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heinoko

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.08.2021

Ein Buch, das man nicht im Bücherregal verschwinden lassen sollte

Ich hatte nicht immer, was ich wollte, aber alles, was ich brauchte
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Zunächst war ich misstrauisch dem Buch gegenüber. Denn ich fürchtete, darin allzu missionarischen Eifer zu finden oder den besserwisserischen Ton wie in der unendlichen Anzahl von pseudoklugen Selbsthilfebüchern. ...


Zunächst war ich misstrauisch dem Buch gegenüber. Denn ich fürchtete, darin allzu missionarischen Eifer zu finden oder den besserwisserischen Ton wie in der unendlichen Anzahl von pseudoklugen Selbsthilfebüchern. Lesen wollte ich von einem exzentrischen Autor und seinen individuell-persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen. Und genau das Erhoffte bot mir das Buch in sehr angenehmer und nachdenkenswerter Weise.

Björn Lindeblad war sowohl beruflich als auch materiell erfolgreich. Doch er spürte: Erfolg ist nicht Glück. Und so begann er seine persönliche Suche nach dem, was inneren Frieden und persönliche Freiheit schenkt. Er ging seinen Weg über die Meditation hin zum buddhistischen Waldmönch und weiter zum Anbieter von Vorträgen und Seminaren. Auch jetzt, erkrankt an ADL, geht er gelassen weiter. Geschrieben ist das Buch hauptsächlich von Caroline Bankler, überarbeitet von Navid Modiri, ergänzt von Lindeblads persönlichen Einschüben und Gedanken. Sehr einfühlsam wird der Werdegang Lindeblads, insbesondere seine geistig-spirituelle Entwicklung, geschildert, dabei wurde – für den Leser sehr angenehm – die Form des Erfahrungsberichtes gewählt. Damit bleibt es dem Leser selbst überlassen, ob und welche Anregungen eventuell auch für ihn von Wert sein könnten. Kleine Geschichtchen, kleine Weisheiten, unauffällig und geradezu demütig eingestreut, manchmal mit leisem Humor verbunden, finden ohne Zeigefinger den Weg zum Leser. Für mich persönlich steckt dieses Buch voller nachdenkenswerter Gedanken. Besonders haften bleibt mir, dass es uns allen ganz gut täte, sich selbst, seine Meinungen und Gedanken nicht so wichtig zu nehmen. Da Buch wird seinen ganz individuellen Platz bei mir finden, damit es immer wieder einmal aufgeschlagen werden kann…

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Veröffentlicht am 03.08.2021

Leider enttäuschend

Heldinnen werden wir dennoch sein
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Angelockt von der Inhaltsangabe und weil ich die Autorin nicht kannte, begann ich neugierig, das Buch zu lesen. Leider dauerte es gar nicht lang, bis ich das Lesen abbrechen wollte, nur mein Pflichtgefühl ...


Angelockt von der Inhaltsangabe und weil ich die Autorin nicht kannte, begann ich neugierig, das Buch zu lesen. Leider dauerte es gar nicht lang, bis ich das Lesen abbrechen wollte, nur mein Pflichtgefühl zwang mich weiterzulesen. Zwar gewöhnte ich mich nach einer Weile an die Erzählweise, aber Freude hat mir die Lektüre leider gar nicht gemacht.

Fünf seit Jugendzeit an eng verbundene Freundinnen sind geschockt, als sie vom Selbstmord ihres damals zur Clique zugehörigen Freundes Frankie erfahren. Dieses Geschehnis ruft Erinnerungen hervor, die teils sehr quälend sind. Die Freundinnen beginnen zu reflektieren, was das Leben seit ihrer Jugendzeit aus ihnen gemacht hat und wie Vergangenes und eine unausgesprochene Schuldfrage bis in die Gegenwart hinein wirken.

Ich hatte die Erwartung, dass die großen angekündigten Themen wie Freundschaft, Loyalität, Schuld, Verlust, Homosexualität, Lebensentscheidungen in einer psychologisch klugen, tiefgründigen Weise anhand einer berührenden Geschichte behandelt werden. Doch leider blieb ich emotional völlig unberührt. Erzählt wird aus wechselnden Perspektiven. Jede der Freundinnen hat ein eigenes Bild von Frankie und der gemeinsamen Jugendzeit in Erinnerung und hatte jeweils ganz eigene Zukunftserwartungen. Dies wird durchaus gut dargestellt, aber dennoch so nüchtern-neutral, dass der Leser nicht berührt wird. Zusätzlich zu den Perspektivwechseln gibt es eingestreute Rückblicke an „früher“, die zwar dem Verständnis dienen, aber dennoch Verwirrung schaffen, weil dadurch immer mehr Personen auftauchen, die der Leser irgendwie einordnen muss. Die Dialoge wirken oft hölzern-konstruiert. Leider finden sich auch etliche sprachlich und grammatikalisch unsaubere Stellen. Am schlimmsten jedoch war für mich persönlich dieses häufige Verzetteln in Beschreibungen von absolut nebensächlichen Dingen. Da wird zum Beispiel von irgendwelchen Großeltern berichtet, die im Buch keine Rolle spielen, auch nie mehr erwähnt werden. Dennoch wird berichtet, was und wie sie gerne E-Bike fahren… Dies nur als kleines Beispiel der ermüdend weitschweifigen Erzählweise mit unendlich vielen unnützen Informationen, die mir das Lesen völlig verleideten. Auch hätte ich von einer guten Autorin erwartet, dass die Beiträge, die Frankie selbst in den Mund gelegt werden, in einer zu ihm passenden feinfühlig-sensiblen Sprache geschrieben worden wäre, nicht so nüchtern wie ein Zeitungsbericht.
So war in der Gesamtschau dieser Roman für mich leider sehr enttäuschend.

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Veröffentlicht am 31.07.2021

Unsagbar langweilig

Rosa-weiße Marshmallows
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Mein Pflichtgefühl allein hat mich das Buch mehrfach in die Hand nehmen lassen, um das Lesen doch jedes Mal erneut abzubrechen. Und mein Pflichtgefühl zwang mich nun, dem Buch zum letzten Mal eine Chance ...



Mein Pflichtgefühl allein hat mich das Buch mehrfach in die Hand nehmen lassen, um das Lesen doch jedes Mal erneut abzubrechen. Und mein Pflichtgefühl zwang mich nun, dem Buch zum letzten Mal eine Chance zu geben. Allerdings zu mehr als oberflächlichem Querlesen konnte ich mich nicht aufraffen. Da halte ich es doch mit Reich-Ranicki: „Ich habe keine Geduld für langweilige Bücher.“

Zum Inhalt weiß ich nichts Erhellendes zu schreiben. Weil sich mir das Erzählte nicht so erschloss, dass ich einen zentralen Plot erkennen konnte bzw. weil ich nicht erkennen konnte, worum es der Autorin eigentlich ging. Dem Klappentext jedenfalls ist kein Vertrauen zu schenken, denn warum Lisa verschwindet und wohin, erfährt man erst gegen Ende des Buches. Und Carolines Suche nach Lisa wirkt auch wie ein Füllsel, das immer wieder mal in all dem Unnützen, das da weitschweifig erzählt wird, eingestreut wird. Mit den geschilderten Personen wollte ich nichts zu tun haben, sie waren und blieben mir allesamt fremd und unverständlich in ihren Handlungen. Der Wechsel zwischen pingelig kleinlichen Schilderungen und großen Sprüngen, Zeitsprüngen und Gedankensprüngen, machte für mich das Lesen zusätzlich und unnötig anstrengend. Und vor allen Dingen unsagbar langweilig.

Kurzum: Das Buch und ich passen einfach nicht zusammen.

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Veröffentlicht am 30.07.2021

Band 2 des mitreißenden, gut recherchierten Medizin-Schmökers

Das Juliusspital. Ärztin in stürmischen Zeiten
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Leider kam ich erst jetzt dazu, den 2. Band rund um das Julius-Spital und um Viviana und Henrike Winkelmann zu lesen. Von Band 1 war ich sehr begeistert, und mit genau der gleichen Begeisterung habe ...



Leider kam ich erst jetzt dazu, den 2. Band rund um das Julius-Spital und um Viviana und Henrike Winkelmann zu lesen. Von Band 1 war ich sehr begeistert, und mit genau der gleichen Begeisterung habe ich nun auch Band 2 verschlungen. Außerordentlich schade finde ich, dass auch Band 2 sowohl von der Covergestaltung als auch vom Buchtitel her eher einen trivialen, kitschigen Roman suggerieren und damit die falsche Zielgruppe anlocken. Dass sich hinter den Buchdeckeln ein großartig recherchierter historischer Medizin-Schmöker verbirgt, der sich sowohl perfekt unterhaltend als auch mit Wissensgewinn lesen lässt, verrät sein Äußeres leider nicht.

In Band 2 begleiten wir Henrike in ihrem ungebrochenen Streben, ihr Recht als Frau durchzusetzen und zum Medizinstudium zugelassen zu werden. Ihr zunächst heimlicher Weg führt sie in die Irrenanstalt des Juliusspitals. Henrike möchte das Leid der Geisteskranken lindern. Doch das Schicksal legt ihr gewaltige Steine in den Weg…

Die promovierten Zwillingsschwestern Claudia und Nadja Beinert haben es erneut geschafft, auf äußerst lebendige und unterhaltsam-fesselnde Weise den Leser eintauchen zu lassen in die Zeit zwischen 1895 und 1903, in den Zeitgeist genauso wie in den Fortschritt in der Medizin, wie z. B. den Einzug der Röntgenstrahlen in die Diagnostik, aber auch den tödlichen Ausbruch der Tuberkulose. Man lernt sehr viel über den Stand der Medizin Ende des 19. Jahrhunderts, ohne dass auch nur eine einzige Seite langweilen würde. Mit Sympathie und Mitgefühl begleitet man den unendlich mühsamen und schwierigen Weg, auf dem Henrike versucht, ihren Traum auf Selbstbestimmung zu verwirklichen. Der sehr sorgsame Sprachstil passt perfekt zur geschilderten Zeit. Die sehr detailverliebte Erzählweise erleichtert das Ein- und Wegtauchen in die Geschichte und verrät, zumindest ansatzweise, wie viel sorgfältige Recherchearbeit hinter dem Roman steckt. Auch Band 2 hat mir sehr, sehr gut gefallen, er ist genauso mitreißend wie Band 1.

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Veröffentlicht am 28.07.2021

Perfide, raffiniert, rasant und sehr, sehr spannend

Die Nacht – Wirst du morgen noch leben?
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Der Autor Jan Beck alias Joe Fischler war mir bislang unbekannt. Umso überraschender begeisterte mich der vorliegende Thriller, und zwar so sehr, dass ich mich auf jeden Fall durch die Backlist lesen ...


Der Autor Jan Beck alias Joe Fischler war mir bislang unbekannt. Umso überraschender begeisterte mich der vorliegende Thriller, und zwar so sehr, dass ich mich auf jeden Fall durch die Backlist lesen möchte.

Schon der Einstieg ist packend: Hanna, eigentlich eine unerschrockene Frau, verläuft sich während eines Gewitters auf ihrer Wandertour im finsteren Wald. Es erwartet sie Schreckliches… Und es tritt über das Internet einTäter an die Öffentlichkeit. Mit dem Lösen von perfiden Aufgaben bzw. dem Erfüllen seiner Forderungen könnte das Leben seiner in Gefangenschaft genommenen Menschen angeblich gerettet werden. Diese fünf Menschen, zu denen auch Hanna gehört, stecken bewegungsunfähig in engen Glasbehältern. Um sie herum läuft eine Kettenreaktion mit Dominosteinen ab, die jeden Tag einen dieser Menschen auf grausamste und äußerst raffinierte Weise zu Tode bringt. Europol-Ermittlerin Inga Björk, die zuständig ist für Serienverbrechen, versucht zusammen mit Christian Brand den Täter aufzuspüren. Ein geradezu hoffnungsloses Unterfangen, da lange nicht der geringste Anhaltspunkt zu finden ist. Doch der Tod weiterer Menschen treibt die beiden Ermittler an…

Welch ein beeindruckend gelungener, mitreißender Thriller ist Jan Beck hier gelungen! Aus wechselnden Perspektiven verfolgt man das Geschehen, wobei diese häufigen Blickrichtungswechsel beim Leser jedoch nicht zur Verwirrung führen, wie in so manch anderen Thrillern, sondern sie schaffen im Gegenteil eine besondere Transparenz. Besonders anrührend und gekonnt in Worte gefasst sind die kindlichen Berichte des 7-jährigen Benjamin. Unerwartete Twists machen geradezu schwindelig beim Lesen. In Maßen gesetzte Cliffhanger treiben die Spannung und das Lesen voran. Am völlig unerwarteten Ende wird der Leser noch ein weiteres Mal völlig überrascht.

Fazit: Dieser Thriller ist packend, rasant, perfide, temporeich und sehr, sehr spannend – absolute Leseempfehlung!

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