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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.05.2026

Dieses Buch geht tief!

Lautlos fallen wir
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Das Leben kann unvorhersehbare Wendungen nehmen. Schmerzhaft. Niederschmetternd. Entmutigend. Verletzend. Und jede Seele reagiert anders darauf. Die Bandbreite wie psychische Belastungen sich zeigen ist ...

Das Leben kann unvorhersehbare Wendungen nehmen. Schmerzhaft. Niederschmetternd. Entmutigend. Verletzend. Und jede Seele reagiert anders darauf. Die Bandbreite wie psychische Belastungen sich zeigen ist groß und oftmals für die Betroffenen selbst oder deren Liebsten lange Zeit nicht sichtbar. Schambehaftet.

So auch bei Elira. Gegen außen wirkt sie stark, selbstbewusst, taff, eine junge Frau, die ihr Leben im Griff hat. So scheint es. Innerlich aber ist Elira zerbrochen, mehrfach schon. Irreparabel wie es scheint. Die imaginäre Mauer als Selbstschutz ist gigantisch, Gefühle dringen weder rein noch raus. Hinter der Mauer herrscht Kontrolle und Zwang. Essstörung. Nur bei Noel gelingt es ihr kaum, die Mauer aufrecht zu halten, ihm öffnet sie die Tür zaghaft. Er ist da, ohne Druck, ohne Erwartungen, ohne Verurteilung, voller Geduld und mit einem grossen Herzen.
Ist er der Mensch, dem sie vertrauen kann, mit dem sie vielleicht sogar heilen kann, denn der einzige Mensch – ihre Zwillingsschwester, der dies konnte, bevor Elira zerbrochen ist, ist weg…

Wie oft im Leben wird einem erst bewusst, was verloren gegangen ist, wenn es nicht mehr da ist. So ging es mir auch, als meine mentale Gesundheit nicht mehr da war und seitdem sind mir Themen rund um psychische Gesundheit enorm wichtig.
Dass Mental Health immer mehr zum Thema in Büchern, in berührenden Geschichten wird, finde ich großartig und so wichtig. Ganz vorne dabei ist dieses Buch. Es geht tief, ist herzzerreißend und zeigt den Abgrund einer menschlichen Seele, die sich in einer Essstörung offenbart. Die Geschichte ist wunderschön und voller Empathie geschrieben. Sie geht tief, tut weh, ist traurig und ist doch so bezaubernd und hoffnungsvoll. Ich empfehle vor dem Lesen die Triggerwarnungen zu beachten. In einer Welt voller Druck und Erwartungen braucht es solche Bücher, die zwar weh tun, die aber vor allem eines vermitteln - du bist gut so wie du bist, auch oder gerade wenn du innerlich im freien Fall bist. Große Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 19.05.2026

realitätsnah und gesellschaftskritisch

Weggewischt
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Einhundertachtundzwanzig Matching Punkte auf der Dating App. Das muss er sein, der Traummann, die große Liebe. Davon ging Sophie aus und tatsächlich scheint Thiento zu passen, vom ersten Date an fühlt ...

Einhundertachtundzwanzig Matching Punkte auf der Dating App. Das muss er sein, der Traummann, die große Liebe. Davon ging Sophie aus und tatsächlich scheint Thiento zu passen, vom ersten Date an fühlt sie sich bei ihm geborgen und sicher, er kocht für sie, übernachtet bei ihr und hinterlässt jeden Morgen am Kühlschrank eine Nachricht. So muss es sich anfühlen, die große Liebe, der Mensch, der für immer in ihrem Leben bleiben soll, eine Wohltat nach der großen Enttäuschung.

Im Gegensatz zu Sophie sucht Loelia nichts Festes, nichts Bindendes. Sie datet auf Tinder, immer offen für ein neues Abenteuer mit immer anderen Männern. Eine Nacht und dann aus den Augen aus dem Sinn. Dass diese Oberflächlichkeit nichts für länger sein kann, merkt Loelia mehr und mehr, denn wie Sophie wünscht sie sich schlussendlich nichts anderes als einen Partner der sie sieht und liebt, genau so wie sie ist.

Eine Geschichte rund um Dating Apps war für mich eine Premiere und hat mich positiv überrascht. Die Autorin hat die vielen Facetten des oft oberflächlichen Datings auf Apps sehr schön von allen Seiten beleuchtet. Den Algorithmus, das Hoffen auf Erfolg anhand von Matching Punkten und die Einfachheit sich wieder aus dem Staub, ohne sich zu erklären und im Gegenüber nichts als einen Haufen Fragen, Enttäuschung und nicht selten Selbstzweifel dazulassen. Der Roman wird aus Sicht der drei Protagonist:innen Sophie, Thiento und Loelia erzählt, dadurch wird nachvollziehbarer, warum gewissen Entscheidungen getroffen werden, was der Geschichte Echtheit verleiht. Der Plottwist am Ende der Geschichte hat mich sehr überrascht und schmunzeln lassen. Ein sehr ehrliches, realitätsnahes, auch ein gesellschaftskritisches Buch verpackt in einer einnehmenden Geschichte die mir als Dating App Unerfahrene sehr gut gefallen hat.

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Veröffentlicht am 17.05.2026

berührender Roman

Im Jahr der Waldblüte
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Ist es nicht eine wunderschöne Vorstellung, seine Erinnerungsstücke oder auch reine Erinnerungen in einer mit Liebe bemalten Spanschachtel zu bewahren – einer Lebensspanschachtel? Schöne, glückliche und ...

Ist es nicht eine wunderschöne Vorstellung, seine Erinnerungsstücke oder auch reine Erinnerungen in einer mit Liebe bemalten Spanschachtel zu bewahren – einer Lebensspanschachtel? Schöne, glückliche und leichte Momente, aber auch traurige und schwere und Zeiten?

Davon haben die beiden Freundinnen Babette und Burgi gegen Ende ihres Lebens eine Menge, die von zwei völlig verschiedenen Leben zeugen. Während Babette ihr ganzes Leben in Berchtesgaden verbrachte, sich ihr Leben dort unbewusst im Rhythmus der Waldblüte immer wieder änderte zog es Burgi nach München in ein freies und selbstbestimmtes Leben, fern ab von den Zwängen und konservativen Vorstellungen ihrer Eltern und der Gesellschaft. Babette hingegen war viel zu lange die liebe und angepasste Frau, heiratete Georg vor allem wegen der Erwartungshaltung ihrer Mutter, liebte jedoch zeitlebens Ludwig, zwar arm, aber reich im Herzen. So unterschiedlich Babettes und Burgis Leben auch gewesen waren, haben beide ein Geheimnis, welches sie bis in die Gegenwart und darüber hinaus mit sich tragen.

Nachkriegsjahre, Berg- und Stadtleben und die an diesen gegensätzlichen Orten unterschiedlichen Erwartungshaltungen und Einstellungen machen dieses Buch zu einem richtigen Pageturner. Oftmals stockte mir der Atem, wie Babette von ihrem Ehemann und dessen Eltern behandelt wurde, wie sie ab ihrer Heirat zwar gegen außen die Ehefrau vom Sohn des Salzbergwerkdirektors war, hinter geschlossenen Türen aber wie eine Magd, herabwürdigend und erniedrigend, behandelt wurde. Die Geschichte gibt eindrückliche Einblicke in die damals prägnanten Unterschiede zwischen Stadt- und Landleben. Richtig gut gefallen hat mir auch die Einbindung der Natur und ihren Rhythmus in der Geschichte sowie die liebevolle Verbindung von Babette und ihrer Großmutter. Ein sehr schöner Roman über die Liebe zur Natur, Selbstbestimmung, Freiheit, Freundschaft und Liebe sowie den Mut, sich aus imaginären Ketten zu lösen um sich ein Leben einzurichten das sich stimmig anfühlt – für sich selber und nicht für andere.

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Veröffentlicht am 13.05.2026

Großartige Familien- und Herkunftsgeschichte

Real Americans
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Dieses Buch dreht sich um zwei Themen die, glaube ich, jeder Mensch je nach Lebensweg unterschiedlich beurteilt.

Identität und (DNA) Forschung

Was ist Identität? Die Staatsbürgerschaft, die Sprache, ...

Dieses Buch dreht sich um zwei Themen die, glaube ich, jeder Mensch je nach Lebensweg unterschiedlich beurteilt.

Identität und (DNA) Forschung

Was ist Identität? Die Staatsbürgerschaft, die Sprache, das Aussehen, die Familie, Gefühle? Und wie weit darf/ soll die DNA Forschung gehen und umgesetzt werden, damit sie ethnisch und moralisch noch vertretbar ist und hat diese Forschung das Recht, DNA Manipulationen an Menschen vorzunehmen die noch zu klein oder sogar ungeboren sind und nicht selber Entscheidungen treffen können?
Denn genau das ist in der Geschichte passiert. Nicks Mutter Lily ist chinesisch, ihre Eltern flohen unter dem Mao Regime aus China in die USA. Nick aber hat äusserlich keine chinesischen Erkennungsmerkmale. Er ist blond, gross, blauäugig, amerikanisch durch und durch. Lily hat ihn alleine grossgezogen, ohne Kontakt zu Verwandten und ziemlich abgeschottet auf einer Insel im Westen der USA. Als Teenager will Nick wissen, wer sein Vater ist und kommt dank eines Gentests der Wahrheit seiner Herkunft – der amerikanischen wie auch der asiatischen – immer näher. Eine Wahrheit, die seine Mutter Lily ihm selber nicht sagen konnte, da sie, als Nick geboren wurde eine nicht wiedergutzumachende Entscheidung entdeckt hat, die ohne Ihr Wissen durchgeführt wurde.
Ich muss sagen, dass ich vor diesem Buch Respekt hatte, da ich nicht genau wusste, was mich erwarten wird. Das Buch ist jedoch so packend geschrieben, dass ich nach wenigen Seiten schon mitten in der Geschichte steckte. Das Buch ist in drei Teile eingeteilt. Drei Generationen erzählen ihre Geschichte, Lily im ersten, Nick im zweiten und May, Lilys Mutter, im dritten. Mathew, Nicks Vater ist ebenfalls ein bedeutender Protagonist in der ganzen Geschichte. Jeder Teil endet ziemlich abrupt und erst im letzten Teil des Buches werden Fragen beantwortet. Das Buch bietet viel Gesprächsstoff über Herkunft, Zugehörigkeit, Ethnik und Moral und die Frage, gibt es die «real Americans» überhaupt? Eine grossartige Familien- und Herkunftsgeschichte.

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Veröffentlicht am 04.05.2026

Traumatisiert in der Ferne

Moosland
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Zuerst, muss ich gestehen, war ich von der Erzählform in der dritten Person und die vielen «sie» anstatt den Namen etwas verwirrt. Sie schafft eine gewisse Distanz zu der Protagonistin. Je mehr ich aber ...

Zuerst, muss ich gestehen, war ich von der Erzählform in der dritten Person und die vielen «sie» anstatt den Namen etwas verwirrt. Sie schafft eine gewisse Distanz zu der Protagonistin. Je mehr ich aber in die Geschichte eingetaucht bin, je mehr gewann diese Erzählform an Kraft.

Denn Elsa hat aufgehört zu sprechen. Zu viel hat sie gesehen im Krieg, zu traumatisiert ist sie und zu viele von ihren Lieben sind nicht mehr. Auch in Island schweigt sie. Inmitten dieser rauen Natur wo im Sommer die Tage nie enden und im Winter eine immerwährende Nacht herrscht findet Elsa aber mit der Zeit eine guttuende Routine. Allmählich findet sie sich im einfachen Leben ihrer Bauernfamilie zurecht und entdeckt, dass auch diese Familie einen Verlust verarbeiten musste.
Die gesprochenen Worte aber bleiben selten und doch findet Elsa nach und nach die Sprache wieder – nicht nur in Deutsch.

In dieser Geschichte beleuchtet die Autorin die Esja-Frauen. Deutsche Frauen die nach dem zweiten Weltkrieg einem Aufruf gefolgt sind und ein Jahr in Island als Landarbeiterinnen verbracht haben. Viele haben sich dort verheiratet und sind geblieben.

Das Buch ist sehr ruhig, wunderschön atmosphärisch, einfühlsam und sehr bildnerisch geschrieben. Obwohl oder gerade weil im Buch wenig gesprochen wird, geht das Buch, gehen die Gedanken und Gefühle von Elsa und auch der Bauernfamilie tief. Die Isländische Sprache wird wohldosiert in die Geschichte eingebunden, was ich sehr mochte. Die Protagonistin, Elsa, hat mein volles Mitgefühl geweckt, ich konnte ihren Schmerz tief in ihrer Seele spüren und litt mit dieser jungen Frau mit. Ich mag mir gar nicht ausdenken, wie sich all diese Frauen gefühlt haben müssen damals. Wer in eine tiefgehende und wundervoll empathische Geschichte über diesen Teil der Deutschen Geschichte eintauchen will, dem kann ich dieses Buch von Herzen empfehlen.

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