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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.11.2025

Ernstes Thema

Und mir bleibt der hässliche Hund
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Hinter dem lustigen Cover und Titel verbirgt sich eine sehr ernste, bedrückende Geschichte. Der 17jährige Ich-Erzähler hat bei einem Unfall seine gesamte Familie verloren. Der einzig Überlebende ist der ...


Hinter dem lustigen Cover und Titel verbirgt sich eine sehr ernste, bedrückende Geschichte. Der 17jährige Ich-Erzähler hat bei einem Unfall seine gesamte Familie verloren. Der einzig Überlebende ist der hässliche Hund seiner kleinen Schwester. Sein völlig aus den Fugen geratenes Leben macht ihm Angst. Mit Panik-Attacken sucht er eine Therapeutin auf, in deren Wartezimmer er Mo kennenlernt. Gemeinsam mit ihrer Zufallsbekanntschaft aus einem Drogeriemarkt, Marie, versuchen die beiden, sich ihren Ängsten zu stellen. Dabei werden sie immer mutiger oder eher übermütig. Denn eine Konfrontationstherapie ist nichts für Anfänger. Und so landen beide in einer Situation, die zu eskalieren droht.
Teils komisch, teils sehr ernst erzählt die Autorin die Geschichte eines Jungens, der an einer Krankheit leidet, Angst, die am häufigsten verbreitete seelische Erkrankung unter Kinder und Jugendlichen. Sie findet Worte für ein Gefühl, die vielleicht vielen Betroffenen fehlen. Sie macht Mut, sie zeigt Probleme auf, sie wirbt dafür, mit sich selbst großzügig, vergebend und liebevoll umzugehen, sie reißt auch Lösungswege an. Dafür hat seine einen sehr treffenden Charakter geschaffen, mit dem sich viele, nicht nur Jugendliche identifizieren können, die sich in diesem Buch mit ihren Sorgen und Ängsten sehr ernst genommen fühlen können. Die Problematik ist eingebettet in eine Sommer-Liebes-Freundschaftsgeschichte. Erzählt wird sehr unpathetisch, dafür umso empathischer. Zum Ende hin wird die Geschichte für mich etwas langatmig, bevor sie ein fulminantes, wenn auch schließlich etwas zu verkürztes Ende nimmt. Hier nehmen die Reflexionen einen zu breiten Raum ein, sie werden kreisend und sind sehr dramatisierend.
Aber abgesehen davon ist das Buch sicherlich eine sehr empfehlenswerte Lektüre, sei es für Betroffene, aber auch für Menschen, die eine gute Geschichte und hässliche kleine Hunde mögen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.11.2025

Mühselig

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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Angelika ist eine lebenslustige junge Frau und keine Kostverächterin. Gleichzeitig ist sie aber bemühtim Job als Buchhalterin, eine solide Beziehung zu führen und irgendwie mit ihrer Mutter, die unter ...

Angelika ist eine lebenslustige junge Frau und keine Kostverächterin. Gleichzeitig ist sie aber bemühtim Job als Buchhalterin, eine solide Beziehung zu führen und irgendwie mit ihrer Mutter, die unter einer beginnenden Demenz leidet und zu der das Verhältnis immer schon schwierig war, klar zu kommen. Da bekommt sie vom Hoteldirektor, für den sie arbeitet, aus seiner Not heraus den Auftrag, die Bilanzen des Hotels zu frisieren. Und als sie selbst in eine Notlage gerät, bietet sich an, dies auch für sich selbst zu tun.
Das Buch basiert auf einem wahren Fall von Betrug. Und die Entstehungsgeschichte, die leider viel zu knapp in den Roman einfließt, ist etwas, das ich mit am spannendsten an dem Roman finde.
Auch das typisch Wienerische fließt in die Erzählung bis in die Sprache hinein sehr anschaulich mit hinein.
Nur die Hauptfigur kann mich so gar nicht packen, im Gegensatz zur historischen Person. Ich kann mich wenig in sie hineindenken und fühlen, ihr Leben bleibt mir fremd. Die Erzählung spring von einem Ereignis zum anderen. Mal Angelikas Liebesbeziehungen, mal die Mutter-Tochter-Problematik, mal ihr Job. Ja, es liegt bisweilen ein komisch-witziger Unterton in dem Erzählten, das mir allerdings bisweilen zu skurril ist. Von daher gestaltete sich für mich das Lesen eher als zäh und widerständig. Ich hatte aufgrund der Beschreibung anderes (vielleicht auch mehr erwartet). Von dem Glamour des Grand Hotel bleibt wenig und das Turbulente wird für mich von der verqueren Existenz der Protagonistin zu sehr verschluckt. Leider nichts für mich.

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Veröffentlicht am 23.11.2025

Jane Austen meets Bridgerton

Mayfair Ladys - Drei Junggesellen für Lady Beatrice
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Im London der Lords and Ladys bricht eine neue Ballsaison an. Wieder mit Beatrice, allerdings wieder ohne Aussichten auf einen Heiratskandidaten, da ihr Aussehen durch einen schrecklichen Unfall entstellt ...

Im London der Lords and Ladys bricht eine neue Ballsaison an. Wieder mit Beatrice, allerdings wieder ohne Aussichten auf einen Heiratskandidaten, da ihr Aussehen durch einen schrecklichen Unfall entstellt ist. Da wird sie selbst zur Heiratsvermittlerin. Drei unverheiratete Brüder sollen unter die Haube gebracht werden. Ein nicht ganz leichtes Unterfangen, zumindest wenn man für einen von ihnen schwärmt. Wird Beatrice auch für ihn die richtige Frau finden?
Ein kurzweiliges Büchlein, das man auch am Ende stressiger Tage gern in die Hand nimmt. Die Story ist nicht unbedingt neu, aber deswegen auch nicht unbedingt schlecht. Die ein oder andere Verwicklung garantieren Spannung und Freude am Weiterlesen. Die Dialoge zwischen Beatrice und Francis sind durchaus witzig. Auch wenn bisweilen ein wenig Rührseligkeit hinzukommt und manch Wendung nicht unbedingt so ganz plausibel erscheint, so ist auf jeden Fall der historische Hintergrund gut recherchiert, und die Autorin vermag es, ein lebendiges Bild der englischen Gesellschaft à la Jane Austen zu zeichnen.
Auf jeden Fall gute Ablenkung von Alltag, Hektik und Stress.

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  • Charaktere
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  • Gefühl
Veröffentlicht am 09.11.2025

Das Ende steht noch aus, aber es sieht ganz gut aus

Ein gutes Ende
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Der Lebensweg der Hedwig Courths-Mahler ist in der Tat ein steiniger, und ein gutes Ende nicht immer in Aussicht. Sie ist die uneheliche Tochter einer Frau, die ihren Lebensunterhalt durch diverse Liebhaber ...

Der Lebensweg der Hedwig Courths-Mahler ist in der Tat ein steiniger, und ein gutes Ende nicht immer in Aussicht. Sie ist die uneheliche Tochter einer Frau, die ihren Lebensunterhalt durch diverse Liebhaber finanzieren lässt. Dabei ist häufig kein Platz und keine Zeit für Hedwig und ihre beiden Brüder. Früh ist sie auf sich gestellt und will auf keinen Fall den gleichen Weg einschlagen wie ihre Mutter. Sie sucht um Anstellung in Haushalten oder als Verkäuferin. Doch die Zeiten sind hart, und immer wieder muss sie fürchten, dass der Ruf ihrer Mutter ihre Anstellung gefährdet. Nebenbei – oft nachts - schreibt sie an Geschichten über das Glück der kleinen Leute. In ihnen verwirklicht sie ihre eigenen Träume nach einem besseren Leben. Daneben spielen die schönen Künste und auch die Künstler eine nicht unbedeutende Rolle in ihrem Leben. Sie liebt die Bühne und heiratet einen Kunstmaler, pflegt Kontakte in die Künstlerwelt und in die höheren Gesellschaftsschichten. Im alltäglichen Leben muss sie pragmatisch sein, Geld herbeischaffen und zusammenhalten, ihre Kinder versorgen, den Haushalt führen. In ihren Geschichten darf sie träumen, doch nutzt sie auch hier jede sich bietende Chance, ihrem Traum, eine Schriftstellerin zu werden, näher zu kommen. Kein Schicksalsschlag wie Krankheit, Verlust und Geldnot kann sie davon abhalten. Immer wieder fängt sie mit ihrer Familie neu an, geht dahin, wo sich ihre Aufstiegschancen bieten.
Clara Bachmann hat ein sehr lebendiges und gut lesbares Buch über das spannende, bewegte Leben der Hedwig Courths-Mahler geschrieben, das man gerne liest und deren Lebensweg man gerne verfolgt. Es gelingt ihr gut, sich den Leser in die Gedanken- und Gefühlswelt von Hedwig einfühlen zu lassen, und schildert auch ihre Lebensumstände sehr anschaulich und lebendig. Wir begegnen einer Vielzahl interessanter Figuren, die den Lebensweg der Protagonistin kreuzen.
Wovon ich mir mehr erwünscht hätte, wäre ein tieferer Einblick in die Lebenswelt der Schriftstellerin gewesen. Diese kommt ein wenig kurz. Häufig wird nur erwähnt, wie schwierig die Umstände und wie wenig die Zeit zum Schreiben sind, nur selten ist die Rede von den Inhalten ihrer Geschichten oder der Publikationswege und der Reaktion des Publikums. Und bevor es so richtig losgeht mit der Schriftstellerkarriere endet das Buch mit dem bevorstehenden Umzug der Familie nach Berlin. Hier ist mir nicht ganz klar, ob es eine Fortsetzung geben soll. Anders lässt sich eigentlich das abrupte Ende nicht verstehen. Zwar steht hier ein gutes Ende in Aussicht, aber der Lebensweg der Courths-Mahler ist hier noch nicht zu Ende.

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Veröffentlicht am 09.11.2025

KInder gewollt, ungewollt

Die Kinder von Bilbao
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Der Roman trägt wohl deutliche autobiografische Autorin: eine Tochter, die entdeckt, dass ihre Eltern nicht ihre leiblichen Eltern sind. Wer sind diese? Wer ist sie selbst? Wo kommt sie her?
Dabei sind ...

Der Roman trägt wohl deutliche autobiografische Autorin: eine Tochter, die entdeckt, dass ihre Eltern nicht ihre leiblichen Eltern sind. Wer sind diese? Wer ist sie selbst? Wo kommt sie her?
Dabei sind auch ihre Eltern einmal Kinder gewesen, die ihre Eltern weggegeben haben. Sie waren ungewollt, wollten aber selber Kinder, die sie nicht bekommen konnten. Tragischer Weise können sie – vielleicht auch aufgrund ihrer Erfahrungen in ihrer Kindheit – ihrer angenommenen Tochter keine wirklich guten Eltern sein. Man könnte von vererbten Leid oder Trauma sprechen, nur mit der Ironie des Schicksals ohne wirkliche Vererbung.
Mir ist das Buch fremd geblieben. Für mich wird sehr häufig die Darstellung von Ekeligem, Abstoßendem, Rohen zelebriert, ohne dass sich mir erschlösse, warum. So z. B. das Schlachten und Ausnehmen eines Tintenfisches gleich zu Beginn, während sich dabei ein Geburtsprozess in Gang setzt. Auch die Protagonistin bleibt mir fremd: Ich kann mir schon vorstellen, dass es eine Erschütterung ist, zu erfahren, dass man adoptiert wurde, besonders wenn man die Umstände der Adoption hier mitbedenkt. Ich kann mir auch vorstellen, dass es das eigenen Leben aus den Fugen reißt und das Verhältnis zu den Eltern infrage stellen kann. Allerdings ist das Leben der Protagonistin schon vorher aus den Fugen und ihr Verhältnis zu den Eltern sehr fragwürdig. Von daher kommt an Ende das Bekenntnis zu den Adoptiveltern als Eltern für mich sehr unvermittelt und wenig nachvollziehbar.
Das Thema von Adoption, insbesondere illegaler, und die Auswirkungen auf die Opfer finde ich sehr wichtig. Aber vor allem durch die Art der Darstellung ist mir kein Zugang zu dem Schicksal der Protagonistin gelungen, und ich habe das Buch nicht wirklich gern gelesen.

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