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Veröffentlicht am 07.03.2021

Spannende Geschichte mit vielen Details und sehr viel Aufklärungsarbeit

Lebenssekunden
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Die jungen Mädchen Christine und Angelika könnten unterschiedlicher fast nicht sein. Christine, eine Leistungsturnerin in der DDR mit großen Medaillenhoffnungen und Angelika aus der BRD, die mangels Leistungen ...

Die jungen Mädchen Christine und Angelika könnten unterschiedlicher fast nicht sein. Christine, eine Leistungsturnerin in der DDR mit großen Medaillenhoffnungen und Angelika aus der BRD, die mangels Leistungen von der Schule fliegt und nun ohne Schulabschluss versucht eine Lehre zu machen. Angelikas Leidenschaft ist die Fotografie und so versucht sie sich in den 50er Jahren in dieser Männerdomäne durchzusetzen und fleißig zu lernen. Christine wiederum steht als Leistungssportlerin unter einem unwahrscheinlichen Drill und Druck Leistungen als Aushängeschild der DDR zu erbringen. Doch das Schicksal und auch die Fotografie bringen sie über Umwege und unter dramatischen Umständen zusammen…

Das Buch „Lebenssekunden“ ist der neue Roman von Katharina Fuchs. Da ich bereits das Vergnügen hatte „Zwei Handvoll Leben“ von ihr zu lesen, habe ich mich auch sehr auf diesen Roman gefreut. Mir gefällt wieder der authentische und zugleich fesselnde Schreibstil. Außerdem gelingt es der Autorin erneut, wie in ihrem ersten Roman, hier zwei Frauenschicksale auf wunderbare Weise miteinander zu verknüpfen. Die Geschichte beginnt zunächst gemächlich und immer aus unterschiedlichen Sichtweisen, einmal von Christine und einmal von Angelika. Als die Entwicklung der Geschichte Fahrt aufnimmt, wird der Wechsel der Kapitel durchaus schneller und zum Ende hin haben auch einzelne andere handelnde Charaktere ihre eigenen Kapitel. Die Autorin skizziert in ihrem neuesten Werk zum einen den Aufstieg der BRD in ein stabiles Land mit wirtschaftlichem Wachstum als auch die DDR und deren sozialistische Ideale und den damit verbundenen Restriktionen für viele aus der Bevölkerung. Besonders gelungen finde ich die Beschreibungen zu Christine und dem Drill, den sie bereits als 15-jährige Leistungssportlerin ausgesetzt ist. Auch die Stasi-Methoden und einhergehende Bestrafungen, wenn sie sich nicht immer sofort beugt, sind sehr bedrückend, aber anschaulich beschildert. Auf der anderen Seite nun die junge und fast gleich alte Angelika. Sie kämpft mit den Vorbehalten, die man gegenüber arbeitenden Frauen im Westen eben zu jener Zeit hatte bzw. mit Mädchen im Allgemeinen. Denen wurde maximal zugebilligt ihre Familie zu versorgen, aber sich eben nicht beruflich zu verwirklichen. Die Metapher „Lebenssekunden“, die dem Buch den Titel verleiht, hat außerdem eine ganz besondere Bedeutung im Buch und taucht mehrfach auf. Ich finde das dies wunderbar in die Geschichte eingearbeitet worden ist und der Bezug damit zum Titel jederzeit möglich ist. Auch die Charaktere sind an sich sehr authentisch und man kann sie sich sehr gut vorstellen.
Kritisch möchte ich anfügen, dass ich 2x über kleine inhaltliche Fehler gestolpert bin, was eigentlich bei einem Lektorat in einer großen Verlagsgruppe nicht passieren sollte. Es wird zwar von der einer jungen Frau gerade berichtet, aber der Name der anderen erwähnt, quasi vertauscht. Das finde ich sehr schade, gibt aber meiner Bewertung keinen Abbruch.

Mein Fazit: Ein zeitgenössisches Porträt zweier junger Frauen, die sich durchzusetzen versuchen und ihr Leben gestalten wollen und dabei einfach nur jung und frei sein möchten- mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich kann es jedem ans Herz legen, der sich für interessante und miteinander verknüpfte Schicksale interessiert.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.02.2021

Historische Begebenheiten verpackt in einer turbulenten und etwas chaotischen Familiengeschichte

Erinnerungen aus Glas
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Im Roman von Melanie Dobsen geht es um tatsächliche Begebenheiten, die sich in Amsterdam zur NS-Zeit zugetragen haben und nun hier in eine Familiengeschichte überführt worden sind. Auf den Inhalt möchte ...

Im Roman von Melanie Dobsen geht es um tatsächliche Begebenheiten, die sich in Amsterdam zur NS-Zeit zugetragen haben und nun hier in eine Familiengeschichte überführt worden sind. Auf den Inhalt möchte ich nicht weiter eingehen und verweise daher auf den sehr ausführlichen Klappentext des Buches. Das Cover des Buches finde ich sehr schön und es hat mich direkt angesprochen, allerdings frage ich mich immer noch, wer von den Protagonisten hier eigentlich abgebildet wird. Mit dieser Frage bin ich dann auch schon mitten im Geschehen des Buches. Die Erzählung setzt sich aus verschiedenen Sichtweisen zusammen. Es wird aus der Vergangenheit berichtet als auch in der Gegenwart. Die Kapitel springen also hin und her. Was anfangs noch gemächlich geschieht, wird gefühlt immer schneller und schneller, aber leider werden die Fragezeichen auch immer größer. Anfangs fragt man sich, wie überhaupt alles zusammenhängt, dann wird es zunehmend klarer und zum Ende hin überschlagen sich meiner Meinung nach die Ereignisse und wirken teilweise zu sehr konstruiert und das Prinzip Zufall wurde überstrapaziert. Ich muss ehrlich sagen, dass in meinem Kopf immer noch viele Fragezeichen zum Buch herumschwirren und ich teilweise den Überblick über die Geschehnisse verloren habe. Die Geschichte ist prinzipiell sehr interessant und lesenswert, aber die Sprünge und vielen Charaktere machen es sehr anspruchsvoll und man benötigt seine volle Konzentration. Stellenweise ist es sehr bedrückend, da es um Deportationen, insbesondere von Kindern, geht. Eigentlich mag ich sowohl Zeitsprünge als auch viele Personen und habe diesbezüglich selten Probleme; in diesem Buch fehlt aber eindeutig ein Stammbaum, da die Familienbande sehr verzwickt und durch Adoptionen neue Linien entstanden sind, manchmal aber auch wieder die leiblichen Eltern vorkommen. Ehrlich gesagt, ich habe nur ein ganz oberflächliches Geflecht an Beziehungen in meinem Kopf. Den Schreibstil der Autorin empfinde ich dabei ebenso irritierend, denn bereits in einem Absatz kann das Thema wechseln bzw. um wen es eigentlich gerade geht. Den Titel des Buches und die im Buch erklärte Assoziation dazu finde ich dagegen sehr kreativ und sehr gut umgesetzt.

Zusammengefasst muss ich leider sagen, dass das Buch für mich nur mittelmäßig ist. Es wirkt, als ob in den wenigen Seiten zu viel gewollt worden ist und es verleitet mich leider nicht so von der Spannung her, schnell zu lesen oder es nochmal zu lesen. Ich habe für die wenigen Seiten im Vergleich zu anderen Büchern sehr lange gebraucht und musste mich teilweise motivieren weiter zu lesen. Dies ist sehr schade, denn die Geschichte ist sehr, sehr wichtig und sollte niemals vergessen werden.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.02.2021

Familiengeschichte mit vielen Geheimnissen und historischen Einblicken

Die Pilotin
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Die junge, amerikanische Pilotin Nancy kommt im 2.Weltkrieg 1942 bei Flugzeugüberführungen in England zum Einsatz und kann für eine Spezialtruppe fliegen. Dort lernt sie Mac kennen und verliebt sich in ...

Die junge, amerikanische Pilotin Nancy kommt im 2.Weltkrieg 1942 bei Flugzeugüberführungen in England zum Einsatz und kann für eine Spezialtruppe fliegen. Dort lernt sie Mac kennen und verliebt sich in ihn, obwohl er ihr Vorgesetzter ist. Erst 2006 vertraut sie ihre Lebensgeschichte ihrer Enkelin Sarah an. Im Laufe der Zeit kam es zu einer Vielzahl von Familiengeheimnissen, die alle in Nancy vereint zu sein scheinen und die nur sie erklären kann…

Das Buch „Die Pilotin“ stammt von Amelia Carr. Aufgrund des gut gewählten Covers, wird sofort der Eindruck vermittelt, dass man es mit einem historischen Roman zu tun hat, der von einer Pilotin handelt. Dahingehend wird der Leser nicht enttäuscht. Die Geschichte wechselt zwischen Erzählungen aus der Vergangenheit sowie der Gegenwart. Dieser Wechsel ist gut gestaltet und man kommt sofort in die Geschichte rein. Der Schreibstil ist flüssig. Durch zahlreiche Beschreibungen nebenher, vor allem in den historischen Teilen zur Pilotinnenausbildung und deren Einsätzen im 2.Weltkrieg, erhält man auch viele Informationen zur damaligen Zeit und zu dieser besonderen Truppe. Außerdem wechseln die Kapitel zwischen verschiedenen handelnden Charakteren hin und her, die aber gut gekennzeichnet werden und dadurch immer wieder ganz eigene Einblicke in das Geschehen und Empfinden der Charaktere geben.
Für mich erscheinen besonders die historischen Teile des Romans am besten gelungen. Das Buch beginnt im ersten Drittel äußerst vielversprechend und man saugt förmlich alles zu Nancys und Macs Geschichte als Leser auf und gönnt ihnen ihre Begegnung von Herzen. Zusätzlich sind die Eindrücke, die hier zu der verrückten Kriegszeit vermittelt werden, unschlagbar. Ab dem zweiten Drittel des Buches schleichen sich langatmige Passagen hinzu, sodass ich persönlich Mühe hatte, an manchen Stellen weiter zu lesen. Das letzte Drittel ist dann geprägt von den zahlreichen Familiengeheimnissen, die dann endlich aufgeklärt werden, aber, nicht wirklich zu meiner vollsten Zufriedenheit. Auch im letzten Drittel gibt es einige langatmige Textstellen und ich habe mich hin und wieder dabei ertappt, dass ich stellenweise manches nur überflogen habe. Ich bin daher ein wenig zwiegespalten hinsichtlich des Buches. Ähnlich verhält es sich mit den Charakteren. Während Nancy eine außergewöhnliche Person ist und man ihren Lebensweg gut nachvollziehen kann, mischen sich einige Zweifel bei mir darunter, warum sie solange mit ihren Geheimnissen gelebt hat. Manches Mal war es mir zuwider, wie sie gehandelt hat und ich mag keine Personen, die nicht mit anderen über etwas Vorgefallenes sprechen können. Insbesondere auch Ellen hat mir als Charakter absolut nicht gefallen, weil sie ständig überreagiert hat. So bin ich also ebenso bei den Charakteren sehr zwiegespalten. Ein bisschen ärgere ich mich, dass dieser gute Beginn des Romans so verspielt worden ist. Das Potenzial war da, die Ausführung leider nicht so, wie ich mir das erträumt hatte. Die vielfach angepriesenen Familiengeheimnisse (die mir -Entschuldigung- einfach irgendwann auf den Keks gingen), haben mich nicht komplett vom Hocker gehauen. Ich habe immer darauf gewartet, dass noch etwas anderes, quasi ein richtiger Knaller passiert. Gleichzeitig habe ich mir oft gewünscht, dass die Autorin einfach mal auf den Punkt kommt und klare und prägnante Fakten schafft. Oft war es ein Wischi-Waschi (z. Bsp. bei Nancy… wie wird sie wohl reagieren, kann ich es ihr auch wirklich sagen, sie wird schockiert sein, aber ich muss es ihr sagen, wie stelle ich es bloß an, warum habe ich so lange gewartet, ich wollte sie doch aber schützen usw. usf.). Irgendwann wirkte das ganze Hin und Her, vor allem am Ende des Buches einfach nur aufgesetzt und so, als zögere die Autorin das Ende des Buches hinaus und es hat mich nur noch genervt. Hinzu kommen auch allerlei einschneidende Erlebnisse, von denen man vorher noch nie etwas gelesen hat, die manche Charaktere zum Ende nochmal komplett auf den Kopf stellen, sodass man sich wirklich fragen muss, ob die Vorstellungen, die man die ganze Zeit zu den Personen im Kopf hatte, eigentlich überhaupt noch passen können.

Mein Fazit: Ich bin enttäuscht von diesem Buch, weil es so vielversprechend angefangen hat und ich historische Romane jeder Art einfach liebe. Für die Idee vergebe ich aber durchwachsene 3 Sterne. Es ist leider ein Buch, dass man lesen kann, aber nicht muss. Vieles habe ich mir persönlich ganz anders gewünscht. Sehr schade!

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 01.02.2021

Sehr schneller und brisanter Roman mit Spannung

2,5 Grad - Morgen stirbt die Welt
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Die Klimakatastrophe auf der Welt rückt immer näher. Es kommt bereits zu vielen Wetteranomalien: schwere Überflutungen, Auftauen des Permafrostbodens, Abschmelzen der Gletscher und Pole, Dürreperioden ...

Die Klimakatastrophe auf der Welt rückt immer näher. Es kommt bereits zu vielen Wetteranomalien: schwere Überflutungen, Auftauen des Permafrostbodens, Abschmelzen der Gletscher und Pole, Dürreperioden und damit verbundenes Leid einer Vielzahl der Bevölkerung, die aus ihren Heimatländern fliehen müssen. Leela Faber, eine junge Frau, engagiert sich bereits im Umweltschutz und hat ein Herz für Tiere. Als sie durch ein schweres Unglück ihren Freund Jakob verliert, von dem sie Zwillinge erwartet, gerät sie in einen Strudel sehr vielfältiger und unumkehrbarer Ereignisse. Immer mehr wird sie in eine Verkettung von Umständen hineingezogen, bis sie nur noch einen Ausweg sieht: Sie muss selbst Hand anlegen, um die Katastrophe stoppen zu können.

Der Roman „2,5°-Morgen stirbt die Welt“ stammt von Noah Richter. Der Autor engagiert sich selbst im Klima- und Umweltschutz und hat mit diesem persönlichen Hintergrund eine durchaus spannende Geschichte zu Papier gebracht. Das Cover des Romans finde ich sehr ansprechend und hochwertig und dem Leser wird sofort der Eindruck vermittelt, um was es geht. So bin auch ich auf den Roman aufmerksam geworden. Die Gesamtgeschichte, zunächst aufgrund des Klappentextes, fand ich ebenfalls sehr interessant und hat meine Neugier geweckt. Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. In durchaus fulminantem Kapitelwechsel und fast wie in einem rasanten Thriller skizziert der Autor eine Welt, wie sie werden könnte, wenn nicht jetzt entgegengesteuert wird. Geprägt von einer Vielzahl an heutigen Debatten zum Klima- und Umweltschutz, nach denen aber kaum oder nur wenig gehandelt wird, ist das Buch tatsächlich ein sehr gutes Schreckensszenario. An manchen Stellen hätte es noch ausführlicher sein können, was alles auf der Erde passieren könnte, wenn absolut nichts unternommen wird. Der Schreibstil des Buches ist sehr angenehm, fesselnd und tatsächlich sehr schnell. So wird nicht nur die Geschichte um die Protagonistin Leela entsponnen, sondern auch zahlreiche Nebenwege mit eingebunden. Dies alles liefert der Geschichte eine gehörige Portion Authentizität. An einigen Stellen entsteht allerdings der Eindruck, dass der Autor manchmal zu viel gewollt hat, sodass es etwas übertrieben und aufgesetzt wirkt bzw. manche Ereignisse zu einem Strudel zu verschwimmen zu drohen und es schwierig ist, alles sofort zu erfassen. Prinzipiell finde ich aber gelungen, wie verschiedene Bereiche durchleuchtet werden: Dort ist die Bundesregierung die gegenüber den großen Energiekonzernen machtlos ist. Dort sind rechte Gruppierungen, die die Bundesregierung stürzen wollen. Dort gibt es die Guardians of Life, eine eher linke Gruppierung, die durch eigene Aktionen die Klimakatastrophe zumindest verzögern wollen, die aber nicht weniger radikal agieren. Dort ist eine Sekte christlichen Glaubens, die meint durch ein Menschenopfer wird Gott wieder versöhnlich und dort sind die Erfahrungen und Berichte von Flüchtigen aufgrund der gesamten Situation und mittendrin eine einfache, junge Frau, die irgendwie mit allem in Verbindung steht und immer mehr sich in Situationen begibt, die ohne Ausweg erscheinen. Und immer wieder das heute durchaus dominante Thema: Macht und Geld, Oder: Wie man sich mit entsprechendem Geld in Sicherheit bringen kann und dafür eben die eigene Macht missbraucht und schamlos ausnutzt.

Mein Fazit: Mir persönlich hat das Buch gut gefallen, vor allem die schnelle Entwicklung der Geschichte und die zahlreichen Nebenpfade, die miteinander verknüpft werden und die Geschichte damit sehr gehaltvoll und komplex machen. Auch das gesamte dargestellte Szenario ist sehr aktuell und authentisch. An einigen Stellen war es etwas schwierig zu folgen und aufgrund der Vielzahl der Charaktere auch die Zuordnung hin und wieder mit einem Nachdenken verbunden. Der gesamte Roman hinterlässt insgesamt ein ungutes Bauchgefühl, was aber wiederum positiv zu verstehen ist, denn es regt sehr zum Nachdenken über unsere Zukunft an.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.01.2021

Großartiges, emotionales Werk über das Schicksal einer jüdischen Kinderärztin

Helenes Versprechen
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Die Kinderärztin Helene Bornstein, eine Jüdin, bringt ihren Sohn Moritz vor den Nazis und deren zunehmender Verfolgung in Sicherheit. Leider gelingt es ihr erst fast 10 Jahre, 1947, ihren Sohn in Amerika ...

Die Kinderärztin Helene Bornstein, eine Jüdin, bringt ihren Sohn Moritz vor den Nazis und deren zunehmender Verfolgung in Sicherheit. Leider gelingt es ihr erst fast 10 Jahre, 1947, ihren Sohn in Amerika wieder zu sehen. Doch ihr Sohn ist ihr fremd geworden und im neuen Land Fuß zu fassen, fällt ihr ebenso schwer. Auf der Entdeckungsreise hinein in ihr neues Leben muss sich Helene allerlei Erinnerungen aus der Vergangenheit stellen.

Der Roman „Helenes Versprechen“ stammt von der Autorin Beate Rösler. Anhand des Schicksals der jüdischen Kinderärztin Antonie Sandels baut die Autorin ihre fiktive Geschichte um die ebenso jüdische Kinderärztin Helene Bornstein im Roman auf. Hin und wieder bindet sie dabei auch andere historische Persönlichkeiten mit ein. Das Cover des Buches fand ich von Anfang an sehr ansprechend und ich assoziierte damit sofort einen historischen Roman. Darin habe ich mich nicht getäuscht. Die Geschichte bedient sich eines äußerst facettenreichen und bildhaften Schreibstils und der Leser hat bereits zu Beginn des Buches den Eindruck, dass er mittendrin als Zuschauer dabei ist. Alles ist sehr greifbar beschrieben. Die Kapitel wechseln sich zwischen der Gegenwart, also 1947, und der Vergangenheit, von 1923 bis hin zur der Machtergreifung Hitlers und der Kriegszeit, ab. Die Rückblicke beschreiben dabei sehr detailliert das historische Geschehen und sehr bedrückend und gefühlvoll, welche Auswirkungen dieses auf die jeweils handelnden Personen hat. Die Ereignisse, die die Familie Bornstein dabei erlebt, stehen somit stellvertretend für viele Menschen der Zeit, denen es ähnlich ergangen ist und die diesem Wahnsinn ausgesetzt waren. Die Charaktere sind alle sehr authentisch und man kann sie sich gut vorstellen, wie sie gelebt haben und wie sie sich den Restriktionen und den stärker werdenden Anfeindungen und Verboten beugen mussten. Da die Kapitel in ihrer Einteilung immer schrittweise Rückblicke liefern, gibt es von Anfang an eine Grundspannung. Viele Dinge werden angerissen und erst in viel späteren Kapiteln bzw. zum Ende hin aufgeklärt. Diese Verknüpfung der unterschiedlichen Erzählstränge ist der Autorin hervorragend gelungen und auch deren Zusammenführung und Auflösung am Ende des Buches.

Mich als Leserin hat das Buch sehr gefesselt und ich habe viele Abschnitte sehr schnell gelesen und förmlich verschlungen, da ich mich einerseits nur schwer von den bedrückenden Gräueltaten abwenden konnte aber andererseits natürlich wissen wollte, was Helene alles auf ihrem Lebensweg erlebt hat. Die Protagonistin war mir dabei die ganze Zeit sehr sympathisch und ich habe mit gefiebert und mit ihr mitgelitten. An manchen Stellen fand ich die Geschichte sehr düster und bedrückend geschrieben, was aber nur deren Authentizität unterstreicht. Es ist der Autorin sehr gut gelungen, den Leser in diese andere Welt zu entführen und ihn dabei eine große Bandbreite an Gefühlen empfinden zu lassen.

Mein Fazit: Es ist eine äußerst lesenswerte, zeitgenössische Geschichte, die uns nicht nur den jüdischen Glauben näherbringt, sondern ebenso auf eine schreckliche Zeit in Deutschland hinweist, die wir niemals vergessen sollten. Es ist ein genialer historischer Roman, der detailreich, gehaltvoll und voller Informationen ist, dabei aber die Emotionen nie zu kurz kommen lässt. Von mir deshalb eine absolute Leseempfehlung!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere