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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.09.2024

Ein gelungenes YA-Buch

If you could see the sun
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If you could see the sun hat mich aus zwei Gründen neugierig gemacht. Zum einen, weil ich die Idee, dass die weibliche Hauptperson unsichtbar werden kann, sehr cool fand und zum anderen wegen dem Schauplatz. ...

If you could see the sun hat mich aus zwei Gründen neugierig gemacht. Zum einen, weil ich die Idee, dass die weibliche Hauptperson unsichtbar werden kann, sehr cool fand und zum anderen wegen dem Schauplatz. Insgesamt bietet das Buch eine gelungene YA-Geschichte, die verschiedene interessante Aspekte aufgreift. Alices Aufträge werden alle spannend geschildert und sind so unterschiedlich, dass man jeden gespannt verfolgt. Das Buch verwandelt sich mit der Zeit in ein interessantes Kammerspiel, weil die Aufträge moralisch schwieriger werden, Alice immer mehr droht aufzufliegen und das ganze mit ihr psychisch mehr anstellt, als sie zu Beginn erwartet. Dadurch hängt man an den Seiten.
Andere Aspekte kommen jedoch auch nicht zu kurz. Zwischen Alice und Henry entwickelt sich eine süße, unschuldige Liebesgeschichte, die aufgrund der äußeren Umstände und Lebenssituation beider reif wirkt. Als Stipendiaten an einer renommierten Privatschule, steckt Alice zudem unter dem Druck allen gerecht zu werden und will sich von ihren reichen Mitschülern nicht unterdrücken lassen. Diese inneren Gefühle werden so bewegend geschildert, dass mir die Ereignisse sehr nah gingen. Die Kämpfe des Erwachsenwerdens werden wirklich gut auf den Punkt gebracht. Das Internatssetting habe ich an sich cool gefunden und mochte die Vibes.
Peking als Schauplatz ist super spannend und man hat beim Lesen auf jeden Fall gemerkt, dass die Autorin Zeit in China verbracht hat und weiß, worüber sie schreibt. Über die dortige Kultur erfährt man beim Lesen viel, was dem Buch mehr Tiefe verleiht.

Fazit: Ein gelungener YA-Roman, der nicht nur durch die spannende Idee punktet, sondern auch den Emotionen und dem Schauplatz, was der Geschichte Tiefe verleiht.

Veröffentlicht am 02.09.2024

Zuckersüß

Seoulmates - Believe in Us
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Nachdem mir Band 1 schon so gut gefallen hat, musste ich auch der Fortsetzung von Seoulmates eine Chance geben und diese schrie nur K-Drama-Vibes. Allein die Idee könnte einer koreanischen Serie entsprungen ...

Nachdem mir Band 1 schon so gut gefallen hat, musste ich auch der Fortsetzung von Seoulmates eine Chance geben und diese schrie nur K-Drama-Vibes. Allein die Idee könnte einer koreanischen Serie entsprungen sein. Jessicas und Elijahs Geschichte ist einfach Zucker gewesen. Die Annäherung der beiden ist super süß und besteht aus vielen Momenten, die einen zum Lächeln bringen. Obwohl sie aus verschiedenen Welten kommen, sind sie auf der gleichen Wellenlänge und sehen im anderen Dinge, die beide zum wachsen bringen. Während sie sich besser kennenlernen, finden sie auch mehr zu sich selbst und das war sehr schön zu verfolgen.
Besonders interessant gefunden habe ich, dass das Buch in einem Unternehmen spielt und beide durch ein Praktikum begleitet. Auch wenn das etwas romantisiert dargestellt wurde, war es interessant, weil es mal etwas anderes als eine Schul- oder Collegegeschichte ist. Die anderen Praktikanten bringen auch frischen Wind in die Geschichte.
Die Geschichte beginnt zwar ruhig, aber enthält auch viel Drama, sodass es nicht langweilig wird. Es hätte mehrere Möglichkeiten für ein Ende gegeben und ich mochte das von der Autorin ausgewählte, weil es neben all dem Märchenhaften die Handlung bodenständig abschloss.
Insgesamt ist somit auch der zweite Band von Seoulmates ein süßes Buch für Zwischendurch, wenn man etwas Leichtes braucht und keine Probleme mit Kitsch hat. K-Drama-Fans werden sicher ihren Spaß haben.

Fazit: Eine supersüße Liebesgeschichte - perfekt für K-Drama-Fans.

Veröffentlicht am 31.08.2024

Gefühlschaos

Call it what you want - Für mich ist es Liebe
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Call it what you want ist ein etwas untypischerer Romance-Roman. Statt von der großen Liebe, erzählt er von den Tiefen einer langanhaltenden Situationship. Das ist jedoch nicht das einzige, das das Buch ...

Call it what you want ist ein etwas untypischerer Romance-Roman. Statt von der großen Liebe, erzählt er von den Tiefen einer langanhaltenden Situationship. Das ist jedoch nicht das einzige, das das Buch besonders macht: Es gibt auch Kapitel aus der Sicht von Ethan, der sich nicht binden kann.
Das Buch ist wortwörtlich eine Achterbahnfahrt. Nicht nur aufgrund der Handlung, sondern auch dem, was ich beim Lesen gefühlt habe. Man begleitet Sloane und Ethan durch süße Momente voller Romantik und denkt sich, es könnte so einfach sein und möchte mit beiden mitfiebern. Ethan macht da jedoch nicht ganz mit. Sloane liebt ihn dennoch, hofft und wartet, weil ihr Herz nun mal fühlt, was es fühlt - und das macht ihre Geschichte realistisch. Weder sie noch Ethan sind perfekt, sondern einfach nur Menschen. Ich habe die Kapitel aus Ethans Sicht spannend gefunden, weil sie sein Dilemma gut schildern und zeigen, warum er eine so große Bindungsangst hat.
Anfangs habe ich das Buch super spannend gefunden, weil ich wirklich nicht einschätzen konnte, was als nächstes passiert. Ändern sich die Charaktere? Wird die Beziehung doch noch gefestigt oder verlässt Sloane Ethan einfach? Alles Fragen, die mich zu Beginn an die Seiten gefesselt haben. Die Autorin folgt der Geschichte auf jeden Fall einem roten Faden, aber es hat sich für mich trotz der anfänglichen Spannung in der zweiten Hälfte etwas gezogen. Mir wurde Ethan unsympathischer und das Hin und Her etwas zu viel. Sloane konnte ich mit der Zeit weniger verstehen, aber sie zeigt nun mal, dass das Herz manchmal einfach das will, was es will, auch wenn die Vernunft versucht, es umzustimmen - und genau dieses Chaos, das ich beim Lesen irgendwann gefühlt habe, spiegelt die Verzwicktheit der Situation beider wieder und lässt sie echt wirken.
Diese inneren Konflikte beider Hauptpersonen werden gut beleuchtet und ich mochte die Message, die die Autorin mit Call it what you want mitgibt. Auch wenn die zweite Hälfte des Buch mich nicht mehr so gepackt hat wie der erste Teil und das Buch an sich oberflächlicher bleibt. Die Message der Autorin und das Gefühls-Durcheinander von Situationships wird auf jeden Fall deutlich und bestimmt gibt es einige Frauen, die sich in Sloane wiederfinden können und eigene Entscheidungen überdenken.

Fazit: Eine etwas andere Liebesgeschichte mit einer wichtigen Message und viel Gefühlschaos.

Veröffentlicht am 18.08.2024

Geduld als Lösung

Die Tochter
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Die Tochter ist ein Buch, das Generationenkonflikte in Südkorea sehr gut beleuchtet. Es wird nur aus der Sicht der Mutter erzählt und dieser wird viel Feingefühl entgegengebracht. Deutlich wird, dass sie ...

Die Tochter ist ein Buch, das Generationenkonflikte in Südkorea sehr gut beleuchtet. Es wird nur aus der Sicht der Mutter erzählt und dieser wird viel Feingefühl entgegengebracht. Deutlich wird, dass sie ein guter Mensch ist, aber das Beziehungsmodell ihrer Tochter an sich nicht versteht, weil es dem widerspricht, was ihr als junge Frau für ein gutes Leben beigebracht wurde. Dadurch fühlt man mit der Mutter mit, statt wütend auf sie zu sein.
Ihre Tochter und ihre Freundin haben hingegen mit vielen Anfeindungen zu kämpfen. Unter anderem verliert sie nur wegen ihrer Beziehung ihre Uni-Stelle, was zeigt, wie konservativ Südkorea teils noch ist. Die Kämpfe beider Frauen für mehr Akzeptanz werden facettenreich beschrieben.
Die Mutter durchläuft eine spannende Entwicklung. So ganz verschwinden ihre Sorgen nicht, aber sie beginnt immer mehr zu akzeptieren, dass es unterschiedliche Lebensstile gibt, die Glück bedeuten können. Deutlich wird vor allem die Liebe, die sie für ihre Tochter empfindet und über allem steht.
Ich habe die Freundin ihrer Tochter vom Charakter sehr interessant gefunden, weil sie eine Ruhe in sich trägt und viel Geduld mitbringt. Letztendlich wird sie unbewusst zu einem Bindeglied zwischen Mutter und Tochter. Zudem bringt sie viel Dynamik in die Geschichte.
Auch die Einblicke in den Pflegeberuf in Südkoreas Leistungsgesellschaft nehmen einen mit und schockieren.

Dieses Buch regt zum Nachdenken an, erzählt ruhig vom Alltag, ist aber dennoch laut und macht sehr deutlich, dass es oft kein Schwarz und Weiß gibt. Es zeigt, wie wenig Sinn es häufig macht, Menschen direkt abzustempeln, weder die Mutter noch Tochter, sondern oft Geduld der richtige Weg zu mehr Verständnis und einen Wertewandel ist.

Fazit: Ein eindringliches Buch, das Generationenkonflikte mit viel Feingefühl beleuchtet und Hoffnung macht.

Veröffentlicht am 06.07.2024

Unfassbar gut geschrieben

Brown Girls
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Brown Girls ist ein unglaublich starkes Debüt, das ich sehr empfehlen kann. Zuerst einmal muss ich ein Lob für den Schreibstil der Autorin aussprechen. Dieses Buch liest sich wie ein Song und ist leicht ...

Brown Girls ist ein unglaublich starkes Debüt, das ich sehr empfehlen kann. Zuerst einmal muss ich ein Lob für den Schreibstil der Autorin aussprechen. Dieses Buch liest sich wie ein Song und ist leicht poetisch geschrieben. Dadurch fliegt man nur durch die Seiten. Es ist anders als ich erwartet habe, denn es ist keine typische Coming-of-Age-Geschichte einer Hauptfigur mit Höhen, Tiefen und Drama. Nein, dieses Buch enthält die Erzählung vieler Frauen, denn so unterschiedlich die Familiengeschichten von Kindern mit Migrationshintergründen sind, so unterschiedlich sind auch deren Charaktere und Werdegänge - und doch gibt es viele Gemeinsamkeiten: Brown Girls müssen oft stärker kämpfen - für ihre Abschlüsse, Aufstiegsträume und Beziehungen. Sie sind Vorurteilen ausgesetzt und stehen zwischen den Erwartungen ihrer Familien und eigenen Wünschen und wenn man es irgendwann geschafft hat, weiß man nicht mehr, wohin man gehört.
Daphne Palasi Andreades analysiert das Leben solcher Mädchen von Kindheit an bis ins Erwachsenenalter. In Kapiteln zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen trifft sie Punkte ohne belehrend zu werden und lässt einen als Leserin nur nicken. Man fühlt sich hier so verstanden - auch als Mädchen, das in Deutschland statt New York aufwächst, denn die Hürden und Sorgen sind fast überall dieselben. Es sind Fragen, die viele umgeben: Wie unterscheiden sich Beziehungen zu weißen Männern von denen mit denselben / ähnlichen Wurzeln und welchen Weg wählt man? Wie steigt man ohne ein finanziell sicheres Elternhaus oder anderen Unterstützungsmöglichkeiten auf? Wie meistert man den Spagat zwischen Angepasst-Wirken und Seine-Wurzeln-Nicht-Verlieren? Wie verliert man sich nicht in der Wut vor Ungerechtigkeiten? All diesen Themen begegnet die Autorin mit viel Feingefühl.
Dieses Buch verfolgt keinen Spannungsbogen, aber fesselt trotzdem - allein durch die starken Worte. Das Buch ist mehr ein Gefühl. So sehr löst es in einem etwas aus und rüttelt auf.
Wenn eine Autorin es schafft, ohne einzelne Hauptfiguren, strengen Plot und Überraschungsmomente zu überzeugen, ist sie ein besonderes Talent. Ich bin gespannt auf ihre weiteren Werke und kann Brown Girls jedem ans Herz legen - nicht nur wegen den Themen, sondern auch dem besonderen Schreibstil und Lesefluss.

Fazit: Unfassbar gut geschrieben und aufrüttelnd. Eins der besten Bücher, das ich in letzter Zeit gelesen habe.