Den Faden verloren
Die StraßeSeethaler porträtiert in seinem gleichnamigen Roman eine beliebige Straße in einer Stadt. Es gibt eine Bäckerei, ein Antiquariat, ein Lokal, eine Arztpraxis, eine Art Heilanstalt und verschiedene Wohnungen, ...
Seethaler porträtiert in seinem gleichnamigen Roman eine beliebige Straße in einer Stadt. Es gibt eine Bäckerei, ein Antiquariat, ein Lokal, eine Arztpraxis, eine Art Heilanstalt und verschiedene Wohnungen, die je für den verschiedenen sozialen Status ihrer Bewohner stehen. Wir verfolgen des vielgesichtige Schicksal der Anwohner dieser Straße über ein Jahr kaleidoskopartig und episodenhaft. Der Autor springt – häufig personal oder neutral in Form wörtlicher Rede erzählt – von Schicksal zu Schicksal, bisweilen montageartig aneinander gereiht, bisweilen nur als kurzes Intermezzo von Sätzen oder Ausrufen.
Das ganze wird von der expressiven Erzählstimme Lars Brandts eingelesen, der er es für mich aber auch nicht zu verhindern vermag, dass ich schon bald die Orientierung darüber, wer gerade was sagt, und damit den roten Faden verloren habe. Ich habe weitergehört, aber schon recht bald nicht gewusst, wo das Ganze hinführen soll. Manche Erzählstränge habe ich für längere Zeit aus den Augen verloren, manche tauchen wieder auf, aber für mich war es dann schwierig, an das vorher Gehörte anzuknüpfen. Ich habe – trotz großartiger Beschreibungen: die Sprache ist für mich das Überzeugendste an dem Buch – kein Gefühl und schon gar keine Bilder für die Figuren und für die Zeit, in der das ganze Straßenleben spielt, entwickeln können.
Vielleicht mag das besser gelingen, wenn man den Roman liest statt ihn zu hören. Vom Hörbuch würde ich eher abraten.