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heinoko

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.12.2020

Man sollte dem Titel nicht auf den Leim gehen

Automatisch abnehmen
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Der provokante Buchtitel hat mich sofort angesprungen: Das wär’s – automatisch abzunehmen ohne teuere Mitgliedsbeiträge, ohne Gruppentreffen, ohne Punkte- oder Kalorien- oder Gramm-Zählen, ohne wissenschaftlich ...


Der provokante Buchtitel hat mich sofort angesprungen: Das wär’s – automatisch abzunehmen ohne teuere Mitgliedsbeiträge, ohne Gruppentreffen, ohne Punkte- oder Kalorien- oder Gramm-Zählen, ohne wissenschaftlich akribisches Einkaufen, ohne zeitaufwändige Rezeptsuche nach Gerichten, die auch eine Laienköchin wie ich schaffen kann mit Zutaten, die mir nicht schon beim Lesen Brechreiz verursachen oder die nur in einer Großstadt erhältlich sind. Überhaupt wenn Nahrungsaufnahme zum täglichen zeitstehlenden, spaßstehlenden Akt wird, da wäre es doch das Höchste, wenn es einen Weg gäbe, automatisch abzunehmen.
Das seriöse Schwarz des Covers, der seriöse Doktor-Titel des Autors und der seriöse Verlag lassen mich sehr hoffnungsfroh in die Lektüre des Buches starten. Und es fängt ja schon gut an. Lesen und nicken genügt nicht. Notizen soll ich mir machen und Gedanken auch noch. Und dann bin ich mittendrin im Lesen, in den Gedanken-Bildern, in denen mir der Autor aufzeigt, welch ein Unterschied zwischen MÜSSEN und WOLLEN besteht. Und je weiter ich lese, desto komplizierter wird es plötzlich. Denn da gibt es doch Kalorien zu zählen und es geht um Proteine, um Krafttraining, um den Fettanteil in meinem Gewicht, um allerlei Rechnungen und nicht zuletzt um das Verändern von Gewohnheiten. Da geschieht nichts automatisch! Und ich ahne, da bin ich dem werbewirksamen Titel auf den Leim gegangen, denn es ist doch vor dem Automatismus harte Arbeit angesagt. Aber es sei auch deutlich gesagt. Genau mit der Wahrheit, dass es doch eine Menge Eigeninitiative, Selbstachtung und psychologisch geschickte Strategien braucht, um erfolgreich abzunehmen, wird das Buch bzw. sein Autor ernsthaft und glaubwürdig. Und er lässt den Leser nicht allein, denn viele Seiten sind dem Überthema „Erste Hilfe bei typischen Problemen“ gewidmet mit vielen bekannten, aber auch einigen überraschenden Tipps. Besonders gut gefällt mir, wie perfekt strukturiert die Inhalte angeboten werden. Neben den ausführlicheren informellen Ausführungen gibt es farblich und typographisch hervorgehobene Zusammenfassungen, gut geeignet zum Vertiefen oder Erinnern. Leider geht der Autor nur von seiner eigenen Altersgruppe aus. Für ältere Menschen sind nicht alle Tipps realisierbar, vor allen Dingen sind die vorgeschlagenen 3 Körperübungen von älteren Menschen nicht durchführbar. Und leider versteht man erst im Laufe der Lektüre, dass der Autor sein eigenes Abnehmprogramm mit App und diversen Unterstützungen verkaufen will.

Mein Fazit: Ein verständliches, optimal strukturiertes, sachlich fundiertes Buch, das die Psyche ausreichend berücksichtigt. ABER: Abnehmen geht NICHT automatisch. Viele Vorschläge sind nur für Menschen jüngeren Lebensalters geeignet. Die Körperübungen zum Beispiel sind für ältere Menschen geradezu gefährlich bzw. nicht durchführbar. Und die komplizierten Rechenexempel fordern geradezu heraus, sich die Unterstützung des Autors direkt zu holen, dessen Eigenwerbung reichlich oft im Buchtext auftaucht.

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Veröffentlicht am 26.12.2020

Spuk und Fluch und modrige Kälte

Malvina Moorwood (Bd. 1)
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Moorwood Castle ist ein riesiges englisches Schloss mit unzähligen Zimmern und Treppen und Winkeln und entsetzlich marode. Deshalb ist es Malvina Moorwood strengstens untersagt, im Schloss umherzustreifen. ...

Moorwood Castle ist ein riesiges englisches Schloss mit unzähligen Zimmern und Treppen und Winkeln und entsetzlich marode. Deshalb ist es Malvina Moorwood strengstens untersagt, im Schloss umherzustreifen. Der Vater von Malvina, Earl of Moorwood, ist bettelarm, kann die fälligen Reparaturen am Schloss nicht mehr bezahlen und entschließt sich schweren Herzens, das Schloss zu verkaufen. Einen sehr merkwürdigen Interessenten gibt es auch schon. Als Malvina von dem bevorstehenden Verkauf ihres Zuhauses erfährt, weckt dies ihren Kampfgeist. Zusammen mit Tom, bester Freund, Knobelfan und ewiger Besserwisser, beginnt eine abenteuerliche Geschichte zur Rettung von Moorwood Castle, in der nicht nur Spuk und Fluch, sondern auch eine rätselhafte Schatzkarte eine Rolle spielen.

Dieses Kinderbuch hat alles, was das Leserherz begehrt! Eine perfekte Mischung tut sich in dieser Geschichte auf: Spannung, Witz, Fantasie, Grusel und Überraschung. Die Szenerie des halb verfallenen Schlosses bietet den idealen Hintergrund für aufregende Abenteuer. Erzählt wird mit viel Spannung. Gewürzt wird die Geschichte mit Humor und urkomischen Situationen. Malvina ist eine überaus liebenswerte Hauptperson, chaotisch, oftmals unbedacht, immer hungrig, tapfer, (fast immer) unerschrocken und kämpferisch. Mit viel Kombinationsgabe und Mut stürzt sich Malvina zusammen mit Freund Tom in das haarsträubende Abenteuer, das beide in große Gefahr bringt. Dem Autor gelingt es, einerseits sehr kurzweilig mit viel Charme und Witz, andererseits mit wachsender Spannung zu erzählen. Er schreibt so lebendig, so aufregend plastisch, dass dem Leser die modrige Kälte des alten Gemäuers spürbar in die Knochen fährt. Die aussdrucksstarken Schwarz-Weiß-Illustrationen von Julia Christians unterstreichen die atmosphärisch dicht geschilderten Geschehnisse perfekt. Rundum: Dieser erste Band macht ganz große Luft auf Fortsetzung!

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Veröffentlicht am 22.12.2020

Das alltagstaugliche Utensil für Strickwütige

Mein ARD Buffet Strickbuch to go
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Wer kennt sie nicht, die Strickexpertin Tanja Steinbach. Im ARD Mittagsbuffet, in Büchern und in den sozialen Medien teilt sie ihre Strickideen mit einem großen Publikum. Was sie macht, hat stets Hand ...


Wer kennt sie nicht, die Strickexpertin Tanja Steinbach. Im ARD Mittagsbuffet, in Büchern und in den sozialen Medien teilt sie ihre Strickideen mit einem großen Publikum. Was sie macht, hat stets Hand und Fuß. So ist das vorliegende handliche Buch to go mit Ringbindung zu einem ausgesprochen nützlichen Utensil geworden, das für jeden Strick- und Häkelfan hilfreich ist.

Zwar gibt es ein paar Modell-Anleitungen, aber der Schwerpunkt des Büchleins ist, Alltagsunterstützung beim kreativen Hobby zu bieten. Sozusagen ein Organizer rund um das Stricken und Häkeln. Ein immerwährender Kalender, übersichtliche Projektplaner-Seiten, wichtige Tabellen, aktuelle Notizen und allerlei Strick-Tricks machen das Buch ganz schnell unentbehrlich. Durch das handliche Format passt es in jede Tasche oder in jeden Strickkorb. Ich habe mir angewöhnt, meine eigenen Strickvorstellungen und Entwürfe auf die freien Kalenderseiten zu zeichnen, versehen mit Anmerkungen zu Material und Farben. So gehen keine Ideen mehr verloren!

Fazit: Ein richtig nützliches, alltagstaugliches Werkzeug für alle, die dem Hobby des Strickens und Häkelns verfallen sind.

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Veröffentlicht am 21.12.2020

Man sollte geistig gut zu Fuß sein

Warum es normal ist, dass die Welt untergeht
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Mit den Büchern aus dem Verlag wbg Theiss habe ich mir offensichtlich zu viel zugemutet. Aufgrund gewisser Einschränkungen altersbedingt musste ich meine Lesezeit deutlich reduzieren, außerdem sind für ...


Mit den Büchern aus dem Verlag wbg Theiss habe ich mir offensichtlich zu viel zugemutet. Aufgrund gewisser Einschränkungen altersbedingt musste ich meine Lesezeit deutlich reduzieren, außerdem sind für mich intellektuell herausfordernde Themen inzwischen nicht mehr so gut zu bewältigen wie früher, was mich psychisch sehr belastet. Dennoch muss ich einsehen, dass ich manchen Büchern einfach nicht gerecht werden kann.

So erging es mir auch mit dem vorliegenden Buch, dessen umfassendes Thema mit einem grundsätzlich positiven Fazit mich sehr ansprach. Mit dem Autor durch 6 Millionen Jahre Evolution zu wandern, stellte sich für mich als eine zu große Aufgabe heraus, so gut bin ich geistig nicht mehr zu Fuß. Obwohl es der Autor mit seiner ansprechenden, erfrischenden Erzählweise, die sehr persönlich wirkt, dem Leser durchaus leicht machen möchte. Viele Pausen legte ich beim Lesen ein, dennoch nahm ich das Buch von Mal zu Mal widerstrebender in die Hand. Zu viele, zu große, zu gewaltige, zu weitreichende Themen – ich fühlte mich fast wie Atlas, der die Weltkugel trägt. Übrig bleibt eine große Bewunderung für Robert Kelly und die Erkenntnis, dass es Sachbücher gibt, denen ich nicht (mehr) gewachsen bin.

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Veröffentlicht am 18.12.2020

Wenn man ein Buch zum falschen Zeitpunkt liest

Erinnerungen aus Glas
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Manchmal ist es wohl so, dass ein Buch nicht zur passenden (Lebens-)Zeit gelesen wird und deshalb nicht den Weg direkt ins Leserherz findet. So jedenfalls scheint es mir mit dem vorliegenden Buch gegangen ...


Manchmal ist es wohl so, dass ein Buch nicht zur passenden (Lebens-)Zeit gelesen wird und deshalb nicht den Weg direkt ins Leserherz findet. So jedenfalls scheint es mir mit dem vorliegenden Buch gegangen zu sein. Einerseits hatte ich gerade in letzter Zeit sehr viel gelesen über die Jahre des NS-Regimes, der Judenverfolgung und über all das entsetzliche Kriegselend, das in manchen Menschen noch bis zu deren Lebensende Wirkung zeigte, andererseits ist unsere Gegenwart derzeit nicht gerade unbeschwert, auch voll von Ängsten, und man muss sich sehr bemühen um vorweihnachtliche Zuversicht. Vermutlich hatte ich deswegen einige Mühe, das Buch zu lesen, musste viele Pausen machen und kann dem Buch deshalb nicht wirklich gerecht werden.

Zwei Zeitstränge: 1942, die Freundinnen Josie und Eliese in den Niederlanden, und 75 Jahre später Ava Drake in den USA und Uganda. Und wie immer in Büchern, die in verschiedenen Perspektiven erzählen, gibt es irgendwann in der Geschichte ein Verbinden, ein Verstricken, das Aufdecken von Geschehnissen, die bislang totgeschwiegen wurden. Diesen Weg des Erzählens wählt auch Melanie Dobson, und dies in einem ganz feinen, sensiblen Schreibstil. Eindringlich und atmosphärisch dicht beschreibt sie sowohl die Personen als auch all die Ereignisse, die grausamsten ebenso wie die hoffnungsfrohen, alles sehr bildhaft und außerordentlich ausdrucksstark. Ein Buch über den Mut des Widerstands und ein Buch über die gefährliche Wirkung von Geld, Gier und Familiengeheimnissen, aber auch über die Kraft des christlichen Glaubens.

Fazit: Ein überaus lesenswertes, bewegendes und gut geschriebenes Buch. Dass es mich nicht wirklich erreichte, lag nicht am Buch, sondern ausschließlich an mir selbst.

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