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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.09.2022

Klassischer Kriminalroman über einem Mord in einem verschlossenen Raum

Die rätselhaften Honjin-Morde
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„Die rätselhaften Honjin-Morde“ spielt 1937 in einem ländlichen japanischen Dorf namens Okamura, wo nach der Hochzeit des ältesten Sohnes der wohlhabenden Familie Ichiyanagi ein grausamer Mord geschieht. ...

„Die rätselhaften Honjin-Morde“ spielt 1937 in einem ländlichen japanischen Dorf namens Okamura, wo nach der Hochzeit des ältesten Sohnes der wohlhabenden Familie Ichiyanagi ein grausamer Mord geschieht. In der Hochzeitsnacht hört die Familie schreckliche Schreie aus dem Schlafzimmer des frisch vermählten Paares. Kurz darauf wird das Brautpaar ermordet aufgefunden. Das Mysteriöse daran ist, dass die Tür und die Fenster des Schlafzimmers verschlossen waren und somit der Mord in einem geschlossenen Raum stattgefunden hat.
Warum musste das Brautpaar sterben? War der ominöse Mann mit drei Fingern, der durch das Dorf streifte und der von den Dorfbewohnern gesehen wurde, der Mörder? Und was hat es mit der mysteriösen Koto-Musik auf sich, die man in der Nacht vernehmen konnte? Um den Fall zu lösen, bittet der trauernde Onkel der ermordeten Braut den Privatdetektiv Kosuke Kindaichi um Hilfe.

Bei „Die rätselhaften Honjin-Morde“ handelt es sich um einen klassischen Kriminalroman über einen Mord in einem verschlossenen Raum. Es ist der erste Teil einer Serie, in der der junge, zerzauste und stotternde Detektiv Kosuke Kindaichi die Hauptrolle spielt.

Was mir gut gefallen hat, war der flüssige und kurzweilige Schreibstil, die Anspielungen auf klassische Kriminalautoren wie Agathe Christie, die ebenfalls Krimis über Mordfälle in verschlossenen Räumen geschrieben haben und der Einblick in die japanische Kultur.
Als Fan klassischer Detektivgeschichten und Kriminalromane sprach mich auch die Wahl der Erzählperspektive an. Wer hierbei jedoch einen spannenden und wendungsreichen Krimi erwartet, wird eher enttäuscht sein, geht es doch mehr um das Wie und weniger um das Wer und Warum. Dadurch das ein namenloser Erzähler die Ereignisse Jahre nach dem Fall rekonstruiert und sich auf das stützt, was ihm von Personen aus dem Umfeld des Verbrechens berichtet wurde, fehlt der es der Geschichte an Dringlichkeit, vieles wird schon ziemlich früh angedeutet, und die Handlung an sich ist ziemlich Meta-lastig.

Alles in allem ein gut konstruierter Krimi, der ohne unnötige Beschreibungen auskommt und mit einer guten Charakterzeichnung aufwartet. Für Fans klassischer Detektivgeschichten zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 04.09.2022

Fesselndes Buch über Tennis und Frauen in der Sportwelt

Carrie Soto is Back
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Wir schreiben das Jahr 1994 und Carrie Soto, eine der größten Tennisspielerin aller Zeiten, muss mit ansehen, wie ihr Rekord von der sehr talentierten Nikki Chan bei den US-Open gebrochen wird. Daraufhin ...

Wir schreiben das Jahr 1994 und Carrie Soto, eine der größten Tennisspielerin aller Zeiten, muss mit ansehen, wie ihr Rekord von der sehr talentierten Nikki Chan bei den US-Open gebrochen wird. Daraufhin beschließt Carrie, mit 37 Jahren ihren Ruhestand als Tennisspielerin aufzugeben, um ihren Rekord zurückzuerobern, und zwar mit ihrem Vater an ihrer Seite. Als ihr Trainer hat ihr Vater sie immer dazu gedrängt, das Beste aus sich herauszuholen, und Carrie hat diese Einstellung ihr ganzes Leben lang mit sich herumgetragen: Sie muss die Größte sein und darf nicht versagen. Deshalb nennen die Medien sie auch die "Kampfmaschine“. Carrie will sich und allen beweisen, dass sie es noch draufhat, aber um in der Rangliste aufzusteigen und Titel zu gewinnen, muss sie sich deutlich verbessern. Dafür braucht sie die Hilfe von Bowe Huntley, der als Tennisspieler auch noch letzte Erfolge erzielen will, bevor er aufgibt. Bald geht es nicht nur um Titel und Rekorde, sondern um viel mehr für Carrie.

Taylor Jenkins Reid hat mit „Carrie Soto is Back“ eine eindrucksvolle und kurzweilige Geschichte über Tennis, Ehrgeiz und Tatkraft geschrieben, in der es auch darum geht, was es bedeutet, eine Frau zu sein, die alles will, während die ganze Welt ihr dabei zusieht. Carrie ist eigen, abgehärtet und manchmal auch ziemlich egoistisch. Zusammen mit ihrem eisernen Willen und unbarmherzigen Ehrgeiz hat sie sich so nicht nur Freunde beim Publikum und in den Medien gemacht. Doch genau diese Charaktereigenschaften sowie ihre Hingabe an den Tennissport und an die, die sie liebt, machen sie insgesamt zu einer faszinierenden Persönlichkeit, der man gerne folgt und der man beim Lesen die Daumen drückt, als handelte es sich um ein echtes Tennismatch.

Wenn man sich an die Tennisbegriffe und dem eingestreuten Spanisch gewöhnt hat, fliegt man dann sehr schnell nur so durch die Seiten und folgt gebannt Carrie auf und abseits des Tennisplatzes. Besonders die kurzen Kapitel, die eingestreuten Zeitungsartikel und Spielkommentare sorgen für schnelles und unterhaltsames Lesen. Obwohl das Buch über Tennis handelt, muss man hierbei kein Tennisfan sein, um das Buch genießen zu können. Auch hat das Buch eine gewisse Tiefe. Die Charaktere sind gut gezeichnet und Carries Beziehungen, Gefühle und Charaktereigenschaften sowie das Thema Frauen im Sport werden gut durchleuchtet und beschrieben und machen das Buch insgesamt lesenswert.

Wer auf der Suche nach einem fesselnden, leicht zu lesenden und unterhaltsamen Buch mit Tiefe ist, macht mit „Carrie Soto is Back“ nichts falsch.

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Veröffentlicht am 01.09.2022

Cassie überzeugt, die Handlung eher nicht

Wer mit den Toten spricht
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Cassie hatte immer geglaubt, dass ihre Eltern bei einem tragischen Autounfall ums Leben kamen. Wie sich herausstellte, saß ihr Vater über ein Jahrzehnt im Gefängnis, weil er ihre Mutter in einem betrunkenen ...

Cassie hatte immer geglaubt, dass ihre Eltern bei einem tragischen Autounfall ums Leben kamen. Wie sich herausstellte, saß ihr Vater über ein Jahrzehnt im Gefängnis, weil er ihre Mutter in einem betrunkenen Wutanfall zu Tode geprügelt hatte. Erst nach einem Schlaganfall enthüllte ihre Großmutter der erwachsenen Cassie schließlich die Wahrheit. Sie hat gute Erinnerungen an ihre Eltern. Vor allem an ihren Vater. Deshalb ist die wahre Geschichte hinter dem Tod ihrer Mutter und der Inhaftierung ihres Vaters ein großer Schock für sie und löst sehr gemischte Gefühle bei ihr aus. Und in all der Zeit, seit ihr Vater entlassen wurde, hat er sich nie bei ihr gemeldet. Bis jetzt. Er hat immer seine Unschuld beteuert. Aber jetzt liegt es an Cassie, ob sie auf ihn hören will oder nicht.

Die Prämisse des Thrillers klang vielversprechend, doch leider konnte mich das Buch nicht restlos begeistern. Die Stärke des Buches sind auf jeden Fall der gute und eingängige Schreibstil, man fliegt förmlich durch die Seiten sowie die gut gezeichneten Charaktere, besonders die Protagonistin Cassie gefiel mir gut. Obwohl sie in keiner Weise typisch ist, ist sie durch ihre Freundlichkeit und ihren Respekt vor den Toten wirklich liebenswert. Mir gefällt auch die Tatsache, dass sie die Gedanken der Toten hören kann, auch wenn ich beim Lesen das Gefühl hatte, dass das Potenzial hier nicht vollständig ausgeschöpft wird. Positiv ist auch die Liebe zum Detail bei Beschreibung von Cassies Arbeit in der Gerichtsmedizin anzumerken. Die Fülle anschaulicher Leichenbeschreibungen und anatomischer Details zeugt von der umfassenden Recherche der Autorin.

Probleme habe ich vor allem mit der Handlung. Zu Beginn kommt nur wenig Spannung auf und die Geschichte zieht sich etwas, auch wird viel Nebensächliches zu ausführlich behandelt, was dann aber immerhin zum Schluss besser wird. Außerdem gibt es inhaltlich einige Stellen, bei denen ich beim Lesen mit den Augen rollen musste, da durch sie meiner Meinung nach die Geschichte nur unnötig dramatisiert wird, wodurch ihr etwas von ihrer Glaubwürdigkeit genommen wird. Auch konnte ich nie wirklich eine emotionale Nähe zu den Charakteren aufbauen.

Insgesamt ist „Wer mit den Toten spricht“ ein kurzweiliger Thriller mit einer außergewöhnlichen Protagonistin und interessanter Prämisse, jedoch inhaltlich etwas langatmig und teils mit Schwächen.
Da dieses Buch so viel mit Cassies Familie zu tun hat, funktioniert es auch gut als Standalone und es ist einfach als Neuling in die Serie und in das Buch einzutauchen.

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Veröffentlicht am 30.08.2022

Das Erbe der Sklaverei in Brasilien - eindrucksvoll erzählt

Die Stimme meiner Schwester
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„Die Stimme meiner Schwester“ von Itamar Vieira Junior ist ein beeindruckender und bewegender Roman über das Erbe der Sklaverei in Brasilien.
Erzählt wird die Geschichte zweier Schwestern, Bibiana und ...

„Die Stimme meiner Schwester“ von Itamar Vieira Junior ist ein beeindruckender und bewegender Roman über das Erbe der Sklaverei in Brasilien.
Erzählt wird die Geschichte zweier Schwestern, Bibiana und Belonísia, die durch ein schicksalhaftes Ereignis in ihrer Kindheit eng miteinander verbunden sind. Beide sind Nachkommen ehemaliger afrikanischer Sklaven und gehören der Gemeinschaft der Quilombolos an. Schauplatz der Handlung ist die fiktive Farm Agua Negra im Nordosten von Brasilien. Allgegenwärtig in der Erzählung ist der Glaube der Quilombolos mit all seinen mystischen Elementen und ihre tiefe Verbindung mit dem Land, auf dem sie leben und arbeiten.

Aufgeteilt in drei Teile, beginnt der Roman damit, dass man Sicht der einen Schwester Zeuge wird, wie die andere sich beim Spielen mit einem Messer aus Versehen die Zunge abschneidet. Erzählt erst aus Sicht der einen, dann der anderen Schwester, folgt man Bibiana und Belonísia beim Erwachsen werden und wie sie das harte Leben auf der Farm meistern. Durch ihre Augen gewinnt man einen Einblick in die Unterdrückung und Ungerechtigkeiten, denen sie als Frauen und als Arbeiter auf der Farm ausgesetzt sind. Im Gegensatz zu Belonísia, die sich mit dem harten Leben arrangiert hat, will Bibiana die Situation nicht länger hinnehmen. Sie beginnt zusammen mit ihrem Ehemann, die anderen Arbeiter von Água Negra zu organisieren und fordert ihre Rechte für das Land ein, auf dem deren Familien jahrzehntelang gearbeitet haben, das ihnen aber nicht gehört. Der Kampf um die Befreiung von Ausbeutung und Knechtschaft hat jedoch einen menschlichen Preis.

„Die Stimme meiner Schwester“ ist ein Roman, der erst nach und nach seine ganze Kraft entfaltet, dann aber einen nicht mehr loslässt. Mittels seines kraftvollen und atmosphärischen Schreibstils versetzt der Autor einen in die Siedlung von Bibiana und Belonísia und vermittelt so ein authentisches und einfühlsames Bild vom Leben der Quilombolos. Ein Roman, der den Unterdrückten eine Stimme gibt und die Frauen in den Mittelpunkt stellt. Lesenswert!

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Veröffentlicht am 29.08.2022

Philosophische Reise durch die eigenen vier Wände

Das Zuhause
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Emanuele Coccias „Das Zuhause“ ist ein kompaktes und facettenreiches Buch über den häuslichen Raum, den wir Menschen als Zuhause bezeichnen. Der Autor erklärt darin auf philosophische-analytische Weise, ...

Emanuele Coccias „Das Zuhause“ ist ein kompaktes und facettenreiches Buch über den häuslichen Raum, den wir Menschen als Zuhause bezeichnen. Der Autor erklärt darin auf philosophische-analytische Weise, welche materielle, strukturelle und psychologische Bedeutung die verschiedenen Räume, teils auch das Inventar sowie Flur, Garten und Terrasse für den Menschen haben. Seine philosophischen Ausführungen lassen einen nicht nur über das Zuhause an sich und seinen moralischen Wert nachdenken, sondern auch über viele andere Themen wie Geschlecht, Liebe, Identität und Elternschaft, wobei mir manchmal der Zusammenhang zum Thema Zuhause fehlte.
Gelegentlich schweift der Autor auch vom Thema ab, wird zu theoretisch oder verliert sich in Nebensächlichkeiten, wodurch man leider schnell den roten Faden verliert. Erschwerend für das Textverständnis kommt hinzu, dass der Autor sich vorwiegend eines gehobenen Sprachstils mit langen und verschachtelten Sätzen bedient. Von Vorteil ist hierbei, dass die Kapitel nicht zu lang sind und thematisch nicht aufeinander aufbauen, sodass man die Kapitel überspringen kann, die einem nicht zusagen.

Insgesamt ist „Das Zuhause“ von Emanuele Coccia ein interessantes und zum Nachdenken inspirierendes Buch, bei dem aber manchmal der Eindruck entsteht, dass sich der Autor ein wenig zu sehr im philosophischen Aspekt des Hauses verliert und daher die Konzepte auf die Leser*innen etwas abstrakt wirken bzw. dass sich kein eindeutiger Zusammenhang zum überordnenden Thema des Zuhauses erkennen lässt. Daher eher nur für Liebhaber philosophischer Texte zu empfehlen.

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