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jules_jude

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.07.2022

Verstörend und aktuell aber etwas zu kurz

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In einen Brief, gerichtet an einen Anwalt mit Namen Stitic, schildert Kayleigh ihre Arbeit als Inhaltsmoderatorin bei einem Social-Media-Unternehmen und ihren direkten Arbeitgeber Hexa und die Auswirkungen, ...

In einen Brief, gerichtet an einen Anwalt mit Namen Stitic, schildert Kayleigh ihre Arbeit als Inhaltsmoderatorin bei einem Social-Media-Unternehmen und ihren direkten Arbeitgeber Hexa und die Auswirkungen, die ihr Job auf ihr Leben hatte. Stitic reicht im Namen anderer ehemaliger Hexa-Mitarbeiter eine Sammelklage wegen der Arbeitsbedingungen bei Hexa ein und hat Kayleigh gedrängt, sich der Klage anzuschließen, aber sie sagt ihm, dass sie ihm ihre Geschichte nur preisgeben wird, wenn er im Austausch dafür aufhört, sie zu kontaktieren.
Die Richtlinien, denen Kayleigh und ihre Kollegen bei Hexa folgen müssen, sind oft absurd, und der Leistungsdruck, während sie ständig mit verstörenden und gewalttätigen Inhalten konfrontiert sind, scheint für fast jeden unerträglich. Psychische Probleme, Drogen und Alkohol werden für Kayleigh und ihre Freunde bei Hexa zur Normalität, und wenn sich herausstellt, dass einige wissenschaftsfeindliche oder verfassungsfeindliche Ideen teilen, stellt sich die Frage, ob sie schon immer in diese Richtung tendierten, oder ob die Arbeit bei Hexa einen negativen Einfluss auf sie hat.

Das Buch untersucht weitgehend das Trauma, das mit der Überprüfung und Entfernung anstößiger und anstößiger Inhalte im Internet einhergeht, untersucht aber auch die weit verbreitete Desensibilisierung in der allgemeinen Bevölkerung.
Es liest sich flüssig und der Schreibstil ist gut, teilweise auch etwas provokant. Jedoch ist es mit etwas mehr als 110 Seiten etwas zu kurz, um wirklich Wirkung zu zeigen. Aus der Thematik, tagtäglich bei der Arbeit extremer Gewalt und anderen verstörenden und menschenfeindlichen Inhalten ausgesetzt zu sein, hätte man mehr machen können. Auch die Handlung wirkte nach dem abrupten Ende etwas unvollständig.

Insgesamt ist es ein nettes kleines Buch, das mehr Fragen aufwirft, als das es beantwortet und eine gute Geschichte über eine Frau, die für ein Social-Media-Unternehmen arbeitet und die grausamsten Inhalte herausfiltert, und ihre gescheiterte Beziehung zu einer ihrer Kollegin. Leider wurde das Potenzial des Themas jedoch nicht vollständig ausgeschöpft. Deswegen 3.5 von 5 Sternen von mir.

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Veröffentlicht am 09.07.2022

Der etwas andere Blick auf die Mafia

Die Familie
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Antonia und Sofia sind beide Töchter zweier Mafia-Familien in den 1940-Jahren in New York. Als sie aufwachsen, stellen sie fest, dass es nicht immer einfach ist, den Wegen der Familie zu entkommen. Antonia ...

Antonia und Sofia sind beide Töchter zweier Mafia-Familien in den 1940-Jahren in New York. Als sie aufwachsen, stellen sie fest, dass es nicht immer einfach ist, den Wegen der Familie zu entkommen. Antonia und Sofia stellen sich den Herausforderungen von Ehe und Mutterschaft und träumen davon, was hätte sein können, wenn sie einen anderen Weg gewählt hätten.

Die Prämisse des Romans klang vielversprechend, es klang nach einer Mafia-Geschichte, vermischt mit einer Geschichte über die Freundschaft zwischen zwei Frauen und deren Leben in der Familie, sozusagen ein Blick hinter die Kulissen aus den Augen der Frauen. Dementsprechend hatte ich große Erwartungen an das Buch, doch leider wurden diese größtenteils enttäuscht.
Die erste Hälfte von „Die Familie“ empfand ich als zu langsam und eher langweilig. Zudem ließ auch der Schreibstil für mich zu wünschen übrig. Er war eher emotionslos und anfangs fühlte es sich so an, als würde die Autorin nur wenige erinnerungswürdige und relevante Fakten über das Leben von Sofia und Antonia erzählen. Dadurch konnte ich leider keine emotionale Verbindung zu den Charakteren aufbauen, sie waren blass und blieben mir fremd. In der zweiten Hälfte nimmt die Handlung dann aber bis zum Ende an Fahrt auf. Als Sofia und Antonia Mütter wurden, gewannen die beiden als Charaktere mehr an Tiefe und auch der Schreibstil war weniger Erzählen und mehr Zeigen, wodurch die Geschichte interessanter wurde und sich flüssiger lesen ließ.

Alles in allem liegt „Der Familie“ eine tolle Idee zugrunde, indem er sich auf die Frauen in der Familie einer kriminellen Organisation konzentriert und zeigt, wie sie sich verändern und anpassen und ihre Rollen als Freundinnen, Töchter, Mütter, Schwestern, Ehefrauen und Geschäftspartnerinnen erfüllen. Doch inhaltlich und sprachlich konnte die Umsetzung davon nicht vollständig überzeugen. Erst im zweiten Teil des Romans wurde deutlich, welches Potenzial in ihm steckte. Das Buch handelt wirklich von der Familie hinter der Familie und den Frauen. Wer nach einem spannenden Mafia-Buch sucht, wird hier eher nicht fündig.

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Veröffentlicht am 05.07.2022

Eine Enttäuschung auf ganzer Linie

Freizeit
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Als Leserin folgt man Franziska auf ihren Weg durch ihr Leben, sie scheint nach einer gescheiterten Beziehung und nach zwei Jahren in Paris auf der Suche nach sich selbst zu sein und was sie eigentlich ...

Als Leserin folgt man Franziska auf ihren Weg durch ihr Leben, sie scheint nach einer gescheiterten Beziehung und nach zwei Jahren in Paris auf der Suche nach sich selbst zu sein und was sie eigentlich vom Leben will. Sie lässt sich treiben, erinnert sich an vergangene Tage und schreibt an ihrem Manuskript weiter, das stark von ihrem eigenen Leben und ihren Blick auf die Welt geprägt ist. Ebenso wird man als Leserin Zeuge, wie sie ihre Mitmenschen und ihre Umwelt beobachtet und man lernt ihre Freunde und Familie kennen.

Soweit so gut oder in diesem Fall auch eher nicht gut. Denn der Roman konnte mich überhaupt nicht begeistern. Es war für mich weder ein handlungsorientierter Roman noch eine Milieu- oder Charakterstudie, dazu fehlte einfach der roter Faden und Tiefe für mich. Auch sehe ich den Roman nicht als einen Roman über die junge Generation, denn ich bin Teil dieser Generation und ich fühl mich nicht angesprochen oder entlarvt.
In Bezug auf den Buchinhalt ist zu sagen, dass die Charaktere mir alle fremd geblieben sind und zu oberflächlich dargestellt wurden, sie waren für mich alle nur Hüllen ohne irgendwelche besonderen Eigenschaften und Gefühle. Die Handlung, so weit vorhanden, plätscherte vor sich hin, ohne dass sie irgendwie mein Interesse geweckt hätte. Auch der Schreibstil war nicht mein Fall. Es war mir sprachlich zu einfach gehalten, es liest sich für mich so, als hätte ein Schreibanfänger den Roman verfasst. Ich weiß bis jetzt immer noch nicht, was ich eigentlich gelesen habe und was der Roman mir sagen wollte oder sein wollte.

Für mich leider eine große Enttäuschung und ich kann auch keine Leseempfehlung aussprechen. (1.5 Sterne)

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Veröffentlicht am 01.07.2022

Ein weiblicher Blick auf Indien in den 50er-Jahren, interessant aber oberflächlich

Die Hennakünstlerin
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Nachdem Lakshmi einer missbräuchlichen Ehe entkommen ist, hat sie sich als Henna-Künstlerin einen Namen gemacht. Lakshmi steht kurz davor, ein Eigenheim vollständig zu besitzen und aufgrund ihrer Kontakte ...

Nachdem Lakshmi einer missbräuchlichen Ehe entkommen ist, hat sie sich als Henna-Künstlerin einen Namen gemacht. Lakshmi steht kurz davor, ein Eigenheim vollständig zu besitzen und aufgrund ihrer Kontakte und Einsicht möglicherweise eine Heiratsvermittlerin zu werden, als ihr Ex-Mann mit ihr bis dahin unbekannten 13-jährigen Schwester auftaucht, was beider Leben nachhaltig verändern wird.

Was mir gut an der Geschichte gefiel, war Lakshmis Job, ihre Rolle als Henna-Künstlerin, wie sie andere Menschen mit Heilkunde und -kräuterwissen behandelte und wie sie im geheimen auch Frauen half abzutreiben. Man bekam dabei beim Lesen einen Einblick in das Leben der Reichen sowie der Armen und Verzweifelten. Die Beziehung zwischen ihr und ihren Kunden ist gut beschrieben.
Leider fühlten sich für mich die Handlung und die Charaktere ein wenig oberflächlich an. Anstatt tief in Lakshmis Karriere, ihre Beziehungen oder die Probleme ihrer jüngeren Schwester einzutauchen, fühlte es sich an, als würde das Buch viele Handlungspunkte nur kurz ansprechen, ohne sie tiefergehend zu behandeln. Anfangs war ich neugierig, wo die Geschichte hinführen würde, doch fühlte es sich beim Lesen so an, als würde sie nur an der Oberfläche der Emotionen kratzen, die sie hätte haben können. Wenn es für die Charaktere schwierig wurde, fühlte es sich das Geschriebene zu klinisch an. Folglich konnte das Buch mich nur wenig emotional berühren, die Charaktere und ihr Leben blieben mir fremd, auch wenn sie gut beschrieben waren.

Ein gut geschriebenes Buch mit interessanten Themen, das außerdem einen faszinierenden Blick auf die indische Gesellschaft in den 50er-Jahren liefert, mir jedoch leider nicht wirklich in Erinnerung geblieben ist. Die Handlung und vor allem die Charaktere fühlten sich sehr künstlich an. Kann man lesen, muss man aber nicht.

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Veröffentlicht am 26.06.2022

Magische. queere und authentische Coming-of-Age-Storyy

Yadriel und Julian. Cemetery Boys
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Yadriel ist ein Teenager aus einer langen Reihe von Brujx, die die Macht haben, die Welt der Lebenden mit den Toten zu verbinden. Nachdem er und seine Cousine Maritza das Coming-of-Age-Ritual für Brujos ...

Yadriel ist ein Teenager aus einer langen Reihe von Brujx, die die Macht haben, die Welt der Lebenden mit den Toten zu verbinden. Nachdem er und seine Cousine Maritza das Coming-of-Age-Ritual für Brujos durchgeführt haben, das Yadriel verweigert wurde, treffen sie Julian, einen kürzlich verstorbenen Geist, der über seinen eigenen Tod im Dunkeln ist. Gemeinsam machen sie sich daran, dem Geheimnis um Julians Tod auf die Spur zu kommen. Nebenbei versucht Yadriel seine Familie zu beweisen, dass er ein Brujo ist. Wären da nicht die aufkommenden Gefühle für Julian, die die Dinge verkomplizieren.

Bezüglich der Handlung weist die Geschichte hier und da ein paar Schwächen auf, z. B. bzgl. dem Pacing, aber das verblasst gegenüber den Stärken des Romans. Was den Roman nämlich so besonders wertvoll macht, ist dessen Inklusivität und Authentizität. Vor allem die Latinx-Kulturelemente sowie die Trans-Repräsentation haben mir gut gefallen. Auch sind die Brujx eine interessante Möglichkeit, paranormale Aspekte in die Geschichte einzubringen, und ich finde es toll über Yadriel, Maritza und ihre FamilievDía de Muertos vorbereiteten. Was ich an dem Buch ebenfalls schätze, ist, dass dies keine Geschichte ist, in der Yadriel „mit seiner Identität kämpft“. Er weiß genau, wer er ist. Was „Yadriel und Julian“ stattdessen thematisiert, ist Yadriels Familie, die damit zu kämpfen hat und sich teils weigert, ihn so zu sehen, wie er ist. Selbst wenn einige ihrer Aussagen und Handlungen nicht verletzend gemeint sind, wird jedoch deutlich gemacht, wie sehr es Yadriel schmerzt nicht von seiner Familie so akzeptiert zu werden, wie er ist. Darüber hinaus war die Latinx-Kultur so prominent und lebendig. Yadriel lebt es wirklich und als Leser*in wird man einfach in diese schöne Welt hineingezogen, da Aiden Thomas einfach so viele Aspekte dieser Kultur anspricht, von der Hervorhebung verschiedener Akzente bis hin zur Beschreibung der Feierlichkeiten.

„Yadriel und Julian. Cemetery Boys“ ist eine magische, fantasievolle und emotionale Geschichte darüber, wie man den Mut findet, allen – einschließlich sich selbst – zu zeigen, wer man wirklich ist. Sie handelt von Liebe, Freundschaft und Familie und ist allein wegen der tollen Latinx-Kulturelemente sowie der Trans-Repräsentation lesenswert.

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