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Veröffentlicht am 02.03.2026

Das Universum entdecken mit National Geographic Kids

National Geographic Kids - Lexikon des Weltalls; ein visuell spektakuläres Nachschlagewerk zu Astronomie und Raumfahrt für Kinder ab 8
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Von julirudi
Das „National Geographic Kids – Lexikon des Weltalls“ ist ein beeindruckend gestaltetes Sachbuch, das sich bestens für junge Entdecker eignet. Es öffnet ein faszinierendes Fenster zu den ...

Von julirudi
Das „National Geographic Kids – Lexikon des Weltalls“ ist ein beeindruckend gestaltetes Sachbuch, das sich bestens für junge Entdecker eignet. Es öffnet ein faszinierendes Fenster zu den Geheimnissen des Universums, von der Geschichte der Raumfahrt über die Planeten unseres Sonnensystems bis hin zu weit entfernten Nebeln und neuesten wissenschaftlichen Entdeckungen. Das Buch ist durchgängig reich bebildert mit spektakulären NASA-Fotos, die komplexe Themen visuell greifbar machen.
Die Sachtexte sind klar, verständlich und kindgerecht formuliert: Sie erklären astronomische Grundbegriffe, wichtige Fakten und aktuelle Forschungsergebnisse so, dass Kinder sie gut nachvollziehen können. Gleichzeitig bietet der Text Informationen, die auch Erwachsene begeistern können, was das Buch zu einem tollen gemeinsamen Leseerlebnis macht.
Ein weiteres Plus sind die Beobachtungstipps für den Nachthimmel, die Lust aufs eigene Entdecken und Sternegucken machen – eine schöne Verbindung von Theorie und praktischer Anwendung. Durch die Kombination aus fundiertem Fachwissen, eindrucksvollen Bildern und verständlicher Sprache eignet sich das Lexikon sowohl für den Einsatz in der Schule als auch für die Freizeit zuhause.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Eine Liebeserklärung an das Leben

Alt genug
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Mit ihrem Roman „Alt genug“ legt Ildikó von Kürthy ein ebenso humorvolles wie ehrliches Buch über das Älterwerden vor. Erzählerin ist, wie so oft bei ihr, Ildikó selbst. Anlass ihrer Gedankenreise ist ...

Mit ihrem Roman „Alt genug“ legt Ildikó von Kürthy ein ebenso humorvolles wie ehrliches Buch über das Älterwerden vor. Erzählerin ist, wie so oft bei ihr, Ildikó selbst. Anlass ihrer Gedankenreise ist eine Einladung zu einem 50. Geburtstag. Während sie sich für die Party zurechtmacht, schweifen ihre Gedanken zurück: zu prägenden Momenten ihres Lebens, zu Zweifeln, zu Mutproben – und zu den kleinen wie großen Herausforderungen des Frau-Seins.

Mit entwaffnender Offenheit schreibt sie über das Älterwerden, über Ängste und Panikattacken, über Selbstzweifel und den Mut, den sie gewinnt. Dabei verliert sie jedoch nie ihren unverwechselbaren Humor. Bildhaft, selbstironisch und mit feinem Gespür für Alltagskomik bringt sie ihre Leserinnen immer wieder zum Schmunzeln und oft auch zum Innehalten.

Der Roman ist mehr als ein Buch über das Erreichen einer bestimmten Altersmarke. Es ist ein Plädoyer für Lebensfreude, Selbstakzeptanz und die innere Stärke, die Frauen im Laufe ihres Lebens entwickeln. Ildikó von Kürthy gelingt es, ernste Themen mit Leichtigkeit zu verbinden und eine Atmosphäre zu schaffen, in der man sich verstanden fühlt.

Ein kluges und sehr persönliches Buch, das Mut macht, das eigene Leben mit all seinen Facetten anzunehmen.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Vom Versprechen der Kindheit

Villa Rivolta
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In „Villa Rivolta“, dem neuen Roman von Daniel Speck, verbringen Valeria, die Tochter der Haushälterin, und Piero, der Sohn einer wohlhabenden Mailänder Automobilunternehmerfamilie, als Kinder unbeschwerte ...

In „Villa Rivolta“, dem neuen Roman von Daniel Speck, verbringen Valeria, die Tochter der Haushälterin, und Piero, der Sohn einer wohlhabenden Mailänder Automobilunternehmerfamilie, als Kinder unbeschwerte Stunden im Garten der Villa. Sie schwören sich ewige Freundschaft. Dabei entsteht zumindest in Valeria mehr als nur Freundschaft. Sie verliebt sich in Piero und muss dennoch erfahren, dass eine Liebe unmöglich ist, da sie unterschiedlichen Gesellschaftsschichten angehören.

Der Roman beginnt Ende der 70er in Italien mit dem Ich-Erzähler Tonino, Valerias Sohn und führt die Leser in vergangene Epochen seit Ende des Zweiten Weltkrieges.
Als Tonino eine Waffe in einer Baugrube findet, sie mit zur Schule nimmt und dadurch in Schwierigkeiten gerät, wird eine Kette von Ereignissen ausgelöst, die alte Geschichten und lange gehütete Geheimnisse ans Licht bringt. Valeria sucht Hilfe bei Piero, ihrem einstigen Kindheitsfreund, und auf dem Weg zu ihm entfaltet sich ihre Lebensgeschichte: die Jahre in der Villa Rivolta, ihre tiefe, komplizierte Verbindung zu Piero und die Beziehung zu Toninos Vater Flavio.

Auf über sechshundert Seiten verwebt Speck persönliche Schicksale mit gesellschaftlichem Wandel. Es geht um die glanzvolle Welt der Rivolta-Automobile, um Streiks in den Fabriken und die Studentenunruhen der 1960er-Jahre. Im Zentrum jedoch steht die seelische Verbundenheit zwischen Valeria und Piero – eine Nähe, die zugleich Kraftquelle und Hindernis ist.
Während Valeria immer wieder darum ringt, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, gerät sie unter den Einfluss ihrer Mutter, später unter den von Flavio und nicht zuletzt unter den ihrer unerfüllten Liebe zu Piero. Sie bleibt gefangen zwischen Erwartungen, Loyalität und Sehnsucht. Piero hingegen scheint seinen Weg entschlossener zu gehen: Trotz des schweren Erbes der Fabrik und der Verantwortung für 350 Familien gestaltet er sein Leben aktiv, heiratet, gründet eine Familie und entwickelt sich weiter.
Daniel Specks bildhafte, atmosphärisch dichte Sprache zieht schnell in den Bann. Die wechselnde Ich-Perspektive in beiden Zeitebenen verleiht der Geschichte große Unmittelbarkeit und emotionale Nähe. Der Roman liest sich flüssig und fesselnd – die vielen Seiten vergehen erstaunlich schnell.
Dennoch hinterlässt das Ende einen zwiespältigen Eindruck. Nicht der offene Schluss an sich irritiert, sondern die Fragen, die unbeantwortet bleiben. Sollte eine Fortsetzung geplant sein, wäre das eine stimmige Entscheidung. Andernfalls bleibt ein Gefühl des Unvollendeten – und selbst mit viel Fantasie lassen sich manche Lücken nicht ganz schließen.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Wenn der Krieg bis ins Wartezimmer reicht

Zugwind
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„Zugwind“ von Iryna Fingerova erzählt die Geschichte von Mira, einer Ärztin und Ehefrau, die aus Odessa nach Deutschland zieht und dort Mutter einer Tochter wird. Ihr Leben gerät aus dem Gleichgewicht, ...

„Zugwind“ von Iryna Fingerova erzählt die Geschichte von Mira, einer Ärztin und Ehefrau, die aus Odessa nach Deutschland zieht und dort Mutter einer Tochter wird. Ihr Leben gerät aus dem Gleichgewicht, als Russland die Invasion in die Ukraine beginnt und Bomben auf ihre alte Heimat fallen. Die Nachrichten aus Odesa erschüttern sie zutiefst und reißen alte Bindungen wieder auf. Ihr Leben wird durch die vielen geflüchteten Verwandten und Freunde in ein Chaos gestürzt, die entweder bei ihr wohnen oder ihre Hilfe bei Behördengängen benötigen.
Als Mira eine Stelle in der Hausarztpraxis von Frau Erde und Frau Meer antritt (was im Übrigen sehr kreative Namen sind), wird die Praxis bald zu einer wichtigen Anlaufstelle für ukrainische Geflüchtete. Viele suchen bei Mira nicht nur medizinische Hilfe, sondern auch Trost, Verständnis und ein Stück vertraute Sprache. Die Begegnungen mit ihren Landsleuten lassen auch in ihr selbst eine wachsende Unruhe entstehen. Die Sehnsucht nach Odessa wird stärker, bis sie schließlich beschließt, dorthin zu reisen, um sich überzeugen zu können, ob es dort immer noch so ist wie vor ihrer Abreise.

Vor Ort erlebt sie eine Stadt im Ausnahmezustand – und zugleich eine irritierende Form von Alltag. Sie wundert sich über die Abgestumpftheit mancher Menschen, darüber, dass Sirenen kaum noch Reaktionen hervorrufen, und darüber, wie viele versuchen, jeden Tag zu leben, als könnte es ihr letzter sein.

Sprachlich spiegelt der Roman diese innere Zerrissenheit wider. Die Erzählstruktur ist bewusst nicht durchgehend geordnet; das Lesen fühlt sich stellenweise an wie ein Blick in Miras Tagebuch, dann wieder wie eine nüchterne Auflistung von Patientenschicksalen und Diagnosen. Gerade diese Form passt eindrücklich zum Thema des Buches.
Besonders überzeugend ist die ehrliche Sprache. Offen spricht Mira über Scham, Selbstmitleid und innere Konflikte. Der Roman weckt Mitgefühl, schafft Verständnis und öffnet den Blick für die Lebensrealitäten anderer. Ein tief berührendes Buch und nicht zuletzt auch mit einem sehr gelungenen Cover.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Das Moor vergisst nicht

Spiegelland
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Der Roman „Spiegelland“ von Rebekka Frank ist eine berührende Geschichte, die sich über drei miteinander verflochtene Handlungsstränge und die Zeitebenen 1756, 1999 und 2025 erstreckt. Im Sommer 2025 flieht ...

Der Roman „Spiegelland“ von Rebekka Frank ist eine berührende Geschichte, die sich über drei miteinander verflochtene Handlungsstränge und die Zeitebenen 1756, 1999 und 2025 erstreckt. Im Sommer 2025 flieht der vierzehnjährige Elias nach einem körperlichen Übergriff in seinem Fußballverein aus Bremen zu seiner Großmutter Cato in ihr abgelegenes Häuschen im Moor.

Schon Jahre zuvor war Cato selbst dorthin geflohen – gemeinsam mit ihrer damals zwölfjährigen Tochter Kira, Elias’ Mutter –, um ihrem gewalttätigen Ehemann Sven zu entkommen. Elias erfährt von dieser Familiengeschichte, damit er das Verhalten seiner Mutter nach dem Vorfall im Fußballverein besser verstehen kann.

Bereits 1999 hatte Cato das alte Haus von ihrer Großmutter geerbt und sich dort, nachdem sie den Mut gefasst hatte aus ihrer Gewalt geprägten Ehe auszubrechen, mit Kira ein neues Leben aufgebaut. Zu den besonderen Erbstücken gehört ein alter Wandteppich, der wie eine Karte aussieht. So beginnen Cato und Kira, sich mit dem Teppich zu beschäftigen und seine Bedeutung zu entschlüsseln. Dabei stoßen sie auf einen schrecklichen Fund und damit auf eine tragische Geschichte aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, die sich zwischen den rivalisierenden Dörfern Breddorf und Heudorf ereignete.



Aletta steht im Handlungsstrang des Jahres 1756 im Mittelpunkt. Sie löst ihre Verlobung mit Stoffer, dem wohlhabendsten Moorbauern in Breddorf, und verlässt damit nicht nur eine sichere Zukunft, sondern auch ihr bisheriges Leben. Gemeinsam mit ihrem Bruder Carsta und dessen Frau Beck zieht sie nach Heudorf, um sich dort eine eigene Existenz aufzubauen.

Doch das Leben im Moor ist entbehrungsreich und hart. Die Arbeit ist körperlich zermürbend, jeder Fortschritt mühsam errungen. Oft fehlt es an ausreichend Nahrung, und die Nächte verbringen sie in einer feuchten, zugigen Moorkate. Ihr Alltag ist geprägt von Anstrengung, Hoffnung und der ständigen Herausforderung, dem unwirtlichen Land ein Stück Leben abzuringen.

Dort begegnet Aletta dem neuen Nachbarn ihres Bruders und verliebt sich in ihn. Diese Beziehung bleibt jedoch nicht ohne Folgen: Alte Spannungen zwischen den Dörfern flam­men erneut auf, Misstrauen schlägt in offene Feindseligkeit um, und schließlich entladen sich die Konflikte in gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Breddorf und Heudorf.



Im Handlungsstrang des Jahres 1999 erleben wir Catos Flucht vor Sven und erfahren, wie er sie schließlich aufspürt. Doch diesmal bleibt sie nicht stumm: Sie zeigt ihn an, stellt sich ihm vor Gericht und beginnt, neuen Mut zu schöpfen – Schritt für Schritt findet sie zu ihrer alten Stärke zurück. Als Leser fiebert man mit ihr mit und ist zugleich fassungslos darüber, wie geschickt Sven sich selbst inszeniert und versucht, Cato als suizidgefährdet und instabil darzustellen, um seine eigene Gewalt zu verschleiern.

Dabei greift die Autorin zentrale gesellschaftliche Themen auf: geschlechtsspezifische Gewalt in der Ehe, strukturelle Diskriminierung, patriarchale Machtstrukturen und tradierte Rollenbilder. Sensibel und eindringlich macht sie auf diese Problematiken aufmerksam und verwebt sie zugleich mit der einzigartigen Moorlandschaft, deren Schönheit ebenso präsent ist wie ihre Schutzbedürftigkeit. So verbindet der Roman persönliche Schicksale mit Fragen von Umweltbewusstsein und Verantwortung – für Menschen wie für Natur.

Auch im jüngsten Zeitstrang, der aus Elias’ Perspektive erzählt wird, spiegeln sich diese Themen wider. Seine Geschichte ist eng mit den Ereignissen von 1999 verwoben. Beide Ebenen ergänzen und vertiefen einander, sodass sich nach und nach ein vielschichtiges Gesamtbild ergibt. Gerade diese Verbindung der Generationen macht den Roman für Leserinnen und Leser unterschiedlichen Alters zugänglich.

Sprachlich überzeugt das Buch durch einen flüssigen, eindringlichen Stil. Trotz seines Umfangs von über 500 Seiten liest es sich erstaunlich schnell und wirkt lange nach. Die einzelnen Zeitstränge bilden eigene Kapitel, wechseln sich rhythmisch ab und enden häufig mit spannungsvollen Cliffhangern. Dadurch entsteht ein Sog, dem man sich kaum entziehen kann.

Ein rundum gelungener Roman, der bewegt und nachhaltig beeindruckt.

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