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heinoko

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.05.2017

So viel gelacht wie schon lange nicht mehr

Im Grab schaust du nach oben
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Wer bereits andere Alpenkrimis von Jörg Maurer kennt, weiß, was ihn erwartet. Ich kannte den Autor noch nicht und bin daher völlig unvorbereitet in seine Schreibe hineingefallen – so ähnlich, wie bei ...


Wer bereits andere Alpenkrimis von Jörg Maurer kennt, weiß, was ihn erwartet. Ich kannte den Autor noch nicht und bin daher völlig unvorbereitet in seine Schreibe hineingefallen – so ähnlich, wie bei der Beerdigung von Hansi das Mikrofon aus Versehen ins Grab fällt („Will uns Hansi noch etwas sagen?“). Das Herausklettern aus dem Buch war mühsam, und zurück bleibt ein enormer Suchtfaktor!
Da findet der G7-Gipfel in dem kleinen bayerischen Kurort statt. Demonstranten schlagen ihre Zeltlager auf. Hubschrauber kreisen. Internationale Sondereinheiten beobachten alles und jeden und nichts. Und zwischen all dem Chaos bewegen sich die Einheimischen, wie sie sich immer bewegen, mit guten und mit bösen Absichten, mit ihrer ganz eigenen Sicht der Dinge. Mehrere Tote gibt es, Mafiosi mit hypnotischen Fähigkeiten, eine Bloggerin ohne Blog, ein Bestatter-Ehepaar, das nicht mehr bestatten darf und natürlich ganz viel Glöckl-Senf… Kommissar Jennerwein nimmt wie ein Hund die Witterung auf und lässt nicht locker, bis auch dieser Fall gelöst ist.
Eine wahrhaft verwickelte Handlung, und es zeigt sich die Kunst des Autors, uns Leser durch allerlei Sperenzchen in die Irre zu führen. Manche der zahlreich auftretenden Personen tauchen nur für einen Moment auf, ohne jegliche Tragweite fürs Geschehen, weil sie vielleicht so schöne alteingesessene Namen haben, oder einfach nur um des Spaßes willen. Überhaupt Spaß: Jörg Maurer macht sich einen Spaß mit uns Lesern, wenn er seine Thesen mit solch einem Ernst darlegt, dass man bei Google nachschaut, ob er recht haben kann, ob es z. B. ein Profugium gibt. Schlitzohrig bringt er kleine Hiebe in Richtung Politik, Kirche, Jägertum und Mensch-Sein generell unter, alles watteweich in Humor verpackt. Kein Buch für ernsthafte Gemüter. Aber Lektüre vom Feinsten für die Leser, die hinter all der vordergründigen Situationskomik den scharfen und liebevollen Blick des Autors auf Heimat und den darin verwurzelten Menschen entdecken wollen. Und die bereit sind zu lachen…

Veröffentlicht am 01.05.2017

Erschreckend, bizarr, Spannung pur

Der Näher
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Was für ein Buch! Was für eine Spannung! Was für Grausamkeiten! Was für bizarre Ideen! Unfassbar!
Der Fallanalytiker Martin Abel aus Stuttgart sollte eigentlich nach seinem letzten gefährlichen Fall eine ...

Was für ein Buch! Was für eine Spannung! Was für Grausamkeiten! Was für bizarre Ideen! Unfassbar!
Der Fallanalytiker Martin Abel aus Stuttgart sollte eigentlich nach seinem letzten gefährlichen Fall eine etwas ruhigere Kugel schieben, bis er wegen Personalmangel in Gummersbach zur Unterstützung der dortigen Polizei bei neuen Ermittlungen um Hilfe gebeten wird. Zwei Frauen sind verschwunden. Eine tote Frau mit einem gerade geborenen toten Baby wird einbetoniert aufgefunden. Nachdem der Chef der Gummersbacher Polizei alles andere als kooperativ ist, fühlt sich Abel dazu berufen, mehr und mehr im Alleingang in den Fall einzutauchen. Und auf was er da stößt, entwickelt sich von Buchseite zu Buchseite mehr und mehr zu einem einzigen Albtraum.
Der Autor schafft es, in einer unglaublich intensiven Weise die Innenwelt eines Psychopathen zu schildern. Basierend auf einem sehr, sehr seltenen medizinischen Phänomen (es gibt entsprechende Fachliteratur dazu) entwickelt Rainer Löffler eine unfassbar spannende Story rund um eine schaurige psychische Fehlentwicklung. Genau die Tatsache, dass die Grundlage der Story nicht allein einer kruden Autorenphantasie entsprungen ist, macht das Buch noch intensiver. Für zart besaitete Leser ist dieses Buch nichts, aber es ist ein Muss für alle, die Lesegenuss mit atemloser Spannung verbinden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Handlung
  • Figuren
  • Atmosphäre
  • Spannung
Veröffentlicht am 29.04.2017

Fast cooking statt Fastfood

Björn Freitag – Smart Cooking
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Vorneweg: Björn Freitag's Smart Cooking ist für mich DAS Kochbuch, das ich unbedingt haben musste, und das mich, seit es in meinem Besitz ist, bislang nicht ein einziges Mal enttäuschte. Sämtliche Reizwörter, ...

Vorneweg: Björn Freitag's Smart Cooking ist für mich DAS Kochbuch, das ich unbedingt haben musste, und das mich, seit es in meinem Besitz ist, bislang nicht ein einziges Mal enttäuschte. Sämtliche Reizwörter, die mich verlocken, passen auf dieses Buch bzw. seine Rezepte: Schnell, einfach, lecker. Kein Chaos in der Küche. Wenig einzukaufen, und schon gar keine Zutaten, die es nur in irgend einem exotischen Geschäft weit draußen am Stadtrand gibt...

Die Idee zu diesem Buch kam Björn Freitag, dem Sternekoch, als er im Urlaub an der Nordsee ein kleines Apartment bewohnte, das über 2 Herdplatten, einen Minibackofen, einen Topf und eine Pfanne verfügte. So war er gezwungen, Rezepte zu entwickeln, die sich mit dieser Minimalausrüstung schnell und problemlos umsetzen ließen. Und in der Tat, die Rezepte sind tatsächlich so, wie im Vorwort versprochen: schnell, einfach, lecker. Die ganzseitigen großartigen Fotos lassen das Wasser im Mund zusammenlaufen und verlocken schon rein optisch zum Nachkochen. Auch sonst ist das Buch sehr klug gestaltet, denn im Rezept selbst sind zum Beispiel die Zutaten in Fettdruck gesetzt, das erleichtert das Nacharbeiten erheblich. Und dass überschriftsmäßig bei jedem Rezept angegeben wird, ob ich nur einen Topf benötige oder ein Blech oder nichts von alledem, empfinde ich ebenfalls als sehr hilfreich.
Für Kochfaule aber Gern-Esser wie mich das absolut ideale Kochbuch.

Veröffentlicht am 28.04.2017

Detailverliebt

Der Tod vergisst nie
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In einem Architekturbüro werden 3 Leichen gefunden: durch präzise Kopfschüsse ermordet. Die Ermittler machen sich an die Arbeit, allen voran Christoph Zeller, dessen Genialität gerühmt wird, der aber mit ...

In einem Architekturbüro werden 3 Leichen gefunden: durch präzise Kopfschüsse ermordet. Die Ermittler machen sich an die Arbeit, allen voran Christoph Zeller, dessen Genialität gerühmt wird, der aber mit allerlei Charakterschwächen zu kämpfen hat. Bei jeder Befragung öffnen sich neue Spuren und bald sieht man sich hineingeworfen in einen verwirrenden Strudel von Verdächtigten, die erst im Fokus stehen, dann wieder untergehen in der Bedeutungslosigkeit. Und es gibt weitere Tote. Wer hat mit wem und wie zu tun?
Das Beste an diesem Buch sind der fulminante Einstieg und das überraschende Ende. Die vielen Seiten dazwischen sind angefüllt mit Befragungen, Ermittlungen, privaten Abstürzen und vor allen Dingen trivialen Schilderungen von Äußerlichkeiten. Jede neu hinzukommende Person wird nach Schulaufsatz-Manier erst einmal mit Haarfarbe, Haarlänge, Gesichtsfalten, Beinlänge, Kopfform und ähnlich Unwichtigem beschrieben. Sogar an einem Kellner in einer Eisdiele, der in dem Buch nur für einen Satz lang „auftritt“, wird diese detaillierte Beschreibungswut ausgelassen. Das nervt entsetzlich und dient keineswegs der Klarheit, denn ich hatte schon nach einem Viertel des Buches völlig die Orientierung verloren und musste mir Listen anlegen, wer wer ist, um noch halbwegs am Geschehen teilhaben zu können. Aber was heißt „Geschehen“. Es passiert ja nicht wirklich etwas. Die Ermittler fahren hierhin und dorthin und reden mit diesem und jenem oder bekommen Anrufe oder diskutieren miteinander oder liegen nachts wach und machen sich Gedanken…
Wie gesagt, Anfang und Ende des Buches sind spannend, die 500 Seiten dazwischen – naja…

Veröffentlicht am 27.04.2017

Lecker nicht nur für Sportler

Strongfood – Das Kochbuch
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Wer sich dieses potthässliche Cover ausgedacht hat, hat erstens keine Ahnung von Farben (Gelb steht für Geistiges - siehe Reclam-Hefte...), zweitens hat er/sie nie darüber nachgedacht, dass ein Cover verlocken ...

Wer sich dieses potthässliche Cover ausgedacht hat, hat erstens keine Ahnung von Farben (Gelb steht für Geistiges - siehe Reclam-Hefte...), zweitens hat er/sie nie darüber nachgedacht, dass ein Cover verlocken und anziehen soll, Interesse wecken soll, im optimalen Fall einen guten, neugierig machenden Hinweis auf den Inhalt geben soll. Dieses Cover ist nur abstoßend, ohne jegliche Werbebotschaft!
Der Autor ist bekannt. Er geistert gerne durch Talk-Shows, Fernsehsendungen zum Thema Sport und Fitness, hat eine Bühnenshow, mit der er durch die Lande reist. Mit anderen Worten: Der Autor weiß sich und seine Botschaften zu vermarkten. Umso unverständlicher ist mir dieses Buch. Die angesprochene Zielgruppe ist nicht gerade riesig, denn das Thema betrifft aktive (Spitzen-)Sportler, für deren Training Muskelaufbau eine wesentliche Grundlage ist. Was macht Otto Normalverbraucher mit diesem Buch, insbesondere mit dem theoretischen Teil? Nix. Aber die kaufmännische Seite dieser Veröffentlichung soll uns hier nicht interessieren.
Der informative Teil erläutert sehr präzise, ausführlich und verständlich die Zusammenhänge zwischen Nahrungsaufnahme und Muskelaufbau, jedoch immer ausschließlich mit Blick auf den aktiven Sportler.
Einfach nur schrecklich sind die schreiend gelben Seiten mit schwarzen Pünktchen, die die Hauptkapitel voneinander trennen.
Der Rezeptteil besticht durch seine sehr ansprechenden, appetitlichen Fotos und die übersichtliche Gestaltung der Zubereitungshinweise. Zusätzliche Information gibt bei jedem Rezept die Aufschlüsselung der jeweils enthaltenen Nährwerte.
Die Rezepte sind mehrheitlich schnell und unproblematisch nachzukochen, sind gesund und schmackhaft. So habe ich mich z. B. an der Gnocchi-Hähnchen-Pfanne in Kräutersauce versucht und war sehr angetan vom Ergebnis!
Schade, dass das Buch sich so explizit an Sportler bzw. "Muskelaufbauer" wendet, denn die Rezepte erscheinen mir durchaus tauglich, den Speiseplan eines Couchsitzers und Nichtsportlers zu optimieren.