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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.10.2023

Verworrene und zähe Familiengeschichte

Porträt auf grüner Wandfarbe
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Gwen begibt sich nach dem Mauerfall auf Spurensuche zu ihrer Familiengeschichte. Ihre Reise führt sie nicht nur nach Ostdeutschland, sondern auch nach Pommern. Stück für Stück entwirrt sie die kleinen ...

Gwen begibt sich nach dem Mauerfall auf Spurensuche zu ihrer Familiengeschichte. Ihre Reise führt sie nicht nur nach Ostdeutschland, sondern auch nach Pommern. Stück für Stück entwirrt sie die kleinen Puzzleteile, die allerlei Überraschungen bereithalten.
Elisabeth Sandmann beschreibt in ihrem Buch „Porträt auf grüner Wandfarbe“ eine sehr vielfältige Familiengeschichte in kurzweiligen Kapiteln. Sprachlich ist der Roman recht ausgewogen und springt zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her. Die Vergangenheit wird hauptsächlich über tagebuchähnliche Aufzeichnungen oder Briefe dargestellt, was mir sehr gut gefallen hat. Der Erzählstil könnte dennoch etwas spannender sein. Durch eine Vielzahl von handelnden Figuren muss man anfangs erstmal den roten Faden finden. Dennoch bleibt im Kopf beim geübten Leser eine Art Einheitsbrei zurück und die Spannung baut sich nur sehr mühselig auf, da man ständig überlegen muss, wer wer ist und wie die Personen miteinander verwandt oder verbunden sind. Die Auflösung der Familiengeschichte ist insgesamt auch sehr mühselig, ich habe jedenfalls das Gefühl, dass weniger mehr gewesen wäre. Die Charaktere überzeugen mich nicht und bleiben bis auf Ilsa als schillernde Persönlichkeit sehr blass. Außerdem habe ich ewig gebraucht, das Buch insgesamt zu lesen, sodass dies schon allein ein Zeichen mangelhafter Spannung ist.
Mein Fazit: Sehr schade, Geschichten rund um ein Familiengeheimnis interessieren mich doch sehr, allerdings hat mir extrem die Spannung gefehlt und dass die Autorin schneller auf den Punkt gekommen wäre. Ich vergebe in diesem Fall nur rein durchschnittliche 3 Sterne. Jeder, der historische Familiengeschichten mag, sollte sich selbst ein Bild vom Buch machen.

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Veröffentlicht am 13.09.2023

Sehr aktueller und lehrreicher Gesellschaftsroman

Das leise Platzen unserer Träume
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Jule und Hellen – zwei Frauen, die zunächst nichts miteinander zu tun haben, lediglich eine Gemeinsamkeit: Sie verkehren bzw. „lieben“ den gleichen Mann. Jule und David haben sich schon länger in ihrer ...

Jule und Hellen – zwei Frauen, die zunächst nichts miteinander zu tun haben, lediglich eine Gemeinsamkeit: Sie verkehren bzw. „lieben“ den gleichen Mann. Jule und David haben sich schon länger in ihrer Ehe nichts mehr zu sagen. Der Kinderwunsch ist ausgeblieben, die sexuellen Bedürfnisse sind eingeschlafen bzw. können nicht mehr gegenseitig erfüllt werden und das Haus auf dem Land, welches ihr gemeinsamer Traum war, ist nun wohl eher für Jule der Lebensinhalt, während sich David in seine Arbeit flüchtet. Daneben gibt es Hellen, alleinerziehende Mutter zweier Kinder, nach ihrer gescheiterten Ehe eher auf der Suche nach einer leichten Beziehung. Es kommt, wie es kommt, Hellen und David beginnen eine Affäre, doch in einem anderen Leben könnte auch Hellen die beste Freundin von Jule sein, denn beide sind sich doch unbewusst sehr ähnlich.
Das Buch „Das leise Platzen unserer Träume“ stammt von der Autorin Eva Lohmann. Das Cover mit den Äpfeln ist sehr schlicht gehalten und hat mich dennoch angesprochen, da ich mich fragte, welche Geschichte sich dahinter verbirgt. In das Buch kommt man recht schnell und der Schreibstil ist sehr modern. Besonders hervorzuheben sind die unterschiedlichen Erzählperspektiven. Während sich die Kapitel von Jule und Hellen abwechseln, wird über Jule in der Erzähler-Form berichtet, während Hellen aus der persönlichen Ich-Form heraus lebt. Die schnelle Abfolge der Kapitel macht das Lesen sehr kurzweilig und zudem sehr interessant. An vielen geschilderten Stellen möchte man förmlich zwischen Jule und David dazwischen springen, um sie wach zu rütteln, dass sie sich endlich trennen sollten, an anderen Stellen kann man sich durchaus damit identifizieren, dass sie versuchen das Beste aus ihrer Situation zu machen und nicht alles aufzugeben. Die Beschreibungen sind äußerst realistisch, manchmal vielleicht nicht konsequent spannend genug, sondern driften ein wenig in die ausschweifende Schiene, da oft Banalitäten den eigentlichen Alltag bestimmen. Letztendlich kann man diese aber als Spiegelbild der Beziehung von Jule und David verstehen, denn auch deren gemeinsamer Alltag beruht nur noch auf Bagatellen und eher keinen tiefgründigen Erzählungen. Prinzipiell ist ein leichter Spannungsbogen erkennbar, den es hier aber nicht vollständig braucht, viel mehr geht es doch um die Personen und ihre Empfindungen und die sind an sich schon sehr interessant, da jede Figur natürlich anders denkt. Ich muss sagen, dass die Darstellung der Gefühlswelten sehr gut gelungen ist. Auch wenn ich mich schlussendlich mit keiner der Frauen identifizieren kann, ist dieses Buch doch ein hervorragendes Beispiel dafür, wie das Leben spielen kann und man es dennoch in der Hand hat zu ändern.
Mein Fazit: Der Roman hat mich sehr gut unterhalten, konnte aber mit seinem schnellen Ende nicht bei mir punkten. Ich vergebe daher sehr gute 4 Sterne.

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Veröffentlicht am 13.09.2023

Anziehung pur oder werden die Beiden sich kriegen?

Vom Ende der Nacht
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Will und Rosie lernen sich bereits zu Schulzeiten kennen und schätzen, doch als Rosies Bruder Josh bei einem tragischen Unfall ums Leben kommt, trennen sich ihre Wege. Allerdings werden sich ihre Wege ...

Will und Rosie lernen sich bereits zu Schulzeiten kennen und schätzen, doch als Rosies Bruder Josh bei einem tragischen Unfall ums Leben kommt, trennen sich ihre Wege. Allerdings werden sich ihre Wege immer wieder kreuzen. Rosie, die wohlbehütet aufgewachsen ist und Will, der ungestüme Charakter – die Gegensätze ziehen sich an und doch wieder nicht. Eine Reihe von Missverständnissen, komplizierten Konstrukten und Zufällen führt sie am Ende dann doch mehr oder weniger zusammen, aber nicht ohne Hindernisse.
Das Buch „Vom Ende der Nacht“ stammt von der Autorin Claire Daverley. Das Cover finde ich schlicht und passend zur Kennenlerngeschichte von Rosie und Will. Der Schreibstil ist modern und die Geschehnisse kommen bereits am Anfang sehr gut voran. Die Geschichte zwischen den Beiden entwickelt sich langsam und zart, aber durchaus verheißungsvoll. Leider sorgt nach dem ersten Drittel das Unglück für ein zunehmendes Düsterwerden des Buches und auch vom Schreibstil wirkt es sich sehr nachteilig aus. Ich empfand den Schreibstil zunehmend als gewollt und sprunghaft, beinahe nervig. Das Hin und Her zwischen Rosie und Will passt zu unserer heutigen Zeit und beinahe jeder hat wohl jemandem im Kopf (oder sich selbst), der so etwas erlebt hat und wo man sich auch Jahre danach noch irgendwie auf einer Wellenlänge befindet. Die Kapitel sind mir stellenweise zu lang, es wird langatmig und die Geschichte geht nicht so zart und berührend voran, wie am Anfang des Buches. Einen Spannungsbogen erkenne ich nicht wirklich, es geht eben nur um on-off, on-off und on-off, eingebettet in viel zu viele konstruierte Unglücke bzw. unglückliche Lebensumstände.
Leider hat mich das Buch zum Ende hin nicht abholen können und hat nicht wirklich gepunktet. Für mich ist zwar insbesondere die Idee einer besonderen Beziehung hervorzuheben, die Ausführung ist allerdings durchweg mangelhaft und unspektakulär, sodass ich auch ewig gebraucht habe dieses Buch zu lesen.
Mein Fazit: Ich vergebe 2 Sterne für die Idee und für die anfänglich gut ausgewogenen sprachlichen Fähigkeiten der Autorin, die dann aber schnell nachlassen und aufgrund des Gesamtkonstrukts der Geschichte unglaubwürdig sind.

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Veröffentlicht am 18.06.2023

Schweres Werk

Hammaburg
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Die Hammaburg wird 845 von Wikingern überfallen, ein Großteil der Bewohner wird ermordet oder entführt. Einer von ihnen ist Mathes, der nun als Sklave zu den Dänen kommt und von ihnen verschleppt wird. ...

Die Hammaburg wird 845 von Wikingern überfallen, ein Großteil der Bewohner wird ermordet oder entführt. Einer von ihnen ist Mathes, der nun als Sklave zu den Dänen kommt und von ihnen verschleppt wird. Er gibt sich als Kämpfer und hat sein Mundwerk am rechten Fleck, sodass die Dänen ihn am Leben lassen und als einen der ihren formen wollen. Allerdings möchte er auch seine Mutter und seine kleine Schwester befreien und fällt damit den Wikingern eigentlich in den Rücken.
Das Buch „Hammaburg“ stammt von Wilfried Eggers. Das Cover finde ich sehr gelungen und der Klappentext hat mich, aufgrund des historischen Romans, einfach neugierig gemacht. Das Buch ist ein ziemlich großes Werk und ganz so einfach abtauchen in den Roman geht nicht. Der Anfang, auch aus den verschiedenen Perspektiven erzählt, ist sehr interessant und der Überfall auf die Hammaburg grausam. Insgesamt werden die kriegerischen Szenen sehr blutrünstig und detailliert beschrieben, allerdings auch ohne jegliche Form der Emotion. Der Sprachstil des Buches ist gehoben und es kommen auch Fremdwörter bzw. auch Wörter in den anderen Sprachen darin vor. Leider fiel es mir schwer aufgrund der Vielzahl an Personen den Überblick zu behalten und besonders spannend fand ich das Buch eben auch nicht. Zäh flossen die Kapitel vor sich hin, bis ich es schlussendlich abgebrochen habe und nur noch das Ende gelesen habe. Mir war auch leider keine der Protagonisten besonders sympathisch, noch konnte ich Mathes verstehen, der zum einen Wikinger rettet und zum anderen wieder Geiseln befreit und ihnen damit in den Rücken fällt. Meiner Meinung nach hat er sehr viel Glück gehabt, dass er es überlebt hat, aber so richtig ins Bild passen will es für mich nicht. Mir fehlen auch hier jegliche Emotionen oder Gefühlslagen der Hauptfigur.
Mein Fazit: Sehr schade, als großer Fan von historischen Romanen, bin ich mit dem Roman nicht zufrieden und sogar sehr enttäuscht, da er für mich absolut nichts Spannendes rüberbringen kann und einfach nur ein zäher Schinken ist. Ich kann ihn daher leider nur mit 1 Stern bewerten.

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Veröffentlicht am 18.06.2023

Authentische Lebensgeschichte

Kranzgeld
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Josef und Marie lieben sich und bekommen ein Kind. Das Problem: Marie als Magd steht unter Josef als Großbauer, der, um den elterlichen Hof erhalten zu können, eine Frau mit großer Mitgift heiraten muss. ...

Josef und Marie lieben sich und bekommen ein Kind. Das Problem: Marie als Magd steht unter Josef als Großbauer, der, um den elterlichen Hof erhalten zu können, eine Frau mit großer Mitgift heiraten muss. So heiratet er Fanny und Marie will sich das Leben nehmen, wird aber von Sebastian gerettet, der fern ab von jeglicher Zivilisation im Wald lebt. Mit ihm führt sie ein sehr einfaches Leben, kann aber Josef nicht vergessen.
Das Buch „Kranzgeld“ stammt von Irene Zimmermann, die ich vorher nicht kannte als Autorin. Der Titel und die Handlung über einfache bäuerliche Verhältnisse am Ende des 19. Jahrhunderts haben mich neugierig gemacht. Tatsächlich kann man das Buch als eine Art Zeitzeugnis verstehen, denn die Autorin hat den Lebensweg ihrer Urgroßmutter skizziert. Das Buch ist recht kurzweilig und schnell taucht man in die damalige Zeit ab. Die Protagonisten sind alle authentisch, auch wenn man nicht jede ihrer Handlungen nachvollziehen und verstehen kann, denn die Zeiten sind heute um einiges anders als damals. Tatsächlich ist der Titel „Kranzgeld“ ein alter Begriff für die Zahlung von Geld an eine ehemalige Verlobte, da diese bei Lösung der Verlobung entehrt wird und eher nur schwer heiraten kann. Auch das ist heutzutage vermutlich undenkbar. Deshalb ist das Buch ein toller, historischer Roman. Allerdings hat mir der Sprachstil nicht gefallen, vieles wirkt sehr abgehakt und dann wiederum gab es Längen, die die spannenden Ereignisse nicht überlagern konnten. Die Geschichte bekommt damit einen hölzernen Grundtakt, der mir nicht so gut gefallen hat.
Mein Fazit: Der Roman ist sehr authentisch und interessant zu lesen, allerdings ist er sprachlich in meinen Augen unausgewogen und springt zu sehr hin und her. Ich vergebe daher leider nur durchschnittliche 3 Sterne.

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