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Veröffentlicht am 26.05.2025

eine nette Coming of Age-Geschichte

Das Summen unter der Haut
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Sommer 1977 – Julle ist 14. Wie auch bei anderen Vierzehnjährigen passiert bei ihm im Leben, im Kopf und im Körper gerade ganz viel – Schule, Gefühle, Freunde, Freibad, Geburtstagsfeten (ja, früher hieß ...

Sommer 1977 – Julle ist 14. Wie auch bei anderen Vierzehnjährigen passiert bei ihm im Leben, im Kopf und im Körper gerade ganz viel – Schule, Gefühle, Freunde, Freibad, Geburtstagsfeten (ja, früher hieß das noch so). Eltern, die ihn mal verstehen und mal nicht.  Der ganz normale Wahnsinn, wenn man in der Erwachsenwerden-Achterbahn sitzt und den Eindruck hat, nicht angeschnallt zu sein.
 
Kurz vor den Sommerferien kommt Axel neu in seine Klasse. Julle verliebt sich – er zählt die Tage, Stunden, Minuten und Sekunden, die sie sich kennen, sehen, Zeit miteinander verbringen. Es entsteht eine Freundschaft und Julles Gedankenkarussell hat einen neuen Dreh- und Angelpunkt. Die Freundschaft zu Axel gibt ihm Mut, er wächst ein wenig über sich hinaus. So plötzlich wie Axel in sein Leben geknallt ist, so plötzlich verschwindet er aber auch wieder. Von jetzt auf gleich, nach 44640 Minuten mit Julle. 2 678 400 Sekunden, die Julles Leben verändert haben.
 
„Das Summen unter der Haut“ erzählt vom Aufwachsen und Erwachsenwerden in den 70ern. 1977 war ich 6 Jahre alt, aber vieles von dem, was Stephan Lohse über die 70er schreibt, hat einen großen Wiedererkennungswert, sei es aus dem eigenen Erlebten, den Erinnerungen oder dem, was man über dieses Jahrzehnt liest, sieht und hört. Eine Welt zwischen Nachkriegs-Spießertum mit Eiche rustikal Schrankwand und Aufbruch in eine andere Zeit, ein anderes Denken. Diese Stimmung wird in dem Buch mit Witz und Charme wiedergegeben. Die Charaktere werden gut beschrieben, die Geschichte ist schlüssig und phantasievoll.
 
Ich hätte mir gewünscht, dass einige der angedeuteten Handlungsstränge weiter- oder gar zu Ende geführt werden. 176 Seiten ist ja nicht das Ende der Fahnenstange, da wären bestimmt noch ein paar Seiten möglich gewesen, um den Schluss des Romans nicht ganz so abrupt erscheinen zu lassen. Gut gefallen, sogar ein bisschen bewegt hat mich der letzte Absatz. Sehr schöne Worte.

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Veröffentlicht am 15.05.2025

Das ultimative Depeche Mode Nachschlagewerk! Großartig!!

Depeche Mode
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Depeche Mode – Alle Alben, Alle Songs / Brian J. Robb

Basildon, Essex – Frühling 1980. Dave Gahan schließt sich Vince Clark, Martin Gore und Andrew Fletcher an, mit denen er das Interesse an elektronischer ...

Depeche Mode – Alle Alben, Alle Songs / Brian J. Robb

Basildon, Essex – Frühling 1980. Dave Gahan schließt sich Vince Clark, Martin Gore und Andrew Fletcher an, mit denen er das Interesse an elektronischer Musik teilt.
Zum Bandnamen inspiriert sie ein französisches Modemagazin – und die Geschichte wäre nicht komplett, wenn ich euch vorenthalten würde, dass der beste aller Roberts großen musikalischen Einfluss auf Vince Clark hatte.

Schon auf dem Demo-Tape aus dem Sommer 1980, findet sich der Klassiker „Photographic“ und zurecht bekommen sie einen Plattenvertrag. Das erste Album „Speak & Spell“ mit all time favourites wie „Just can’t get enough“ und „New Life“.
erscheint im November 1981. Es ist ein Beginn einer großen Karriere!

Noch in den 1980er Jahren werden fünf weitere Studioalben veröffentlicht, auf denen sich Songs wie „Everything counts“, „People are People“ oder „Strangelove“ befinden. 1990 erscheint mit „Violator“ ein absolutes Meisterwerk mit Liedern für die Ewigkeit.
Dann wird es etwas ruhiger um Dave, Martin, Alan und Andrew, aber sie sind immer da und die Fans sind ihnen treu. 1997 feiern sie nach turbulenten Zeiten mit „Ultra“ ein Comeback und bringen seitdem regelmäßig neue Alben heraus. Im Jahr 2023 ist „Memento Mori“ erschienen, DM füllen Hallen und Stadien – und das wird hoffentlich noch lange so bleiben!

Das Buch von Brian J. Robb hat mich begeistert, weil es von all den wunderbaren Liedern erzählt, die zum Soundtrack meines Lebens gehören, dabei liest es sich kurzweilig und interessant. Für mich ist es das ultimative Depeche Mode-Nachschlagewerk und die tollen Abbildungen ergänzen es ganz wunderbar!

Brillant recherchiert erzählt Brian J. Robb nicht nur die Geschichte aller Alben und Songs, ihrer Entstehung und Bedeutung, sondern auch der Band; von Höhenflügen und Abschieden, von wechselhaften, wilden Zeiten.
Das Buch bietet jede Menge Infos über Depeche Mode und ist ein Muss für jeden Fan!

Begeisterte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 15.05.2025

solide Unterhaltung _ Junge von damals trifft Mädchen von heute

Das Ministerium der Zeit
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Das Ministerium der Zeit / Kaliane Bradley

Eine junge Frau, deren Namen in der gesamten Geschichten nicht genannt wird, die bisher als Übersetzerin tätig war, bekommt einen Job in einem geheimnisvollen ...

Das Ministerium der Zeit / Kaliane Bradley

Eine junge Frau, deren Namen in der gesamten Geschichten nicht genannt wird, die bisher als Übersetzerin tätig war, bekommt einen Job in einem geheimnisvollen Ministerium.

>Ihre Chefin zuckte die Schultern. „Zeitreisen“, sagte sie, als redeten wir von Kaffeemaschinen. „Willkommen im Ministerium.“<(S.13)

Dem Geheimdienst und dem Ministerium ist es mit einem Portal gelungen, Menschen, die sich in der Vergangenheit in einer tödlichen Situation befunden haben, ins London der Gegenwart zu bringen; die Aufgabe der jungen Frau ist es als sogenannte „Brücke“ einen dieser Menschen beim Einleben zu begleiten.

Thomas Cardingham, ein Teilnehmer der Schlach von Naseby und Margaret Kremble, die zur Zeit der großen Pest in London gelebt hat, kommen aus dem 17. Jahrhundert, Anne Spencer erlebte 1793 die Französische Revolution und Arthur Reginald-Smyth hat im 1. Weltkrieg gekämpft. Sie bekommen jeweils eine eigene „Brücke“, die junge Frau wird sich um Graham Gore, Commander der Royal Navy und Polarforscher kümmern, der 1847 als Teilnehmer der Franklin-Expedition im Alter von 37 Jahren verstorben ist.

„Die Tatsache, dass ich mit einem viktorianischen Marineoffizier zusammenlebte, war schon verrückt genug.“ (S.119)

Aber nicht nur, dass sie ihm die Geschichte, die seit seinem Aufbruch in die Arktis passierte, nahebringen soll, veränderte Rollenbilder, technischer Fortschritt und moderne Kommunikation sind ebenfalls Teil des Einlebens – und auch wenn sich über all die Jahre viel verändert hat: die Liebe ist die größte Katastrophe von allen!

„Falls du jemals geliebt hast, bist du für den Rest deiner Tage eine Liebende.“ (S.280)

Ein schöner Satz aus dem Roman, der zum Glück nicht herzschmerzig ist - und das ist gut so; gleichwohl ich auch die "spicy Szenen" nicht gebraucht hätte, die Geschichte hätte auch ohne funktioniert.
"Funktionsstörungen" gab es für mich auch an der einen oder anderen Stelle, an denen mich Formulierungen und Sätze sehr irritiert haben, insbesondere die Bezeichnung „Expats“ für die Menschen aus der Vergangenheit hat mir nicht gefallen.

Der Roman ist vielschichtig, die Berichte über die Erfahrungen, die die Zeitgereisten beim Eingewöhnen machen und der Lovestory-Handlungsstrang lesen sich unterhaltsam, spannend wird es, als die Frage aufkommt, ob das Zeitreiseportal Wissenschaft oder Waffe ist - und als ein Kollege / Agent verschwindet und Graham, Arthur und Co. in Gefahr geraten.

In Rückblenden wird von der Franklin Expedition und den Erlebnissen von Graham Gore erzählt, den es tatsächlich gegeben hat. Das gefällt mir richtig gut.

„Alles, was jemals geschehen ist, hätte verhindert werden können, und nichts davon wurde verhindert. Das Einzige, das wir verändern können, ist die Zukunft. Glaub mir, wenn ich sage, das habe ich von der Zeitmaschine gelernt.“ (S.238)

Kaliane Bradley erzählt eine Geschichte, die situationsbedingt komische Momente hat, aber auch zum Nachdenken anregt – und natürlich ist sie auch für’s Herz (Stichwort: Junge trifft Mädchen)
Spannend wird es ebenfalls, denn so ein Portal bringt auch Gefahren mit sich, Waffe oder Wissenschaft, das ist hier die Frage!

Mich hat das Buch solide unterhalten.

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Veröffentlicht am 03.05.2025

ein großartiger klassischer Krimi, ein Meisterwerk!

Der Inugami-Fluch
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Der Inugami-Fluch / Seisho Yokomizo

Tadaa!!! Kosuke Kindaichi ist wieder da und muss sich mit dem Inugami-Fluch beschäftigen.

Toyoichiro Wakabayashi, Anwalt der angesehenen Kanzlei von Kyozo Furudate ...

Der Inugami-Fluch / Seisho Yokomizo

Tadaa!!! Kosuke Kindaichi ist wieder da und muss sich mit dem Inugami-Fluch beschäftigen.

Toyoichiro Wakabayashi, Anwalt der angesehenen Kanzlei von Kyozo Furudate erwartet, dass die Eröffnung des Testaments des kürzlich verstorbenen Seidenfabrikanten Sahei Inugami für Unfrieden in der Familie sorgen wird. Beunruhigt wendet er sich an den berühmten Privatdetektiven Kosuke Kindaichi und bittet ihn nach Nasu, wo sich das Anwesen der reichen Familie befindet. Doch noch bevor der Anwalt auf den Ermittler trifft und seine Bedenken mit ihm besprechen kann, kommt er auf mysteriöse Weise ums Leben – und dies ist nur der Anfang, denn nach der Verlesung des letzten Willens beginnt eine Serie grausamer Morde.

Gehen die Verbrechen von Saheis Töchtern, den Schwestern Matsuko, Takeko und Umeko aus, die das Erbe für ihre Söhne in Anspruch nehmen und gegen Tamayo Nonomiya, der Enkelin von Saheis Gönner Daini verteidigen wollen?
Wer ist Shizuma Aonuma, warum taucht dieser Name plötzlich im Testament auf?

Wird es Kosuke Kindaichi gelingen die Geheimnisse der Familie zu lüften und die Mordserie zu beenden?

Das Warten auf dieses neue Buch von Seishi Yokomizo hat sich absolut gelohnt, denn „Der Inugami-Fluch“ ist ein spannender und fesselnder Krimi, ein klassisches Whodunnit, das einfach nur großartig ist und allerfeinste Krimi-Unterhaltung bietet. Ich denke ja jedes Mal, dass es kaum besser werden kann und dann überzeugt mich der brillante Autor aufs Neue. Auch wenn man zunächst denken könnte, dass die Vielzahl an Personen eine gewisse Unübersichtlichkeit mit sich bringt, so ist das absolut nicht der Fall – und da auch in diesem Buch ein Personenregister ist, bekommt man leicht den Überblick. Mir gefällt ja auch immer das Glossar am Ende des Buches gut, da es ergänzende Erklärung zu der Geschichte selbst, sowie Land und Leuten bietet.

Seishi Yokomizo macht es einem leicht seine Bücher zu mögen, denn was er erzählt klingt nie an den Haaren herbeigezogen und konstruiert, sondern liest sich lebendig und klug. Mir gefällt besonders gut, dass er sich beim Erzählen Zeit lässt; auch wenn bereits auf den ersten Seiten Menschen Verbrechen zum Opfer fallen, entwickeln sich die Geschichten in einem angenehmen Tempo, sind weder zu trödelig noch zu hektisch.

Es ist spannend zu erleben, dass egal ob in Nasu oder St Mary Mead ein Mord passiert, die Beweggründe oftmals ähnlich sind und der Autor beschreibt seine Figuren, die Tathergänge und Motive nachvollziehbar und die Krimis enden mit Auflösungen, die nicht vorhersehbar waren, aber schlüssig sind.

Immer wieder faszinierend finde ich mit wie viel Phantasie der Autor seine Opfer zu Tode kommen lässt und noch mehr, in welcher besonderen Art und Weise sie aufgefunden werden. Selten wurden bizarre Leichen und grausame Leichenfunde so schön beschrieben!

Übersetzt wurde das Buch von Ursula Gräfe, sie macht die Geschichte auf wunderbare Weise erlesbar.

Ein wirklich genialer Krimi, der mir richtig gut gefallen hat. Ganz große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 03.05.2025

die Geschichte einer jungen Frau und über die Kraft des Schreibens

Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen
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"Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen" erzählt von Hatoko, einer 25-jährigen Frau, die nach dem Tod ihrer Großmutter in ihren Heimatort Kamakura zurückkehrt und den traditionsreichen Schreibwarenladen ...

"Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen" erzählt von Hatoko, einer 25-jährigen Frau, die nach dem Tod ihrer Großmutter in ihren Heimatort Kamakura zurückkehrt und den traditionsreichen Schreibwarenladen der Familie übernimmt. Mit dem Geschäft übernimmt sie auch das Amt der öffentlichen Schreiberin. Im Laufe eines Jahres, das in vier Kapiteln den Jahreszeiten gewidmet ist, schreibt Hatoko Briefe für andere Menschen: Liebesbriefe, Trennungsbriefe, Trauerbriefe und vieles mehr. Sie schließt Freundschaften, sieht ihre Vergangenheit aus einer anderen Perspektive und lernt ihr Leben anzunehmen.

Ruhig, oft detailverliebt beschreibt Ito Ogawa das Leben von Hatoko, lässt uns an ihren Gedanken und ihrem täglichen Leben teilhaben. Die Autorin nimmt sich Zeit für die Beschreibungen der Natur, der Umgebung und der Arbeitsgeräte, die Hatoko für ihre Schreibarbeiten verwendet.

Ito Ogawa's "Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen" ist in bester Gesellschaft mit anderen feel-good Büchern aus Japan, es hat mich jedoch weder begeistert noch berührt. Die Liebe zum Detail, die mitunter sehr ausgeprägten Beschreibungen habe ich als etwas langatmig, einige Szenen gar als befremdlich empfunden und es hat sich für mich beim Lesen mitunter zusammengewürfelt angefühlt.

Die Autorin vermittelt das japanische Lebensgefühl, lässt die Lesenden viel über japanische Traditionen und die Religion erfahren, die Karte zu Beginn des Buches gibt einen schönen Überblick über Kamakura und die Briefe in allerfeinsten Schriftzeichen sind hübsch anzusehen. Und die Tradition jährlich Post von Herzensmenschen mit einem Ritual zu verbrennen, finde ich wirklich wunderbar!

Auch wenn mir der Zauber dieser Geschichte verborgen geblieben ist wird es bestimmt viele Lesende geben, die sich in Hatakos wunderbarem Schreibwarenladen wohlfühlen werden – und das ist gut so!

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