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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.11.2019

Plastische Darstellung von 31 entscheidenden Tagen

Funkenflug
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Friederichs schafft es hervorragend, die letzten Tage bis hin zum 2. Weltkrieg aufschlussreich, ja spannend, darzustellen. Für eingefleischte Kenner jener Zeit nicht viel Neues, aber die Schilderung erinnert ...

Friederichs schafft es hervorragend, die letzten Tage bis hin zum 2. Weltkrieg aufschlussreich, ja spannend, darzustellen. Für eingefleischte Kenner jener Zeit nicht viel Neues, aber die Schilderung erinnert fast an einen zeitgeschichtlichen Roman - deshalb lesenswert. Für "Einsteiger" in die Materie ist es gewiss ein Appetitanreger, sich noch tiefer damit zu befassen. Dafür ist der Schreibstil Friederichs gut geeignet.

Veröffentlicht am 01.11.2019

Interessanter Luther-Roman, leider mit einigen Längen

Die Flügel der Freiheit
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Junker Jörg alias Martin Luther fürchtet um die Früchte seiner Arbeit und sieht sich im Widerstreit zu seinen einstigen Verbündeten. Schon längst ist er nicht mehr DIE EINZIGE Führungsposition in der Bewegung ...

Junker Jörg alias Martin Luther fürchtet um die Früchte seiner Arbeit und sieht sich im Widerstreit zu seinen einstigen Verbündeten. Schon längst ist er nicht mehr DIE EINZIGE Führungsposition in der Bewegung des Protestantismus. Fanatisch kämpfen Luther und Müntzer um die Vormachtstellung.
Mit der teils äußerst deftigen Wortwahl, die Luther ja landläufig nachgesagt wird, liefert Röhrig ein authentisches Gesellschaftsbild ab - eine Zeit, in der die deutsche Sprache nicht unmaßgeblich auch von den Redewendungen Luthers geprägt wurde.

In die Rahmenhandlung wird die schicksalhafte Liebesbeziehung zwischen Barthel und Dorlein eingebettet.

Mit persönlich hatte der Roman allerdings zu viele Längen und hat mich als Leser nicht durchgängig fesseln können.

Veröffentlicht am 01.11.2019

Furioser Einstieg in den Mehrteiler

Die sieben Schwestern
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Schnell wird der Leser in der Villa am See heimisch und lernt die sechs mehr als verschiedenen (Adoptiv-)Schwestern kennen, denen der mysteriöse, schwerreiche und kürzlich verstorbene Vater Salt hier ein ...

Schnell wird der Leser in der Villa am See heimisch und lernt die sechs mehr als verschiedenen (Adoptiv-)Schwestern kennen, denen der mysteriöse, schwerreiche und kürzlich verstorbene Vater Salt hier ein Heim geschaffen hat.
Nach seinem Tod wird allen Schwestern das geheimnisvolle Vermächtnis ihres Vaters offenbart und jede erhält somit die Chance, ihren Wurzeln auf die Spur zu kommen.
In diesem Band führt Maia eine Tonscherbe weit weg nach Argentinien, wo sie eine neue Lebensfreude kennen und lieben lernt und die spannende und gleichzeitig berührende, eigene
Familiengeschichte langsam und intensiv aufspürt.
Sobald ich das Buch zu Ende gelesen hatte, brannte ich direkt auf den nächsten Band, um eine weitere Schwester und deren Schicksal besser kennnen zu lernen...

Veröffentlicht am 07.09.2019

Britannien jenseits der Robin-Hood-Filme

Teufelskrone
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Im neuen Roman "Teufelskrone" von Rebecca Gablé entführt die Autorin alle Freunde historischer Romane und insbesondere Waringham-Fans in das mittelalterliche England zu Zeiten Richard Löwenherz und Johann ...

Im neuen Roman "Teufelskrone" von Rebecca Gablé entführt die Autorin alle Freunde historischer Romane und insbesondere Waringham-Fans in das mittelalterliche England zu Zeiten Richard Löwenherz und Johann Ohneland.
Mit leichter Hand und gewohnt bildhaft beschreibt Gablé ein Britannien jenseits der Robin-Hood-Filme. Im ihr typischen Erzählstil werden Fiktion und die Ergebnisse intensiver, historischer Recherchen harmonisch zu einem wunderschönen Gesamtwerk verwoben. Die eigentliche Historie bleibt durch viele unerwartete Wendungen stets spannend zu lesen und Liebe und Intrigen am Königshof und in der Familie Waringham kommen ebenfalls nicht zu kurz. In Windeseile lernt der Leser die Protagonisten kennen, findet die Sympathischen und die Verachtungswürdigen schnell heraus und verfolgt mit atemloser Spannung deren schicksalshaften Lebensweg.
Die Gesellschaftsform der absoluten Monarchie steht auf dem Prüfstand und erstmals entwickeln sich demokratische Gedanken. Weit bevor auf dem Kontinent an mehr Gleichberechtigung zu denken war, begehrte die englische Oberschicht auf und forderte sich mehr Rechte ein. Dass die daraus resultierende "Magna Carta" (zunächst) leider keine zusätzlichen Rechte für das einfache Volk sicherte, war sicherlich dem Standesdünkel der damaligen Adligen zuzuschreiben.
Überhaupt: Historische Romane über britische Geschichte finden sich aus der Wikinger-/Normannenzeit bis Wilhelm den Eroberer in respektabler Anzahl. Dann tut sich eine Lücke auf und die Erzählungen setzen überwiegend im "Dunstkreis" der Rosenkriege wieder ein. Über die Magna Carta gibt es deutschsprachig fast nichts in Romanform. Rebecca Gablé hat diese schwierige Aufgabe in jeder Hinsicht mit Bravour gelöst und einen mehr als 800-seitigen Historienroman der Extraklasse geschaffen.
Während die historischen Personen Richard Löwenherz und Johann Ohneland in vielerlei Hinsicht von ihrem Glorienschein oder der Rolle des "Versagers" entzaubert werden, entsteht ein facettenreiches Persönlichkeitsbild der beiden Herrscherfiguren. Vermutlich hätte John mit etwas mehr Besonnenheit und Beherrschtheit die Nation besser lenken und leiten können, als sein großer Bruder, der zumindest anfangs einen riesigen Schatten auf die Regentschaft Johns wirft.
Deren Mutter Alienor von Aquitanien nimmt die ihr wohl tatsächliche zuzuschreibende Rolle der Matriarchin und des Familienoberhauptes bis ins hohe Alter ein und zieht oft im Hintergrund die Fäden.
Interessant ist sicherlich der Aspekt, dass es sowohl auf royaler Ebene als auch im Hause Waringham gilt, den Lebensweg zweier Brüder und deren unterschiedliche Charaktere aufzuzeigen.
Guillaume und Yvain aus dem Hause Waringham dienen Richard bzw. John und haben sich somit politisch positioniert. Während Guillaume stets überlegt handelt, bringt Yvain sich selbst mit seinem losen Mundwerk in die Bredouille. Stets loyal entwickelt er dennoch enormes diplomatisches Geschick und wird somit zu einem wichtigen Vertrauten Johns.
Abschließend sei gesagt: Für mich ist es nicht DAS Waringham-Epos schlechthin. Vielmehr würde ich den neuen Roman gerne als neue Perle in einer Kette aus hervorragend gelungenen und gut erzählten Büchern aus der Feder von Rebecca Gablé einreihen wollen. Nur selten gelingt es Autoren über eine hohe Anzahl von 800-Seiten-Bände hinweg immer wieder die Leser mit historischer Handlung zu faszinieren und soviel Spannung aufzubauen, dass das Buch nur schwer aus der Hand zu legen ist. Kompliment!

  • Cover
  • Geschichte
  • Erzählstil
  • Figuren
Veröffentlicht am 02.07.2019

Dystopie mit einigen Schwachpunkten

Die Unvollkommenen
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Mit Feuereifer habe ich mich in den Roman "Die Unvollkommenen" von Theresa Hannig vertieft. Obwohl ich zunächst noch unsicher war, inwieweit diese Fortsetzung von "Die Optimierer" ohne Kenntnisse der Vorgeschichte ...

Mit Feuereifer habe ich mich in den Roman "Die Unvollkommenen" von Theresa Hannig vertieft. Obwohl ich zunächst noch unsicher war, inwieweit diese Fortsetzung von "Die Optimierer" ohne Kenntnisse der Vorgeschichte überhaupt vernünftig lesbar sein würde.

Schnell war ich eines Besseren belehrt und fühlte mich binnen weniger Seiten im Sog der Story:

Man schreibt das Jahr 2057 in der Bundesrepublik Europa. Die Gesellschaft erfreut sich einer sogenannten Optimalwohlökonomie. Mensch und Maschine (d.h. künstliche Intelligenz) haben ein ruhiges Miteinander geschaffen. Alles steht unter dem Regime des gottgleichen Samson Freitag.

Ein spannendes Thema, welches die Autorin flüssig lesbar aufs Papier gebracht hat. Sehr schnell hatte ich das erste Drittel verschlungen und mir zahlreiche Fragen zum weiteren Geschehen gestellt.

Künstliche Intelligenz begleitet uns auch heute schon regelmäßig im Alltag, so dass die von der Autorin geschaffene dystopische Gesellschaft nicht weit hergeholt erscheint und in einigen Sequenzen auch nachdenklich macht, ob und inwieweit diese Entwicklungen tatsächlich noch gut und richtig sind.

Klar, sachlich und der Thematik angemessen wird langsam Spannung aufgebaut. In meinem Kopf hat sich das Fragenkarussell schließlich immer schneller gedreht:

Wie ist der Titel "Die Unvollkommenen" zu deuten?
Was hat es mit den Träumen der Protagonistin Lila auf sich?
Was bedeuten die auffälligen Anlehnungen an die Bibel?
Wer schmiedet mit wem Allianzen?
Wie kann diese Gesellschaftsform überleben?

Auf der Suche nach Antworten, habe ich das Buch in kürzester Zeit zu Ende gelesen. Das Ende konnte dem starken Auftakt leider nicht gerecht werden. Vieles erscheint mir konstruiert, um noch mehr Tempo in die Handlung zu bringen. Auch war mir schlussendlich vieles nicht logisch nachvollziehbar.

Zu viele Handlungsstränge wurden meines Erachtens nicht zu Ende gebracht. Vielleicht war dieses eher offene Ende aber auch als Denkanstoß der Autorin an den geneigten Leser gedacht. Mir hat es so aber nicht zugesagt...

  • Cover
  • Idee
  • Geschichte
  • Figuren
  • Erzählstil