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Veröffentlicht am 02.10.2019

Bilderbuch für Erwachsene

Jane Austen
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"Little People, Big Dreams erzählt von den beeindruckenden Lebensgeschichten großer Persönlichkeiten."

Hier also von Jane Austen, die vom aufgeweckten jungen Mädchen zur Schriftstellerin wird. In einer ...

"Little People, Big Dreams erzählt von den beeindruckenden Lebensgeschichten großer Persönlichkeiten."

Hier also von Jane Austen, die vom aufgeweckten jungen Mädchen zur Schriftstellerin wird. In einer Zeit, in der das nicht typisch und bestimmt auch nicht einfach war.

Schon lange liebäugle ich mit Büchern aus dieser Serie und es wird auch bestimmt nicht mein einziges Exemplar bleiben.
Das Cover und die edle Aufmachung des Buches - eher raues Papier, Textilbindung und dadurch ein farblich abgesetzter Buchrücken - ziehen die Aufmerksamkeit auf sich: Jedes Buch dieser Serie ist in einer anderen Farbe gehalten (Jane kommt in einem zarten Pastellgrün daher), darauf die stilisierte Zeichnung der berühmten Persönlichkeit. Und ihr Name und gleichzeitig Titel des Buches ist in der Originalunterschrift typographiert.
Allein aufgrund dieser äußerlichen Gestaltung möchte man sich das Buch unbedingt ins Regal stellen.

Inhaltlich war ich dann aber sehr enttäuscht. Das Buch soll sich offiziell an Kinder ab vier Jahren richten. Natürlich muss die Lebensgeschichte von Jane Austen dafür sehr verknappt und mit dem Schwerpunkt auf den Illustrationen erzählt werden. Doch das ist nur mäßig gelungen. Ein Satz, maximal zwei Sätze pro Doppelseite und wenig aussagekräftige Bilder reichen einfach nicht. Gleichzeitig schaffen es die wenigen Sätze aber kompliziert und voller Ausdrücke zu sein, die einem Vierjährigen fremd sind. Die Figuren werden sprunghaft älter, ohne dass dies erzählerisch oder bildlich deutlich gemacht wird. Außerdem ist das Buch in seiner Gestaltung langweilig für Kinder.

Man hält hier also eher ein Sammlerstück für Erwachsene in Händen. Die Erwachsenen nämlich können sich an der bewusst kindlich gehaltenen Ästhetik der Illustrationen erfreuen, die wie Buntstiftzeichnungen aus Kinderhand wirken. Sie kennen die Geschichte der Protagonisten und begreifen sie in ihrer verknappten Darstellung als Kunstgriff. (Und falls sie sie nicht kennen, wird sie auf einer Doppelseite im Anhang nochmal zusammengefasst. Was übrigens zu beweisen scheint, dass das Buch selbst diese Aufgabe gar nicht erfüllen möchte.)

Ich bin angetan von diesem Bilderbuch für Erwachsene, weil ich es so schön gestaltet finde. Aber es stört mich, dass es als Kinderbuch verkauft wird. Damit versucht man wohl seine Schlichtheit zu begründen, seine kindlichen Zeichnungen und textlichen Schwächen. Das sollte man nicht nötig haben, wenn man einfach ein künstlerisches und ästhetisches Bilderbuch für Erwachsene herausbringen möchte. Was soll diese Verkaufsstrategie für eine Zielgruppe ansprechen? Erwachsene Frauen, die damit kokettieren im Herzen ein kleines Mädchen geblieben zu sein und deshalb ihre moderne Wohnung mit diesem Buch dekorieren.
Das geht mir etwas gegen den Strich und deshalb ziehe ich einen Stern ab.
Ansonsten ist es uneingeschränkt empfehlenswert. Ein wunderschönes, reizvolles Buch.

Veröffentlicht am 16.09.2019

Ein kleines Kunstwerk

Die kleine Spinne Widerlich sagt Gute Nacht (Pappbilderbuch)
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"Gute Nacht, mein Schatz, jetzt schlaf auch du."

Die kleine Spinne Widerlich ist bettfertig und macht sich auf den Weg, ihrer Familie und ihren Freunden Gute Nacht zu sagen, bis sie schließlich zu ihrem ...

"Gute Nacht, mein Schatz, jetzt schlaf auch du."

Die kleine Spinne Widerlich ist bettfertig und macht sich auf den Weg, ihrer Familie und ihren Freunden Gute Nacht zu sagen, bis sie schließlich zu ihrem eigenen Netzchen gelangt und von ihrer Mama einen Gutenachtkuss bekommt.

"Die kleine Spinne Widerlich sagt Gute Nacht" ist ein zauberhaftes Pappbilderbuch für die Kleinsten. In einem Vierzeiler in Reimform sagt die kleine Spinne Gute Nacht und wir erfahren, was ihre Liebsten abends so machen.

Die Sprache geht ins Ohr, die Illustrationen sind wunderschön und detailliert. Diese Geschichte kann man schon ganz kleinen Kindern Abend für Abend vorlesen. Sie prägt sich sehr schnell ein und gibt dadurch Geborgenheit.
Ältere Kinder können bald mitsprechen und finden in den Bildern immer wieder neue interessante Details.

Wir erfahren in diesem Büchlein zwar wenig über die "Vorgeschichte" der Spinne Widerlich (dazu muss man wohl das erste Buch kennen), aber das macht nichts, denn es ist ein in sich stimmiges kleines Kunstwerk.

Veröffentlicht am 16.09.2019

Sehr durchschnittlich

Die Waldmeisterinnen
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„‚Good evening, fellow…!‘ Das ist Englisch und bedeutet: Guten Abend, Kumpel. Denn wir sind im Wildwood-Forest, einem großen, alten Wald irgendwo in einer Grafschaft in England.“ (5)

Und in diesem zauberhaften ...

„‚Good evening, fellow…!‘ Das ist Englisch und bedeutet: Guten Abend, Kumpel. Denn wir sind im Wildwood-Forest, einem großen, alten Wald irgendwo in einer Grafschaft in England.“ (5)

Und in diesem zauberhaften Wald wohnen die Waldmeisterinnen Holly Holunder und Lia Lavendel. Ein verspieltes Baumhaus ist ihr zu Hause: Hier hat Holly eine Werkstatt für ihre Erfindungen und Lia eine Küche, in der sie Leckereien backt. Außerdem betreiben sie gemeinsam eine "Sorgenloswerdstelle“, in der sie Tieren aus dem Wald mit Rat und Tat beiseite stehen, um gemeinsam Probleme zu lösen.

„Die Waldmeisterinnen“ - das ist ein toller Titel und auch eine ganz charmante Geschichte. Anderen zu helfen und Probleme am besten gemeinsam zu lösen, sind die Botschaften, die dieses Buch vermitteln möchte.
In sehr fantasievoller und märchenhafter Sprache wird den Leserinnen das nahe gebracht.

Leider ist die Sprache auch gleichzeitig das Problem, das ich mit diesem Buch habe. Die Sätze sind sehr lang und komplex, meist sogar ziemlich holprig. Es macht keinen Spaß, dieses Buch vorzulesen. Und ich kann mir vorstellen, dass es für Kinder ab 7 Jahren (empfohlenes Lesealter) auch kein großes Selbstlesevergnügen ist.

Hinzu kommt, dass die Geschichte sehr austauschbar ist. Es fehlt das gewisse Etwas. Andrea Schütze hat bereits zahllose Kinderbücher geschrieben. Sie scheint damit dem Phänomen Masse statt Klasse unterlegen zu sein.

Alles in allem also ein recht langweiliges, nichtssagendes Buch, das sich hauptsächlich an Mädchen ab 7 Jahren richtet. Besonders hervorzuheben seien aber die Illustrationen von Petra Eimer, die ich wirklich sehr hübsch und gelungen finde.

Veröffentlicht am 07.06.2019

Ein Toast auf die Kunst

Kunstgeschichte als Brotbelag
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„Mit virtuoser Schmiertechnik und kühnen Kompositionen wagen sich zahlreiche Brotkünstler an allseits bekannte Meisterwerke.“

Marie Sophie Hingst veröffentlichte 2018 unter dem Hashtag #KunstGeschichteAlsBrotbelag ...

„Mit virtuoser Schmiertechnik und kühnen Kompositionen wagen sich zahlreiche Brotkünstler an allseits bekannte Meisterwerke.“

Marie Sophie Hingst veröffentlichte 2018 unter dem Hashtag #KunstGeschichteAlsBrotbelag ein Bild von einem belegten Brot, das einem Kunstwerk von Piet Mondrain ähnelte.
Viele User folgten sogleich diesem Beispiel und stellten quer durch die Kunstgeschichte und Strömungen berühmte Werke auf Brotscheiben nach.

Zahlreiche dieser Interpretationen altbekannter Werke sind im Buch „Kunstgeschichte als Brotbelag“ abgedruckt.

Das Büchlein ist sehr witzig und unterhaltsam. Nicht nur Erwachsene schauen es sich interessiert durch, sondern auch kleine Kinder haben schon Spaß daran. Mit einem Butterbrot haben sie schließlich fast jeden Tag zu tun.

Nebenbei ist die Sammlung der Bilder auch noch lehrreich und informativ. Kunst und Kultur werden in den Alltag gebracht.

Ich finde das Büchlein klasse und schau es mir gerne an!

Veröffentlicht am 30.04.2019

Der entspannteste und unkonventionellste Papst aller Zeiten ist zurück

Jubilate!
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„Wir müssen reden, mein Freund.“
„Etwas Ernstes?“
„Etwas sehr Ernstes.“
„Oh. Dann sollten wir lieber dabei essen.“ (11)

Der entspannteste und unkonventionellste Papst aller Zeiten ist zurück! Und wieder ...

„Wir müssen reden, mein Freund.“
„Etwas Ernstes?“
„Etwas sehr Ernstes.“
„Oh. Dann sollten wir lieber dabei essen.“ (11)

Der entspannteste und unkonventionellste Papst aller Zeiten ist zurück! Und wieder gibt es einen Kriminalfall aufzuklären.
Petrus’ Pressesprecherin Giulia soll Erbin eines großen Familienvermögens werden, allerdings unter einer Bedingung: Innerhalb einer Woche soll sie heiraten.
Natürlich fällt Giulia da auch direkt ein passender Kandidat ein…
Doch bekommt sie dafür den Segen des Heiligen Vaters?

Neid und Ablehnung kommen auf. Intrigen werden gesponnen und alte Familiengeheimnisse gelüftet. Ein Mordanschlag wird verübt.

Auch der fünfte Papst-Krimi von Johanna Alba und Jan Chorin ist wieder gelungener Unterhaltungsroman, der die katholische Kirche nicht all zu ernst nimmt.

Eine gute Portion Italien, zu gleichen Teilen Liebe und Krimi, gewürzt mit einer atmosphärischen Kulisse - die Lektüre von „Jubilate!“ ist ein echter Genuss.

Ich kann die gesamte Buchreihe um Papst Petrus jedem ans Herz legen, der gerne ein bisschen Italien und Sommergefühle für zu Hause hätte. Sie verspricht leichtfüßige Unterhaltung - wie ein Glas Wein auf der Terrasse am Sommerabend.

Allerdings würde ich nicht empfehlen mit diesem Band in die Reihe einzusteigen. Denn viele Handlungsfäden werden hier weitergesponnen, auf deren Fortführung die „alten Leser“ schon sehnsüchtig warteten, die einen Neueinsteiger aber bestimmt mehr interessieren, wenn er die Anfänge kennt.

Auf dass noch viele weitere Bände rund um den liebenswürdigen und schrulligen Papst Petrus folgen!