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heinoko

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.01.2017

Präzise recherchiert

Im Schatten des roten Stieres
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Das gekonnt gestylte Cover weist sofort in die richtige Richtung: Hier handelt es sich um einen historischen Roman, mit Bezug zu Italien und zur oberen Schicht der Bevölkerung.

Und in der Tat legt Sylvia ...

Das gekonnt gestylte Cover weist sofort in die richtige Richtung: Hier handelt es sich um einen historischen Roman, mit Bezug zu Italien und zur oberen Schicht der Bevölkerung.

Und in der Tat legt Sylvia Klinzmann mit diesem Roman ihr gesamtes Augenmerk auf das Ende des 15. Jahrhunderts, auf die italienische Renaissance, auf die Zeit der Borgia. Nach wie vor herrschen grausame Methoden wie im finsteren Mittelalter, bestimmen Lüge, Betrug, Rache und Mord das Leben derer, die sich Macht und Reichtum aneignen wollen.

Alessia, eine 15-jährige Schönheit mit jüdischen Eltern, die aufgrund der Zeitgegebenheiten zum Christentum konvertierten und deshalb von Spanien nach Rom ausgewandert waren, liebt im Geheimen einen talentierten Maler. Da sich herausstellt, dass Alessia eine Enkelin des derzeit herrschenden Borgia-Papstes ist, gibt es keine Hoffnung auf Verheiratung mit Giacomo, dem Maler. In einer von Anfang bis Ende spannenden Rahmenhandlung mit Mord und Intrige droht Alessia letztlich ihr Leben zu verlieren…

Der Autorin ist es in bewunderswerter Weise gelungen, trotz der umfangreichen, historisch korrekten Schilderungen des damaligen Lebens, nie Langeweile beim Leser aufkommen zu lassen. Es ist ihren ausführlichen Recherchen vor Ort und in zeitgenössischen Dokumenten zu verdanken, dass sie beim Leser ein sehr anschauliches Bild jener Zeit vor dem inneren Auge entstehen lässt. So habe ich z. B. nirgendwo sonst in belletristischen Romanen
detailliertere Schilderungen der damaligen Mode gefunden. Sylvia Klinzmann’s Stärke ist zweifelsfrei die visuelle Wahrnehmung und deren Umsetzung in Worte. Was mir persönlich fehlt, ist zum einen eine psychologische Sicht der Hauptpersonen (die Schilderung von Tränen allein genügt mir da leider nicht), zum anderen fehlt mir im gesamten Buch weitgehend die auditive Darstellung. Gibt es z. B. Musik bei den Festen? Was ist mit Lärm und Geschrei auf den Straßen u. v. a.

Doch dies tut letztlich meinem Gesamturteil keinen Abbruch. Ich halte den Roman
„Im Schatten des roten Stieres“ für ausnehmend gut, erstklassig recherchiert, spannend geschrieben, also rundum lesenswert!

Veröffentlicht am 06.01.2017

Sommerunterhaltung

Verflixt und unsichtbar
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Mit dem Cover kann ich nichts anfangen, aber die Geschichte hat etwas. Eine Detektivin mit der Fähigkeit, sich unsichtbar zu machen, zu versehen, hat reichlich Potenzial für einen richtig witzigen Roman ...

Mit dem Cover kann ich nichts anfangen, aber die Geschichte hat etwas. Eine Detektivin mit der Fähigkeit, sich unsichtbar zu machen, zu versehen, hat reichlich Potenzial für einen richtig witzigen Roman mit vielen Slapstick-Situationen. Schon allein die Tatsache, dass sie sich komplett ausziehen muss, bevor sie unsichtbar werden kann, führt zu sehr merkwürdigen Strategien beim Lösen eines Mordfalls oder beim Nachweis von Seitensprüngen, dem Alltagsbrot einer Detektivin.
Insgesamt jedoch bleibt die Geschichte recht oberflächlich, klischeehaft, Die Gespräche wirken gestelzt, der Schreibstil ist nicht besonders ideenreich. Dennoch liest man gerne weiter, insbesondere als die Story im späteren Verlauf etwas an Fahrt aufnimmt. Eine nette, seichte Sommerunterhaltung, mehr nicht. Eigentlich schade, denn der Plot würde mehr hergeben.

Veröffentlicht am 06.01.2017

Ambivalent

King - Er wird dich besitzen
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Zunächst: Das Cover ist perfekt. Es gibt etwas von der Härte des Buches wieder, aber es lässt auch Vieles im Dunkeln, im Ungewissen.

Es sind verschiedene Leben, die einander aufs Unheilvollste begegnen: ...

Zunächst: Das Cover ist perfekt. Es gibt etwas von der Härte des Buches wieder, aber es lässt auch Vieles im Dunkeln, im Ungewissen.

Es sind verschiedene Leben, die einander aufs Unheilvollste begegnen: Doe, eine junge Frau, hat ihr Gedächtnis verloren und muss auf der Straße überleben. Und Brantley, von Kindheit an auf der falschen Seite des Gesetzes lebend und handelnd, der von allen King genannt wird und von dem man weiß, dass er nichts, was er als sein Eigen nennt, jemals wieder hergibt. Sie treffen schicksalhaft aufeinander...

Ja, ich bin ambivalent. Will ich wirklich über das Über-Leben in der Gosse lesen? Will ich wirklich wissen, wie Menschen sich an andere Menschen verkaufen? Will ich geschildert bekommen, wie versiffte Toiletten in Tankstellen aussehen und wer wann wen wie prügelt? Es wird eine brutale Welt gezeichnet. Rohe Sprache, rohe Taten, abstoßend, ekelerregend. Dazu seitenweise pornographische Schilderungen, ebenfalls an Grobheit nicht mehr zu überbieten. Nein, das will ich wirklich nicht lesen!
Aber da ist noch eine andere Geschichte dahinter, die von dem Mädchen ohne Gedächtnis und die von King, dem starken Mann, für den die Grenzen des Legalen "fließend" sind. Da gibt es hinter aller Härte und Grausamkeit etwas Zartes, Verborgenes, Feinfühliges, eine völlig unerwartete Sensibilität. Momente von zauberhafter Nähe, ein Aufblitzen von fast vergessenen Werten.
Und genau diese extremen Diskrepanzen sind es, die das Buch nach meiner Meinung zu etwas Besonderem machen. Die Autorin schafft es dank ihrer großartigen Gabe eines äußerst intensiven Schreibstils, den Leser vom Dreck in den Himmel und wieder zurück zu stoßen - und man bleibt benommen auf der Strecke...
Gut, dass es eine Fortsetzung geben wird!

Veröffentlicht am 06.01.2017

Vampirische Erotik

Dark Hope - Gefährte der Einsamkeit
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Das Cover zeigt den Oberkörper eines leidenden Vampis? Nun ja...
Ich gebe zu, dass Vampire bisher noch keine Rolle gespielt haben in meinem Leseleben. Aber die junge Autorin hat es geschafft, mir mit ...

Das Cover zeigt den Oberkörper eines leidenden Vampis? Nun ja...
Ich gebe zu, dass Vampire bisher noch keine Rolle gespielt haben in meinem Leseleben. Aber die junge Autorin hat es geschafft, mir mit Dimitri eine Vampirgestalt näher zu bringen, deren Leiden mir nahe ging.
Dimitri hatte vor hunderten von Jahren Amila, seine Gefährtin, verloren und war seither unsagbar traurig, ohne jegliche Hoffnung. Zur geschilderten Zeit lebten Menschen und Vampire gut miteinander bzw. nebeneinander, da sich jede Spezies an die aufgestellten Regeln hielt. Eines Tages riecht Dimitri in der Menschenwelt den Geruch seiner verstorbenen Gefährtin und trifft auf Amila, die in einer Bibliothek arbeitet. Amila hat aufgrund eines Pakts mit einem Dämonen nur noch wenige Monate zu leben. Dimitri verfällt dieser "neuen" Amila, die wie ein Abbild seiner verstorbenen Gefährtin wirkt. Es beginnt eine Liebesgeschichte, die ihresgleichen sucht. Innigst, hocherotisch, wild und zart, von größter Intensität. Ob Dimitri seine neue Geliebte vom nahenden Tod erretten kann?
Die Geschichte einer innig großen Liebe in Verbindung mit Mysteriösem und Unwirklichem nimmt total gefangen, ist spannend, sehr erotisch und ich bin sehr erstaunt, wie intensiv die junge Autorin schreiben kann.

Veröffentlicht am 01.01.2017

Raffiniert geschrieben

DEAR AMY - Er wird mich töten, wenn Du mich nicht findest
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Das Cover ist vielversprechend in seiner dunklen Gestaltung. Aus dem Dunklen stechen die mit Leuchtgrün gestalteten wesentlichen Informationen verkaufsgeschickt hervor. Ein verlassenes Auto, das mit geöffneter ...

Das Cover ist vielversprechend in seiner dunklen Gestaltung. Aus dem Dunklen stechen die mit Leuchtgrün gestalteten wesentlichen Informationen verkaufsgeschickt hervor. Ein verlassenes Auto, das mit geöffneter Autotür auf einem leeren Parkplatz steht, hinterlässt ein Gefühl der Beunruhigung und dieses beunruhigende Gefühl wächst beim Lesen unaufhörlich.

Ein Mädchen verschwindet, seltsame Briefe an Margot Lewis, eine engagierte Lehrerin, tauchen auf und stellen die Verbindung her zu dem ca. 20 Jahre alten Fall eines ebenfalls vermissten Mädchens. Spannend-verworren windet sich die Geschichte durch das Bewusstsein von Margot Lewis und der Leser wird immer wieder in die Irre geführt.

Der Schreibstil, der durch den Wechsel von Gegenwarts- und Vergangenheitsform verschiedene Ebenen öffnet und durch relativ abgehackte Sätze zusätzlich Spannung erzeugt, ist etwas ungewöhnlich, aber nachdem man sich eingelesen hat, ist man ganz unmerklich in die Handlung gerutscht und entkommt dem Buch nicht mehr bis zur letzten Seite. Die Autorin spielt gekonnt auf der psychologischen Klaviatur zwischen Fiktion und Tatsache.
Ein großartiges Debüt der Autorin aus Großbritannien.