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Veröffentlicht am 02.11.2025

kurzweilige Grusel-Unterhaltung für die dunkle Jahreszeit

Gruselige Weihnacht überall. Klassische Horror- und Geistergeschichten
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Gruselige Weihnacht überall – Klassische Horror- und Geistergeschichten

„Dann herrschte wieder Stille. Nach einer Weile hörte ich abermals Geräusch, wie Schritte auf dem Flur, hohe Absätze und über den ...

Gruselige Weihnacht überall – Klassische Horror- und Geistergeschichten

„Dann herrschte wieder Stille. Nach einer Weile hörte ich abermals Geräusch, wie Schritte auf dem Flur, hohe Absätze und über den Boden schleifende Seidenschleppen.“ (S.83)

Na, wie hört sich das für euch an?
Macht es euch neugierig, was da auf dem dunklen Flur des alten Hauses vor sich geht? Möchtet ihr wissen, wer oder was gleich an der Tür klopfen oder ohne diese zu öffnen in das Zimmer kommen wird?

Oder seid ihr der Meinung:

„Es mag sie geben oder auch nicht, aber solange ihre Existenz nicht zweifelsfrei geklärt ist, weigere ich mich, etwas so Unangenehmes wie den Glauben an Gespenster zu übernehmen.“ (S.14)

Ein auf den Ruinen eines Klosters gebautes, altes Herrenhaus und ein nicht zur Ruhe kommender Mönch; Liebe weit über den Tod hinaus; Rache und tödliche Scherze; vom Weg abkommende Reisende und grausame Heimsuchungen; Brautjungfernkleider, die zu Totengewändern werden – und immer wieder Dunkelheit, Kälte und Schnee:

„Überall lagen sechs Zoll feiner Schnee, trocken wie Salz, der Himmel ein bleierner Deckel, und alles deutete darauf hin, dass noch mehr fallen würde.“ (S.10)

Mit „Gruselige Weihnacht überall“ präsentiert Jochen Veit zehn spannende Geschichten, die für schaurige Unterhaltung und echte Gänsehautmomente sorgen.
In dem Buch finden sich unter anderem Erzählungen von Charles Dickens, H. P. Lovecraft und B. M. Croker, es sind alle Sorten Grusel und für jeden Geschmack etwas dabei und gerade in der mitunter hektischen Vorweihnachtszeit sind Kurzgeschichten doch eine tolle Alternative und wunderbare vorweihnachtlich-gruselige, schneeankündigende und unterhaltsame Zwischenmahlzeit.

Verlassene Häuser, ein unerwartetes Klopfen an der Tür, eine gespenstische Gesellschaft – ich habe die Geschichten gern gelesen, mich gegruselt und finde die Zusammenstellung der Geschichten sehr gelungen!

Das Buch ist ausdrücklich nicht nur zum Selberlesen und -gruseln, sondern auch zum Vorlesen und ein tolles Geschenk!

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Veröffentlicht am 02.11.2025

ein wunderbares Buch über die beste Band der Welt

The Cure
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Der Hannibal-Verlag hat eine Neuauflage des Buches „The Cure - Dunkelbunte Jahre“ herausgebracht. Die bisherige Fassung aus dem Jahr 2021 wurde um ein Kapitel ergänzt, dass sich dem am 1.11.2025 erschienenen ...

Der Hannibal-Verlag hat eine Neuauflage des Buches „The Cure - Dunkelbunte Jahre“ herausgebracht. Die bisherige Fassung aus dem Jahr 2021 wurde um ein Kapitel ergänzt, dass sich dem am 1.11.2025 erschienenen neuen Album „Songs of a Lost World“ widmet – und ein wunderhübsches neues Cover hat das Buch ebenfalls erhalten.

In „The Cure – Dunkelbunte Jahre“ erzählt der Autor Ian Gittins informativ und unterhaltsam sowie ergänzt durch viele wunderbare Fotos, die Geschichte der Band und ihres Frontmannes und Mastermind Robert Smith, von Höhen und Tiefen, Alben und Konzerten. Der Autor befasst sich ausgiebig mit dem Weg der Band, mit den verschiedenen Zusammensetzungen, denn in der langjährigen Bandgeschichte gab es immer ein Kommen und Gehen, und er gibt Einblicke in den musikalischen Weg, die unterschiedlichen Schaffensphasen, er befasst sich mit den Geschichten hinter den Liedern und auch mit den Menschen, die die Band mit ihren Einflüssen geprägt haben.
Das war bereits in der ursprünglichen Fassung des Buches so und die Neuauflage setzt dies in gleichbleibend großartiger Qualität fort; das Kapitel rund um „Songs of a Lost World“ bietet viele Informationen rund um die Entstehung des Albums - wenn Robert Smith in „End Song“ singt „I am outside in the dark wondering how I got so old“ oder „I can never say goodbye“ im gleichnamigen Lied, vermittelt Ian Gittins ganz wunderbar, wie diese Songs entstanden sind, mit welchem Hintergrund man sie betrachten darf.

Die Einleitung des Buches beginnt mit einem Zitat von Stan March, der in Staffel 1, Folge 12 von South Park sagt: „Robert Smith is the greatest person who ever lived". Gut, darüber mag man geteilter Meinung sein, aber es ist Fakt, dass The Cure zu den Bands gehören, die zurecht und nach all den Jahrzehnten noch immer da sind, musikalisch immer wieder überraschen und einen tiefen Platz im Herzen ihrer Fans haben – und „Dunkelbunte Jahre“ mit seinen vielen Informationen und unzähligen schönen Fotos ist das für mich ultimative Buch über diese großartige Band.
Es bietet einen wunderbaren Einblick in die Welt und Gedanken des Robert Smith und gibt einen Ausblick auf das, was noch kommen mag.

Das Buch hat 256 Seiten und die Übersetzung ist von Kirsten Borchardt.

Große dunkelbunte Leseempfehlung! 🖤

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Veröffentlicht am 09.10.2025

Junge trifft Mädchen à la T.C.B.

No Way Home
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No Way Home / T. C. Boyle

Dr. Terrence Tully, Assistenzarzt im dritten Jahr in LA erhält die Nachricht, dass seine Mutter verstorben ist. Nach dem Tod des Vaters war sie von Woodland Hills nach Boulder ...

No Way Home / T. C. Boyle

Dr. Terrence Tully, Assistenzarzt im dritten Jahr in LA erhält die Nachricht, dass seine Mutter verstorben ist. Nach dem Tod des Vaters war sie von Woodland Hills nach Boulder City gezogen und hatte dort mit dem Hund Daisy in einem kleinen Haus gelebt.
 
„Seine Ausbildung … hatte ihn gelehrt, emotionale Reaktionen auszuschalten und sich dem vorliegenden Problem zu widmen, ...“ (S.13)
 
Dementsprechend macht Terry sich traurig, aber auch gefasst auf den Weg, um die Beisetzung zu organisieren sowie den Nachlass zu regeln. Er möchte nicht nach Boulder City ziehen, seine Ausbildung ist noch nicht abgeschlossen und auch so zieht ihn nichts in die Nähe des Hoover Damms in die Wüste von Nevada.
 
Kurz nach seiner Ankunft in Boulder City lernt er in einem Café eher zufällig Bethany kennen. Es bleibt nicht bei dieser einen Begegnung, denn sie laufen sich ein weiteres Mal über den Weg. Bethany ist jung und sehr attraktiv, nach einem gemeinsamen Getränk folgt eine gemeinsame Nacht. Nach der Trennung von ihrem Freund wohnungslos erscheint es Beth völlig logisch, dass sie in Terrys Haus zieht, um sich um den Hund zu kümmern und ihn bei der Nachlassverwaltung unterstützt. Hartnäckig verfolgt sie diese Idee und Terry hat ihrem betörenden Wesen und der Raffinesse nur wenig entgegenzusetzen.
 
„Alles, was sie sagte, …, zog ihn tiefer hinein.“ (S.52)
 
Aber da ist auch noch Jesse, der Ex-Freund, der nicht mit der Trennung einverstanden ist, Bethany als seinen Besitz und Terry als üblen, aus dem Weg zu schaffenden Konkurrenten, betrachtet.
So eine Konstellation ist niemals gut – und das Schicksal nimmt seinen Lauf.
 
„Demnach hatte sie ihre Wahl getroffen. In aller Öffentlichkeit. Die Sache konnte nicht klarer sein.“ (S.221)
 
Wirklich?
 
Ja, die Geschichte „Junge trifft Mädchen trifft Junge“ ist nicht neu, aber wenn T. C. Boyle die Charaktere erschafft, bekommt so eine Geschichte eine ganz eigene Dynamik.
Terrence, Bethany und Jesse erzählen jeweils aus ihrer Perspektive und dadurch ergeben sich Ansichten, die zugleich erklären, irritieren und mitunter auch wütend machen.
 
Ist Terry das wehrlose Opfer, Beth die raffinierte Verführerin und Jesse der eiskalte Ex?
Hat Bethany unfreiwillig eine Fahrkarte für die zweigleisige Eisenbahn, ist Jesse ein literarischer Feingeist und klammheimlich der Übeltäter?
Oder ist doch Jesse der skrupellose, von seiner Ex besessene Mann, der zu allem bereit ist, Terry der Teufel und nicht Halbgott in Weiß und Bethany ausschließlich auf ihren Vorteil bedacht?
 
Es gibt nahezu keine Grenzen für die Drei, getrieben, fast gehetzt vom Willen die eigenen Ziele zu erreichen und angereichert mit jeder Menge Alkohol und anderen Substanzen nimmt die Geschichte ihren Lauf …
 
„Und dann stürzte der Nachmittag krachend in den Abend.“ (S.56)
 
Brütende Hitze, ein Leichen und Autowracks freigebender Stausee, ein Hund, der mir ans Herz gewachsen ist, liebenswerte Nebenfiguren, aber auch Charaktere, die mitunter unerträglich sind - T. C. Boyle erzählt auf seine einzigartige, detailreiche und sehr lesenswerte Art eine Geschichte aus dem Leben - nicht aus meinem Leben, aber sicher aus einem Leben, dass es irgendwie irgendwo gibt - und ich habe diese sehr gerne gelesen.

Wow!
Bin ich begeistert? Und wie!
Ist es ein Pageturner? Jawoll!
Habe ich manchmal nicht gewusst, ob ich lachen, weinen oder wütend sein soll? So sieht es aus!

Brillant erzählt T. C. Boyle eine Geschichte, die sich stets zwischen maximalem Glück und allertiefstem Abgrund bewegt. Großartig! 
Ganz große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 28.09.2025

eine leise Erzählung für gemütliche Lesemomente

Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei
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„Ich hatte schon vor einer ganzen Weile lernen müssen, dass aus gestern heute und aus heute morgen werden würde, ganz egal, ob nun jemand gestorben war oder nicht.“ (S.7)

Nach dem Tod ihrer Großmutter ...

„Ich hatte schon vor einer ganzen Weile lernen müssen, dass aus gestern heute und aus heute morgen werden würde, ganz egal, ob nun jemand gestorben war oder nicht.“ (S.7)

Nach dem Tod ihrer Großmutter erfährt Yeonhwa bei der Testamentseröffnung, dass sie nicht nur deren Konditorei geerbt hat, sondern auch, das mit dem Geschäft ist ein hoher Schuldenbetrag verbunden. Die 27-jährige ist bei ihrer Großmutter aufgewachsen, nachdem ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind, um die Konditorei „Hwawoldang“, die die Familie schon seit Generationen betreibt und all dem, was damit verbunden ist hat sie sich jedoch nie großartig gekümmert. Die Verstorbene hat ihrer Enkelin folgende Hinweise hinterlassen:

„Erstens: Du musst das Hwawoldang wenigstens einen Monat lang vernünftig führen. Zweitens: Du darfst die Konditorei nur von 22 Uhr bis Mitternacht öffnen.
Drittens: Lebe in der Vorfreude auf alles, was dich noch erwartet.“ (S.15)

Aufgrund der Schulden und der geringen Möglichkeiten, diese durch einen Verkauf zu tilgen, entschließt Yeonhwa sich, die Konditorei zunächst einmal zu übernehmen.

In dem Laden begegnet sie Sawol, der sich als Großhändler für Zutaten aller Art und Schamane vorstellt und schon bald nach der Öffnung betritt die erste Kundin den Laden. Yeonhwa erkennt schnell, dass ihre Großmutter keine übliche Konditorei geführt hat, denn manche KundInnen haben sehr spezielle Wünsche – und auch Sawol ist enger mit ihrem Leben verbunden, als ihr zunächst bewusst war.

Wird die junge Frau die Bäckerei einen Monat führen, so dass sich die Prophezeiung ihrer Großmutter erfüllt, und sie alles im Leben bekommt, was sie braucht?

Lee Onhwa erzählt eine berührende Geschichte mit vielen kleinen zauberhaften Momenten im Dies- und Jenseits, von Verbindungen über eine Trennung hinaus und wie es ist, als Wind umherzuziehen.

Eine leise und solide Erzählung, nicht für die Ewigkeit, aber für gemütliche Lesemomente.

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Veröffentlicht am 28.09.2025

Jane Austen als Graphic Novel - wunderbar 💕

Jane Austen
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Jane Austen – Ihr Leben als Graphic Novel / Janine Barchas, Isabel Greenberg

Das Buch beginnt mit einem „Hinweis an die Leserschaft“:

„Alle Austen-Biografien, …, bewegen sich in einem Graubereich zwischen ...

Jane Austen – Ihr Leben als Graphic Novel / Janine Barchas, Isabel Greenberg

Das Buch beginnt mit einem „Hinweis an die Leserschaft“:

„Alle Austen-Biografien, …, bewegen sich in einem Graubereich zwischen Forschung und Spekulation. Mit unserem bebilderten Bericht verhält es sich ähnlich, doch im Glossar zeichnen wir akribisch die Faktenspur nach, der wir gefolgt sind.“

und ist in drei Teile gegliedert:

1796-1797 - Aufstrebende Autorin
1801-1809 – Erfolglose Künstlerin
1809-1817 – Veröffentlichte Autorin

Jane ist also zu Beginn der Geschichte 20 Jahre alt, mit ihrem Bruder in London und sie schreibt ihrer Schwester Cassandra, mit der sie eng verbunden ist, einen Brief. Die Familie lebt in Steventon (Hampshire) und Jane liebt es Geschichten zu schreiben. Zwar erhält sie das Manuskript von „First Impressions“ zurück, aber davon lässt sie sich nicht entmutigen!

Die Graphic Novel begleitet Jane Austen auf wichtigen Stationen in ihrem Leben – sei es bei Umzügen von Steventon nach Bath, Southampton und wieder zurück nach Hampshire, wo Edward Knight (geb. Austen) seiner Mutter und den Schwester Cassandra und Jane ab 1809 „Chawton Cottage“ zur Verfügung stellt und natürlich auf ihrem Weg zur Autorin. Das Buch erzählt von ersten Erfolgen sowie Rückschlägen und dem großen Durchbruch. Es zeigt ganz besonders die Beziehung der beiden Schwestern auf, lässt die Leserschaft großen und kleinen Freuden im Leben der Austens teilhaben und vermittelt ein lebhaftes Bild von dieser besonderen Frau.

„Ihr Unterrock war sechs Zoll hoch voll Schlamm“ – ich liebe diese Szene der BBC-Serie von „Stolz und Vorurteil“ und fand es großartig, Jane in der Graphic Novel ebenfalls über Felder laufen und Tore klettern zu sehen.
Man muss beim Lesen und Ansehen schon gut aufpassen, um all die wunderbaren kleinen Details zu entdecken.

Ähnlich wie in Janes Geschichten hat sich auch im Leben der Schwestern immer wieder die Frage nach dem Lebensunterhalt gestellt und dies wird ebenso in der Graphic Novel thematisiert wie die enge Bindung zwischen Cassandra und Jane.

Von der Widmung für den Kronprinz in „Emma“ habe ich euch schon mal erzählt, dies war mir durchaus bekannt. Nicht bekannt war mir jedoch, dass die Austen-Damen in ihrer Zeit in „Chawton Cottage“ flott und schnieke mit einem Esel-Einspänner unterwegs waren und Cassandra einen Hund namens „Link“ hatte. Ja, das ist jetzt eher die Kategorie „unnützes Wissen“ – aber haben ist besser als brauchen!

Das Cover hat mich auf den ersten Blick begeistert, aber ich habe mich mit manchen Zeichnungen dann doch erst anfreunden müssen; die überwiegend blau-gelbe Farbgebung, wenn es um Janes Leben geht, mutet zunächst doch ziemlich schwedisch an, wenn Jane ihre Fantasie schweifen lässt, gehen die Bilder in warme Farben über, was mir persönlich deutlich besser gefällt. Im Vorwort wird dieses Farbkonzept erklärt, es ist für mich auch nachvollziehbar – aber für mich hätte es dennoch gern etwas farbenfroher sein dürfen.

Das im Vorwort erwähnte Glossar ist großartig, es greift viele Momente in dem Buch auf und ergänzt das Erzählte um wichtige und interessante Informationen.

Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass mir sehr gut gefallen hat, wie die letzten Tage der Autorin in Winchester wiedergegeben werden.

Die Übersetzung ist von Eva Bonné.

Natürlich kann eine Graphic Novel nicht vollständig ein Leben darstellen, aber dieses Buch bietet einen schönen Einblick in das Leben der Autorin. Mir gefällt, dass der Lesende immer wieder angesprochen wird und die kleinen Hinweise auf Austens Werk und deren Verfilmungen.

Herzliche Leseempfehlung!

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