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Veröffentlicht am 15.09.2021

Toller Roman mit historischen Fakten versehen – allerdings noch mit Luft nach oben

Die Teehändlerin
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Im Frankfurt des Jahres 1838, es ist die sogenannte „Biedermeierzeit“, arbeitet der Teehändler Tobias Ronnefeldt. Er plant eine großartig angelegte Reise nach China, um seine Erkenntnisse in der Welt des ...

Im Frankfurt des Jahres 1838, es ist die sogenannte „Biedermeierzeit“, arbeitet der Teehändler Tobias Ronnefeldt. Er plant eine großartig angelegte Reise nach China, um seine Erkenntnisse in der Welt des Tees und der Naturforschung voranzubringen -ein großes Abenteuer zur damaligen Zeit. Seine Frau Friederike muss mit den Kindern zurückbleiben. Doch auch sie interessiert sich sehr für Tees und alles Kaufmännische, allerdings bleiben ihr nähere Einblicke verwehrt, da sie eine Frau ist. Da Tobias aber eine lange Zeit auf Reisen ist, nutzt sie die Chance, um in die Bücher des Geschäfts zu blicken und sogar später selbst einige ihrer Ideen umzusetzen. Dabei stellt sie außerdem fest, dass man ihrem Prokuristen absolut nicht trauen darf. Friederike muss sich in einer Männerdominierten Welt behaupten. Wird es ihr gelingen und Tobias unbeschadet von seiner Reise zurückkehren?

Susanne Popp beginnt mit „Die Teehändlerin“ als Band Nr. 1 die Ronnefeldt-Saga. Nach der wahren Geschichte des bekannten Teehauses Ronnefeldt, welches bis heute existiert, zeichnet sie die Anfänge des Tee- und Kolonialwarenhandels Ronnefeldts nach. Der Roman orientiert sich damit an historischen Fakten und prinzipiellen biographischen Daten. Viele der handelnden Personen im Buch haben tatsächlich gelebt oder in Frankfurt gewirkt. Das Buch kommt außerdem sehr schick aufgemacht an. Eine Karte des historischen Frankfurts ist auf dem ersten Klappendeckel abgedruckt. Im hinteren Klappendeckel findet man aus dem Archiv der Firma Ronnefeldt einige historische Fotos. Der Buchtitel ist farblich hervorgehoben und das Cover äußerst ansprechend. Dies in Verbindung mit der bekannten Teemarke Ronnefeldt, hat mich sehr neugierig gemacht und ich vermutete einen spannenden historischen Roman sowie auch einige interessante Fakten rund um den Tee. Bisher kannte ich noch kein Buch der Autorin Susanne Popp, aber ich habe bei der Lektüre dieses Buches ihren Sprachstil und auch ihre Art zu schreiben sehr liebgewonnen. Mir gefallen die detaillierten Schilderungen, die einen sofort in die Historie zurückversetzen. Außerdem wählt sie ihre Wörter mit Bedacht aus, sodass gewissermaßen ein gehobener Anspruch an die Sprache besteht und diese perfekt zur damaligen Zeit passt. Damit ist man als Leser ebenfalls sofort im Geschehen. Das Buch selbst ist in vier große Teile eingeteilt und die Kapitellänge sowie deren Überschrift im Sinne eines Tagesbucheintrags ist hervorragend gewählt. Alle Charaktere werden anschaulich beschildert, ein beigefügtes Personenverzeichnis hilft der besseren Einordnung. Die Figur der Friederike Ronnefeldt ist perfekt dazu gemacht, um die damaligen Verhältnisse der Zeit zwischen Mann und Frau anschaulich zu beschreiben und ich finde, dass sie im Buch den größten Entwicklungsschub von allen Charakteren durchläuft, denn sie entwickelt sich zu einer selbstbewussten und selbständigen Persönlichkeit und ist eben nicht mehr „nur“ die Ehefrau des Tobias Ronnefeldt. Ihre Geschichte wird sehr liebevoll erzählt, aber es gibt stellenweise ebenso Spannung, vor allem zum Ende des Buches, als sich die Ereignisse dann überschlagen. Auch ihre Gefühle werden sehr realistisch verdeutlicht.

Kritisieren möchte ich, dass es stellenweise kleine Phasen der Langatmigkeit gegeben hat, vor allem in den mittleren Abschnitten der Bücher, und die Geschichte manchmal nur langsam Fahrt aufgenommen hat. Prinzipiell hätte ich mir auch noch weitere Impressionen aus der Welt des Tees gewünscht, noch mehr Abschnitte, wie Friederike über Tee denkt, dessen Geruch und Qualität. Es fehlte an manchen Stellen das besondere, herausragende Etwas – ein kleiner Funke, der das Buch perfekt gemacht hätte. Begeistert bin ich ebenfalls nicht von gewissen Zeitsprüngen, die dann Teile der Geschichte ausgelassen hat, was sehr schade war. Viele Erzählstränge sind allerdings noch nicht zu Ende erzählt und das Buch hat zum Schluss hin nochmals Fahrt aufnehmen können. Das Ende des Band 1 ist süß gemacht. Die Ankündigung eines weiteren Bandes sowie eine beigefügte Leseprobe im Buch, lässt hoffen, dass noch einige Vorkommnisse weitergeführt bzw. aufgearbeitet werden, und diese Leseprobe hat bereits wieder durchaus Spannung herbeigeführt.

Mein Fazit: Alles in allem ist „Die Teehändlerin“ ein sehr solider und gelungener historischer Roman, welchen man so schnell nicht wieder aus der Hand legen möchte. Ich freue mich auf die Fortsetzung der Geschichte und würde sehr gern Band 2 ebenfalls lesen. Da mir aber das gewisse Etwas fehlt, vergebe ich nur sehr gute 4 von 5 Sternen, dennoch verbunden mit einer klaren Leseempfehlung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.08.2021

Bilderreich und heilsam

Ein gutes Dutzend heilende Pflanzen
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Der Mensch macht sich seit Jahrtausenden schmackhafte und auch heilende Wildkräuter zu nutze. Leider ist dieses Wissen über die Jahre Stück für Stück verloren gegangen und, anstatt die naturnahe Apotheke ...

Der Mensch macht sich seit Jahrtausenden schmackhafte und auch heilende Wildkräuter zu nutze. Leider ist dieses Wissen über die Jahre Stück für Stück verloren gegangen und, anstatt die naturnahe Apotheke zu bemühen, wird heute eher auf eine Tablette der „chemischen“ Variante zurückgegriffen. Dabei sind gerade die Wildkräuter wahre Überlebenskünstler von Generation zu Generation, denn sie wachsen immer, ganz ohne unser Zutun und sie sind voller gesunder und heilender Inhaltsstoffe. Sie gehören in vielen Fällen einfach zur umfangreichen Hausapotheke dazu.

Ähnlich wie das Buch von Katrin und Frank Hecker „Ein gutes Dutzend Wilde Kräuter – Finden & Genießen“ stellt dieses in „Ein gutes Dutzend Heilende Pflanzen – Finden & Nutzen“ nun die wichtigsten 12 Heilpflanzen vor. Umfangreich bebildert (auch mit Zeichnungen) und beschrieben lernt man jedes Kraut im Aussehen kennen und wo dieses zu finden ist. Sehr gut dazu gegenüber gestellt wird die Verwechslungsgefahr mit giftigen und/oder ungenießbaren Kräutern, ebenfalls reichlich und anschaulich mit Bildern hinterlegt. So bekommt auch der Kräuterlaie, der sich erstmalig mit Heilkräutern beschäftigen möchte, einen guten Überblick und worauf zu achten ist. Dazu gibt es auch wieder einen Hinweis auf die Verwendung des Krautes bzw. wie es am besten angewandt werden sollte.
Als ein wenig Kräuterkundige sind mir die meisten Pflanzen, die im Buch beschrieben werden, bereits sehr gut bekannt und ich kenne in meinem Umkreis ihre Wuchsorte (bzw. habe sie selbst im Garten) und nutze einige der mir bekannten Arte schon. Für Laien oder „Neulinge“ gibt es sicherlich noch viel mehr dazu zu lernen. Das Buch lädt trotzdem alle dazu ein, sich mit der Natur auseinanderzusetzen und einfach auf Entdeckungsreise zu gehen oder eine Alternative auszuprobieren. Die Bilder sind hervorragend und die Texte sind kurzgefasst, sodass sogar Lesemuffel überzeugt werden könnten. Das Buch ist handlich und eignet sich hervorragend dazu, es auf eine Wander- und Entdeckungstour als Bestimmungsbuch mitzunehmen. Besonders gut ist der hintere Klappentext des Buches, der schnelle Übersicht bietet, was bei welchen Beschwerden hilft und dann auf die jeweilige Heilpflanze verweist. Ich habe einige Anregungen erhalten können und werde sie garantiert bei Gelegenheit ausprobieren. Interessant finde ich vor allem das Kraut Mädesüß, ein wahres Heilwunder, welches unbedingt in meine Apotheke muss. Da werde ich mich auf die Suche machen.

Mein Fazit: Ein sehr gelungenes und umfassendes Büchlein für den Einstieg in die Welt Heilkräuter, nicht zu überladen, nicht zu viele Pflanzen auf einmal sondern konzentriert auf das Wesentliche! Dies hat mich sehr überzeugt und es gibt für Interessenten eine klare Lese- und Probierempfehlung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.08.2021

Bilderreich und lecker

Ein gutes Dutzend wilde Kräuter
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Der Mensch macht sich seit Jahrtausenden schmackhafte und auch heilende Wildkräuter zu nutze. Leider ist dieses Wissen über die Jahre Stück für Stück verloren gegangen und, anstatt die naturnahe Apotheke ...

Der Mensch macht sich seit Jahrtausenden schmackhafte und auch heilende Wildkräuter zu nutze. Leider ist dieses Wissen über die Jahre Stück für Stück verloren gegangen und, anstatt die naturnahe Apotheke zu bemühen oder die Gerichte mit außergewöhnlicheren Zutaten zu verfeinern, wird heute eher auf eine Tablette der „chemischen“ Variante zurückgegriffen oder eben auf Fertiggerichte. Dabei sind gerade die Wildkräuter wahre Überlebenskünstler von Generation zu Generation, denn sie wachsen immer, ganz ohne unser Zutun und sie sind voller gesunder Inhaltsstoffe (Mineralstoffe, Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe usw.).

Ähnlich, wie das Buch von Katrin und Frank Hecker „Ein gutes Dutzend Wilde Kräuter – Finden & Genießen“ stellt dieses in „Ein gutes Dutzend Heilende Pflanzen – Finden & Nutzen“ nun die wichtigsten 12 genießbaren Wildkräuter vor. Umfangreich bebildert (auch mit Zeichnungen) und beschrieben lernt man jedes Kraut im Aussehen kennen und wo dieses zu finden ist. Sehr gut dazu gegenüber gestellt wird die Verwechslungsgefahr mit giftigen und/oder ungenießbaren Kräutern, ebenfalls reichlich und anschaulich mit Bildern hinterlegt. So bekommt auch der Kräuterlaie, der sich erstmalig mit Heilkräutern beschäftigen möchte, einen guten Überblick und worauf zu achten ist. Absolut Appetit anregend sind die jeweiligen Erklärungen zur Verwendung des Krautes sowie leckere Rezepte dazu, die zum Ausprobieren einladen.
Als ein wenig Kräuterkundige waren mir einige Pflanzen, die im Buch beschrieben werden, bereits sehr gut bekannt und ich kenne in meinem Umkreis ihre Wuchsorte (bzw. habe sie selbst im Garten). Für Laien oder „Neulinge“ gibt es sicherlich noch viel mehr dazu zu lernen. Das Buch lädt trotzdem alle dazu ein, sich mit der Natur auseinanderzusetzen und einfach auf Entdeckungsreise zu gehen. Die vielen Bilder sind hervorragend und die Texte sind kurzgefasst, sodass sogar Lesemuffel überzeugt werden könnten. Das Buch ist handlich und eignet sich hervorragend dazu, es auf eine Wander- und Entdeckungstour als Bestimmungsbuch mitzunehmen.

Mein Fazit: Ein sehr gelungenes und umfassendes Büchlein für den Einstieg in die Welt der schmackhaften Wildkräuter.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.08.2021

Es hätte ein guter Ratgeber sein können…

Frauenblut
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Das Buch „Frauenblut“ von Manuela Kloibhofer versteht sich als „Dein Ratgeber für die Menstruation“. Im Klappentext wird angesprochen, um was es geht: Alles über den Zyklus und dessen Gesundheit, Hilfen ...

Das Buch „Frauenblut“ von Manuela Kloibhofer versteht sich als „Dein Ratgeber für die Menstruation“. Im Klappentext wird angesprochen, um was es geht: Alles über den Zyklus und dessen Gesundheit, Hilfen bei Regelbeschwerden, Tipps und Tricks zur Selbstfürsorge, alles rund um das Thema Menstruationsprodukte. Die Autorin selbst ist praktizierende Psychologin, Kräuterexpertin und Hara Shiatsu-Praktikerin und behandelt in ihrer Praxis Frauen ganzheitlich zu den genannten Themen.

Das Buch verspricht ein sehr guter Ratgeber zu werden, zum einen, was den Zyklus und die „Basics“ sozusagen an sich angeht, als auch Hilfen und Alternativen bei Beschwerden anzubieten. Ebenso lädt das farbenfrohe Cover des Buches dazu ein. Dementsprechend war ich gespannt auf das Buch und hoffte (obwohl ich meist diesbezüglich beschwerdefrei bin) noch einige kleine Tipps und Anregungen mitzunehmen. Das Buch beginnt meiner Meinung nach recht interessant, in dem die Menstruation aus der Historie heraus beleuchtet wird. Zudem werden zahlreiche Tabus, Aberglauben und Mythen beleuchtet, die sich rund um das Thema ranken. Der erste Abschnitt des Buches ist sehr ausführlich und an manchen Stellen ziemlich abschweifend, dennoch gut gelungen. Es zeigt sich bereits hier beim Schreibstil der Autorin, dass sie sehr sprunghaft ist und versucht ihr gesamtes Wissen in diese Zeilen zu packen. So wirkt es bisweilen überladen und manchmal kann man dem ganzen gar nicht folgen und muss es 2x lesen. Da es außerdem sehr ausführlich ist, kann man sich ebenfalls nicht alles sofort merken. Der zweite Abschnitt des Buches befasst sich mit der Anatomie der weiblichen Geschlechtsorgane und beleuchtet zudem detailliert alle Hormone des weiblichen Körpers. Diese Abhandlung ist wissenschaftlich sehr gut gelungen und lädt wohl hin und wieder auch zum Nachschlagen im Werk ein. Im nächsten Abschnitt des Buches beginnt dann das eigentliche Thema Menstruation und Zyklus. Leider verliert das Buch nun zunehmend seinen Charakter als Ratgeber und gleitet auf die spirituelle Ebene ab. Für Frauen, die es eher wissenschaftlich mögen und dazu nicht unbedingt einen Zugang haben, ist es eher schwierig zu folgen und für mich schien manches „an den Haaren herbeigezogen“. Genauso verhält es sich in den nächsten Abschnitten zu Zyklusstörungen und Beschwerden sowie zu Heilmitteln des Zyklus. Die Autorin versucht zwar die ganzheitliche Ebene abzubilden, allerdings kaum wissenschaftlich, sondern sehr esoterisch und es stellt sich in ihrem Schreibstil sehr schnell heraus, was sie persönlich für das Beste hält. Prinzipiell positiv anzumerken ist, dass die Autorin immer wieder darauf verweist, dass wir offener im Umgang mit dem Zyklus und der Menstruation werden sollten und dies kein Thema ist, vor dem man sich ekeln sollte. Dieser Grundtenor des Buches ist sehr löblich. Ebenfalls sehr gut gelungen sind die kleinen hervorgehobenen Info-Kästchen im Buch, die nochmals etwas zum Thema zusammenfassen. Punkten kann bei mir ebenfalls der Abschnitt zu Heilkräutern und wie diese zum Lindern von Beschwerden beitragen können, da ich sehr an Kräuter(heil)kunde interessiert bin. Im letzten Abschnitt des Buches zu den Produkten für die Monatshygiene sowie des sich anschließenden Nachworts, übertreibt es die Autorin aber gewaltig. Von einem Sachbuch ist nichts mehr zu erkennen. Wir erfahren zu unserem Erschrecken, dass Tampons absoluter Mist sind (und dabei wird wissenschaftlich noch nicht mal etwas zum Toxischen Schocksyndrom erläutert- leider!!!) und dass die Pille erst recht ein Teufelsinstrument ist. Ich muss ehrlich sagen, trotz einiger positiver Aspekte und Anregungen, sich wirklich einmal mit dem Thema und seinem eigenen Körper auseinander zu setzen, ist dies für einen Ratgeber ein absolutes No-Go. Es hätte sich gehört, dass man nicht nur alle Alternativen beleuchtet, sondern sachlich ein Pro und Kontra dazu abliefert. Ich hatte mir wirklich erhofft einen Ratgeber in die Hand zu bekommen, den man später einmal mit seiner Tochter lesen und besprechen könnte. Allerdings weit gefehlt- da erkläre ich ihr die Grundlagen lieber selbst, anstatt sie einer Gehirnwäsche (und nichts anderes ist es in manchen Teilen des Buches) zu unterziehen.

Mein Fazit: Es hätte gut werden können, allerdings bin ich ein eher wissenschaftlicher Typ und kann mit Hokuspokus nichts anfangen, deshalb tut es mir leid, dass ich keinen besseren Zugang zum Buch finden konnte- ich gehöre einfach nicht zur Zielgruppe des Werkes. Auch der Schreibstil der Autorin hat mich stellenweise genervt und dass sie ihre Meinungen so unverblümt mitteilt. Ich kann das Buch daher nicht weiterempfehlen aber vergebe für die positiven Aspekte gut gemeinte 2 Punkte.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.08.2021

Großartiges, emotionales Werk über Schicksale während der NS-Zeit, die starke Auswirkungen auf mehrere Familien haben

Ein neuer Morgen für Samuel
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In Paris des Jahres 1944 nimmt die Judenverfolgung an Fahrt auf. Auch Sarah und David, beide Juden, werden verfolgt und schließlich inhaftiert und in das Lager in Drancy gebracht. Von dort aus sollen sie ...

In Paris des Jahres 1944 nimmt die Judenverfolgung an Fahrt auf. Auch Sarah und David, beide Juden, werden verfolgt und schließlich inhaftiert und in das Lager in Drancy gebracht. Von dort aus sollen sie nach Auschwitz deportiert werden. In ihrer größten Not gibt Sarah ihr Neugeborenes dem Gleisarbeiter Jean-Luc, der in Drancy arbeitet und fleht ihn an, ihren Sohn Samuel in Sicherheit zu bringen und zu retten. Jean-Luc stellt sich der Herausforderung und flieht gemeinsam mit seiner Partnerin Charlotte von Frankreich in die USA. Dort beginnen die 3 ein neues Leben als Familie. Als sie erfahren, was in Auschwitz geschehen ist, glauben sie nicht, dass Sarah und David noch leben könnten und suchen auch nicht weiter nach ihnen. Doch es kommt alles anders. Sarah und David suchen währenddessen 9 Jahre ihren Sohn, den sie dann 1953 in den USA ausfindig machen können. Es beginnt eine sehr emotionale und bewegte Reise für alle Beteiligten. Wie wird Samuel mit seiner Abstammung und den Veränderungen in seinem Leben umgehen können?

Der Roman „Ein neuer Morgen für Samuel“ stammt von der Autorin Ruth Druart. Es handelt sich dabei um ihren Debütroman. Seit 1993 in Paris lebend, hat sie sich immer wieder vorgestellt, wie es wäre, unter deutscher Besatzung leben zu müssen, woher die Idee für diesen Roman rührt. Das Cover des Buches fand ich von Anfang an sehr ansprechend und ich assoziierte damit sofort einen Roman, der zum einen historisch ist und zum anderen wohl aus den 40er Jahren stammt.
Die Geschichte an sich ist äußerst facettenreich und spannend geschrieben. Das liegt vor allem daran, dass auf mehrere Erzählstränge zurückgegriffen wird. Die Handlung spielt sowohl 1953 als auch 1944. Zudem wird immer aus verschiedenen Sichtweisen der Hauptcharaktere geschrieben, was dem Leser einen äußerst guten Blick auf die Gefühlswelt des jeweiligen Protagonisten liefert. Der Schreibstil ist angenehm, flüssig und sehr gut und schnell zu lesen. Durch die kurzweiligen Kapitel und häufigen Wechsel zwischen den verschiedenen Perspektiven, wird die Spannung hochgehalten. Prinzipiell möchte der Leser einfach wissen, wie es weitergeht. Die Verknüpfung der unterschiedlichen Erzählstränge ist der Autorin hervorragend gelungen und auch deren Zusammenführung und Auflösung am Ende des Buches ist beispielhaft.

Die Charaktere sind insgesamt alle authentisch und man kann sich ihre Geschichte sehr gut vorstellen und in sie hineinversetzen, wobei sich hier meiner Meinung nach schon Präferenzen auftun können. Als Leserin fühlte ich immer mehr mit für Samuels „Adoptiveltern“ als für seine eigenen. Die Gesamtgeschichte ist so emotionsgeladen beschrieben, dass man manchmal förmlich dazwischen springen möchte. Auch der Umgang der damaligen Behörden, mit solchen „Findelkindern“, die liebevoll bei anderen Eltern groß geworden sind, ist erschreckend, ganz davon abgesehen das rein psychologische Verständnis für das Kind. Ich habe sehr mit Samuel gelitten, der als Konsequenz aus seinem alten Leben voller Freiheiten gerissen wurde, um Hals über Kopf zu seinen leiblichen Eltern zurück kehren zu müssen. Mein Mutterherz war sehr berührt und gleichzeitig so sauer auf die Verantwortlichen. Mich als Leserin hat das Buch insgesamt sehr gefesselt und ich habe es recht schnell gelesen. Es ist der Autorin sehr gut gelungen, den Leser in diese andere Welt zu entführen und diese auch zum Teil durch die Augen eines Kindes erleben zu lassen, und ihn dabei eine große Bandbreite an Gefühlen empfinden zu lassen. Etwas schade ist, dass einige Personen und Erzählstränge im Buch angesprochen worden sind, aber leider nicht aufgelöst worden ist, was mit diesen geschehen ist.

Mein Fazit ist dennoch durchweg positiv: Es ist eine äußerst lesenswerte, zeitgenössische Geschichte, die uns an die Gräueltaten der NS-Zeit auf eine besondere Art und Weise hinweist, indem sie die Schwächsten, die Kinder, mit ins Spiel bringt. Emotional, berührend, länger nachhallend geschrieben – absolute Leseempfehlung!

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema