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Veröffentlicht am 23.04.2025

Krimi-Frust in Neapel

Commissario Gaetano und der lügende Fisch
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Neapel und Mord, das allein könnte schon eine vielversprechende Mischung für einen spannenden und kurzweiligen Krimi sein. So ganz geht leider die Gleichung aber in "Commissario Gaetano und der lügende ...

Neapel und Mord, das allein könnte schon eine vielversprechende Mischung für einen spannenden und kurzweiligen Krimi sein. So ganz geht leider die Gleichung aber in "Commissario Gaetano und der lügende Fisch" nicht auf.

Neapel ist im Ausnahmezustand, denn die Stadt feiert seinen Stadtheiligen San Gennaro. Doch für Commissario Gaetano und seinen Kollegen wird die Feierlaune durch die kopflose Leiche des Iannus Caputanos gestört, der noch am Tag zuvor, dem Commissario von seiner Angst über einen Einbrecher geschildert hat und um Hilfe gebeten hatte.
Gaetano beginnt mehr oder weniger zu ermitteln und kommt dabei nach und nach dem ein oder anderen widerlichen Geheimnis von Iannus Caputano auf die Spur. Motive und mögliche Täter gibt es einige, doch was steckt wirklich hinter dem Mord?

Zu Beginn schaffte der Autor es noch, mein Interesse an der Handlung und den handelnden Personen, allen voran dem Commissario, zu wecken. Doch was es mit unnötigen sexistischen Kommentaren des Commissario begann, nahm langsam mein Interesse an ihm ab. Hinzu kommt, dass sich mir seine Ermittlungsmethoden nicht wirklich erschlossen und wo seine Kompetenzen liegen, im sozialen und beruflichen Kontext gleichermaßen.
Auch die anderen Charaktere sind eher Karikaturen als glaubwürdig gezeichnete Figuren, obwohl Potenzial für eine vielschichtige Personenzeichnung jeweils vorhanden ist.

Ebenso konnte mich die Handlung nicht so wirklich fesseln. Zwar flüssig und bildhaft erzählt, stehen Nebensächlichkeiten, Stereotype und Geschwurbel im Vordergrund und nicht der Mordfall an sich.

Kurz: Ein Klappentext, der mehr verspricht, als er hält.

"Commissario Gaetano und der lügende Fisch" ist so alles in allem ein anschaulich erzählter Kriminalroman mit guten Handlungsansätzen, die aber teils in ihrer Ausführung scheitern, sodass der Auftakt einer neuen Krimi-Reihe bei mir insgesamt einen gemischten Eindruck hinterlässt.
Ein unsympathischer Commissario, eine etwas verdreht erzählte Handlung und Sexismus von vorne bis hinten, sorgen eher für Krimi-Frust als Krimi-Lust.

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Veröffentlicht am 23.04.2025

Fesselnde Suche nach einer Vermissten

Die Nacht (Art Mayer-Serie 3)
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Auch "Die Nacht", der dritte Band der von Anfang bis Ende fesselnd geschriebenen Reihe rund um die beiden BKA-Ermittler Art Mayer und Nele Tschaikowski, kann, wie schon seine Vorgänger, begeistern!
Marc ...

Auch "Die Nacht", der dritte Band der von Anfang bis Ende fesselnd geschriebenen Reihe rund um die beiden BKA-Ermittler Art Mayer und Nele Tschaikowski, kann, wie schon seine Vorgänger, begeistern!
Marc Raabe weiß einfach, wie man spannende Thriller schreibt, die mit überraschenden Wendungen und einer glaubwürdig konstruierten Handlung überzeugen können.

Anders als in den beiden Bänden davor, stehen diesmal Westphal und Juli weniger im Vordergrund, dafür aber die Suche Arts nach Dana, die Mutter von Milla. Ein anonymer Hinweis führt ihn und Nele zu einem Campingplatz, wo sie anstatt Dana die Leiche eines Richters finden. Zunächst wird Art vom Fall abgezogen, doch nachdem die Frau des Richters nur mit ihm reden will, betreibt er gemeinsam mit Nele weitere Nachforschungen. Beide tauchen tief in die Vergangenheit des Richters ein, die eng mit der Danas verbunden ist. Liegt hier der Schlüssel, um das Verschwinden von Dana zu erklären?

Wie auch schon von den ersten beiden Bänden gewohnt, wird die Handlung aus unterschiedlichen Charakterperspektiven und mittels Rückblenden in die Vergangenheit, hier von Dana, erzählt. So kommt schnell Spannung auf, die auch bis zum Ende konstant hochgehalten wird. Zu keiner Zeit kommt Langeweile auf!

Dazu trägt auch der bildhafte und rasante Schreibstil bei. Raabe hält sich nicht groß mit Nebensächlichkeiten auf, ohne dass dabei eine vielschichtige Charakterzeichnung zu kurz kommt. Ob bekannte Gesichter oder neue Figuren, von allen wichtigen Akteuren entsteht ein umfassendes Bild, sie werden in ihren Gedanken und Gefühlen greifbar.

Zudem schafft der Autor es, die Balance zwischen privaten Problemen von Nele und Art und der Ermittlung im Fall zu halten.

Kurz: Ein spannend erzählter Thriller, der zu keiner Zeit an Schwung verliert und der dank neuer Entwicklungen Neugier auf den nächsten Band macht. Denn manche Fragen sind noch ungelöst...

Die Reihe rund um Art Mayer und Nele Tschaikowski ist nicht nur für Fans von Marc Raabe ein Muss, denn Thrillerfans allgemein kommen hier definitiv auf ihre Kosten!

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Veröffentlicht am 23.04.2025

Wenig Schwung in der Kurve

Die Kurve
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Carl, ist nicht der Mann für gewisse Stunden, sondern für verschiedene Dienstleistungen krimineller Art. Immer, wenn seine Dienste mal wieder gebraucht werden, sei es von der italienischen Mafia oder einem ...

Carl, ist nicht der Mann für gewisse Stunden, sondern für verschiedene Dienstleistungen krimineller Art. Immer, wenn seine Dienste mal wieder gebraucht werden, sei es von der italienischen Mafia oder einem amerikanischen Großindustriellen, telefoniert er mit einem oder eine seiner abgebrühten Mitarbeiter, um sie zu beauftragen, sich um die Angelegenheit zu kümmern. Dass sie dabei nicht gerade zimperlich vorgehen, ist bei der Art von Calrls Gewerbe wenig überraschend.

Erzählt aus verschiedenen Perspektiven, taucht man in die kriminelle Unterwelt von Carl und seinen Mitarbeitern, wie z.B. Ridley, Betty oder Schneider, ein und lernt so die Figuren und vor allem ihre Abgründe näher kennen.
Bedingt durch den eher dialogorientierten Aufbau der Kapitel und den knappen Schreibstil, findet dabei jedoch keine tiefergehende Introspektion statt. Die Charakterzeichnung verbleibt so eher oberflächlich und besonders Carl behält so eine mysteriöse Aura, was wiederum für seine Art von Geschäft von Vorteil ist.

Die Geschichte wird drehbuchartig und sprunghaft erzählt. Es gibt einen regen Wechsel zwischen den Charakteren, sowie Rückblicke in vergangene Lebensereignisse derer.

Für mich plätscherte das alles so hin, richtig Spannung kam für mich zu keinem Zeitpunkt auf.
Der sich auf das Wesentliche fokussierte Schreibstil sorgt zwar für schnelles Lesen, ein vielschichtiges Bild von Carls Universum entsteht dabei nicht. Das Spannung verheißende Potenzial der kriminellen Unterwelt wird so leider nicht wirklich genutzt.

Insgesamt hinterlässt "Die Kurve" einen gemischten Eindruck.
Ein vielversprechender Mix aus Thrillerelementen und interessanten Charakteren verbindet sich enttäuschenderweise nicht zu einem fesselnden Thriller. Da wäre mehr drin gewesen, auch was das KI-generierte Cover angeht.

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Veröffentlicht am 23.04.2025

Thomas Manns Zeit im Exil wird nicht greifbar

Heimweh im Paradies
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Vorneweg Interesse an Thomas Mann und am besten schon Kenntnisse in Bezug auf sein Werk und sein Leben sollte man für "Heimweh im Paradies" auf jeden Fall mitbringen, ansonsten könnte es schwierig werden, ...

Vorneweg Interesse an Thomas Mann und am besten schon Kenntnisse in Bezug auf sein Werk und sein Leben sollte man für "Heimweh im Paradies" auf jeden Fall mitbringen, ansonsten könnte es schwierig werden, bei der Stange zu bleiben.

Es ist Thomas Mann Jahr und "Heimweh im Paradies" ist ein weiterer literarischer Beitrag dazu.
"Der Zauberberg", "Die Buddenbrooks" oder "Doktor Faustus", um nur ein paar zu nennen, sind bekannte Werke Manns. Aber nicht nur literarisch ist Mann interessant, auch als Person fasziniert er. Thomas Mann lebte zur Zeit Hitlers und als dieser an die Macht gelangte, begab er sich ins Exil nach Kalifornien und schrieb dort gegen die Herrschaft der Nationalsozialisten an und machte sich Gedanken, wie ein Deutschland nach Hitler aussehen könnte. Ebenso hielt er Reden und war dort im Kontakt und im Austausch mit anderen Exilanten, wie z. B. Theodor W. Adorno, Bertolt Brecht oder Lion Feuchtwanger. Dabei schlägt ihm Neid, aber auch Bewunderung entgegen.
Einblicke in die Zeit seines Exils von 1938 bis 1952 versucht Martin Mittelmaier in seinem Roman "Heimweh im Paradies" zu geben.

Klingt vielversprechend, doch insgesamt hinterlässt der Roman bei mir gemischte Gefühle. Stellenweise konnte der Autor mich mit seiner Erzählung fesseln, häufig jedoch aber nicht wirklich.
Die Erzählung ist teils zu stark verdichtet, teils zu ausführlich in seiner Beschreibung, dann wieder zu oberflächlich und obendrauf die Verwendung von unterschiedlichen stilistischen Mitteln - all das führt dazu, dass Thomas Manns als Person und seine Zeit im Exil wenig greifbar bleibt.

Infolgedessen lässt sich der Roman schwer einordnen, mit mehr Hintergrundwissen zu Manns Wirken fällt es vielleicht leichter.

Leider wurde das vorhandene Potenzial nicht genutzt, etwas mehr Seiten hätten dem Roman sicherlich gutgetan, um eine vielschichtige, differenzierte und lesenswerte Erzählung über Thomas Manns Zeit im Exil zu schaffen.

Trotz oben genannter Schwächen sind jedoch auch interessante Passagen und Diskussionen enthalten, die die Gedanken, Ansichten und das Leben von Mann lebendig werden lassen.

Eher für Liebhaber von Thomas Mann zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 23.04.2025

Spannende Suche nach der Wahrheit

Der zweite Verdächtige
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Sagt mein Mandant die Wahrheit und er ist unschuldig, wie er behauptet, und ist nicht für den Tod von jungen Männern in Nachtclubs in Berlin verantwortlich?
Diese Frage stellt sich der Strafverteidiger ...

Sagt mein Mandant die Wahrheit und er ist unschuldig, wie er behauptet, und ist nicht für den Tod von jungen Männern in Nachtclubs in Berlin verantwortlich?
Diese Frage stellt sich der Strafverteidiger Rocco Eberhardt im 4. Band der Justiz-Krimi-Reihe um Eberhardt und Jarmer. Anfangs noch von der Unschuld seines Mandanten Jan Staiger überzeugt, kommen ihm mit der Zeit immer mehr Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit. Staiger behauptet, er kann sich an die fraglichen Tatnächte nicht erinnern, doch die Beweise sprechen gegen ihn. Rocco bemerkt jedoch bei seinen Nachforschungen, dass sich bei den Ermittlungen vonseiten der Polizei Ungereimtheiten auftun.

Erzählt anhand verschiedener Charakterperspektiven und dank kurzer Kapitel wird die Spannung konstant hochgehalten. Es macht Spaß, Rocco dabei zu folgen, wie er versucht, Licht ins Dunkle zu bringen und der Wahrheit auf der Spur zu kommen und dabei auf Machtmissbrauch und Vorurteile im polizeilichen und strafrechtlichen Umfeld trifft.

Wer schon die vorherigen Bände der Reihe gelesen hat, ist mit dem Aufbau und den wichtigsten Personen vertraut. Ohne sich in unwichtigen Nebenhandlungen und Beschreibungen zu verlieren, wird die Handlung vorangetrieben. Die Charaktere sind überzeugend und realistisch gezeichnet.
Bevor es zur Gerichtsverhandlung kommt, verliert zwar die Geschichte etwas an Schwung, nimmt dann aber mit Beginn des Strafprozesses wieder an Fahrt auf, um dann in einem packenden Finale zu enden, das regelrecht nach einem weiteren Band schreit.

Kurz, die Reihe von Tsokos und Schwieker ist einfach ein glaubwürdig konstruierter und fachlich interessanter, fesselnd erzählter Mix aus Justiz- und Rechtsmedizinkrimi in einem. "Der 2. Verdächtige" enttäuscht in dieser Hinsicht kein bisschen.
Lesenswert für alle, die schon immer hinter die Kulissen des Justizwesens, polizeilichen Ermittlungen und der Rechtsmedizin blicken wollten, die sich mit aktuellen Themen beschäftigen!
Nicht nur für Fans von Tsokos interessant!

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