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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.10.2025

… zäh …

All Better Now
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Von Neal Shusterman habe ich bereits einige Bücher gelesen, die mir gut gefallen haben, vor allem die Scythe-Reihe.

All better now kommt mit einem dystopischen Setting daher. Es wird kein genaues Jahr ...

Von Neal Shusterman habe ich bereits einige Bücher gelesen, die mir gut gefallen haben, vor allem die Scythe-Reihe.

All better now kommt mit einem dystopischen Setting daher. Es wird kein genaues Jahr genannt, aber die Handlung scheint in der nahen Zukunft zu spielen, da auf die Corona-Pandemie und ihre Folgen Bezug genommen wird. Gleichzeitig gibt es ein paar technische Entwicklungen, die eher futuristisch wirken.

Eine neue Corona-Mutation, Crown Royale, bedroht die Menschheit. Erneut sterben Menschen. Diejenigen, die überleben, sind danach verändert. Die Menschen haben neue Lebensziele. Sie sehen in allem das Positive und sind einfach nur glücklich.

Für manch einen Charakter ist genau das ein Grund, sich absichtlich mit dem Virus anzustecken. Was könnte besser sein, als sorglos durchs Leben zu gehen? Besonders wenn man von schweren Verlusten geprägt ist oder gegen Depressionen kämpft.

Und so entwickeln sich zwei Lager: Die einen wollen das Virus vermeiden oder bekämpfen, sie schotten sich ab, haben Angst vor einer Wesensveränderungen und all ihren Folgen – den privaten aber auch den wirtschaftlichen. Die anderen setzen auf eine gezielte Verbreitung – denn wenn alle Menschen glücklich sind, verschwinden doch auch alle Konflikte und Sorgen von der Erde!? Dafür nehmen sie auch in Kauf, dass ein kleiner Prozentsatz aller Infizierten nicht überleben wird.

Das Szenario an sich ist super spannend und die gegensätzlichen Sichtweisen regen zum Nachdenken an. Dennoch fand ich das Buch langatmig und teils auch nervig. Die zwei Extreme predigen immer wieder ihre Ansichten. Völlig überzeugt davon, dass sie im Recht sind, gibt es seitenlange Beschreibungen, warum ausschließlich ihre Meinung stimmen kann und warum nur so die Menschheit gerettet werden kann. Es gibt nur schwarz oder weiß, kein vernünftiges Abwägen. Entschieden wird über den Kopf aller anderen Menschen hinweg.
Der ganze Schreibstil ist anstrengend. Einerseits philosophisch langatmig, andererseits extrem belehrend. Und einfach wenig flüssig oder emotional.
Zudem zieht sich auch die Handlung in die Länge, da beide Seiten nur schwer nennenswerte Fortschritte erzielen können. Erst zum Ende hin wird das Geschehen dann deutlich spannender – aber auch dies natürlich mit ordentlichen Extremen und Übertreibungen.

Für mich gab es keine Figur, mit der ich wirklich mitfiebern wollte. Durch ihre Haltungen und Taten ist niemand wirklich sympathisch. Einzig Mariel zeigt eine etwas ausgewogenere Sichtweise und denkt (manchmal) über Dinge nach, bevor sie handelt.

Geschildert wird das Geschehen um einen kleinen Kreis von Personen. Allerdings gibt es immer wieder Blicke rund um die Welt zu Ereignissen und Personen, zu Erkrankten, die ihr Leben ändern. Diese wirken erst mal völlig zusammenhanglos, wie es der „Zufall“ so will, entwickeln die meisten dieser Figuren aber doch noch einen Bezug zum Hauptstrang. Dem Lesefluss haben all diese – letztlich doch eher belanglosen – Nebencharaktere eher nicht gut getan und ihre Einbindung in die Geschichte wirkt, wie vieles in dem Buch, sehr konstruiert.

Ich war ehrlich gesagt froh, als ich mit dem Buch durch war und kann mir aktuell nicht vorstellen, auch noch den zweiten Teil zu lesen, auch wenn das Ende ein wenig neugierig darauf macht.

Fazit

Was nach einem spannenden Szenario klang, entwickelt sich für mich leider zu einem zähen Leseerlebnis. Die Handlung kommt nicht voran, die extremen Positionen werden immer wieder unnötig ausführlich wiederholt und zu den Charakteren habe ich keinen Zugang gefunden…

Veröffentlicht am 07.09.2025

über neue Perspektiven und zweite Chancen

Neuanfang in Notting Hill
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Nachdem Jess von ihrem Freund hintergangen und verlassen wurde, wohnt sie bei ihrer Freundin und deren Familie. Doch der Platz ist eng und eine andere Lösung muss her. Über eine Zeitungsannonce findet ...

Nachdem Jess von ihrem Freund hintergangen und verlassen wurde, wohnt sie bei ihrer Freundin und deren Familie. Doch der Platz ist eng und eine andere Lösung muss her. Über eine Zeitungsannonce findet Jess ein Zimmer bei der 79-jährigen Joan, die eine Untermieterin sucht. Jess‘ Einzug wird die Leben beider Frauen kräftig durcheinander bringen…

Hier prallen Welten aufeinander:

Jess, Anfang 30, fest verbunden mit ihrem Handy, macht alles online.
Joan, fast 80, lebt offline, verlässt das Haus kaum noch und bringt einen Rucksack voll unterschiedlicher (Lebens-)Erfahrungen mit.

Ein Tag ohne ihr Smartphone, für Jess unvorstellbar. Mit Joan schließt sie einen Pakt, der sie sogar mehrere Monate von ihrem gewohnten Leben abschneiden wird: Jess geht offline, wenn Joan dafür online geht. Während die betagte Dame sich beim Online-Dating versucht, schaltet Jess eine Anzeige in der Zeitung. Während Jess ein Telefonbuch braucht, um nach Adressen und Telefonnummern zu recherchieren, lernt Joan, Informationen zu googeln. Während die eine wieder mehr am Leben teilnimmt, kommt die anderen zur Ruhe, hat Zeit für ihre Gedanken und findet Hobbys abseits des digitalen Lebens.

Begegnen sie sich und ihrer neuen Wohnsituation zu Beginn noch mit gewiesenen Zweifeln und Skepsis, profitieren beide im Verlauf sehr voneinander. Sie haben Gesellschaft, lernen voneinander, bekommen neue Blickwinkel und Unterstützung in Situationen, bei denen ihnen gar nicht bewusst war, dass sie einen Schubs brauchen.

Beziehungen und Gefühle spielen in der Geschichte eine große Rolle, aber es geht noch um so viel mehr:
Sowohl Jess als Joan beschäftigen sich mit der Vergangenheit und verpassten Chancen. Erlebtes muss aufgearbeitet werden. Neue Wege als solche erkannt werden. Sie nehmen die Welt mit und ohne digitale Medien unterschiedlich wahr.
Und vor allem fragen sie sich: Was brauche ich, um glücklich zu sein?


Fazit

Große Überraschungen bietet die Story nicht, dennoch hat mich die Geschichte sehr gut unterhalten, oft berührt, manchmal zum Schmunzeln gebracht und auch in vielen Momenten zum Nachdenken angeregt.

Veröffentlicht am 07.08.2025

Nach spannendem Start sehr schleppend

Faebound
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Die Optik des Buches ist toll, der Inhalt konnte mich leider nicht überzeugen. Das geht schon beim Schreibstil los, den ich insgesamt als recht holprig und irgendwie anstrengend empfunden habe.

Der Einstieg ...

Die Optik des Buches ist toll, der Inhalt konnte mich leider nicht überzeugen. Das geht schon beim Schreibstil los, den ich insgesamt als recht holprig und irgendwie anstrengend empfunden habe.

Der Einstieg in die Geschichte hat mir gut gefallen: Wir begleiten Yeeran in ihre erste Schlacht als Colonel, die gründlich schief geht. Ein temporeicher, aufregender, spannender Beginn. Doch dann gibt es immer mehr Längen, ich fand die Geschichte mit der Zeit geradezu langweilig. Die Handlung kommt einfach nicht voran, stattdessen wird ganz viel Alltag geschildert. Dabei erhalten die Figuren immer mal wieder kleine Hinweise auf Zusammenhänge, die später wichtig werden, über die sie aber einfach hinweggehen, sodass sie letztlich natürlich völlig überrascht werden.
Die Figuren, die sich mögen, tänzeln unnötig lange umeinander herum und machen sich gegenseitig das Leben schwer, statt einfach mal miteinander zu sprechen.

Die Geschichte wird aus der Sicht der zwei Schwestern Yeeran und Lettle geschildert – aber eher allwissend und distanziert, denn es werden auch die Dinge beschrieben, die sie nicht sehen oder nicht riechen. Die Schwestern sind 34 und 28, diskutieren aber wie Kinder. Besonders Lettle fällt immer wieder mit ihrem oft bockigen, trotzigen Verhalten auf. Und dann noch dieses ständige Geknurre. Ich bin mit beiden nicht so recht warm geworden.

Was mir am Buch gefallen hat, ist der Weltenentwurf mit seinen verschiedenen Völkern mit den unterschiedlichen Fähigkeiten und ihrer lang zurückreichenden Geschichte, die über kleine Zwischenkapitel erklärt wird. Es gibt eine vielfältige Mischung queerer Charaktere und sehr offenes, buntes, tolerantes Gesellschaftssystem – zumindest in Bezug auf Geschlechter und Partnerschaften. In ihren Vorurteilen gegenüber den anderen Völkern sind sie hingegen komplett festgefahren. Auch die Verbindung zu den Tieren, die Kommunikation und deren Verhalten mochte ich.
Das Glossar ist sehr witzig gestaltet.

Obwohl ich einerseits nach dem offenen Schluss neugierig wäre, wie es weitergeht, denke ich aktuell nicht, dass ich Band 2 lesen werde.

Fazit

Geheimnisse, Intrigen und Betrug, die Charaktere sehen sich verschiedenen Schwierigkeiten gegenüber. Viel zu häufig verliert sich die Handlung aber in langweiligen Alltagsbeschreibungen, wenn die Geschichte nach einem spannenden Start immer mehr an Tempo verliert.

Veröffentlicht am 21.07.2025

Wichtiges, aber auch bedrückendes Buch

Kinder von fern
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Im Nachwort beschreibt die Autorin, wie sie regelmäßig mit Schulklassen über ihre Bücher zum Zweiten Weltkrieg spricht. Der Auslöser für "Kinder von fern" waren Kinder in diesen Klassen, die selbst Krieg ...

Im Nachwort beschreibt die Autorin, wie sie regelmäßig mit Schulklassen über ihre Bücher zum Zweiten Weltkrieg spricht. Der Auslöser für "Kinder von fern" waren Kinder in diesen Klassen, die selbst Krieg erlebt haben und vor Krieg geflohen sind.

Und so erzählt das Buch die Geschichte von 4 Kindern, 2 aus Syrien, 2 aus Afghanistan, die ihre Heimat verlassen mussten und dabei nicht nur ihr Hab und Gut verloren haben, sondern teilweise auch Familienangehörige zurücklassen mussten.

Mehrere Kapitel zu jedem Kind geben zunächst einen kurzen Einblick zum Leben in ihrem Herkunftsland, bevor die unterschiedlichen Fluchtgründe und -wege mit ihren Zwischenstationen geschildert werden. Alle Geschichten enden zunächst irgendwo auf dem Weg und bleiben damit erstmal offen.

Im letzten Drittel des Buches gibt es dann zu jedem der Kinder nochmal wenige Seiten, die ihr späteres Leben in Flüchtlingsunterkünften in den Niederlanden beschreiben, mit ihren Hoffnungen, Wünschen, aber auch mit den allgegenwärtigen Ängsten, Traumata und Gedanken an die Zurückgelassenen. Mit der Ankunft in einem sicheren Land ist ihre Reise noch lange nicht vorbei...

Ein wichtiges Thema für ein Kinderbuch, nicht nur um diesen Kindern eine Stimme zu geben, sondern auch um deutschen Kindern einen Eindruck zu vermitteln, was ihre neuen Mitschüler:innen erlebt haben könnten, aber vielleicht noch nicht erzählen können oder wollen. Oder einfach, um für das Thema zu sensibilisieren, über andere Länder und Kulturen zu informieren und einen Blick über den eignen Tellerrand zu schaffen.

Die Sprache ist einfach und kindgerecht gehalten, während es das Thema nicht immer ist: die Kinder erleben Bombenangriffe mit, ein Vater wird gefoltert, ein Geschwisterpaar nimmt den Weg übers Mittelmeer, ohne schwimmen zu können. Die Schrecken und Beklemmungen schwingen durchweg mit, auch wenn sie nicht immer explizit benannt werden. Nicht nur auf dem Weg, sondern beispielsweise auch wenn die Familien in den Niederlanden erstmals Silvester erleben und zu den Geräuschen ganz eigene Assoziationen haben.

Das Buch enthält viele farbige Illustrationen, teilweise doppelseitig, teilweise kleine Bilder im Text, die farbenfrohe, traditionelle Gewänder zeigen, aber mit teils düsteren Zeichnungen auch das Geschehen auf der Flucht unterstreichen.

Fazit

Ein wichtiges Thema, eindringlich, und dennoch sensibel kindgerecht umgesetzt.

Veröffentlicht am 07.06.2025

Sehr spannend

Heartless Hunter. Der rote Nachtfalter, Band 1
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Rune ist ein Mädchen aus gutem Haus mit einer tiefen Wunde und einem dunklen Geheimnis. Sie spielt den Leuten das oberflächliche Mädchen vor, dass sich nur für Bälle und Kleidung interessiert (was sie ...

Rune ist ein Mädchen aus gutem Haus mit einer tiefen Wunde und einem dunklen Geheimnis. Sie spielt den Leuten das oberflächliche Mädchen vor, dass sich nur für Bälle und Kleidung interessiert (was sie durchaus dennoch tut), während sie heimlich stets nach Informationen horcht, die ihr bei den Befreiungsaktionen helfen können. Sie hat dabei zwei gute Freunde an ihrer Seite, die ihr Geheimnis wahren und sie in ihrem Tun unterstützen.

Um an besonders brisante Informationen zu gelangen, flirtet Rune mit dem Hexenjäger Gideon und ahnt nicht, dass dieser seinerseits Hinweise bekommen hat, die Rune belasten und denen er auf den Grund gehen will.
Und so spielen sie einander Interesse vor, um sich gegenseitig auszuhorchen, was eine spannende Konstellation ist. Besonders da beide beginnen, echte Zuneigung zu empfinden und sich dadurch nicht nur in ihrem Spiel miteinander sondern auch in ihrem ganz eigenen Gefühlschaos verheddern.

Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus der personalen Sicht der beiden Hauptfiguren, sodass ein Blick in ihre aufgewühlten Gedanken und ihre geheimen Pläne ermöglicht wird.

Rune läuft Gefahr, jederzeit entdeckt zu werden. Gideon läuft Gefahr, seinen Auftrag zu vermasseln. Rune könnte zu spät kommen, um die zuletzt gefangene Hexe zu retten. Gideon könnte wichtige Hinweise übersehen, wenn er sich von seinem Herz leiten lässt. Die Handlung ist ein stetiges Auf und Ab zwischen ruhigen Passagen, kleinen Wortgefechten, knisternder Annährung und actionreichen, dramatischen Rettungsmissionen. Dabei kommt es zu einigen Wendungen, denn Rune ist nicht die einzige, die Geheimnisse verbirgt.
Am Ende überschlagen sich die Ereignisse geradezu und ich bin sehr gespannt auf den zweiten Band.

Fazit

Eine Hexe und ein Hexenjäger, die miteinander anbandeln, weil sie voneinander Informationen erhoffen. Doch der Plan geht ziemlich schief. Ein doppeltes Verwirrspiel sorgt für jede Menge Gefühlschaos. In Kombination mit der magischen Handlung und den zahlreichen Geheimnissen entwickelt sich eine sehr spannende Geschichte, die ich nur schwer aus der Hand legen konnte.