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Veröffentlicht am 10.10.2019

Ein mörderisches Klassentreffen...

Hüttenkatz
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Plötzlich war’s wieder vorbei mit Hannis Ruhe. (…) „Der Brandner Kaspar und der Tod“, flüsterte sie, verdrehte die Augen und sackte in seine Arme. (…)
In diese gespenstische Stille hinein meldete sich ...

Plötzlich war’s wieder vorbei mit Hannis Ruhe. (…) „Der Brandner Kaspar und der Tod“, flüsterte sie, verdrehte die Augen und sackte in seine Arme. (…)
In diese gespenstische Stille hinein meldete sich plötzlich Frau Merkel. >>Yeah, mein schwarzer Bruder ist gekommen, jetzt geht der Spaß erst richtig los.<<

Eigentlich fährt Steinböck nur zu einem gemütlichen Klassentreffen. Das einzig außergewöhnliche: Es findet auf einer einsamen Berghütte statt und niemand weiß genau, wer es organisiert hat. Ach ja, und die Katze Frau Merkel hat sich selber dazu eingeladen – aber das ist eigentlich schon wieder gewöhnlich.
Doch ehe sie es sich versehen, wird tief in der Vergangenheit gegraben, aktuelle Verfehlungen angeprangert – und die Anzahl der noch lebenden Klassenkameraden dezimiert sich schlagartig… Wie soll Steinböck diese Morde aufklären? Gut, dass er sein Team inklusive der etwas eigenwilligen Katze rund um sich hat!

Ich gestehe alles – ich bin Wiederholungstäterin! Wenn rund um Steinböck gemordet wird, bin ich in der ersten Reihe mit dabei!
Was diese Krimis so besonders macht? Da hätten wir einerseits ein absolut unschlagbares Ermittlerteam: Steinböck, dessen Vornamen nicht genannt werden darf, den absolut politisch korrekten Emil, ein stark pigmentierter Rollifahrer, seine Kollegin Ilona Hasleitner und die Katze Frau Merkel. Manche Menschen können quasi die Gedanken der Saukatz lesen – was sie gerne auch zu ihrer eigenen Belustigung ausnutzt und Steinböck den Ruf eines komischen Kauzes eingebracht hat. Manchmal hilft sie auch bei den Ermittlungen – aber wirklich nur, wenn es ihr grade gut in den Kram passt. Ansonsten ist sie auch gerne mal ungewöhnlich schweigsam, wenn sie wichtige Beobachtungen gemacht hat.
Auf der anderen Seite einen realistischer Mord mit glaubwürdigen Motiven, authentischen Ermittlungen in einem flüssig-unterhaltsamen Stil mit jeder Menge Humor erzählt.
Diesmal mischen auch noch sehr unterschiedliche und interessante Charaktere in Form von Steinböcks ehemaligen Klassenkameraden mit. Sei es der „doch nicht so Bio“-Bauer Waldmeister, die sehr Bio-Gras-rauchende Hanni oder der dubiose Halbkriminelle Obstler, den man schon aus den Vorbänden kennt. Das verspricht einen unterhaltsamen Krimiabend! Sehr lesenswert!


Veröffentlicht am 02.10.2019

All I want for Christmas, is ... dieses Buch!

Stille Nacht, flauschige Nacht
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„Ja, stimmt, ich habe kürzlich ein kleines Schwätzchen mit Petrus gehalten und ihn gebeten, ein bisschen am Wetter zu drehen. (…) Als Dankeschön kriegt er bis Weihnachten regelmäßig Kostproben von meinem ...

„Ja, stimmt, ich habe kürzlich ein kleines Schwätzchen mit Petrus gehalten und ihn gebeten, ein bisschen am Wetter zu drehen. (…) Als Dankeschön kriegt er bis Weihnachten regelmäßig Kostproben von meinem Gebäck.“
„Du hast Petrus bestochen?“ Santa Claus riss empört die Augen auf.
Seite 424

Joel schreibt einen Brief an den Weihnachtsmann: Er möchte einen Hund und… sein Papa Patrick Sternbach arbeitet zu viel und Joel hat Angst, dass er und seine Zwillingsschwester Jessica zurück zu den Großeltern und ins Internat müssen… Da wäre es doch toll, wenn sein Papa jemanden hätte, der ihn bei all dem unterstützt.
Es ist zwar erst Oktober, aber da muss Santa mit seiner Frau und den Elfen dringend eingreifen!
Gut, dass Patrick mittlerweile schon einen Hund aus dem Tierheim geholt hat, so ist ein Punkt erledigt und vielleicht kann Oskar die weihnachtliche Mission ja unterstützen?

Ok, eine vorweihnachtliche Liebesgeschichte, in der wir in kurzen Einschüben Santa und seine Elfen bei der Arbeit beobachten und ein Hund, dessen Gedanken wir in Auszügen lesen können?! Normalerweise würde ich sofort Kitschalarm ausrufen!
ABER… bei Petra Schier werden diese Elemente zu einem absoluten Winter-Wohnfühl-Roman, den ich in einem verschlungen habe! Ihre jährlich erscheinenden Weihnachtsbücher finden alle in derselben kleinen Stadt statt, sind nur lose miteinander verbunden und auch für Neueinsteiger gut geeignet. Aber als Wiederholungstäter freut es mich immer wieder, bekannte Namen zu lesen!
In diesem eigenständigen Roman treffen wir wieder auf die Großfamilie Sternbach, die wir schon vergangenes Jahr kennenlernen durften. Patrick steckt bis zum Hals in Arbeit und auch das von den Großeltern Meininger auf die Matte gerufene Jugendamt macht ihm das Leben schwer. Da trifft es sich gut, dass Lauras Freundin Angelique gerade eine Auszeit im Ort macht. Die als „Tausendprozentig“ bezeichnete könnte als Assistentin der Geschäftsleitung Ordnung in sein Chaos bringen. Wenn Patrick es zulässt und ein paar Zügel aus der Hand gibt… und wenn nicht jedes Mal die Emotionen hochkochen, wenn die zwei aufeinanderprallen.
Und Angelique ist schon eine Person für sich. Mit absolutem Selbstvertrauen und langjähriger Erfahrung dreht sie binnen kurzer Zeit Patricks Büro – und sein Gefühlsleben – auf links, verweist Lieferanten in ihre Schranken, legt sich mit Meiningers Anwalt an und gewinnt rasch das Vertrauen von Patricks Zwillingen. Hat man sich erst Mal an ihren Namen gewöhnt genießt man es, ihr dabei zuzusehen, wie sie durch das Geschehen wirbelt!
Natürlich kommt dabei auch die Vorweihnachtszeit nicht zu kurz. Wir dürfen gemeinsam Kekse backen, Schneeballschlachten austragen und das ein oder andere Weihnachtslied bekommt man beim Lesen auch in den Kopf gezaubert! Ob das wohl das Wirken von Santas Frau ist?

Ein Buch zum „In-Weihnachtsstimmung-Kommen“, sich verlieben und einfach nur winterlich wohlfühlen!



Veröffentlicht am 28.09.2019

Ausgsteckt is...

Herbstblüten und Traubenkuss
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„Wie soll er das ohne dich schaffen?“ Sie lächelte. „Er kann das.“ Es sind nur diese drei kurzen Wörter, doch sie sagt sie so überzeugt, dass ich ebenfalls daran glaube.
Seite 276

Nachdem Mona ihren ...

„Wie soll er das ohne dich schaffen?“ Sie lächelte. „Er kann das.“ Es sind nur diese drei kurzen Wörter, doch sie sagt sie so überzeugt, dass ich ebenfalls daran glaube.
Seite 276

Nachdem Mona ihren Job und ihre Wohnung verloren hat, schläft sie im Kinderbett ihrer Freundin. Höchste Zeit, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen! Kurzerhand bewirbt sie sich in einer Detektei.
Ihr Auftrag und gleichzeitig ihre Bewährungsprobe: Oliver Feeberger wieder zurück ins großelterliche Weingut zu bringen.
Tatsächlich findet sie ihn schon nach kurzer Zeit, doch er weigert sich, ohne sie dorthin zu gehen. Und so beginnt für das Stadtkind Mona ein 2monatiges Praktikum im Familienbetrieb der Feebergers…

Dieses Buch hat mich wohl genau zur richtigen Zeit erreicht… Denn noch während des Lesens hat es mich in eine Weinregion verschlagen, in der ich als Kind viel Zeit verbracht habe und auch bei der Lese helfen durfte. Aber auch ohne diese Spaziergänge im Weingarten katapultiert „Herbstblüten und Traubenkuss“ den Leser sofort ins herbstliche Wien und bringt einem den Zusammenhalt in einem Familienbetrieb näher. Auch lernen wir viel Wein und über die kulinarischen Genüsse in einem Buschenschank – durchzogen von authentischen Rezepten. Eine Besonderheit, die mir nicht neu ist, die ich aber immer wieder gerne in Büchern sehe.
Mona ist ein herzensguter Mensch, fast etwas zu herzensgut und so wirkt es manchmal, als wäre sie schwach und würde sich herumschubsen lassen. Ich selbst habe sie als starke Frau empfunden, die die Chance hat, in ein Leben fernab von dem, in das sie geboren wurde, kennenzulernen. Und diese Chance auch nutzt.
Sie ist in einem lieblosen Haushalt mit zwei Zahnärzten als Eltern aufgewachsen, deren einzige Erwartung an sie es ist, ihre Nachfolge anzutreten. Der einzige Wunsch, den sie ihnen nicht erfüllen will, denn ihre Welt sind die Zahlen.
Was für eine Ironie, dass ausgerechnet Mona nun Oliver überreden soll, das familiäre Weingut zu übernehmen. Denn nach einem schweren Schicksalsschlag vor fünf Jahren hat dieser die Familie überstürzt und ohne ein Wort verlassen. Dennoch wird er von den meisten herzlichen aufgenommen und fühlt sich sofort wieder in seinen Weinbergen zu Hause. Ein Gefühl, das ich nur zu gut verstehen kann.
Doch das Leben wäre nicht das Leben ohne Überraschungen. Und so hält auch diese Geschichte einige Herausforderungen für die Protagonisten bereit, sorgt für Missverständnisse und Beschuldigungen, die Mona meist stoisch über sich ergehen lässt. So herzlich sie vom Großteil der Familie aufgenommen wird, so hinterhältig versuchen andere, sie zu vertreiben.
Hätte ich mir hier mehr Ellbogeneinsatz von ihr gewünscht, wie manch anderer Leser?
Nein, denn Mona ist eine ruhige, gelassene Person, die weiß, wann stiller Protest wirkungsvoller ist als lautes Gebrüll.
So wunderbar die Beschreibungen der Gegend, des Essens, der Arbeit in sengender Sonne und klirrender Kälte waren, bei den Personen hat mir dieses runde Bild etwas gefehlt. Auch wenn ich Monas Art schätze, warum sie Hals über Kopf alles zusammenpackt um mit Oliver zu gehen, habe ich nicht ganz nachvollziehen können. Hier hätte mir ein etwas längerer Einstieg besser gefallen.
Die Liebesgeschichte selbst entwickelt sich langsam und somit glaubwürdig, und auch wenn ich beim Lesen Tränen in den Augen hatte, war ich froh, dass Emilia Schilling uns nicht mit rosaroten Zuckerwolken verwöhnt sondern durchaus ein Maß an Realität zutraut.

Eine Liebesgeschichte, die uns in die Weingärten Wiens entführt und langsam wie die Trauben dort in der Sonne reift…

Veröffentlicht am 19.09.2019

Eine humorvolle Auszeit vom Alltag - und das auf absolut legale Weise!

Nerventee
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„Die glaubt wohl, ich hocke den ganzen Tag daheim und bohre in der Nase? Ich habe Haushalt!“

Der ganz normale Wahnsinn, den Franzi da lebt. Wohnen in einem kleinen bayrischen Kaff, Kinder, Erziehung, ...

„Die glaubt wohl, ich hocke den ganzen Tag daheim und bohre in der Nase? Ich habe Haushalt!“

Der ganz normale Wahnsinn, den Franzi da lebt. Wohnen in einem kleinen bayrischen Kaff, Kinder, Erziehung, Haushalt, Teilzeitjob –und dazu noch einen Vater, der sowieso immer besser weiß, wie es zu laufen hat.
Doch gottseidank naht die Rettung: Denn Tante Hilde hat nicht nur die schönsten Tomaten und besten Zucchini, nein, auch in Sachen Kräuteranbau kann ihr keiner das Wasser reichen. Und diese neue Sorte Kräutertee, die sie in ihrem Gewächshaus hochzieht, scheint ja wirklich ein Wundermittel zu sein, wenn man Franzis Mama und dem halben Dorf Glauben schenken kann. Blöd nur, dass das tolle Biokraut erstklassiges Cannabis ist…
Und so ein bisschen gechillt läuft es doch gleich viel besser, oder? Bis… bis die Polizei an die Tür klopft und sich die Ereignisse überschlagen. Da ist es dann mit der Entspannung auch nicht mehr weit her…

Eine unglaubliche Geschichte hat Antonia Vitz da geschrieben! Die von ihr knackig, humorvoll erzählten Situationen sind so nah am Leben, das ich kenne, dass ich nicht nur einmal laut auflachen musste! Seien es absolut unverständliche, ausartende Gespräche in der Whatts-App-Elterngruppe, der allabendliche Zu-Bett-Geh-Terror der lieben Kleinen oder eben der gute Papa Sepp, der alles so sagt, wie er es sich denkt – ohne Rücksicht auf Verluste. Und dazu noch Tante Hilde, die keine Ahnung hat, was sie da eigentlich in ihrem Garten hat und den Tee munter übers ganze Dorf verstreut.
Und die Wirkung scheint wirklich toll zu sein, denn obwohl sie es partout nicht schaffen, dem manchmal doch etwas anstrengendem Sepp etwas von dem Tee einzuflößen, können sie mit seinen Eigenarten auf einmal viel besser umgehen. Manchmal war es mir fast ein wenig zu verherrlichend, welche Eigenschaften dem Kraut da alles zugeschrieben werden, was die sympathische Autorin in einem ausführlichen Nachwort relativiert, in dem sie erklärt und auch warnt

Man mag zu Hanf und seiner Wirkung stehen, wie man, dieses Buch schafft eine humorvolle Auszeit vom Alltag, inklusive Lachflash – und das auf absolut legale Weise!

Veröffentlicht am 13.09.2019

Was wäre wenn...

Drei Leben mit dir
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„Sie sind eine starke Frau. Und doch nehmen Sie ihr Leben nicht in die eigene Hand.“
Seite 185

Was wäre wenn… du zu dem Zeitpunkt einer Entscheidung zurückreisen könntest und dieses Mal den anderen Weg ...

„Sie sind eine starke Frau. Und doch nehmen Sie ihr Leben nicht in die eigene Hand.“
Seite 185

Was wäre wenn… du zu dem Zeitpunkt einer Entscheidung zurückreisen könntest und dieses Mal den anderen Weg nehmen könntest? Aber bedenke: Nicht nur du bist von dieser Entscheidung betroffen – und sie kann für andere fatale Folgen haben!
Schon in ihrer Jugend waren sie ein unzertrennlich: Marc, Jonas und Rebecca. Doch mit dem Älterwerden kommen mehr als nur freundschaftliche Gefühle und Becca entscheidet sich für einen der beiden. Was sie nicht ahnt: Sie wird viel später zu diesem Zeitpunkt zurückkehren und einen anderen Weg einschlagen können!
Ein interessanter Gedanke hinter dieser Geschichte, es gibt sogar eine Art „Glaubensgemeinschaft“, die überzeugt ist, dass diese Art der „Zeitreise“ möglich ist.
Wie der Titel schon verrät, dürfen wir Rebecca über drei Leben begleiten, die sie mit Marc und Jonas verbringt. Sie ist eine liebenswürdige Protagonistin und in ihren wankelmütigen Zügen wird sich wohl die eine oder andere Leserin wiedererkennen. Es fällt ihr schwer, sich für einen der beiden zu entscheiden, dabei kennt sie noch nicht mal alle schrecklichen Fakten aus ihren vorherigen Versuchen.

Dieses Buch hat mich auf eine emotionale Achterbahn geschickt! Kerstin Böhm schaffte es, mich schon in den ersten Seiten ins Buch und in Rebeccas Gefühlswelt zu ziehen und mir Tränen zu entlocken. Man spürt die Anziehung zwischen den Protagonisten, wie schwer es Rebecca fällt, eine eindeutige Antwort zu geben und ihr Leben zu leben. Über weite Teile hat sie sich lenken lassen und es sich leicht gemacht, indem sie es anderen überließ, für sich zu entscheiden. Dadurch entwickelte sich eine Dynamik in ihren Beziehungen, die ich spannend zu lesen fand. Etwas gehadert habe ich mit der Rolle des „Buhmanns“ die ihrem Gegenüber zuteilwurde und mir der Erklärung für ihre „Zeitreisen“, die ich gar nicht gebraucht hätte und die sich dann ein wenig zog.

Fazit: Eine berührende Liebesgeschichte die altbekannte Frage an uns stellt „Was wäre wenn?!“