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jules_jude

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.03.2026

Subtil und atmosphärisch erzähltes psychologisches Drama

Ultramarin
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Mit "Ultramarin" legt Ann-Christin Kumm einen atmosphärisch dichten Roman vor, der leise beginnt und sich zunehmend zu einem intensiven psychologischen Drama entfaltet. Kumm zeigt hierbei ein feines Gespür ...

Mit "Ultramarin" legt Ann-Christin Kumm einen atmosphärisch dichten Roman vor, der leise beginnt und sich zunehmend zu einem intensiven psychologischen Drama entfaltet. Kumm zeigt hierbei ein feines Gespür für unausgesprochene Emotionen.

Die Geschichte wird aus der Perspektive von Lou erzählt, dessen Erinnerungen aus der Vergangenheit geschickt mit den Erlebnissen in der Gegenwart verwoben sind. So entsteht ein vielschichtiges Bild eines jungen Mannes, der zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Liebe und Kontrolle, Vertrauen und Angst gefangen ist.

Mit der Figur Nora bringt die Autorin eine neue Dynamik ins Spiel: Sie sorgt für Unruhe, verschiebt Beziehungen und gibt der Geschichte einen unerwarteten Dreh. Auch wenn nicht jedes Detail bis ins Letzte erklärt wird, bleibt gerade dieses Geheimnisvolle ein Teil des Reizes.
Der Roman arbeitet stark mit Andeutungen und Zwischentönen, was zwar den psychologischen Aspekt betont und Raum für eigene Deutungen eröffnet, manchmal aber zu viel ungesagt lässt und so für Verwirrung sorgt.

Am Ende bleibt das Gefühl, einen Roman gelesen zu haben, der durch seine subtile Spannung überzeugt.
"Ultramarin" ist ein feinfühliger Spannungsroman über Macht und Liebe – eindringlich und atmosphärisch bis zur letzten Seite.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Kurzweiliger Familienroman ohne Tiefe

Das letzte Kind hat Fell
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Mit Das letzte Kind hat Fell erzählt Tessa Hennig die Geschichte von Angelika und Hans, die sich eigentlich auf ihren wohlverdienten Ruhestand in Portugal freuen – Sonne, Meer und endlich Ruhe. Doch statt ...

Mit Das letzte Kind hat Fell erzählt Tessa Hennig die Geschichte von Angelika und Hans, die sich eigentlich auf ihren wohlverdienten Ruhestand in Portugal freuen – Sonne, Meer und endlich Ruhe. Doch statt entspannter Tage am Strand warten ein neuer Mitbewohner auf vier Pfoten und die familiären Sorgen der Tochter Sandra auf sie. So wird aus dem erträumten Neuanfang schnell ein turbulenter Alltag, in dem von Erholung kaum die Rede sein kann.

Der Roman liest sich leicht und kurzweilig, eine typische Feel-Good-Geschichte, die vor allem auf unterhaltsame Weise den Familienalltag im Alter beleuchtet. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass Hennig hier eher an der Oberfläche bleibt. Es passiert zwar viel, sodass keine Langeweile aufkommt, doch echte Tiefe sucht man vergeblich. Auch sprachlich weiß der Roman nur bedingt zu überzeugen – der Stil wirkt streckenweise zu ausschmückend und überladen mit Adjektiven. Besonders die Darstellung von Finn und seiner Homosexualität wirkt stellenweise klischeehaft und unausgewogen.

Insgesamt bietet Das letzte Kind hat Fell angenehme, aber schnell vergessene Unterhaltung – ein seichter Familienroman nach bekannter Formel, ohne Überraschungen oder nachhaltigen Eindruck.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Kurzweiliger Roman über Mütter und Töchter

Niemands Töchter
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In ihrem Roman „Niemands Töchter“ widmet sich Judith Hoersch einem zeitlosen und komplexen Thema: dem Geflecht aus Müttern, Töchtern und der lebenslangen Suche nach Antworten, die über Generationen hinweg ...

In ihrem Roman „Niemands Töchter“ widmet sich Judith Hoersch einem zeitlosen und komplexen Thema: dem Geflecht aus Müttern, Töchtern und der lebenslangen Suche nach Antworten, die über Generationen hinweg verborgen blieben.

Der Roman beleuchtet die Schicksale von Gabriele, Alma, Isabell und Marie. Über verschiedene Zeitebenen hinweg entspinnt sich eine Geschichte über Familiengeheimnisse und die Frage, wie die Erfahrungen der Mütter das Leben der Töchter prägen. Es ist eine Suche nach Identität und den Wurzeln, die tief in der Vergangenheit vergraben liegen.

Mein Eindruck von diesem eingängig und durchaus bewegend erzählten Roman ist gemischt. Die Geschichte hat zweifellos das Potenzial, ein tiefgründiges und berührendes Werk zu sein, schöpft dieses jedoch leider nicht voll aus.

Zu Beginn braucht die Geschichte zu viel Zeit, um sich zu entwickeln. Die Einführung der vier Protagonistinnen zieht sich in die Länge und wirkt stellenweise langatmig. Im Gegensatz dazu steht das Ende der Erzählung: Hier geht alles ziemlich schnell, wodurch der Schluss gehetzt und wenig ausgereift wirkt.

Die Erzählung erfolgt aus unterschiedlichen Perspektiven und zu verschiedenen Zeitpunkten. Dieser Aufbau hält zwar das Interesse an der Auflösung hoch, schadet jedoch dem Erzählfluss erheblich. Das sprunghafte Wechseln zwischen den Charakteren und Epochen verhindert, dass eine echte emotionale Nähe zu den Figuren entstehen kann – eine Verbindung, die man bei einem so persönlichen Thema eigentlich voraussetzt.

Die Figuren bleiben in ihrer Charakterisierung leider zudem etwas blass und formelhaft. Man hat das Gefühl, sie eher zu beobachten, als mit ihnen zu fühlen. Zudem wirkt das Ende des Romans zu konstruiert und lässt für meinen Geschmack zu viele Fragen offen, was den Gesamteindruck trübt.

„Niemands Töchter“ ist ein stimmungsvoller und kurzweiliger Roman über die komplizierten Beziehungen zwischen Müttern und Töchtern. Trotz des bewegenden Ansatzes fehlt es der Geschichte letztlich an der erhofften emotionalen Wucht. Mehr Fokus auf einzelne Handlungsstränge und eine tiefere Ausarbeitung der Personen hätte dem Buch gutgetan. Ein interessanter Denkanstoß, hinter dessen Möglichkeiten die Umsetzung jedoch zurückbleibt.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Fesselnder und vielschichtiger Krimi mit Aktualitätsbezug

Wellengrab (Ein Fabian-Risk-Krimi 7)
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Mit "Wellengrab" gelingt es Stefan Ahnhem erneut, seine Leserinnen und Leser über mehr als 600 Seiten hinweg in Atem zu halten. Der Autor versteht es meisterhaft, Spannung und Unbehagen Schritt für Schritt ...

Mit "Wellengrab" gelingt es Stefan Ahnhem erneut, seine Leserinnen und Leser über mehr als 600 Seiten hinweg in Atem zu halten. Der Autor versteht es meisterhaft, Spannung und Unbehagen Schritt für Schritt aufzubauen und über weite Strecken aufrechtzuerhalten. Zwar nimmt die Erzählgeschwindigkeit im Mittelteil etwas ab, doch die kurzen Kapitel und wechselnden Perspektiven – unter anderem aus Sicht von Ermittler Fabian Risk, seinen Kolleginnen und Kollegen, den Täterinnen und Tätern sowie den Opfern – sorgen durchgehend für Dynamik und Abwechslung.

Die Handlung ist vielschichtig, gut konstruiert und zudem erschreckend aktuell: Ein Stromausfall, ein Banküberfall, eine Tote, verschwundene Kinder und widersprüchliche Zeugenaussagen verdichten sich zu einem bedrohlichen Puzzle. Stück für Stück gelingt es Ahnhem, die verschiedenen Handlungsstränge zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammenzuführen. Dabei schreckt er nicht vor drastischen Szenen zurück – Gewalt und Blut gehören im düsteren Universum von Fabian Risk erwartungsgemäß dazu.

Gegen Ende zieht das Tempo rasant an, fast schon zu sehr: Die Ereignisse überschlagen sich, und der Autor will nach dem bedächtigen Aufbau offenbar alles auf einmal auflösen. Hier leidet die Glaubwürdigkeit ein wenig, und nicht alle Fäden werden ganz befriedigend zu Ende geführt. Dennoch bleibt Wellengrab ein packender, atmosphärisch dichter und inhaltlich aktueller Krimi, der Lust auf weitere Teile der Reihe macht.

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Veröffentlicht am 05.11.2025

Ermüdende und inhaltsleere Chat-Lovestory

Cyberdings wie vom anderen Stern
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"Cyberdings wie vom anderen Stern" beginnt vielversprechend. Die ersten Seiten des Romans präsentieren sich durchaus unterhaltsam, ironisch und kurzweilig.

Doch nach diesem anfänglichen Hoch folgt schnell ...

"Cyberdings wie vom anderen Stern" beginnt vielversprechend. Die ersten Seiten des Romans präsentieren sich durchaus unterhaltsam, ironisch und kurzweilig.

Doch nach diesem anfänglichen Hoch folgt schnell der Absturz. Anstatt in stellare Lesehöhen aufzusteigen, verliert man sich bald in inhaltsleeren Chats zwischen Leeloo und Gekko, die mehr ermüden als unterhalten.

Auch die versprochene tiefgehende Chat-Lovestory bleibt für mich unauffindbar. Zwar kommen online rasch "Gefühle" zwischen den beiden auf und sexuelle Interaktion folgt prompt. Doch all dies wirkt konstruiert und fällt ohne jegliche vorherige, nachvollziehbare Charakterentwicklung vom Himmel. Für mich bleiben Leeloo und Gekko stereotype, blasse Figuren ohne eigene Persönlichkeit, was das Interesse an ihrem weiteren Werdegang kaum aufkommen lässt.

Neben den wenig glaubhaften und blassen Charakteren kann auch die Handlung an sich nicht wirklich überzeugen. Der Großteil des Fließtextes besteht aus Chatnachrichten, die vor allem eine Aneinanderreihung von nichtssagenden Kommentaren darstellen. Die gesamte Darstellung wirkt gekünstelt und unglaubwürdig.

"Cyberdings wie vom anderen Stern" ist ein Roman, der wie ein Komet an mir vorbeizog, ohne mich in irgendeiner Weise zu fesseln oder zu begeistern. Mein Fall war es nicht.

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