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heinoko

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.11.2017

Super. Spannend. Unbedingt lesen.

Crimson Lake
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Ted Conkaffey, ehemaliger Polizist, hat sich nach einem falschen Verdacht und langer Untersuchungshaft weit weg von seinem früheren Leben zurückgezogen nach Crimson Lake, ganz im Norden Australiens. Dort ...

Ted Conkaffey, ehemaliger Polizist, hat sich nach einem falschen Verdacht und langer Untersuchungshaft weit weg von seinem früheren Leben zurückgezogen nach Crimson Lake, ganz im Norden Australiens. Dort hofft er sicher zu sein vor vorverurteilenden Bürgern und der Presse. Er lernt Amanda kennen, eine angebliche Mörderin, die ihre Haftstrafe bereits verbüßt hat. Die beiden beginnen ihre Zusammenarbeit als Privatdetektive und machen sich auf die Suche nach einem verschwundenen Schriftsteller, wobei die örtliche Polizei die beiden in ihrer Arbeit behindert, wo es nur geht. Und während das Inkognito von Conkaffey platzt und der Mob sich gegen ihn formiert, versucht er den Fall von Amanda wieder aufzurollen, aber auch sein eigener Fall beschäftigt ihn weiter…
Die Story ist großartig, denn eigentlich werden uns drei verschiedene Geschichten gleichzeitig erzählt. Wir durchwandern vielerlei Wendungen in jedem der drei Handlungsstränge und jagen voller Spannung durch die Seiten. Ich war von Anfang an voller Sympathie für Conkaffey, der unschuldig sein bisheriges Leben auf so perfide Art verliert und seither nachvollziehbar unter Angst- und Panikattacken leidet. Sein innerer und äußerer Rückzug ging mir sehr nahe, deshalb war für mich der Thriller ein besonders intensives Leseerlebnis. Als gesellschaftskritische Frage steht hinter allem Geschehen, wie bereitwillig schnell Menschen reine Verdachtsmomente als Tatsache annehmen und ihr Urteil sprechen, wie leicht Medien und Vorverurteilung ein Menschenleben zerstören können.
Ein Thriller, in dem einfach alles stimmt: Plot, Protagonisten, Gesellschaftskritik, immense Spannung. Alles perfekt verpackt und in einer fesselnden, intensiven Sprache erzählt.

Veröffentlicht am 07.11.2017

Herzerwärmend

Manche mögen's steil
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Was kann man im tristen November besseres lesen als ein Buch, bei dessen Lektüre man herzhaft lachen kann und am Ende so ein warmes, wohliges Gefühl zurückbleibt, als habe man soeben eine besonders leckere ...

Was kann man im tristen November besseres lesen als ein Buch, bei dessen Lektüre man herzhaft lachen kann und am Ende so ein warmes, wohliges Gefühl zurückbleibt, als habe man soeben eine besonders leckere Tasse heiße Schokolade getrunken.
Vicky ist die toughe, überragend fähige und hochengangierte Teamleiterin bei einer IT-Firma, die Software für Kliniken entwickelt. Ihr Leben spielt sich fast ausschließlich zwischen Smartphone und Monitoren ab, denn in der digitalen Welt fühlt sie sich sicher, hat alles unter Kontrolle, schickt Küsschen an digitale Freunde. In der realen Welt hat sie Allergien, isst nichts, was Augen hat und findet ihren Teamkollegen Konstantin in seinen Maßanzügen anziehend. Als es um die Bewerbung für einen höheren Posten geht, ruft der Personalchef zu einer gemeinsamen Klettertour auf, um soziale Kompetenz, Führungsqualitäten und die Fähigkeit, kreative Lösungsstrategien zu finden, zu testen. Etwas Schlimmeres kann Vicky gar nicht passieren: Raus aus der digitalen Welt, rein ins echte Leben – ein Drama. Und dann rücken sie näher, der Bergführer mit seinem vermüllten Auto und Konstantin, der attraktive Mitbewerber, mit seiner Designer-Sonnenbrille…
Eine nette, eine vorhersehbare Handlung, ja. Aber die Stärke des Buches liegt im Humor. Ich kann nur dringend davor warnen, das Buch an öffentlichen Orten, z. B. im Wartezimmer oder im Zug, zu lesen. Denn es könnte auf andere Menschen befremdlich wirken, wenn Sie beim Lesen entweder grinsen oder laut auflachen. Die schlagfertigen Dialoge und Pointen nehmen kein Ende und man liest und freut sich. „Wenn Frauen richtig loslegen, sitzt der Teufel daneben und lernt.“ Und dann geht die Geschichte auch noch gut aus. Und schon sind sie da, diese wunderbaren Gefühle der inneren Heiterkeit und die Wärme der heißen Schokolade.

Veröffentlicht am 06.11.2017

Perfekt komponiert

Vier Morde und ein Weihnachtsbraten
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Ein ganz raffinierter Plot: Ein historischer Roman, ein Krimi in der Vergangenheit, eine Geschichte über eine moderne Familie mit 2 Kindern und 2 Katzen in der Gegenwart – und das alles miteinander, übereinander ...

Ein ganz raffinierter Plot: Ein historischer Roman, ein Krimi in der Vergangenheit, eine Geschichte über eine moderne Familie mit 2 Kindern und 2 Katzen in der Gegenwart – und das alles miteinander, übereinander – aber nicht durcheinander!
Wer die ersten beiden Bücher der Autorin über Granny kennt, der wundert sich in diesem dritten Band über nichts mehr. Granny ist die Ururgroßmutter von Sabrina und hat die Fähigkeit, in einer Art Zeitreise aus dem Ende des 19. Jahrhunderts kommend hin und wieder bei Sabrina in der Gegenwart aufzutauchen und sie um Hilfe zu bitten. Im vorliegenden Buch gibt es im Umfeld von Granny und ihrem Verlobten Heinrich einen Mord, Granny wird entführt, Heinrich unter Hausarrest gestellt. Sabrina muss sich allerlei einfallen lassen zur Rettung von Granny und Heinrich – und das auch noch in der Vorweihnachtszeit…
Das Buch zu lesen ist kurzweilig und vergnüglich. Die schräge Geschichte, die fröhliche Erzählweise, die humorvollen, herzerfrischenden Konversationen, die stets vorhandene gleichbleibende Spannung, die kleinen versteckten Hiebe gegen Obrigkeiten, für Emanzipation oder gegen den weihnachtlichen Konsumwahn, die richtig gut recherchierten Ausflüge in die Zeit Kaiser Wilhelm des II. – dieses perfekt komponierte Buch zu lesen ist kurzweilig, vergnüglich und macht rundum einfach nur Spaß..

Veröffentlicht am 05.11.2017

Etüde in Moll

Schmitts Fall
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Schmitt ist ein Grantler, mit seinen galligen Gedanken verdirbt er sich selbst ständig das Leben. Von seiner Detektei kann er kaum leben. Als er vom Oboisten des ortsansässigen Sinfonieorchesters angeheuert ...

Schmitt ist ein Grantler, mit seinen galligen Gedanken verdirbt er sich selbst ständig das Leben. Von seiner Detektei kann er kaum leben. Als er vom Oboisten des ortsansässigen Sinfonieorchesters angeheuert wird, sieht er einen finanziellen Hoffnungsschimmer am Horizont. Denn es geht um einen Erpressungsversuch, Hintergrund ist eine richtig miese Sache. Als der Oboist jedoch kurz darauf auf offener Straße ermordet wird, fühlt sich Schmitt aufgerufen, auf eigene Faust weitere Nachforschungen zu betreiben…
Gut geschrieben ist das Buch. Aufgrund der kurzen Kapitel lässt es sich leicht und flüssig lesen, der Spannungsbogen wird einigermaßen konstant aufrecht erhalten. Die Protagonisten sind lebendig und vorstellbar geschildert, wenngleich niemand von ihnen ein Sympathieträger ist. Insofern bleibt man als Leser stets etwas distanziert am Rande des Geschehens als reiner Beobachter stehen.
Schwierigkeiten bereitete mir das Verbrechen hinter den Verbrechen. Dass sogenannte Gutmenschen in Wahrheit die Naivität behinderter junger Frauen für ihre sexuellen Bedürfnisse missbrauchen, ist abstoßend und wird leider in seiner Verwerflichkeit und Widerwärtigkeit nicht scharf genug angeprangert. Das hat mich an diesem Buch am meisten gestört, abgesehen von der geschilderten weitgehend destruktiven, oft sehr abfälligen Gedankenwelt, die der Autor seinen Figuren unterstellt.
Zurück bleibt nach der Lektüre des Buches ein merkwürdig trauriges Gefühl, so als habe der Autor ein in Moll geschriebenes Musikstück gewählt und eine ganze Krimihandlung lang versucht, es uns Lesern als eine in Dur komponierte Fälschung zu verkaufen.

Veröffentlicht am 03.11.2017

Schreiben kann er, und wie!

Der Tag der Engel
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Schreiben kann er, der Autor, und wie! Er kann Sachbuch und er kann Thriller. Und am besten ist er, wenn er beides verknüpft und in eine Fiktion verpackt, die Wirklichkeit sein könnte.
John Flender, ein ...

Schreiben kann er, der Autor, und wie! Er kann Sachbuch und er kann Thriller. Und am besten ist er, wenn er beides verknüpft und in eine Fiktion verpackt, die Wirklichkeit sein könnte.
John Flender, ein herausragender Biomediziner, wird von einem anonym bleibenden Auftraggeber ausgewählt, gegen viel Geld in völliger Isolation für 2 Jahre an einem Forschungsprojekt teilzunehmen, nur durch ein vielfach gesichertes und verschleierndes Computersystem mit anderen weltweit führenden Wissenschaftlern verbunden. Aufgabe ist die Entschlüsselung des menschlichen Alterungsprozesses und damit die Möglichkeit, Alter und Tod zu überwinden. Untergebracht in einem abgelegenen Cottage in Südengland taucht er wie in einer Taucherglocke in seine fesselnde Arbeit, unterbrochen nur durch gelegentliche Besuche seiner Betreuerin Anna Cortini. Nach vielen Monaten intensivsten erfolgreichen Forschens entdeckt John Flender jedoch eine Unstimmigkeit in den Labordaten und bringt durch Nachfragen sich und andere in größte Gefahr…
Vom Prolog an wird der Leser ins Buch hineingezogen. Die Charaktere der Protagonisten sind lebendig und psychologisch nachvollziehbar in ihren schlüssigen Lebensläufen geschildert, ohne zu übertrieben ins Detail zu gehen. Wie eine Wellenbewegung steigt die Spannung an und ab und wieder an, man langweilt sich an keiner Stelle. Am faszinierendsten jedoch finde ich persönlich, wie es Paul Weiler gelingt, tatsächliche wissenschaftliche Erkenntnisse, wie z. B. die Zusammenhänge zwischen Zellteilung und Altern, für Laien verständlich zu erklären und wissenschaftliche Zukunftsträume wie z. B. den Einsatz des bereits 2009 entdeckten Unsterblichkeitsenzyms Telomerase in die Fiktion des Buches einzubauen.
Dieser (Wissenschafts-)Thriller ist viel mehr als ein kurzweiliges Lesefutter. Er wirft im Rahmen der Handlung grundsätzliche ethische, auch religiöse und sozialpolitische Fragen auf und lässt den Leser intensiv teilnehmen am Disput darüber, inwieweit Genmanipulationen am Menschen Fluch oder Segen sind. Dass der Thriller trotz dieser gewaltig großen Themen niemals langweilig oder schwierig-trocken ist, ist das große Verdienst des brillanten Autors.