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Veröffentlicht am 18.06.2023

Spannender Sommer in Schweden

Sommersonnenwende (Wolf und Berg ermitteln 1)
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Im Krimi "Sommersonnenwende" werden auf kurzweilige und stimmungsvolle Art, reale und fiktive Ereignisse zu einer wendungsreichen und spannenden Krimihandlung verbunden.

Es ist Sommer 1994 und es ist ...

Im Krimi "Sommersonnenwende" werden auf kurzweilige und stimmungsvolle Art, reale und fiktive Ereignisse zu einer wendungsreichen und spannenden Krimihandlung verbunden.

Es ist Sommer 1994 und es ist ein heißer in Schweden, nicht nur in Bezug auf Temperatur. Der Erfolg der schwedischen Nationalmannschaft bei der WM in den USA versetzt das Land in zunehmendes Fußballfieber. Aber auch für die Polizei geht es hoch her. Ein Massenmord in Falun beschäftigt die Polizei und die Bevölkerung. Doch diese beiden Ereignisse bilden nur den Rahmen der Handlung, um den Fall, den es für den Polizisten Tomas Wolf geht, ereignet sich im Schatten des Massenmordes. In Falun wird eine Frau erdrosselt aufgefunden, schnell ist klar, dass sie kein Opfer des Massenmordes war. Nach und nach wird ersichtlich, dass es noch weitere Morde an Frauen gab, die diesem Fall ähneln und dass es eine Verbindung zwischen ihnen geben muss. Was dem Fall an Brisanz verleiht ist, ist, dass die Fälle Verbindungen zum skandalumwitterten Schauspieler Micael Bratt aufweisen. Hat er mit all dem etwas zu tun?
Tomas Wolf und die Journalistin Vera Berg, zuerst unabhängig voneinander und beide mit unterschiedlichen Motiven, die Wahrheit herauszufinden, beginnen Nachforschungen anzustellen und begeben sich auf die Suche nach dem Mörder.

Untergliedert in mehrere Teile, die an nachfolgenden Tagen im Sommer 1994 spielen, und abwechselnd aus Sicht von Tomas Wolf und Vera Berg erzählt werden, taucht man schnell in das ereignis- und konfliktreiche Leben der beiden Protagonisten ein sowie in die wendungsreichen und spannende Mordermittlung.
Beide Hauptcharaktere sind komplex und werden gut dargestellt, auch wenn ihr emotionales Gepäck, dass sie beide mit sich herumschleppen, manchmal etwas zu viel des Guten ist.
Tomas ist selbst kein unbeschriebenes Blatt, denn bevor er Polizist wurde, war er in der Neonazi-Szene aktiv, in der seine beiden Brüder immer noch sind. Erst kürzlich als Soldat aus Bosnien zurückgekehrt, wird er von den Kriegserlebnissen noch weiter verfolgt. Er kämpft darum, sein Leben in den Griff zu bekommen, sowohl zu Hause, mit seiner Familie als auch bei der Arbeit, was ihm seine Vergangenheit und seine Brüder nicht leicht machen.
Vera kümmert sich seit kurzer Zeit um den Sohn ihres kriminellen Ex-Freundes. Um die Wahrheit herauszufinden, geht sie oft ihren eigenen Weg und nimmt es dabei nicht immer so genau mit dem Gesetz, auch ist sie leicht korrupt. Dadurch war sie mir nicht wirklich sympathisch, wodurch ihre Handlungsabschnitte mich nicht so fesseln konnten, wie der Rest der gut konstruierten und spannend erzählten Geschichte.

Die Handlung wird ständig vorangetrieben und überraschende Wendungen halten die Spannung hoch. Insgesamt ist das Erzähltempo jedoch besonders am Anfang nicht allzu hoch. Auch steht zu Beginn das Leben der Protagonisten eher im Vordergrund der Geschichte. Dank des angenehmen und atmosphärischen Schreibstils, weiß die Handlung trotzdem zu fesseln.

Wer auf der Suche nach einem spannenden Krimi ist und in den Sommer 1994 in Schweden reisen will, macht mit "Sommersonnenwende" nichts falsch. Es ist ein guter Start in eine neue Reihe und der Cliffhanger am Ende macht Lust auf den zweiten Band.

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Veröffentlicht am 18.06.2023

Gut konstruierte Suche nach dem Mörder von Alaska

Die Affäre Alaska Sanders
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"Die Affäre Alaska Sanders" ist eine gut erzählte und interessante Geschichte, die mit einer komplexen Handlung voller Intrigen und einem stimmigen Ende aufwarten kann.

Wer schon Bücher des Autors Dicker ...

"Die Affäre Alaska Sanders" ist eine gut erzählte und interessante Geschichte, die mit einer komplexen Handlung voller Intrigen und einem stimmigen Ende aufwarten kann.

Wer schon Bücher des Autors Dicker gelesen hat, wird in "Die Affäre Alaska Sanders" auf altbekannte Charaktere treffen, wie den Erzähler und Protagonisten Marcus Goldman, Harry Quebert und Perry Gahalawood von der Staatspolizei New Hampshire.
Marcus Goldman wird in die Ermittlungen zu einem Mordfall an einer jungen Frau hineingezogen, der nach 11 Jahren wieder neu aufgerollt wird. Im April 1999 wird in der kleinen, beschaulichen Stadt Mount Pleasant die Leiche von Alaska Sanders am Ufer eines Sees gefunden. Die Ermittlungen werden schnell abgeschlossen, da die Polizei sowohl vom mutmaßlichen Täter als auch von seinem Komplizen ein Geständnis erwirkt. Elf Jahre später erhält Perry einen anonymen Brief, der bei ihm Zweifel aufkommen lässt, ob er damals den wirklichen Mörder von Alaska hinter Gittern gebracht hat. Er und Marcus beginnen, den Fall neu aufzurollen und stoßen dabei auf einige Familiengeheimnisse und ein Nest von Intrigen.

Von Beginn an schafft es der Autor Spannung aufzubauen und diese auch bis zum Ende hochzuhalten. Rückblenden in die Vergangenheit und eine wendungsreiche Handlung tragen dazu bei, dass man wissen will, wer hinter dem Mord an Alaska steckt. Die verschiedenen Zeit- und Handlungsstränge sind gut miteinander verwoben und werden in einem schlüssigen Ende zusammengeführt. Es ist eine gute Kombination aus Familiendrama, Ermittlungen und emotionalen Ereignissen. Ebenso lernt man Marcus Goldman etwas näher kennen, was vor allem für Fans der vorherigen Bände interessant ist. Lediglich in Bezug auf Harry Quebert hätte ich mir etwas mehr Szenen gewünscht.
Dank des flüssigen und einfachen Schreibstils, wird man schnell in die Geschichte hineingezogen. Jedoch dauert es am Anfang etwas bis die Handlung so richtig an Fahrt aufnimmt und so die ein oder andere Passage etwas langatmig ausfällt. Trotzdem liefert der Roman eine gut unterhaltende und leicht zu lesende Geschichte, aber einen spannenden Kriminalroman sollte man nicht erwarten.

Wem schon "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" gefallen hat, dem wird auch "Die Affäre Alaska Sanders" zusagen. Aber auch Liebhaber von gut konstruierten Geschichten mit Kriminalelementen werden auf ihre Kosten kommen.

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Veröffentlicht am 18.06.2023

Wenn Wörter töten...

Nicht ein Wort zu viel
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"Nicht ein Wort zu viel" ist ein klug konstruierter und fesselnd erzählter Thriller aus der Feder von Andreas Winkelmann.

Jemand spielt ein perfides Spiel mit ein paar Buchbloggern.
Die Buchbloggerin ...

"Nicht ein Wort zu viel" ist ein klug konstruierter und fesselnd erzählter Thriller aus der Feder von Andreas Winkelmann.

Jemand spielt ein perfides Spiel mit ein paar Buchbloggern.
Die Buchbloggerin Faja erhält ein Video, dass einen ihrer Buchblogger mit Folie gefesselt an einen Stuhl zeigt. Um sein Leben zu retten, soll sie sich eine spannende Geschichte, bestehend aus nur fünf Wörtern ausdenken. Was zunächst nur wie ein schlechter Scherz wirkt, entwickelt sich schnell zu einem gefährlichen Spiel auf Leben und Tod für die Buchblogger wie auch für die anfangs voneinander unabhängig agierenden Ermittler.

Dank der verschiedenen Erzählperspektiven, darunter die der zwei Ermittler, der Opfer, des Täters und der Buchbloggerin Faja, sowie der kurzen Kapitel entwickelt der Thriller schnell eine Sogwirkung. Kleine und größere Cliffhanger und viele überraschende Wendungen tragen ihr Übriges dazu bei.
Von Beginn an zeigt sich, dass die Stärke des Thrillers in seiner gut durchdachten und logisch aufgebauten Handlung liegt. Was die Buchblogger in nur fünf Wörtern schaffen soll, schafft Winkelmann über den ganzen Handlungsverlauf hinweg, eine spannende und zugleich überzeugende sowie plausible Geschichte zu erzählen. Geschickt werden hierbei auch Themen wie soziale Medien, Bookstagram und deren positive wie negative Seiten mit einem fesselnden Thriller verknüpft.

Einzig der nüchterne und wenig atmosphärische Schreibstil des Autors konnten mich nicht wirklich überzeugen. So fiel es mir beim Lesen schwer, trotz der thrillertypischen Schockmomenten und der teils an sich berührenden Einzelschicksale, irgendeine emotionale Verbindung zu den handelnden Personen aufzubauen. Die jeweiligen Charaktere blieben dadurch für mich eher blass und oberflächlich in ihrer Darstellung. Auch fühlte mir die düstere und bedrohliche Stimmung, die viele Thriller auszeichnet.
Die Spannung leidet jedoch nicht unter diesen Schwächen.

Wer auf der Suche nach einem fesselnden und auch blutigen Thriller mit leichten Literatur- und Buchszenebezug ist, der wird von "Nicht ein Wort zu viel" von Andreas Winkelmann enttäuscht sein.

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Veröffentlicht am 18.06.2023

Starke Frauen im alten Pompeij - spannungsarm erzählt

Die Wölfe von Pompeji
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"Die Wölfe von Pompeij" ist ein interessanter, aber spannungsarmer historischer Roman, der einen Einblick in das Leben der Frauen in einem Bordell in der antiken Stadt Pompeji liefert.

Von ihrer Mutter ...

"Die Wölfe von Pompeij" ist ein interessanter, aber spannungsarmer historischer Roman, der einen Einblick in das Leben der Frauen in einem Bordell in der antiken Stadt Pompeji liefert.

Von ihrer Mutter in die Sklaverei verkauft und zur Prostitution gezwungen, sehnt sich Amara nach einem Leben als freie Frau und dafür kämpft sie. Als Prostituierte ist sie gezwungen, ihren Körper für einen Mann zu verkaufen, den sie verachtet. Doch Amara versucht mittels ihrer Bildung und ihren unerbittlichen Überlebenswillen, einen Weg in die Freiheit zu finden. Die Mittel, die sie dabei wählt, lassen sie jedoch nicht immer in einem sympathischen Licht erscheinen, was sie jedoch authentischer erscheinen lässt.
In der Charakterisierung von Amara und den anderen Frauen liegt die Stärke des Romans, auch wenn manche Nebencharaktere etwas zu eindimensional dargestellt wurden. Ebenso scheut die Autorin nicht davor zurück, die harte Realität des Lebens im Bordell zu erkunden. Sexuelle, emotionale und körperliche Gewalt sind an der Tagesordnung für die Frauen, die alle wie Waren behandelt werden. Doch gibt es auch schöne Momente für die Frauen. So gibt es Momente der Liebe und des Lachens zwischen ihnen allen, sie feiern Feste und besuchen gemeinsam die Gladiatorenkämpfe. Aber auch Eifersucht und Bitterheit prägen ihr Leben.

Die Geschichte spielt vor der Kulisse von Pompeji, aber die Autorin schafft es leider nicht ganz, die damalige Zeit und die Stadt lebendig werden zu lassen. Als Leser*in bewegt man sich in Amaras Welt, die sich vorwiegend um das Bordell und ihre Bewohner dreht, sodass man nicht viel von außerhalb mitbekommt. Trotzdem hätte eine Ausweitung auf die umliegende Stadt geholfen, der Geschichte als Ganzes etwas mehr Seele und historisches Flair zu verleihen. So hatte man, abgesehen von den Nennungen der römischen Götter und von Gladiatoren, nicht wirklich den Eindruck, der Roman würde in der Antike spielen.
Zudem schreitet die Handlung nur sehr langsam voran. Der Roman ist stark von den Charakteren geprägt, und der Schwerpunkt liegt auf der Erforschung des Lebens dieser Frauen. Dennoch hat man beim Lesen das Gefühl, dass nicht wirklich viel an Handlung passiert. Das Erzähltempo nimmt erst zum Schluss hin etwas an Fahrt auf, um dann jedoch in einem vorhersehbaren und etwas unrealistischen Ende zu enden.

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Veröffentlicht am 20.05.2023

Danny goes west – ruhige, aber dennoch fesselnde Fortsetzung

City of Dreams
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"City of Dreams" ist ein wilder sowie ein zugleich kurzweiliger und fesselnder Ritt, der nahtlos an den ersten Band "City on Fire" der Mafia-Trilogie rund um Danny Ryan anknüpft. Für besseres Verständnis ...

"City of Dreams" ist ein wilder sowie ein zugleich kurzweiliger und fesselnder Ritt, der nahtlos an den ersten Band "City on Fire" der Mafia-Trilogie rund um Danny Ryan anknüpft. Für besseres Verständnis der Handlung ist es deshalb von Vorteil, den ersten Band im Vorfeld gelesen zu haben, bevor man mit dem zweiten anfängt.

Wie schon aus dem ersten Band bekannt, wird die Gangster-Geschichte aus der Sicht verschiedener Perspektiven atmosphärisch und bildlich erzählt und die Ereignisse passieren Schlag auf Schlag, im wahrsten Sinne des Wortes.

Danny Ryan ist auf der Flucht und versucht, dem kommenden Zorn der italienischen Mafia zu entgehen. Er und die Iren haben den Bandenkrieg verloren und er hat beschlossen, dass es an der Zeit ist, sich und den Rest seiner Familie aus Providence zu retten, bevor es zu spät ist. Da sowohl das FBI als auch die italienische Mafia ihm auf den Fersen sind, ist es die Regierung, die den ersten Kontakt zu Danny aufnimmt. Er bietet der Regierung an, ihr bei der Zerschlagung eines mexikanischen Kartells zu helfen, und zwar so, dass es für Danny Millionen wert wäre und er eine weiße Weste hätte. Ein Angebot, das er nur schwer ausschlagen kann, vor allem, wenn der Kontaktmann des FBI andeutet, dass das Leben aller seiner irischen Freunde und seiner Familie ernsthaft in Gefahr wäre, sollte er ablehnen. Während also Danny nach Westen geht, bleibt sein Gegenspieler Peter Moretti in Providence und sinnt auf Rache. Das Problem für Danny ist, dass er überall beobachtet wird und es gar nicht so einfach ist, unauffällig zu bleiben.

Die Handlung spielt diesmal größtenteils in Arizona, Nevada und Kalifornien (vor allem in Hollywood) und bewegt sich in einem rasanten Tempo vorwärts.
Dem Mafia-Thriller merkt man deutlich an, dass es sich um ein Bindeglied zwischen dem ersten Band und dem letzten Band, in dem es wohl oder über zu einem großen und blutigen Finale kommen wird, handelt.
Es steht eindeutig die Flucht von Danny & Co. und wie sich versuchen sich ein neues Leben aufzubauen im Vordergrund. Alles wird etwas ruhiger erzählt, es weniger action- und energiegeladen als im ersten Band. Für einen Thriller über die Mafia, ist das Buch vergleichsweise zahm, dennoch ist unterschwellig eine gewisse Bedrohung spürbar, die bestimmt in Band 3 vollständig zu Entfaltung kommen wird.
Das bedeutet jetzt aber nicht, dass handlungstechnisch nichts Großartiges passiert, ganz im Gegenteil. Liebschaften, Geschäfte, Auftragsmorde und die Familie spielen wieder eine große Rolle. Nebenbei erfährt man auch mehr über Danny und die anderen seiner Bande und lernt, was sie antreibt.

In "City of Dreams" stellt Don Winslow gekonnt und durchaus spannend die Weichen für einen fesselnden und wendungsreichen Showdown im finalen 3. Akt der Trilogie der Danny-Ryan-Reihe. Fans des ersten Bandes werden auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen.

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