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Veröffentlicht am 15.01.2022

Politthriller vom Allerfeinsten

Wie wir töten, wie wir sterben - Shortlist Crime Cologne Award 2022
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Dan Vanuzzi steht vor der fast unlösbaren Aufgabe, zwei untergetauchte Mitglieder der algerischen Befreiungsarmee zu finden. Um die Zielpersonen ausfindig zu machen, muss Vanuzzi all seine Kraft und sein ...

Dan Vanuzzi steht vor der fast unlösbaren Aufgabe, zwei untergetauchte Mitglieder der algerischen Befreiungsarmee zu finden. Um die Zielpersonen ausfindig zu machen, muss Vanuzzi all seine Kraft und sein Können aus 20 Jahren Geheimdiensttätigkeit aufwenden, um zum Erfolg zu kommen. Er merkt, dass er alleine nicht weiterkommt und der Zufall spült Rosenberg an, der eigentlich gerade dabei ist, eine alte Schuld zu sühnen, in dem er den ehemaligen KZ-Kommandanten Florstedt finden und nach Israel entführen soll. Schnell wird klar, dass sie nur gemeinsam ihre Ziele erreichen können...


Bisher hat sich Martin von Arndt nicht wirklich auf meinem Radar bewegt und ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich literarisch ganz viel verpasst habe. Mit "Wie wir töten, wie wir sterben" hat mich der Schriftsteller von der ersten Sekunde an begeistert und ich werde mir auf jeden Fall die vorhergehenden Bände dieser Reihe besorgen, um das Defizit auszugleichen.

Nun aber zum Buch:

Schon die ersten Szenen nehmen mich komplett von sich ein und die aufgeheizte Stimmung beim Boxkampf lässt spüren, dass es hier um Schuld und Sühne, alte Wunden und Vergangenheitsbewältigung geht. Vanuzzi verdingt sich in Schaukämpfen, deren Ausgang vorher schon festgelegt worden ist und nach bestimmten Regeln abläuft. Wer es wagt, diese Regeln zu brechen, spürt umgehend die Konsequenzen.

Diese Szenen sind federführend für das ganze Buch, denn sowohl Vanuzzi als auch Rosenberg müssen sich durchboxen, regelrecht verbeißen, um hier das gesteckte Ziel zu erreichen.

Der Hintergrund des Romans erzählt von der Aufarbeitung des Holocaust und dem Aufspüren von Kämpfern des Unabhängigkeitskrieges und bewegt sich somit auf brisantem Boden - der Schreibende hat hier sehr gut recherchiert und die grausamen Tatsachen mit brillanten Ideen verwebt. Es entsteht ein packender Agententhriller, der mit zwielichtigen Charakteren gespickt ist und die Leser:innen in Atem hält. Gerade das Auseinandersetzen von Rosenberg mit seinen Schuldgefühlen - er hat alle seine Verwandten durch den Holocaust verloren - verlangt den Leser:innen einiges ab und bedeutet Seelenpein und quälende Gedanken.

Abwechslungsreich, aufregend und mit manchmal auch mit einem gewissen Augenzwinkern erzählt, gelingt es hier dem Autor, den Spagat zwischen der Tätigkeit als Agent und dem eigenen Gewissen darzustellen und, wie ganz nebenbei, noch die politische Situation der 1960er Jahre wissensbildend

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Veröffentlicht am 13.01.2022

Dieser Zug fährt leider oder mich ab

16 Uhr 50 ab Ellingen
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Es gibt nichts unmännlicheres für Markus Wieland, als Männer in Kniebundhosen und historische Tänze und doch kann er sich der Faszination der Regency-Zeit nicht entziehen, denn sein neuester Auftrag als ...

Es gibt nichts unmännlicheres für Markus Wieland, als Männer in Kniebundhosen und historische Tänze und doch kann er sich der Faszination der Regency-Zeit nicht entziehen, denn sein neuester Auftrag als Reporter führt ihn gemeinsam mit Kollegin Elif zu einer Veranstaltung, die historisches Jane-Austen-Flair mit modernen Annehmlichkeiten verbindet. Was auf den ersten Blick romantisch erscheint, wird nach und nach zu einem Schaulaufen der Eitelkeiten. Die Veranstaltung bekommt eine dramatische Wende, als eine Teilnehmerin tot auf der Bank im Park gefunden wird...

Jane Austen und Miss Marple, zwei britische Frauen, die jede auf ihre Weise die Literatur von Generationen geprägt haben, dienen hier als Zugpferde für diesen Regio-Krimi, der leider nicht ganz so überzeugen kann, wie ich mir das erhofft habe.

Cosy-Crime mit zu viel gewolltem britischen Charme im fränkischen Land - kann gut gehen, tut es aber leider nicht. Auch wenn die wunderschönen historischen Kostüme im Epire-Stil die Teilnehmenden des Balls kleiden, bleiben sie doch eher Staffage. Die Figuren wirken sehr gekünstelt und weisen die Leser:innen eher ab, als dass sie sie an die Hand nehmen, um ihnen ihre Welt zu zeigen.

Auch stört, dass immer wieder englische Sprachfetzen zu gewollt in die Unterhaltungen einfließen, um hier so etwas wie Authentizität und Originalität zu vermitteln. Aber das wirkt über den Verlauf des Romans eher aufgesetzt und nervig.

Der Fall an und für sich ist ganz nett aufgemacht, da sich die Gliederung an dem Vorbild eines Regency-Tanzes orientiert, aber es fehlt an Lebhaftigkeit und Raffinesse, um hier über weite Strecken einen konstanten Spannungsbogen zu erzeugen bzw aufrecht zu erhalten. Auch fehlt die Möglichkeit, eigene Mutmaßungen anzustellen, kleinsten Hinweisen nachzugehen und die Puzzleteilchen so lange hin und her zuschieben, bis die Lösung klar vor den Leser:innen liegt.

Angepriesen als Retro-Krimi mit britischem Charme kann ich leider nicht viel davon finden.Vielmehr wirkt die Handlung ein wenig verstaubt und hätte ein bisschen mehr Pfiff verdient , sodass dieser Zug leider ohne mich abfährt. Schade

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Veröffentlicht am 12.01.2022

Die Würde des Menschen ist unantastbar (Art 1 GG)

Unser kostbares Leben
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Ein Tag wie jeder andere und doch bestimmt sein Verlauf das Leben von Caro, Minka und Claire. Während Caro und Minka entsetzt mitzusehen müssen, wie aus einem harmlosen Schwimmbadbesuch eine Katastrophe ...

Ein Tag wie jeder andere und doch bestimmt sein Verlauf das Leben von Caro, Minka und Claire. Während Caro und Minka entsetzt mitzusehen müssen, wie aus einem harmlosen Schwimmbadbesuch eine Katastrophe wird, beginnt für das vietnamesische Waisenkind Claire mit der Ankunft in einem hessischen Kinderheim ein ganz neues Leben. Was alle drei nicht ahnen, sie werden zum Spielball ihrer Väter und ausgeklügelten Machenschaften, die im Hintergrund die Fäden ziehen. Über die Jahre hinweg merken sie, dass das Kleinstadtleben längst nicht so idyllisch ist, wie es scheint, denn das Flusswasser ist vergiftet, Tierversuche werden bekannt und missbrauchte Heimkinder als Testobjekte für Arzneimittelversuche zerstören das krampfhaft aufrecht gehaltene Bild der Kleinstadtidylle. Und immer wieder stellen sich die Freundinnen die Frage, was ein Menschenleben zählt...


Wow, was ein Brett !!! Katharina Fuchs gelingt mit "Unser kostbares Leben" der wohl beste Roman ihrer bisherigen Karriere als Schriftstellerin, denn hier wird Zeitgeschichte der 70er und 80er Jahre des letzten Jahrhunderts absolut lebendig erzählt und greifbar.

Während im ersten Drittel des Buches noch der Duft von Apfelshampoo und Hawaii-Toast durch die Seiten zieht und die Kinder mit dem Bonanza-Rad die Gegend unsicher machen, wird der Ton ab dem zweiten Drittel deutlich politischer und zielgerichteter.

Die Leser:innen entwachsen gemeinsam mit Minka, Caro und Claire den Kinderschuhen, verlassen den schützenden Kokon und gehen mit ihnen den steinigen Weg ins Erwachsenenleben. Während der Bass aus den Boxen des legendären Dorian Gray (bis heute sind die Besuche in der Flughafen-Disko unvergessen) wummert und erste Proteste gegen Tierversuche und Umweltzerstörung laut werden, decken die Protagonistinnen nach und nach immer mehr Vergehen auf. Der Siegeszug der frisch gegründeten Partei "Die Grünen" nimmt seinen Lauf und die Leser:innen sind mittendrin in den Protesten gegen den Ausbau der Startbahn West.

Auch gelingt es Katharina Fuchs, hier einen Teufel im Engelsgewand zu enttarnen und die Missstände in Kinderheimen aufzudecken. Was sich dort abgespielt hat, ist ungeheuerlich, erschüttert bis ins Mark und macht betroffen. Beim Lesen wird der Ruf nach Artikel 1 des Grundgesetzes immer lauter - Die Würde des Menschen ist unantastbar. Aber wie kann ein kleines, wehrloses Kind sich für die Wahrung seiner Menschenrechte einsetzen ? Es ist hilflos den Machenschaften der Erwachsenen ausgeliefert.

Wichtige Ereignisse aus zwei Jahrzehnten finden den Weg in das Buch und ermöglichen den Leser:innen, als Zeitzeug:innen hautnah dabei zu sein und gemeinsam mit den hervorragend ausgearbeiteten Figuren Geschichte zu schreiben - wichtige Ergebnisse in der Erforschung der menschlichen DNA, die Hochzeit von Lady Di und Prinz Charles und der großen Sprung hinüber in das 21. Jahrhundert mit dem Termin im Impfzentrum inmitten der Corona-Pandemie sind nur einige Meilensteine, die hier federführend sind.

"Unsrer kostbares Leben" ist ein Stern am Buchhimmel, der nicht nur gut unterhält, sondern auch deutliche Botschaften in sich trägt. Absolut empfehlenswert !

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Veröffentlicht am 11.01.2022

"Die Welt hat sich verändert, auch die unsere" (Johannes Laverne)

Schicksalszeit
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Das Leben im Grandhotel Deutscher Kaiser ist geprägt von Teegesellschaften, exquisiten Diners und gepflegter Konversation, doch hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. Luise hat mit ihrer Affäre für Aufsehen ...

Das Leben im Grandhotel Deutscher Kaiser ist geprägt von Teegesellschaften, exquisiten Diners und gepflegter Konversation, doch hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. Luise hat mit ihrer Affäre für Aufsehen gesorgt, Victoria fühlt sich zu einem russischen Pianisten hingezogen und Franz liebt die Fotografie mehr als familiäre Traditionen. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges ändert sich alles und Patriarch Johannes muss zusehen, wie die Welt aus den Angeln gehoben wird und sich verändert....

Was auch immer Katja Maybach anpackt wird zu einem echten Highlight. Der Auftakt zu ihrer neuen Familiensaga könnte nicht packender, fesselnder und emotionaler geschrieben sein und ist Kopfkino pur.

Das mondäne Grandhotel Deutscher Kaiser steigt wie aus einer 3D-Klappkarte aus den Seiten auf und die Leser:innen können die leise Klaviermusik im Hintergrund hören, das Klappern des Geschirrs vernehmen und dem Murmeln der Gespräche lauschen. Ein sehr reales Bild, das hier als Kulisse von der Autorin geschaffen wird, um den Schauplatz mit all seiner Wucht und Größe greifen zu können.

Sofort sind die Leser:innen ein Teil der Familie Laverne und können die kleinen und großen Tragödien miterleben. Es fällt unglaublich leicht, sich in die Figuren hineinzuversetzen, mit ihnen zu leben, zu lieben und zu leiden.

Luise, vom Vater verstoßen, hat einen großen Verlust zu verarbeiten und es blutet mir das Herz, wenn ich sie so leiden sehe. Aber statt den Kopf in den Sand zu stecken, rappelt sie sich auf, nimmt ihr Leben in die Hand und geht erhobenen Hauptes durch die schwere Zeit.

Die Romanze zwischen Franz und Clara ist einfühlsam und sehr gefühlvoll beschrieben und Katja Maybach gelingt es, das Herzklopfen, den Kloß im Hals und das Flattern der Schmetterlinge im Bauch ihrer Figuren auf die Leser;innen zu übertragen. Doch das Glück wird immer wieder durch Gerda getrübt, der meine ganze Abneigung eimerweise entgegen schwappt,.Die junge Frau ist eine wie lästige Schmeißfliege, die jeden Bezug zur Realität verloren hat. Was sie sich alles einfallen lässt, um ihre Träume zu verwirklichen, entbehrt jeglichen Kommentars.

Victorias Hunger auf Leben und die Neugier auf die Veränderungen, die sich abzeichnen, stehen ganz deutlich für das Abstreifen der einengenden Korsetts, die die Rolle der Frau im Kaiserreich auf ein Minimum beschränkt haben. Die gesellschaftliche Stellung verändert sich und gibt ungeahnte Möglichkeiten frei - gesellschaftlich wie beruflich.

Hier gelingt es der Autorin Zeitgeschichte, authentischen familiären Hintergrund und fiktive Handlung perfekt miteinander zu verbinden, sodass die Grenze zwischen Wahrheit und Illusion verschwimmt. Die Schrecken des Krieges halten Einzug und lassen die Leser:innen Angst, Verzweiflung, Hoffnung und Trauer mitfühlen.

Die Schicksalsschläge, die die Familienangehörigen ertragen müssen gehen an die Substanz der Leser:innen und es rollen sogar die Tränen die
Wangen herunter, während Irene inmitten des nächtlichen Herbstturmes voller Trauer und Einsamkeit am Klavier "Stille Nacht, heilige Nacht" spielt.

Ein grandioser Auftakt, der das Ende einer Ära mit eindrucksvollen Worten schildert und extreme Neugier auf die Fortsetzung weckt.


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Veröffentlicht am 10.01.2022

Un'estate italiana (Gianna Nannini)

Das Reisebuch Italien
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Italien - Sehnsuchtsland voller Sommer, Sonne und traumhaften Orten. Ein Land, das fasziniert, begeistert und immer wieder aufs Neue die Lust auf Land und Leute weckt.

Und genau setzt "Das Reisebuch Italien" ...

Italien - Sehnsuchtsland voller Sommer, Sonne und traumhaften Orten. Ein Land, das fasziniert, begeistert und immer wieder aufs Neue die Lust auf Land und Leute weckt.

Und genau setzt "Das Reisebuch Italien" an, um weiterhin Heißhunger wunderschöne Reiseziele zu machen, in dem es Traumrouten, Nationalparks und Highlights vorstellt.

Tradition und Moderne verbinden sich, Genuss und Entspannung sind in einem Atemzug möglich und es gibt so Vieles zu entdecken, was sehens- & erlebenswert ist.

Die Wärme der italienischen Sonne strömt beim Umblättern aus den Seiten, die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Italiener:innen ist deutlich zu spüren und der Duft von Zitronen zieht sich kontinuierlich durch die Lektüre.

Um Italien zu bereisen, braucht es mehr als nur ein paar Urlaubstage im Jahr und dieser Reisebildband setzt genügen Impulse, um hier Ideen und Anregungen für viele, viele wunderschöne Aufenthalte in diesem einzigartigen Land zu verbringen.

Traumhafte Strände, eindrucksvolle Stadtkulissen, wunderbare Seen und unberührte Natur in den Nationalparks- vom Ätna über den Comer See, Murano Glas von der gleichnamigen Insel, eisgekühltem Limoncello und dem Ötzi im Vinschgau stellen sich hier mal mehr, mal weniger bekannte Reiseziele vor, um die Herzen der Leser:innen zu erobern. Eindrucksvolle Aufnahmen, informative Begleittexte und ausführliches Kartenmaterial sind eine perfekte Ergänzung, um den nächsten Traumurlaub zu planen.

Ein kleines Manko gibt es allerdings: Texte und Fotos der Region Südtirol sind leider fast 1:1 aus dem Reisebildband „Highlights Südtirol“ übernommen, was ich persönlich wirklich schade finde. Ich weiß, dass das Rad nicht immer neu erfunden werden kann, aber hier hätte ich mir doch ein bisschen mehr Individualität erhofft.

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