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Veröffentlicht am 14.08.2022

Unterschiedliche Lebensentwürfe

Sanfte Einführung ins Chaos
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„Sanfte Einführung ins Chaos“ von Marta Orriols erzählt einfühlsam und nuanciert von Dani und Marta, die seit zwei Jahren ein Liebespaar sind und gemeinsam in Barcelona leben. Dani ist Drehbuchautor für ...

„Sanfte Einführung ins Chaos“ von Marta Orriols erzählt einfühlsam und nuanciert von Dani und Marta, die seit zwei Jahren ein Liebespaar sind und gemeinsam in Barcelona leben. Dani ist Drehbuchautor für Fernsehserien und Marta freie Fotojournalistin und sie führen ein normales Leben bis zu dem Tage, an dem Marta Dani von ihrer Schwangerschaft erzählt. Martas Entscheidung, dass Kind nicht haben zu wollen, stürzt beiden in ein großes Gedanken- und Gefühlschaos. Dani wünscht sich im Gegensatz zu Marta, dass sie das Kind behält und sieht sich selbst schon als Vater. Seine Sicht hängt wird auch dadurch beeinflusst, dass er sich geschworen hat, nie ein Kind von ihm im Stich zu lassen. Marta dagegen will nicht Mutter werden, sie ist sich unsicher, ob sie überhaupt eine gute Mutter sein würde und im Moment ist ihr auch ihre berufliche Zukunft wichtiger.
Was folgt, sind sechs Tage des Nachdenkens über die Zukunft, was es heißt, Vater bzw. Mutter zu sein, der Zweifel und der Entscheidungsfindung auf beiden Seiten. Sie müssen sich darüber klar werden, was sie von ihrer Zukunft und ihren Leben wollen.

Aus Sicht von Dani und Marta wird schnörkellos, elegant und prägnant die Entscheidungsfindung von Marta und Dani erzählt. Langsam und mit guter Entwicklung werden einem die Gefühle und Argumente von beiden von dem Moment an übermittelt, in dem Marta Dani sagt, dass sie schwanger ist, aber die Schwangerschaft nicht fortsetzen möchte. Orriols schafft es hierbei, einen an den Gedanken und Gefühle von Dani und Marta teilhaben zu lassen und ein authentisches Bild von ihren Sehnsüchten, Unsicherheiten, Einstellungen und Plänen zu zeichnen.

„Sanfte Einführung ins Chaos“ von Marta Orriols behandelt überzeugend und sprachlich ansprechend ein komplexes Thema mit großer Sensibilität. Die Themen und Konflikten sind zwar nicht neu, müssen sie aber auch nicht sein, um Wirkung zu entfalten. Auch fängt der Roman gut den aktuellen Zeitgeist einfängt und sich u. a. mit der Schwierigkeit von Familie und Beruf zu vereinbaren und das Recht auf die freiwilligen Entscheidungen in Bezug auf den eigenen Körper beschäftigt.

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Veröffentlicht am 11.08.2022

Höhen und Tiefe einer Liebe poetisch erzählt

Ingeborg Bachmann und Max Frisch – Die Poesie der Liebe
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„Ingeborg Bachmann und Max Frisch – Die Poesie der Liebe“ von Bettina Storks ist ein poetisch geschriebener und gefühlvoller, fiktiver Roman über die Liebe zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch. 1958 ...

„Ingeborg Bachmann und Max Frisch – Die Poesie der Liebe“ von Bettina Storks ist ein poetisch geschriebener und gefühlvoller, fiktiver Roman über die Liebe zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch. 1958 in Paris lernen sich die beide Ikonen der Literatur kennen und der bodenständige Frisch verliebt sich auf den ersten Blick in die sensible und freiheitsliebende Bachmann, die zu der Zeit ein Star der Literatur war. Was folgt, ist eine Liebesbeziehung zwischen München, Rom und die Schweiz, die geprägt ist von Leidenschaft und Eifersucht seitens Frisch. Einfühlsam beschreibt die Autorin zunächst, wie sich beide ineinander verlieben und dann wie mit der Zeit ihre große Liebe am Alltag scheitert-

Abwechselnd aus Sicht von Bachmann und Frisch erzählt, erhält man einen Einblick in die Gedanken und Gefühle der beiden und spürt, wie unterschiedlich beide sind. Frisch liebt Klarheit und Ordnung und kann wenig mit Bachmanns Hang zum Geheimnisvollen und ihren Drang nach Freiheit anfangen. Auch ihre unterschiedlichen Arbeitsweisen werden immer mehr zum Stolperstein für ihre Beziehung. Schnell wird deutlich, dass die Liebesbeziehung zwischen beiden keine ist, die glücklich enden wird. So kommt es dann auch 1962 wenig überraschend zur Trennung der beiden.

„Ingeborg Bachmann und Max Frisch – Die Poesie der Liebe“ ist kein Roman, den man so nebenbei liest und es ist keine Liebesgeschichte mit Happy End. Gespickt mit Zitaten ist er eine gelungene literarische Annäherung an Bachmann und Frisch als Schriftsteller und als Personen dahinter. Leicht melancholisch und bewegend geschrieben kommt man auf über 400 Seiten den beiden näher und wird Zeuge einer großen und leidenschaftlichen Liebe, die leider nicht hielt. Nicht nur für Literaturliebhaber lesenswert.

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Veröffentlicht am 09.08.2022

Wenn die Vergangenheit an der Tür klopft

Elternhaus
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Ein Hamburger Herrenhaus verbirgt so einige Geheimnisse oder besser gesagt, die Personen, die dort wohnen bzw. es aufsuchen. Allen voran Yvette Winkler und Tobias Hansen. Yvette Winkler ist gemeinsam mit ...

Ein Hamburger Herrenhaus verbirgt so einige Geheimnisse oder besser gesagt, die Personen, die dort wohnen bzw. es aufsuchen. Allen voran Yvette Winkler und Tobias Hansen. Yvette Winkler ist gemeinsam mit ihren Kindern und ihrem Mann erst vor Kurzem in die alter Hamburger Villa eingezogen. Der Umzug sollte ein Neuanfang für sie sein und so ihre kriselnde Ehe zu retten. Tobias Hansen hingegen hat es schon vor dem Einzug der Winklers allabendlich zur alten Villa hingezogen und sie aus dem Auto heraus beobachtet. Nachdem die Familie Winkler eingezogen ist, macht sich Hansen daran, selber Teil der Familie zu werden und da er selber Pianist ist, gibt er den Kindern bald Klavierunterricht und freundet sich mit Yvette und ihren Mann an und gewinnt immer mehr ihr Vertrauen sowie Zugang zum Haus. Doch dann eines Tages, wenn er allein ist mit Yvette und den Kindern, zeigt er sein wahres Gesicht…

„Elternhaus“ von Jennifer Mentges ist ein spannender Psychothriller, der ganz ohne blutige Szenen auskommt und dessen Stärken in der detaillierten Charakterzeichnung und der atmosphärischen und leicht poetischen Sprache liegen. Anfangs noch etwas gemächlich, wird langsam Spannung aufgebaut und dann konstant über den weiteren Handlungsverlauf hochgehalten. Ebenso ist von Beginn an eine unterschwellige geheimnisvolle und leicht bedrohliche Stimmung spürbar. Aus den sich abwechselnden Perspektiven und Rückblicken in die Vergangenheit wird nach und nach das Geheimnis um Tobias Hansen, Yvette Winkler und der Villa gelüftet.
Auch wenn manche Handlungsstränge hierbei vorweggenommen werden, weiß der Spannungsroman zu überraschen und Gänsehautmomente zu erzeugen sowie insgesamt mit einer schlüssigen Handlung zu überzeugen.

Ein Psychothriller, der auf leisen Pfoten daherkommt und nach und nach seine volle Wucht entfaltet. „Elternhaus“ von Jennifer Mentges zieht einen in seinen Bann und lässt einen nicht mehr los genau wie das alte Herrenhaus im Buch.

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Veröffentlicht am 05.08.2022

Coming-of-Age-Story auf Irisch

Snowflake
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„Snowflake“ von Louise Nealon ist die Coming-of-Age-Geschichte der 18-jährigen Debbie White, die im ländlichen Irland aufgewachsen ist und dort mit ihrer Mutter und ihrem Onkel auf einem Milchbauernhof ...

„Snowflake“ von Louise Nealon ist die Coming-of-Age-Geschichte der 18-jährigen Debbie White, die im ländlichen Irland aufgewachsen ist und dort mit ihrer Mutter und ihrem Onkel auf einem Milchbauernhof lebt und nun auf das Trinity College in Dublin geht, um dort Englisch zu studieren. Der Übergang vom Land- zum Stadtleben bringt wenig überraschend Herausforderungen und neue Erfahrungen und Bekanntschaften mit sich. So freundet sie sich mit Xanthe an, deren wohlhabende Erziehung in Süd-Dublin weit entfernt von Debbies Erfahrungen ist. Während Debbie beginnt, sich am College zurechtzufinden, ereignet sich eine Tragödie auf der Milchfarm, wodurch ihr bisheriges Leben auf den Kopf gestellt wird.

Das Buch liest sich leicht und flüssig und ist in einen leicht poetischen und humorvollen Schreibstil geschrieben. Die Autorin schafft es gut, die Gedanken und Gefühle von Debbie einzufangen und zu beschreiben, wie es ist, eine junge Frau zu sein, die das Leben neu kennenlernt. Auch ist Debbie ein sehr sympathischer Charakter. Ihre Unschuld und die Fehltritte, die sich macht, wenn sie versucht, aus ihrer ländlichen Hülle herauszukommen, lassen sie zutiefst menschlich erscheinen. Zusammen mit einigen typischen Merkmalen des irischen Lebens ist dies eine schöne, ehrliche Geschichte über das Erwachsenwerden. Neben der Reise der Selbstfindung spricht Nealon auch ernstere Themen wie z. B. psychische Krankheiten, Suizid und Alkoholismus an. Trotz der – oft unbequemen – Thematik verliert der Roman jedoch nichts an seiner Leichtigkeit, allein der subtile Humor trägt dazu bei.

Allerdings fühlte sich die Geschichte manchmal etwas unzusammenhängend an und ich hätte mir gewünscht, dass einige Dinge und einige der Themen etwas ausgiebiger behandelt worden wären. So passierten z. B. manche Ereignisse oft wie aus dem Nichts, während andere Handlungspunkte als Schlüsselereignisse angesehen wurden, jedoch später auf diese nicht mehr großartig eingegangen wurde. Auch manche Veränderungen Debbies kamen ziemlich abrupt.

Insgesamt ist „Snowflake“ von Louise Nealon ein überzeugendes Debüt, das die chaotischen Emotionen und Erfahrungen des frühen Erwachsenenalters gut einfängt. Man folgt Debbie gerne, wie sie ihren Weg findet, lernt sich selbst zu lieben und beginnt ihre eigene Identität zu formen.

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Veröffentlicht am 04.08.2022

Ein nicht ganz gelungener feministischer Blick auf Nonnen im 12. Jahrhundert

Matrix
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„Matrix“ von Lauren Groff spielt im 12. Jahrhundert. Im Alter von siebzehn Jahren wird die Protagonistin Marie de France von Eleanor von Aquitanien vom französischen Hof verbannt und in eine abgelegene ...

„Matrix“ von Lauren Groff spielt im 12. Jahrhundert. Im Alter von siebzehn Jahren wird die Protagonistin Marie de France von Eleanor von Aquitanien vom französischen Hof verbannt und in eine abgelegene englische Abtei geschickt. Mit den Jahren erlangt sie immer mehr Einfluss und Macht in bis sie die Leitung der Abtei erlangt. Sie erlebt religiöse Visionen, die sie zum Bau von zahlreichen Projekten im und um das Kloster herum anregt und sie schreibt Gedichte. Auch versucht Marie, die Abtei vor dem Einfluss Außenstehender zu schützen.

Von der Grundidee her ist „Matrix“ ein interessantes Buch. Die Autorin fiktionalisiert das Leben von Marie de France, einer Figur, über die man eher wenig weiß, und verwirft die bekannten Kenntnisse zugunsten der Erstellung ihrer eigenen Version der Geschichte. So muss man „Matrix“ eher als eine feministische Fantasie des mittelalterlichen Lebens als ein Versuch, historische Details genau nachzubilden, betrachten. Groff ist nicht so sehr daran interessiert, Marie zu vermenschlichen bzw. als Person nahbar zu machen, sie stellt sie mehr als Heldin bzw. Heilige dar. So werden Konflikte, die innerhalb der Erzählung auftreten, nur als kleine Hürden angesehen, die Marie zu überwinden hat, auch ihr Weg zur mächtigen Frau im Kloster verlief ohne großartige Hindernisse. Ebenso mäanderte die Handlung teilweise stark und einiges wurde sehr verkürzt dargestellt, so wurden z. B. Jahre aus Maries Leben innerhalb einer Seite abgehandelt.
All das führte leider dazu, dass eine vielversprechende Handlung an Spannung und Tiefe verlor und Marie und die anderen Frauen mir emotional fremd blieben, sodass mich das Buch insgesamt nicht wirklich begeistern konnte.
Einzig der Schreibstil sprach mich an, er war sehr bildlich und stimmungsvoll. Auch gab es tolle Beschreibungen der Natur und der Umgebung im Kloster.

Alles in allem eine tolle Prämisse, deren Umsetzung leider nur bedingt überzeugen konnte. Sprachlich und inhaltlich wäre das Potenzial definitiv vorhanden gewesen.

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