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Veröffentlicht am 14.03.2026

Über Mutterschaft und weibliche Solidarität

Das Tränenhaus. Roman
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"Einmal musste wohl alles dieses von einer Frau gelitten werden, die es nicht nur dumpf quälend fühlt, sondern die es in Erkenntnis umwandeln wird ... jetzt noch nicht - einmal in der Zukunft ... Das geschieht ...

"Einmal musste wohl alles dieses von einer Frau gelitten werden, die es nicht nur dumpf quälend fühlt, sondern die es in Erkenntnis umwandeln wird ... jetzt noch nicht - einmal in der Zukunft ... Das geschieht nur, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Ich meine, wenn da draußen viele sind, die warten, dass eine letzte Türe zu einer Erkenntnis ihnen geöffnet wird.“

1908 ist „Das Tränenhaus“ erstmals erschienen. Gabriele Reuter war zu dem Zeitpunkt schon eine viel gelesene Autorin. Das Buch schlug ein, beschreibt es doch in einer Offenheit ein Frauenerleben, das von der Gesellschaft tabuisiert ist.

Die Protagonistin Cornelie Reimann ist erfolgreiche Schriftstellerin (man kann hier einige autobiographische Parallelen erkennen) und aus einer für sie als Liebe empfundenen Liaison geht eine Schwangerschaft hervor. Reimann ist ledig und hat weder vor, den Vater ihres Kindes zu heiraten oder auch nur in einer Beziehung zu halten, noch ihre Mutter mit ihrer Schwangerschaft zu konfrontieren. Sie zieht sich für einige Monate in eine „Einrichtung“ zurück, die von einer Hebamme in der schwäbischen Provinz geleitet wird. Eigentlich möchte sie hier nur ihre Ruhe finden und ihr aktuelles Werk vollenden, um bei der Geburt des Kindes finanziell besser aufgestellt zu sein. Ihren Rückzug gibt sie allerdings nach und nach auf, als sie merkt, dass sie mit den anderen Frauen - mögen sie auch aus anderen Gesellschaftsschichten kommen - im selben Boot sitzt. Sie alle teilen die Erfahrung der Schwangerschaft und Mutterschaft, die gesellschaftliche Schmähung und das Alleingelassenwerden in dieser Situation. Allzu grobe Ungerechtigkeiten seitens der Hausmutter duldet die ruhige, zurückhaltende Protagonistin nicht. Sie spürt die Verbundenheit zu den anderen Frauen und während sie die gesellschaftlich bedingten Unterschiede zu ihnen erkennt, muss sie dennoch feststellen, dass alle Frauen gewisse Erfahrungen teilen und in der Gemeinschaft auftreten sollten.

"(...) Macht und Gewalt könnte der Gedanke der Liebe gewinnen, wenn er die Frauen zu einer Einheit zusammengießen würde - darin alle für eine und eine für alle stehen in jener Zeit, wo die Frau am meisten Weib, am schutzbedürftigsten ist - und wo der Mann seiner Natur nach versagen muss, wo er dem letzten Weibgeheimnis immer fremd und peinvoll betroffen gegenüberstehen wird.“

Man kann kaum glauben, dass ein Buch mit einer so starken Botschaft schon vor über hundert Jahren erschienen ist. Auch wenn sich einige Zustände zum Besseren gewandelt haben, das Patriarchat ist noch lange nicht beendet und die Forderung nach weiblicher Solidarität ist eine sehr aktuelle. Reuters Buch liest sich also immer noch wie ein aktuelles. Es ist darüber hinaus auch eine warmherzige Geschichte, sprachlich überhaupt nicht angestaubt und eine sehr unterhaltsame Lektüre.

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Veröffentlicht am 14.03.2026

Großartiger historischer Roman

Oberammergau
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"Was war in jener Nacht nur in sie gefahren, Gott ein Passionsspiel zu versprechen, und zwar nicht nur eines davon, sondern unendlich viele, von jetzt bis ans Ende der Zeit?“

Nachdem die Pest in Oberammergau ...

"Was war in jener Nacht nur in sie gefahren, Gott ein Passionsspiel zu versprechen, und zwar nicht nur eines davon, sondern unendlich viele, von jetzt bis ans Ende der Zeit?“

Nachdem die Pest in Oberammergau ganz fürchterlich gewütet hat, bittet man in seiner größten Verzweiflung Gott darum, dass das doch endlich aufhören möge. Man verspricht Ihm im Gegenzug, dass man alle zehn Jahre Passionsspiele abhalten wird. Nun, viele Überlebende gibt es schon nicht mehr und vermutlich war zu dem Zeitpunkt schon das Schlimmste überstanden… Dennoch, das gewünschte Wunder scheint zu geschehen: Es gibt keine weiteren Pestkranken im Dorf.

Johannes, der neue Pfarrer in Oberammergau, entflammt bald für die Idee des Laien-Passionsspiels und wird nach und nach zur treibenden Kraft. Er bildet einen skurrilen kleinen Trupp mit einer resoluten, jungen Witwe, einem zum Dorfsklaven gemachten schwedischen Soldaten, dem talentierten Organisten und ein paar anderen (und durchaus wechselnden) Dorfbewohnern. Doch ihr Vorhaben ist nicht so ohne Weiteres in die Tat umzusetzen, gibt es da doch noch den ein oder anderen Gegenspieler im Dorf…

Historische Romane gibt es wie Sand am Meer. Um so schwieriger gestaltet es sich, die wirklich guten darunter zu finden. „Oberammergau" ist einer von ihnen!
Wer Robert Löhr kennt, hatte das auch schon erwartet. Der Autor hat schon ein paar unterhaltsame historische Romane geschrieben. Nach vielen Jahren liegt nun endlich wieder ein gut recherchierter, sprachlich amüsanter Roman vor. Hier treffen sonderbare Personen aufeinander, keine ist nur gut oder böse, manche hat ihre dunklen Geheimnisse. Letzten Endes versucht fast jede, ihre eigenen Interessen durchzusetzen, und muss dabei mit dem Widerstand einer anderen umzugehen wissen. Das ist äußerst amüsant; die Lektüre ist trotz der ein oder anderen eingestreuten Grausamkeit eine sehr erbauliche. Ganz nebenbei lernen wir noch etwas über die Geschichte Oberammergaus und den Dreißigjährigen Krieg.

Ich rate nur sehr christlichen und zur Bigotterie neigenden Menschen von der Lektüre ab. Alle anderen werden sich sehr amüsieren.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Einstieg in das naturnahe Gärtnern

Mein wilder, bunter Garten – Einfach naturnah gärtnern
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„Unabhängig davon, ob du einen Garten neu anlegst oder einen bestehenden Garten umgestaltest, ganz gleich, ob Beet, Balkon oder verwilderte Ecke, bunte Artenvielfalt kann überall Wurzeln schlagen.“

Mit ...

„Unabhängig davon, ob du einen Garten neu anlegst oder einen bestehenden Garten umgestaltest, ganz gleich, ob Beet, Balkon oder verwilderte Ecke, bunte Artenvielfalt kann überall Wurzeln schlagen.“

Mit "Mein wilder, bunter Garten“ bietet Silvia Hardt ein gutes Einsteigerbuch für alle, die willens sind ihren Garten naturnah zu gestalten. Nach einer kurzen Einführung in das Thema des naturnahen Gärtnerns, werden die einzelnen Lebensräume, die in einem gesunden Garten existieren, beschrieben. Die Autorin erklärt, wie jeder dieser Lebensräume gestaltet werden kann und welche Materialen und Pflanzen sich eignen. Abschließend werden noch die Tiere, die im naturnahen Garten leben, portraitiert und eine übersichtliche Auswahl an Pflanzensteckbriefen geboten.

Das Buch ist sehr ansprechend gelayoutet und strukturiert. Ich werde in diesem Frühjahr ein Staudenbeet mit Hilfe dieses Buches anlegen und auch das Projekt „Schottergarten umgestalten“ angehen.Der Ansatz, die verschiedenen Lebensräume und ihre Gestaltungsmöglichkeiten darzustellen, scheint mir sehr gut für die konkrete Umsetzung geeignet, wenn man noch nicht viel Erfahrung mit dem Gärtnern hat.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Willkommen in der Wortspielwelt des Neinhorns

Das NEINhorn-ABC
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ENTe SCHULDIGUNG: „Schnack, schnack, schnack, schnack. Entschuldigung. Rede ich zu viel?
FROHsch: „Im Gegenteil! Ich bin voll froh, jemanden zum Schnacken und Quaken zu haben!“

Wer das Neinhorn kennt, ...

ENTe SCHULDIGUNG: „Schnack, schnack, schnack, schnack. Entschuldigung. Rede ich zu viel?
FROHsch: „Im Gegenteil! Ich bin voll froh, jemanden zum Schnacken und Quaken zu haben!“

Wer das Neinhorn kennt, kennt auch die vielen anderen lustigen Gesellen, die sich in dieser Welt tummeln. Es handelt sich dabei immer um witzige Wortspiele.
Für meinen Sohn ist der Anhang des ersten Neinhorn-Bandes bzw. die letzten Minuten des dazugehörigen Hörbuchs der Dauerbrenner. Immer wieder liest er sich die Tiernamen durch und erfindet neue dazu. Deshalb hat er sich auch sehr auf das Neinhorn-ABC gefreut. In diesem Büchlein im Geschenkformat ist jedem Tier eine ganze Seite gewidmet. Die tollen Illustrationen von Astrid Henn kommen also richtig zur Geltung. Und neben dem Namen des Tieres gibt es auch jeweils eine direkte Rede, die die Besonderheit des Tieres aufzeigt. Ich würde das Buch nicht nur Kindern im Bilderbuchalter empfehlen, sondern auch allen anderen kleinen und großen Fans vom Neinhorn.

Dieses Buch gehört schon den großen Favoriten im Kinderbuchregal.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Lektüreempfehlungen

Die literarische Hausapotheke
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"Wir lesen Literatur, um zu leben. Nicht, um besser zu leben. Das kommt später. Erst einmal lesen wir, um überhaupt weiterzuleben. Um das Leben zu ertragen. Um ein ausgebremstes Leben wieder in Schwung ...

"Wir lesen Literatur, um zu leben. Nicht, um besser zu leben. Das kommt später. Erst einmal lesen wir, um überhaupt weiterzuleben. Um das Leben zu ertragen. Um ein ausgebremstes Leben wieder in Schwung zu bringen.“

Und dafür hat Stefan Bollmann eine vielfältige Lektüreauswahl zusammengestellt: Aufgeteilt nach Anwendungsgebiet, einer Inhaltsangabe und den möglichen Nebenwirkungen empfiehlt der Autor uns 62 Werke aus den unterschiedlichsten Genres und Zeiten und zu den unterschiedlichsten Themen. Bollmanns Empfehlungen lesen sich sehr interessant, seine Auswahl kommt zumindest mir sehr entgegen. Einige der empfohlenen Geschichten kenne ich schon, doch viele kommen nun erst auf meine Leseliste.
Der Autor war mir schon von „Frauen und Bücher“ bekannt und auch seine Hausapothekenauswahl berücksichtigt sehr stark auch weibliche Autorinnen.

Wer noch auf der Suche nach der nächsten guten Lektüre ist, kann sich bei Bollmann inspirieren lassen. Von Franz Kafka und Thomas Mann, über Virginia Woolf und Charlotte Brontë, bis hin zu Siri Hustvedt und Patrica Highsmith sind viele spannende Autor*innen und ihre Werke zu entdecken.

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