. Ullrichs Verschwinden setzt eine Lawine in Gang, an deren Ende Barbara ihre Geschichte, ihre Herkunft und Vergangenheit neu schreiben muss – darüber hätte ich gern mehr gelesen.
Ihr bester Freund ist übrigens schwul und unterhält eine Beziehung mit einem Mann aus Westberlin, die sie verheimlichen müssen. Der Erzählstrang hat mir sehr gut gefallen, hier wurden echte Gefühle und Leidenschaften transportiert, hier konnte ich mitfühlen und bangen.

Ich bin selber in der DDR aufgewachsen und habe einige Situationen wiedererkannt. Trotzdem merkt man dem Buch an, dass die Autorin die Dinge aus Sicht der anderen Seite der Mauer erzählt. Sie beschreibt Alltäglichkeiten aus dem Leben in der DDR, die ich aus eigener Erfahrung und eigenem Erleben so nicht bestätigen kann.

Mein Fazit: Ich finde die Idee für den Plot gut, aber die Umsetzung ist für mich nicht gelungen. Liebe ja, DDR-Feeling nein.

Veröffentlicht am 23.09.2019

Die Schlangengrube

Kärntner Kesseltrieb
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„Schnackseln könnts meinetwegen in den Brombeerstauden, wenns euch ka Hotel leisten könnts!“ (S. 10) Aufsichtsjäger Sepp Flattlacher hat es nicht leicht. Erst hocken zwei Touristen mit einer „Bärenangst“ ...

„Schnackseln könnts meinetwegen in den Brombeerstauden, wenns euch ka Hotel leisten könnts!“ (S. 10) Aufsichtsjäger Sepp Flattlacher hat es nicht leicht. Erst hocken zwei Touristen mit einer „Bärenangst“ auf seinem Hochsitz, dann stolpert er in seinem Revier über eine ziemlich große Hanfpantage und kurz darauf auch noch über einen Halbtoten. Dessen letztes Wort „Klapperschlange“ beschert sogar dem abgebrühten Jäger eine Gänsehaut. Und als er dann auch noch bei seinem Jagdgehilfen Reini so komische MiM-Pillen findet, läuten sämtlichen Alarmglocken. Da will wohl jemand aus dem schönen Mölltal ein Drogenzentrum machen?!

Aber Sepp ist aber nicht der einzige, dem die gehäuften Drogenfunde sauer aufstoßen. Auch Polizist Martin Schober und seine Kollegen versuchen, die Hersteller der Pillen „Made in Mölltal“ zu finden. Martin ist persönlich an dem Fall interessiert, weil Reini der Bruder seiner Freundin Bettina ist und er ihr und ihren Eltern Kummer ersparen will.

„Kärntner Kesseltrieb“ ist der 4. Band mit dem ewig grantelnden Sepp Flattlacher und ehrlich gesagt wird er mir immer sympathischer. Er wird weicher, wie er selbst erschrocken feststellt – dabei hat er doch einen Ruf zu verlieren! Liegt es evtl. an Obfrau Irmi, der er bei seinem letzten Fall näher gekommen ist? Ich hatte ja gehofft, dass aus den beiden ein Paar wird, aber Sepp stellt sich wirklich zu ungeschickt an. Auch der Kleinkrieg mit seinem Nachbar Belten fehlt ihm, aber leider haben sie sich ja wegen dessen Schwiegersohn verbündet.
Wenigstens kann er sich mit vollem Körpereinsatz in die Ermittlungen stürzen. Dass er dabei wieder so einige Fettnäpfchen mitnimmt und sich mit seiner Ungeduld und Neugierde selbst in Gefahr bringt, lässt sich leider nicht vermeiden.

Alexandra Bleyer schreibt sehr kurzweilig, spannend und mit viel Humor. Ich habe wieder herzlich gelacht und gebangt, ob Sepp die Ermittlungen übersteht und er den besseren Riecher hat als die Polizei – schließlich kennt er sich in seinem Revier am besten aus. Und auch wenn das Zwischenmenschliche nicht so Sepps Ding ist, betätigt er sich diesmal in mehreren Extremsituationen quasi als Lebensretter.

Obwohl ich relativ schnell eine Vermutung hatte, wie alles zusammenhängt, war ich bis zum filmreifen Showdown echt gefesselt. Und apropos filmreif – „Waidmannsdank“, der erste Teil der Buchreihe, wird gerade verfilmt.
5 Hirsche für diesen spannenden Lesespaß!

Veröffentlicht am 22.09.2019

Familienbande

Die Tote in der Henkersgasse
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Freiburg 1417: Nachts wird in der Henkersgasse eine tote junge Frau gefunden. Für Stadtarzt Achaz ist schnell klar, dass sie erschlagen wurde. Als sich dann auch noch herausstellt, dass sie die Frau eines ...

Freiburg 1417: Nachts wird in der Henkersgasse eine tote junge Frau gefunden. Für Stadtarzt Achaz ist schnell klar, dass sie erschlagen wurde. Als sich dann auch noch herausstellt, dass sie die Frau eines reichen Kaufherren war, kann Serafina es nicht lassen und beginnt wieder zu ermitteln ...

Die ehemalige Begine Serafina und Stadtarzt Adalbert Achaz sind seit einem halben Jahr verheiratet. Während Adalbert sich um die Zipperlein und Wehwehchen der Reichen kümmert, hat Serafina ihre Erfüllung in ihrer Armenapotheke gefunden. Ihr Mann hofft, dass sie dadurch zu beschäftigt ist, um ihren kriminalistischen Neigungen nachzugehen und sich wieder in Gefahr zu begeben. Doch die Tote in der Henkersgasse interessiert Serafina sehr. Ablenkung kommt in Form ihres Bruders Peter daher, den sie vor 16 Jahren zum letzten Mal gesehen hat. Damals hat er ihr in einer schweren Stunde nicht beigestanden, jetzt steht er vor ihrer Tür und bittet um Hilfe – hat Serafina ihm nach so vielen Jahren verziehen? Ihre Magd traut ihm nicht und auch Serafina und Achaz haben bald Zweifel an seiner Geschichte.
Zudem macht auch der Stadtapotheker Johans Serafina das Leben schwer. Er will ihre Armenapotheke schließen lassen, weil sie ihm angeblich die Kunden wegnimmt.

Auch der 5. Fall rund um Serafina hat mich wieder restlos begeistert. Astrid Fritz schließt nahtlos an die bisherigen Bände an. Geschickt streut sie wichtige Informationen und Rückblicke in die Handlung ein, um den Leser an wichtige Vorgänge zu erinnern. Sie schreibt sehr spannend, lässt den Leser um Serafina und Achaz bangen. Dabei macht sie (Freiburger Stadt-)Geschichte lebendig und hat wieder einen realen historischen Fall als Hintergrund verwendet. Zudem räumt sie mit den gängigen Vorurteilen gegen die Huren dieser Zeit auf.

Die Wortgefechte zwischen Serafina und Achaz sind sehr amüsant. Man merkt ihnen an, dass sie ein glückliches Paar sind. Er lässt ihr ihre Freiheiten und akzeptiert ihre Eigenheiten, versucht nicht, sich als Herr im Haus aufzuspielen. Mir hat sehr gefallen, dass er jederzeit hinter ihr stand, als auch es für ihn und seinen Ruf gefährlich wurde. Serafina schafft es aber auch immer wieder, ihn irgendwie um den Finger zu wickeln. Ihr Bruder bringt diesmal die besondere Würze und Spannung in die Geschichte. Zum einen erfährt man durch ihn wieder etwas aus ihrer Vergangenheit und zum anderen könnte er zur Bedrohung für ihre Zukunft werden (mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten).

Schade, dass auch dieser Fall wieder viel zu schnell geklärt und das Buch ausgelesen war. Ich hoffe, bald wieder von Serafina zu lesen.